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Buch- und CD-Besprechungen
Kinder- und Jugendbücher

(eine Auswahl teilweise auch in anderen Medien publizierter Rezensionen)

 

2011

Elfriede Hammerl: Meine Schwester ist blöd
Ill.: Gerhard. Haderer
Ueberreuter
Der Autorin gelang es, die Thematik "Familienzuwachs" humorvoll und realistisch aufzugreifen. Aus der Perspektive der Tochter wird gezeigt, was sich dadurch zwischen ihr und ihrer Schwester verändert . Interessant auch, wer wie auf ihrem Wunsch, einen Hund zu haben, reagiert. Woduruch die Krise eine positive Wendung nimmt, sei hiernicht verraten. Lesen und verschenken Sie dieses Buch!

 

2010

Jürg Amann: Das Märchen von der Welt
Ill.: Käthi Bhend
nach Georg Büchner
Nord-Süd
Ein Waisenkind findet die Welt und alles tot und macht sich auf den Weg zum Mond und entdeckt, dass der Mond nur ein faules Stück Holz ist. Das Kind wandert weiter zur Sonne, die sich als verwelkte Sonnenblume herausstellt. Auch die Sterne enttäuschen und so reist es zurück zur Erde und weint. Und wenn es nicht gestorben ist, dann weint es noch immer.
Eine nihilistische schwarze Geschichte, deren wunderbar farbig phantasievollen Bildern m. M. keinen Trost spenden (wie der Verlag meint) sondern das Unverständnis nur vergrößert. Ein Experimentebuch in der Weise, als es interessant ist, wie jedes einzelne Kind darauf reagiert - was an sich bei jedem Buch ja Thema ist, hier jedoch die Kluft bzw. Übereinstimmung von Erwachsenen und kindlicher Rezeption besonders schwierig einzuschätzen ist.


2009

Bücher

Birgit Prader: Das himmelblaue T-Shirt
Ill.: Birgit Antoni
32 Seiten, ab 4 J
Annette Betz
Eine gute Idee, bereits Kinder mit den Prinzipien von Fairtrade bekannt zu machen.
Unausgegoren sind aber viele Aspekte wie "Ich bin eine kleine Baumwollpflanze…" die später von sich sagt: "Ich bin jetzt ein T-Shirt…"
Nicht korrekt, denn es müsste richtig heißen: "Ich bin jetzt ein Teil von einem T-Shirt", womit die integrative Komponente zum Ausdruck käme.
Da der Aspekt Gleichberechtigung von Frauen: Frauen werden immer für ihren Beitrag im Herstellungsprozess angemessen bezahlt und innerhalb ihrer jeweiligen Organisationen gestärkt. ebenso ein Anliegen von Fairtrade ist, enttäuscht das Buch durch starre weibliche und männliche Arbeitszuweisungen. Auch das Feld gehört einem Bauern. Die Illustratorin zeigt die Männer an den Maschinenhebeln und Frauen sitzen in den Spinnereien. Formulierungen wie ".. bekommen gutes Geld für uns alle." sind wenig gelungen. Und wenn im Geschäft Mutter und Tochter ein T-Shirt einkaufen, ist die falsche Zielgruppe angesprochen ! Es hätte Vater mit Sohn sein müssen.
Das Buch könnte, um auch für ältere Kinder nicht langweilig zu werden, Informationen über Wasserangaben (ev. im Vergleich zu anderen Pflanzen), Wachstumsdauer, Transportdauer etc. anführen.
Hoffen wir also auf zukünftig bessere Bücher in diesem Bereich!

Sibylle Gurtner May: Ina hört anders - Vom Hören mit Hörgeräten
Ill.: Suse Schweizer
28 Seiten, ab 5 J.
Atlantis (Orell Füssli Verlag) 2007
Ina ist ein selbstsicheres und humorvolles Mädchen. Sie erzählt von sich gleich zu Beginn: "Ich habe zwei Hörgeräte, ein rotes und ein blaues. Die trage ich fast immer, weil ich so besser hören kann."
Ganz selbstverständlich ist das Thema "Hören" in ihren Alltag, den sie beschreibt, (vom Aufstehen, wenn Mama ein Buch vorliest, wenn sie mit ihrer Freundin Moni spielt, von lauten Treffen, ihrer Oma und der Spielgruppe etc.) integriert.
Auch von der Audiologie und dem Hörtest erzählt sie. Wir lernen Ina kennen und wissen, was ihr gefällt und Spaß macht aber auch was sie ermüdet und nicht mag.
Sie endet mit der Frage: "Und du - hast du auch ein Hörgerät?"
Das Thema "Hörgerät" wird von der Autorin kindgerecht und ungezwungen vermittelt. Die Geschichte ist gut aufgebaut und auch sprachlich klar und leicht verständlich. Bedauerlicher Weise kommt im Text der Vater nur auf der letzten und vorletzen Seite je einmal vor (Papa wartet schon auf uns, er holt uns ab. - Meine Lockpfeifen habe ich gerne dabei, wenn ich und Papa wandern gehen.). Das bedeutet, dass der Vater keinen Bezug zum Hörgerät und alles, was mit dem Hören zusammenhängt nur von der Mutter koordiniert und betreut wird.
Die Illustrationen zeigen Ina und ihre Familie als Hunde. Das ermöglicht für die jungen LeserInnen gleichzeitig nötige Distanz aber auch Identifikation. Es gelingt der Illustratorin auch, einen Ausgleich zum Text zu schaffen und den Vater und andere männliche Wesen in den Alltag Inas positiv einzufügen.
Im 14-seitigen Begleitheft wird Hintergrundinformationen zur Lebenswelt hörbehinderter Kinder angeboten. Zusätzlich gibt es Spielimpulse für bewusste Hör-Erfahrungen von Hörenden.

Marianne Musgrove: Jules Traumzauberbaum
Ill.: Eva Schöffmann-Davidov
Aus dem austral. Englisch: Gabriele Haefs
136 Seiten, ab 8 J
Beltz&Gelberg
Jules Alltag ist kein leichter. Ihre jüngere Schwester stoppt ihre Klozeiten und nervt auch anderwertig. Ihr Mitschüler David sekkiert sie. Konkurrenz zwischen ihren Freundinnen bringt sie unter Druck. Immer wieder bricht unter all dem Stress ihr Hautausschlag hervor. Per Zufall entdeckt sie den Traumzauberbaum in ihrem neuen Zimmer und ihre Großmutter Nana erklärt ihr, was es mit diesem auf sich hat.
Am Ende hat Jule gelernt, dass nicht jedes Problem ihr Problem ist und sie eine fähige Person ist, die Krisen meistern kann.
Mit klaren Sätzen, Dialogen, nachvollziehbaren Handlungen und psychologisch wirksamen Ritualen gelingt es der Autorin in ihrem ersten Buch konzentriert und einfühlsam die positive Entwicklung Jules packend zu vermitteln. Eine bestärkende und lesenswerte Geschichte.


Korky Paul: Herzlichen Glückwunsch, Zilly
Ill.: Valerie Thomas
32 Seiten, ab 4 J
Beltz&Gelberg
Zilly beschließt ihren Geburtstag mit einer Gartenparty zu feiern. Und so erleben die LeserInnen mit, wie sie ihre Einladungen schreibt, ihr Partykleid näht. Zingaro, ihr Kater, erhält eine höchst elegante Fliege. Dann muss der Garten hergerichtet werden und es braucht noch Überraschungen. Die Gäste treffen ein. Zilly nimmt die passenden und unpassenden Geschenke entgegen. Sie haben Spaß, spielen Schatzsuche doch plötzlich sind alle Gäste verschwunden. Wohin nur? Doch dann entdeckt Zilly die Lösung und alle Gäste sind wieder da. Jetzt bläst Zilly die Kerzen auf der weltgrößten und buntesten Geburtstagstorte aus und alle bekommen ein Stück. Zilly ist glücklich und zufrieden. Aber auch Zingaro ist ein glücklicher schwarzer Kater.
Das bewährte Team Korky und Thomas hat LeserInnen jeden Alters wieder mit einem wunderbar vergnüglich ansprechenden Bilderbuch beschenkt.


Doris Dörrie: Lotte langweilt sich
Ill.: Julia Kaergel
32 Seiten, ab 3 J
Ravensburger 2009
Lottes Mutter zieht sich für eine Stunde in ihr Arbeitszimmer zurück und Lotte darf nicht fernsehen. Was soll sie tun? Ihr ist langweilig! Sie probiert dies und das, aber nichts hilft. Sie ist wütend. Doch dann, gänzlich unerwartet, nimmt der Drache am chinesischen Schrank Kontakt mit ihr auf und zu schnell kommt ihre Mutter wieder aus dem Zimmer. Gemeinsam trinken sie eine Tasse Kakao und unterhalten sich über chinesische Drachen.
Mit der bewährt ansprechenden Illustration von Kaergel ist diese einfache und alltägliche Geschichte ein anregendes und positiv stimmendes kindgerechtes Bilderbuch geworden, das die notwendigen Freiräume der Mutter respektieren hilft.


Patrick Ness: New World 1: Die Flucht
aus dem Engl.: Petra Koob-Pawis
544 Seiten, ab 12 J
Ravensburger Buchverlag
Das erste, was du herausfindest, wenn dein Hund sprechen lernt, ist, dass Hunde nicht viel zu sagen haben. Und das in jeder Beziehung.
"Muss kacken, Todd."
"Halt die Schnauze, Manchee."
"Kacken. Kacken, Todd."
"Ich habe gesagt, du sollst die Schnauze halten."
So beginnt das erste Jugendbuch des Autors, das als literarische Sensation bezeichnet wird und Jugendbuchpreisgewinner des Guardian 2008 war.
Der Plot: In Prentisstown kann jeder die Gedanken des anderen hören. Todd kommt hinter das Geheimnis dieser verdammten Stadt und ihm bleibt nur die Flucht. Viola steht im auf ihre Art und Weise zur Seite.
Wer Action mag wird hier auf seine Kosten kommen. Alle anderen werden sich unter Umständen langweilen.


Martin Klein: Rita das Raubschaf
Ill.: Ute Krause
84 Seiten, ab 8 J
Tulipan 2009
Das kleine Schaf Rita genügt ihr traditionelles Schafsleben nicht. Sie fragt sich und die anderen, wer der größte Pirat aller Zeiten war, was Freiheit ist u.a.m.. Allerdings stößt sie nur auf mähendes Echo und fühlt sich alleine. Schließlich realisiert sie mit Ruth, dem Raubmeerschwein, ihre Träume. Sie reist viel und wird berühmt.
Ein Manko, dass die beiden weiblichen Hauptpersonen im Film einen Kapitän und dessen Freund spielen. So verläuft der vordergründige emanzipatorische Ansatz sowohl sprachlich als auch inhaltlich im Sande.


2008


Christa Kempter: Herr Hase und Frau Bär
Ill.: Frauke Weldin
32 Seiten, ab 4 J
NordSüd
Eine Erwachsenen-Beziehungsgeschichte für Kinder.
Herr Hase hat ein Haus und will einen Teil davon vermieten. Frau Bär zieht ein, obwohl Hase an kleinere MitbewohnerInnen gedacht hat. Er ist auf Sauberkeit und Ruhe bedacht. Sie achtet weder auf Sauberkeit noch Ruhe, auch ist sie unhöflich. Hase ärgert sich und will sie loswerden. Doch als er zum Fest geholt wird und von Frau Bär zwei Kissen bekommt, schläft er glücklich ein. Zu zweit putzen sie am nächsten Tag die Zimmer von Frau Bär und Hase lässt sich langsam zwangsbeglücken.


Linda Chapman & Steve Cole: Dschinn - Das Geheimnis der Wunderlampe
Aus dem Engl.: Knut Krüger
318 Seiten, ab 9 J
cbj
Eine Familie gründet sich neu, d.h. Vater mit Jason (9Jahre) und Milly (8Jahre) ziehen mit Stiefmutter und deren Kinder Jessy (14 Jahre) und Michael (13 Jahre) aus London in ein kleines Dorf, wo die Eltern eine Buchhandlung aufmachen wollen.
Diese Veränderungen rufen Widerstand hervor und wird durch die Abendteuer und Erfahrungen mit der Wunderlampe zu aller Wohlgefallen aufgelöst. Spannend und stilistisch gut wird diese fantasievolle Geschichte erzählt. Trotz Bemühen bleiben noch viele traditionelle Rollen den Figuren anhaften (Bub hilft Regale aufstellen, Mädchen ordnet Karteikarten, die Buben haben je ein Zimmer für sich, die Mädchen eines gemeinsam, die Mutter ist für das Essen zuständig, der Vater trifft Entscheidungen, die Buben benützen den PC, die Mädchen den Notizblock etc), was wirklich sehr bedauerlich ist.


Pija Lindenbaum: Paul und die Puppen
Aus dem Schwed.: Brigitte Kicherer
40 Seiten, ab 4 J
Beltz & Gelberg
Paul ist ein guter Fußballer. Sein Vater auch, der ihn in den Kindergarten bringt. Dort machen die Jungs Ringkämpfe, spielen Krieg, auch mit Kampfrobotern und machen viel kaputt. Am nächsten Tag geht Paul zu dem Mädchen in der Puppenecke und zeigt seine Puppe. Es dauert, aber schließlich darf er mitspielen und auch beim Verkleiden mitmachen. Dann wollen die Jungs Paul zum Fußballspielen holen. Paul versteckt sich, denn er schämt sich in den Prinzessinnenkleidern vor ihnen. Als er sieht, dass die Jungs sich auch verkleiden, kommt er wieder heraus. Anschließend spielen alle - Mädchen wie Buben - im Hof Fußball.
Diese Geschichte zeigt die Grenzen und Grenzüberschreitungen der sozialen Rollen sehr gut. Störend wirkt, dass sich die Kindergärtnerin nicht bei den kämpfenden Jungs durchsetzt und auch sprachlichlich Inkompetenz zeigt. In jedem Fall aber ein gut geeignetes Buch, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen, wie sie ihre Rollenzwänge erleben, sich darüber hinwegsetzen bzw. welche Unterstützung sie dafür brauchen.


Manfred Mai: Wenn Oma plötzlich fehlt
128 Seiten, ab 9 J
cbj
Das Buch beginnt mit der Szene, als Daniel von der Mutter geweckt wird und von seinem Vater hört, dass seine Oma gestorben ist. Das Begräbnis, der Alltag von Opa, den er sehr mag und der nun zu kochen lernt, die Gespräche mit ihm und seinen Eltern werden detailreich beschrieben.
Insgesamt überzeugt der Text nicht, weil er vergeblich versucht, die Kinderwelt komplex zu zeigen und doch nur eindimensional mit Klischees bleibt. Psychologische Kenntnisse hätten der Geschichte gut getan.


Janosch: Löwenzahn und Seidenpfote
Eine schöne vierfarbige Geschichte von zwei Mäusen, die sich lieben und zwei Kinder bekommen, nämlich Löwenzahn und Seidenpfote
32 Seiten, ab 5 J
Beltz & Gelberg 2008 (Ersterscheinung 1978)
Das Alter von 30 Jahren ist dieser Geschichte nicht anzumerken, ja, sie ist radikaler als viele zeitgenössische Bilderbuchgeschichten. Gut, dass sie wieder aufgelegt wurde!
Die verliebten Mäuse wünschen sich Kinder und wissen auch schon, wie diese werden sollen. Aber es kommt alles ganz anders. Löwenzahn und Seidenpfote werden erwachsen. Seidenpfote will mit ihrem Mauser eine Familie gründen und die beiden wissen auch schon, wie die Kinder werden sollen .... aber geschieht nicht immer das Gegenteil davon? Immerhin geht Löwenzahn zuerst mal in die Stadt, um berühmt zu werden .... wie dann alles anders kommt, bleibt offen.
Vielleicht mehr eine Geschichte für Eltern als für ihre Kinder ? Das Thema kennen jedoch alle - auf ihre Weise.


Klaus Werner-Lobo: Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis
256 Seiten, ab 16 J
Hanser
Dieses Buch bietet mit knappen Fakten und einem guten Register einen guten Einstieg für Jugendliche in das Thema "Globale Welt". Da die Kapitel mit vielen Links versehen sind, können die LeserInnen parallel dazu surfen, weiterrecherchieren, Protestnoten abschicken u.a.m.. Sie werden zur Aktivität angeregt!
Die kritische Sichtweise des Autors bietet eine gute Ergänzung zur viel zu oft noch unkritischen Unterrichtsstoffvermittlung und einer ev. bereits verinnerlichten Konsumhaltung.
Dass sich die Jugendlichen durch den manchmal trockenen Stil nicht abschrecken lassen, ist zu hoffen. Doch selbst für Erwachsene ist diese kompakte Sammlung an Themen und Dingen (von Adidas bis Zune), die aus unserem Alltag nicht wegzudenken sind, informativ.


Hrg.: Sabine Christiansen und Janosch
Gibt es hitzefrei in Afrika?
256 Seiten, ab 12
Unicef
In 99 Texten wird über das Leben von Kindern in anderen Ländern und Kontinenten berichtet. Von deren Alltag erfahren die LeserInnen, die in den Texten direkt angesprochen werden, wie sie ihr Leben meistern und welche Themen vor Ort besonders aktuell sind. Die Projekte der Unicef werden ebenso vorgestellt.
Stilistisch sind die Texte informativ und vermittelnd. Inhaltlich verwundert es, dass in den 10 Seiten über Aids das Wort "Kondom" nicht zu finden ist (es kommt unter Verhütung vor), denn wer nicht alle Geschichten liest, bleibt mit Halbwissen auf der Strecke... Unter "Gleichberechtigung" wird vergessen darauf hinzuweisen, dass die Mädchen und Frauen auch in unserer Gesellschaft noch immer nicht über die Hälfte der Macht und des Reichtum verfügen.
Die Welt der LeserInnen vergrößert sich in jedem Fall mit diesem Buch und wird bereichert, weil sie viele andere und neue Seiten kennen lernen.


Maria van Lieshout: Für dich
Ill.: die Autorin
aus dem Amerikan. : Katharina von Savigny
48 Seiten
sanssouci
Flora, das Schwein, wird eingeladen zu plantschen, aber sie lehnt ab, will lieber tanzen und singen und verliebt sich in einen blauen Blumenvogel, der bald auf und davon ist. Da glaubt sie, sich nie wieder verlieben zu können. Doch da kommt das Schwein von vorher und lädt sie zum Blütenplantschen ein, das sie nun annimmt.
Wenig Worte, mit feinem Strich nur die Hauptpersonen gezeichnet. Rot ist Symbol für die Emotion und ist dementsprechend mehr oder weniger intensiv dominant im Bild.

Ole Könnecke: Viel Glück!
Ill.: der Autor
32 Seiten
sanssouci
Von allen beglückwünscht geht der Vogel mit Unsicherheit und Bedenken durch das Buch. Am Ende ist sie geschafft - die Prüfung an der Uni oder wo auch immer! Witzig und berührend die einfachen Worte und Bilder, die scheinbar an der Oberfläche sind und doch menschliche Tiefen erreichen. Ein wunderschönes und gelungenes Geschenkbändchen - für Schenkende und Beschenkte!


Ole Könnecke: Herz zu verschenken
Ill.: der Autor
32 Seiten
sanssouci
"Matilda hat ihr Herz verloren." Dann sehen wir, welche Hürden Gary nimmt und wie Mathilda mittlerweile geht. Das Ende: "Und Matilda bekommt ihr Herz zurück. Und alles ist gut. Ach Gary.... Ach Matilda ....."
Die wichtigsten und teilweise wirklich dramatischen Momente von Verliebten treffend erzählt. Ein Büchlein für alle mit verlorenem oder gefundenem oder zu verschenkendem oder ... jedenfalls für alle mit Herz und Humor!


Hartmut E. Höfele, Susanne Steffe: Bunte Fußballwelt
Ill.: Kerstin Heinlein
125 Seiten, ab 5 J
Ökotopia 2006
Das Kinder-Fußball-Aktionsbuch soll Mädchen wie Buben ansprechen und verfehlt doch diesen Anspruch. Die Liedtexte sind, auch wenn Mädchennamen vorkommen männlich (Freunde, jeder, Spieler, .... Michi schießt heut noch ein Tor,...). Die Illustration zeigt wesentlich mehr Buben und keine einzige Trainerin. Auch wenn die Trainingsübungen anregend sind, wurden nicht alle möglichen Potentiale ausgeschöpft, um ein Gender gerechtes Fußballbuch zu machen.


Maren Gottschalk: Königinnen

Fünf Herrscherinnen und ihre Lebensgeschichte
235 Seiten, ab 14
Beltz & Gelberg
Eleonore von Aquitanien, Isabella von Katillien, Elisabeth I. von England, Christina von Schweden und Katharina die Große werden in diesem Band porträtiert. Je ein Abbildung zeigt die mächtigen Frauen.
Die Autorin will "den Staub von den Schultern dieser großen Frauen zu wischen" und doch bleibt sie in den Klischees verhangen, wenn sie schreibt: "Dabei ist es ihre vornehmste Aufgabe als Königin, für einen Thronfolger zu sorgen." Sie beschreibt die Zeit, die wesentlichen Aspekte und dabei bleiben ihre Königinnen meist zu sehr im Hintergrund. Jugendliche von heute brauchen mehr kritische Geschichtsforschung als die Autorin anbietet.


Inge Meyer-Dietrich: Bin noch unterwegs
251 Seiten, ab 14 J
Ravensburger
An ihrem 16 Geburtstag beschließt Laura, ihre Eltern zu verlassen, da sie sich nicht wahrgenommen fühlt und die Streitigkeiten nicht mehr aushält. Damit verlässt sie auch die Schule. Die Autorin lässt Laura selbst erzählen, die zeichnerisches Talent hat und die die ersten Tage in der Wohnung einer Kursteilnehmerin Unterschlupf findet. Auf der Fahrt nach Essen lernt sie Aki kennen, zu dem sie in die WG zieht. Dort lernt sie deren Familiengeschichten kennen und verliebt sich in Aki. Nach vielen Erfahrungen mit anderen und sich selbst, findet sie wieder in ihr altes Leben zurück - allerdings mit neuen Perspektiven und positiv in die Zukunft gerichtet.


Roland Kachler: Wie ist das mit der Familie
Ill.: Sandra Reckers
142 Seiten, ab 10 J
gabriel
Eingebettet in Geschichten mit vielen Alltagsdialogen gibt es orange Kästchen, die das Wesentliche zusammenfassen. Am Ende gibt es ein Kapitel für Erwachsene. Grundsätzlich tolerant und offen gedacht, kann über verschiedene Formulierungen dennoch diskutiert werden, wie z.B. "Ganze und unvollständige Familien" u. a. m.. Grundsätzlich ist dieses Buch eine gute Grundlage, um die eigenen Vorstellungen mit anderen zu vergleichen, die Realität zu überdenken, Veränderungen anzudenken und umzusetzen und daher empfehlenswert für alle Familienmitglieder.


Tomi Ungerer: Fünf fabelhafte Fabeltiere
Ill.: der Autor
Aus dem Amerikan.: Anna Cramer-Klett und Hans Ulrik
178 Seiten, ab 5 J
Diogenes
Schlange, Känguru, Tintenfisch, Fledermaus und Geier werden in diesem Buch zusammengefasst. Die Ersterscheinungen liegen in den Jahren 1958 bis 1980.
Die entzückenden Geschichten sind alterslos und erfreuen Jung wie Alt. Humor und Phantasie, die HeldInnentaten und die Schicksalswendungen berühren und verbinden.


Sharon Dogar: Salzwassersommer
353 Seiten, ab 14 J
Aus dem Engl.: Petra Koob-Pawis
Arena
Die Autorin lässt ihren Debütroman in Cornwall spielen. Hal erzählt über seine Schwester Charley, die letzten Sommer mit 15 Jahren beim Surfen verunglückte und im Koma liegt. Seine Gefühle sind ambivalent, zwischen Wut und Mitleid. Was würde sie sagen, wenn sie aufwacht. Was, wenn sie nun stirbt?
Als er mit seiner Familie wieder an den Platz fährt, wo der Unfall geschah, kann er nicht anders, als sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen: Was ist damals wirklich passiert ? Gesprächsebenen neben der realen Welt schieben sich in den Text ein sowie Rückblicke, Gegenwärtige Blicke, Ausblicke. Das schwierige Thema wurde von der Autorin intelligent, feinfühlig und gekonnt zu einem spannenden Jugendroman, der bewegt, verarbeitet.


Brian Selznick: Die Entdeckung des Hugo Cabret
Ill: Der Autor
Aus dem Amerikan.: Uwe-Michael Gutzschhahn
543 Seiten, ab 10 J
cbj
Inhalt und Aufmachung dieses Buch sind von außergewöhnlicher Qualität: Schwarz umrandet jede Seite, ganzseitige Bleistiftzeichnungen, die an Filmaufnahmen erinnern, illustrieren die Handlung bzw. erzählen an Stelle der Worte, wo es passend ist. Aspekte des Beginns der Filmgeschichte werden ganz nebenbei vermittelt.
Die Geschichte spielt im Jahr 1931 in Paris. Hugo, 12 Jahre alt, lebt am Bahnhof und wird beim Diebstahl einer kleinen Aufziehmaus erwischt. Doch als der alte Ladenbesitzer das kleine Buch mit den technischen Zeichnungen sieht, das Hugo in seiner Hosentasche hatte, lässt er diesen gehen, ohne ihm jedoch das Buch zu geben. So beginnt die spannende, mit einfachen und klaren Worten geschriebene Geschichte, die bis zur letzten Seite in Bann zieht. Nur sehr langsam klärt sich alles auf. Hugos Vater war Uhrmacher gewesen, der auch im Uhrenmuseum die Uhren betreute und dort den wunderbaren Schreib-Automaten fand, der von Mélies stammt. Bei einem Feuer kam Hugos Vater ums Leben. Hugo wurde von seinem alkoholkranken Onkel Claude aufgenommen und versorgt nun alle 27 Bahnhofsuhren, wie er es von diesem gelernt hat, seit dieser eines Tages nicht wiederkam. Die Beziehung zwischen dem alten Mann, dessen Pflegetochter Isabelle und Hugo ist eine komplizierte und der Zufall hilft nach, dass alles ein gutes Ende nimmt. Der alte Mann ist der für tot gehaltene früher berühmte Filmemacher Georges Mélies, der seine Vergangenheit vergessen wollte. Isabelle ist die Tochter seines Kameramanns, der mit seiner Frau bei einem Unfall ums Leben kam. Sie spielt eine ebenso bedeutende Rolle wie Hugo bei der Aufdeckung der Wahrheit. Im Anhang Hinweise auf den realen Mélies.
Dem Autor ist es gelungen, die faszinierende Welt des Films, des Zaubern, des Lebens selbst entstehen zu lassen, in die jugendliche wie erwachsene LeserInnen mit Genuss und Faszination eintauchen. Eine Meisterwerk wurde uns damit vorgelegt.


Christopher Ross: Mein Freund, der Husky

255 Seiten, ab 12 J
Ueberreuter
Der auf einer wahren Begebenheit basierende Roman erzählt von der Zeit der Diphtherie-Epidemie, wo der stärkste Husky, mit Namen Balto, der Retter der Kranken ist, weil er die Medizin bringt. Sein ausgestopfter Körper steht heute noch im Cleveland Museum und im Central Park in N.Y. steht seine Statue.
Erfunden ist die junge tatkräftige und engagierte Krankenschwester Jennifer, die nach Alaska zieht. Die LeserInnen lernen mit ihr, wie das Leben 1925 dort war. Jennifer gelingt es, zwischen Schamanen und westlicher Medizin zu vermitteln. Dass sie sich in den Fallensteller Hendrik verliebt, ist eine dezente Liebesgeschichte am Rande. Ein spannender und gut lesbarer Roman.


Lieneke Dijkzeul: Schließ die Augen und sag mir, was du siehst
Aus dem niederl.: Verena Kiefer
108 Seiten, ab 12 J
Arena
Raaf hat ein Problem. Zu Hause. Seine Eltern veränderten ihr Verhalten, seitdem sie wissen, dass sein Augenlicht mit der Zeit immer schwächer werden wird, bis es ganz erlischt. Raaf will mehr über sich wissen, wie er als Kind war, ob er sich je am Strand verlaufen hat, warum er Raaf heißt u. a. m.. Vater wie Mutter setzen sich so gut sie können mit der Situation offen und ehrlich auseinander. Raaf nähert sich auf seine ganz individuelle, sensible Art und in seinem Tempo seiner kommenden Herausforderung. Er findet in Braam einen Menschen, dem er vertraut und mit dem er reden kann. Er nimmt Kontakt zu Jungs vom Blindeninstitut auf, .... Er geht seinen Weg, von dem die LeserInnen, die ihn begleiten, zuversichtlich sind, dass es ein guter ist.
Der Autorin ist sowohl inhaltlich wie auch stilistisch ein meisterlich konzentriertes, psychologisch stimmiges und nuancenreiches Problembuch gelungen. Die Schlichtheit ist die Stärke des Buches.


Adrienne Kress: Die halsüberkopfundkragendramatischabenteuerliche Katastrophenexpedition der Alex Morningside
Aus dem kanad. Engl.: Franca Fritz und Heinrich Kopp
398 Seiten, ab 10 J
Arena
Ein aktionreicher Krimi, in deren Mittelpunkt die 10-jährige Alex steht. Mr. Underwood wurde entführt und ihn gilt es zu retten. Alex hat nichts dagegen, dass sie oft für einen Junge gehalten wird, weil sie denkt, es sei "egal, ob Mädchen oder Bub, alle sind wir doch Menschen." Welch Irrglaube ! Aber sowohl in der Realität als auch in der Phantasiewelt des Buches, in der Computer und sprechende Kühlschränke keine unwesentliche Rolle spielen, sind Geschlechterrollenklischees Realität. Alex ist damit auch konfrontiert (z.B. als Lord Poppinjay sagt: "Dann benimm dich wie ein Mädchen!"). Doch das Thema wird nicht weiterbehandelt. Damit disqualifiziert sich dieses Buch zumindest auf dieser Ebene selbst.


Huang Beijia: Seidenraupen für Jin Ling
Aus dem Chin.: Barbara Wang und Hwang Yi-Chun
188 Seiten, ab 13 J
Baobab
Jin Ling ist 11 Jahre alt. Die Mutter wünscht sich, dass Jin Ling studiert. Doch in Mathematik ist Jin Ling nicht begabt und daher gibt es Probleme. Auch, weil sie nicht Ordnung halten konnte. Da schlägt ihre Mutter sie schon mal, als sienoch in die erste Klasse geht. Eigentlich hat Jin Ling mit ihren Verhalten bereits seit der ersten Klasse Probleme. Später entwickelt sie ihr Hobby, Seidenraupen zu züchten. Um an die nötigen Blätter zu kommen, um die Raupen füttern zu können, trifft sie eine geheime Vereinbarung mit einer Nachhilfelehrerin, die sie motiviert, zu lernen. Die LeserInnen bekommen einen Einblick in einen anderen Kulturkreis und die Problem Jugendlicher dort, die in manchen Bereichen sehr ähnlich sind.


Christoph Marzi: Malfuria
342 Seiten, ab 14 J
Mit diesem Band wird die Trilogie abgeschlossen.
Kassandra ist 13 Jahre und hat von ihren Maestra gelernt, nicht zu träumen sondern Gedanken zu lenken und Gefühle zu beherrschen. Sie selbst möchte Abenteuer erleben. Mit Hilfe eines Ritual schneidet sie sich ihren Schatten vom Leib, der damit lebendig und zum Schattenmädchen wird. Die Macht der Buchstaben ist groß. Catalina und Jordi sind in Gefahr, retten sich in die magische Stadt Marakesh, das Rätsel wird gelöst und tauchen am Ende landen sie im wirklichen Leben und werden ein Liebespaar.


Susan Williams: Die Windreiterin
Aus dem Amerikan.: Karlheinz Dürr
287 Seiten, Ab 12 J
Cbj
Mit viel Recherche hat die Autorin versucht, das Leben der Vorzeit zu vermitteln. Im Mittelpunkt steht die tierliebende Fern, die mit ihren Eigenschaften eine Außenseiterin im Clan ist, denn sie will auch nicht die ihr zugedachte weibliche Rolle ausfüllen. Dennoch bleibt das Gefühl, die Dialoge zwischen ihr und ihrer Familie sind aus der heutigen Zeit genommen. Fern ist jene, die das erste Pferd zähmte und dafür vom Stamm Anerkennung erhält und einen neuen Namen: Windreiterin. Dass sie allerdings ihre Leistung am Ende, als sie selbst drei Kinder hat, schmälert - ist rollenkonform und somit enttäuscht die Autorin. Ihr Mann ist gütig, aber ob er im Haushalt hilft, bleibt unausgesprochen. Dieses Buch ist ein den Mädchen Mut machendes, doch bietet es im letzten Kapitel kein Vorbild für ein "alternatives" Frauleben.


Markus Zusak: Die Bücherdiebin
Aus dem Engl.: Alexandra Ernst
588 Seiten, ab 16 J
Cbj
Dieses 2007 mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichnete Buch ist eine Perle der Jungendliteratur. Der Autor erzählt das Geschehen im Jahr 1939 aus der ungewöhnlichen Sicht des Todes. Klar und deutlich aber auch poetisch ist die Sprache. Zutiefst berührend erleben die LeserInnen die Geschichte der Liesel Meminger mit. Sie wird von ihrer Mutter zu Pflegeeltern nach München gebracht. Auf dem Weg dahin stirbt ihr Bruder. Sie erlebt die Bombenangriffe und meistert auf ihre ganz individuelle Art die Schrecken der Gegenwart, ihr Überleben. Jahre später, am Ende des Buches, ist es für den Tod an der Zeit, Liesl abzuholen, die nun in Sidney lebt. Dort schließt sich der Kreis dieser ungewöhnlichen Erzählung.
Außergewöhnlich in Aufbau und Stil ist es dem Autor gelungen, die vielen Seiten des Lebens zu zeigen und für Jugendliche sicherlich auch viele neue Sichtweisen hinzuzufügen.


Emily Jenkins: Was ich am allerliebsten mag - Albertas Meinung
Ill.: Anna Laura Cantone
Aus dem Engl.: Leena Flegler
32 Seiten
Gerstenberg
"Alberta weiß genau, was sie mag und was nicht." So beginnt die Geschichte und dann folgen die Aufzählungen, was sie nicht besonders mag und warum (z.B. große Hunde, die sabbern) und was in Ordnung ist (z. B. kleine Hunde, wenn sie nicht die ganze Zeit hecheln). Witzig und differenziert geht es weiter um Katzen, Fische, Fruchtgummi, Zeichentrickfilme, ihren Bruder, ihre Lieblingsfarbe, ums Baden, Zahnpasta, Schiffe und Puppen. Die Auflösung ist: "Am allerliebsten mag ich mich!"
Ein auch illustratorisch gelungenes Buch, das Kindern Lust macht, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen, was sie warum mögen oder auch nicht und wie sehr sie sich selbst mögen.


Ulrike Schweikert: Nosferas - Die Erben der Nacht
447 Seiten, ab 16
cbt
Die Autorin vermengt Historisches (Europa im 19. Jh.) und Phantastisches - somit ist das Buch wohl weniger für 12 als 16-jährige geeignet. Spannend und mörderisch das Geschehen. Die Logik der Vampirwelt wird all jenen faszinieren, die auf einen Vampirroman gewartet haben (viele gibt es ja nicht). Ob andere sich von diesem Buch angesprochen fühlen, ist noch offen. Zwei weitere Bände sollen folgen.
Auch wenn Schweikert bemüht ist, starke Mädchen und Frauen zu zeichnen, so bleibt sie doch in Klischee. Ausführlich wird Haut und Kleidung der Frauen beschrieben, aber bei Männern sind andere Attribute beschreibenswert. Die letzten beiden Satz heißen: "Dann erwarte ich freudig eure Befehle", hauchte sie und eilte hinaus. Sein Blick glühte wie Sonnenlicht in ihrem Rücken."


Jörg Juretzka: Der Sommer der Fliegenden Zucchinis
Ill.: Papan
160 Seiten, ab 10 J
Gerstenberg
Ein Autor, der die Probleme des pubertierenden Pascal (albtraumhaftes Dasein des letzten ungeknutschten auf dem gesamten blauen Planeten...) aufnimmt und den richtigen tragik-komischen Ton und Stil findet, der LeserInnen voll Anteilnahme das Sommerschicksal mit ihm teilt. Ein Illustrator, der Grauen und Freude szenisch (leider in schwarz/weiß) so umzusetzen weiß, dass damit eine zusätzliche Lebensdimension
integriert wird. Mitfühlen und Mitleben, Wieder erkennen und Neusehen - Machoklischees werden aufgenommen und wohltuend umdefiniert. Maila, in die Pascal verliebt ist, ist ein selbstsicheres und zielsicheres Mädchen und das sind Agathe, Lukretia, Cliare und alle anderen auch. Dass Pascal nach all den Aufregungen (inklusive Vampirbiss aber immer noch ungeknutscht) nicht um Aufnahme ins Priesterseminar ansucht, sondern dem überraschenden Angebot folgt, womit eine Wende in eine ganz unerwartete Richtung folgt. Eine leichte Sommerlektüre auch für sonstige LeseverweigerInnen.


Lieneke Dijkzeul: Schließ die Augen und sag mir, was du siehst
Aus dem Niederländischen: Verena Kiefer
112 Seiten, ab 11 J
Arena
Ralf, 12 Jahre alt, lebt am Meer und weiß, dass er langsam erblinden wird. Um diese Prognose zu bewältigen, der er anfangs nicht wahrhaben will, erprobt er sich unter anderem auch, mit geschlossenen Augen die Welt zu erleben.
Die Autorin erzählt mit vielen Dialogen, klar und nachvollziehbar, was Ralf denkt, tut und wie er und seine Eltern diese Herausforderung bewältigt. Ein großartiges Buch, stilistisch wie psychologisch vordergründig unaufdringlich und gerade deswegen, weil gut recherchiert und stimmig aufgebaut, sehr wirkungsvoll und eindrücklich.

R. L. LaFevers: Der Fluch der schwarzen Katze
384 Seiten, ab 10 J.
Ill.: Yoko Tanaka
Aus dem Amerikanischen: Tanja Ohlsen
Boje
Die 11-jährige Theodosia Throckmorton erzählt von ihren aufregenden Wochen im Dezember 1906 in London. Ihre Mutter ist Archäologin und kommt gerade mit wertvollen Objekten zurück. Ihr Vater leitet das Museum für Legenden und Antiquitäten. Sie geht nicht zur Schule, ihre Schule ist das Museum. Und da hat sie wirklich eine ganze Menge gelernt. Über Ägypten, aber auch Amulette und fluchbeladene Objekte.
Das Buch hat die Autorin allen klugen Mädchen in der Welt, die es satt haben, dass ihnen nie jemand zuhört, gewidmet. So fühlt sich Theodosia auch sehr lange, bis am Ende wirklich alles gut ist. Sie ist eine sympathische und eigenwillige Heldin, die mit anderen kooperiert, schweigen und kombinieren kann, die zielstrebig und erfolgreich ist aber auch ihre altersgemäßen Überlegungen und Schwächen hat. Sie gerät in ein politisch magisches Geschehen und es gelingt ihr mit dem Schutz der alten Geister zu überleben und Großbritannien zu retten.
Auch wenn das Buch endet, dass Theodosia keine Tätowierung bekommt, obwohl sie nun Mitglied der Bruderschaft ist, wird es doch von den LeserInnen so verstanden, dass Theodosia das niemals hinnehmen wird. Es deutet vielmehr einen Nachfolgeband an.
Der Autorin vermischt gekonnt London um 1906 mit der Welt der Magie. Ihr ist ein wirklich guter, spannend und flüssig geschriebener dicker Schmöker für Leseratten gelungen!


Kurt Schwitters: Die Geschichte vom Hasen
Ill.: Carsten Märtin
32 Seiten, ab 5 J
Lappan
(Erstauflage 2001)
"Es war einmal ein Hase .... "so beginnt die Geschichte, die die Geschichte vom Hasen ist, der verschiedene Transformationen durchmacht. Er wird zum Hasenschwein, Hasenschwan, Fischhasen u. a.. "Ist das eine Hasengeschichte?", wird gefragt. Ja, wenn von Verwandlungen erzählt wird, ist es doch eine Geschichte!
Einzig die Formulierung "die den Hasen reif gemacht hat" ist unpassend in der sonst kindgerecht phantasievollen witzig anregenden Geschichte. Ein wirklich zeitloses Buch zum Immer-wieder-in-die-Hand nehmen. Der Illustrator zeichnete zum Text des Autors, der von 1887-1948 lebte, inspirierend köstliche Bilder. Ein Spaß und Genuss für LeserInnen jeden Alters.


Antje Damm: Räuberkinder
26 Seiten, Pappbuch ab 3 J
Gerstenberg
Die LeserInnen bekommen zwei böse Räuberkinder (Mädchen und Bub) vorgestellt. Wie böse sie sind, sieht man schon, wie sie sich waschen, wie sie frühstücken, spielen und basteln und kommunizieren. Nur wenn sie sich vor einer Maus fürchten, halten sie zusammen. Letzter Satz: "Nein, du bist doch nicht etwas auch ein Räuberkind?"
So großartig die Illustratorin Antje Damm ist, so wenig gelungen ist diese Geschichte!


Amelie Fried: Schuhhaus Pallas
192 Seiten, ab 16 J
Hanser
Die Autorin erzählt, wie sie nach Jahren ohne nachzufragen die unerwartet erhaltene Information, dass ihr Großonkel in Auschwitz ermordet wurde, aufnimmt und zu recherchieren beginnt. Die vorerst für ihre Töchter geschriebene Familiengeschichts-Entdeckungsreise liegt nun für alle Interessierte vor und zeigt in einfacher und überzeugender Art, wie wichtig es ist, aus dem Dunkel des Schweigens, das Verschwiegene zu benennen.
Die Stärke des Buches liegt in der Authentizität. Die Zeittafel, der Quellennachweis und die ausführlichen Anmerkungen in Anhang sind für junge LeserInnen hilfreich und weiterführend.


Martin Ebbertz: Der kleine Herr Jaromir findet das Glück
Ill.: Jens Rassmus
104 Seiten, ab 8 J
Sauerländer
Herr Jarolim hebt mit Gasluftballons ab und landet an einem anderen Ort. Er lernt den dicken Herrn Fuchs kennen, bei dem er einige Zeit wohnt. Eigenartige Begegnungen (Sandalenpolizei) und Begebenheiten (Lama halten) geschehen, ehe er sich verabschiedet, um wieder nach Hause zurückzukehren. Mit Wortwitz und Skurrilitäten legt der Autor diese Geschichte an, die eine irritierende Leere zurücklässt.


Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und die Tieferschatten
224 Seiten, ab 10 J
Ill.: Peter Schössow
Carlsen
Das Buch beginnt mit der Szene, als Rico auf der Straße am Samstag Morgen eine Nudel findet und diese der Person wieder im Haus zurückbringen möchte, die diese offenbar verloren oder aus dem Fenster geworfen hat. Und schon sind die LeserInnen mitten in der Geschichte, die lächeln und lachen lässt, die begeistert und fasziniert, die ungewöhnlich intelligent originell, liebenswert und lesenwert ist! Dabei ist Rico, der die Geschichte selbst erzählt, ein "tiefbegabtes Kind". Ihn beschäftigt, warum Erdbeeren Erdbeeren heißen, wo diese doch gar nicht in der Erde wachsen. Seine Gefühle auszudrücken gelingt ihm wirklich gut, denn wer versteht nicht: "Traurige Sachen ziehen alle Kraft aus einem raus und machen einem wackelige Beine." Und ganz mit Hilfe von einigen Zufällen rettet er seinen entführten Freund. Der Illustrator leitet die Kapitel mit markanten Bildern ein. Der Autor ist ein Meister des Erzählens, des Weltbeschreibens und der Verständigung.


Christiane Gohl: Lea und die Pferde
160 Seiten, ab 11 J
Boje
Die Autorin packt die Geschichte schwungvoll doch sehr plakativ und geradlinig an. Leas Mutter will nicht alleine reiten lernen (sie fühlt sich zu alt) und meldet sich und Lea zum Mutter-Tochter Kurs an. Leas Widerstände wandeln sich zur Pferdeliebe. Am Ende wird der Reitstall gewechselt, wo "natürliches reiten" praktiziert wird. Ihre Verliebtheit in den 16 jährigen Heiko endet, als dieser alkoholisiert auf einer Party und brutal zu den Pferden ist. Dafür erobert Thorsten ihr Herz. Hat wer etwas anderes erwartet?

 

Martin Klein: Der Flickenbär
Ill.: Manuela Olten
48 Seiten, ab 7 J
Tulipan ABC
Die drei Freunde Theo, Henry und Nils freuen sich auf die Klassenfahrt und auf Mädchenschrecken um Mitternacht. Henry hat die Idee, den Mädchen, die Kuscheltiere zu klauen. So ergibt es sich, dass die drei ohne ihre eigenen Kuscheltiere fahren müssen, denn sie sind ja keine Mädchen. Doch gut getarnt kommen sie doch auf die Reise mit und werden zum Abschluss auch dringend gebraucht.
Direkt wird das Thema Mädchen/Buben und Angst machen/Angst haben angesprochen, umgesetzt und aufgelöst. Zwischen Phantasie und Realität, Wunschdenken und Wahrnehmen, Ernsthaftigkeit und Lachen pendelt diese Geschichte, die Buben ermutigt, Gefühle zu zeigen. Auch wenn Mädchen in dieser Geschichte nur am Rande vorkommen, so wird klar, dass Bubenschrecken für sie auch ein lustiges Spiel ist und sich die Vorstellung der Bube von Mädchen nicht mit der Erfahrung deckt.
Für die Illustration typisch die riesigen Köpfe, die großen Münder, die kleinen ausdrucksstarke Augen für die großmauligen Knaben mit Herz.
Ein Buch der besonderen Klasse.


Tilde Michels: Karlines Ente
Ill.: Lilo Fromm
48 Seiten, ab 6 J
Tulipan ABC
Lumpen Karline sammelt den Trödel der Kleinstadt und verkauft diesen an einen Lumpenhändler. Doch Karline wird arbeitslos, als Müllautos ihre Arbeit in der größer gewordenen Stadt übernehmen. In ihrer Not bekommt sie eine Ente geschenkt. Sie sorgt für diese. Doch als die Ente fett genug zum Schlachten ist, bringt Karline es nicht über sich. Durch die Enteneier hat Karline schließlich wieder ein Einkommen. Nun wird sie von den Leuten Enten-Karline genannt.
Diese einfache Geschichte zeigt wie Glück mit Einsatz kombiniert auch schwierige Lebenswendungen nehmen und das Leben meistern lässt


Hermann-Josef Frisch: Wie das Osterei zum Osterei wurde
Ill.: Ulrike Baier
32 Seiten, ab 4 J
Patmos
Dem Anspruch des Titels wird dieses Buch nicht gerecht. Die nachfolgenden Fakten werden ausgeblendet und eine Legende erzählt, die angeblich eine alte aber in Wirklichkeit eine sehr junge und vereinnahmende ist. So eine Vorgangsweise ist auch für Kleinkinder abzulehnen.
Osterei und Osterhase sind ursprünglich Speisen des heidnischen Frühlingsfestes.
Das christliche Osterfest entspringt dem jüdischen Passah-Fest. Zu diesem Anlass werden seit Urzeiten Eier verzehrt - als Symbol der Dankbarkeit für den Jerusalemer Tempel, in dem Gott wohnt
Die historische Existenz der Heiligen Katharina von Alexandrien ist nicht belegt. Sie zählt zu den 14 Nothelfern, als Helferin bei Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten. Erstmals wurde sie im 10. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Der Legende nach lebte sie im 3. oder 4. Jahrhundert und erlitt unter Kaiser Maximilian oder seinem Sohn den Märtyrertod.


Philippe Lechermeier: Prinzessinnen
Aus dem Französischen: Antoinette Gittinger
Ill.: Rebecca Dautremer
92 Seiten, ab 12 J
Endlich wird die sonst so enge Prinzessinnenwelt in den gesamten Prinzessinnenkosmos gestellt. Auf dieses Buch haben alle Prinzessinnen und Prinzessinnenfans gewartet. Informativ, aufschlussreich, phantasie- und humorvoll führt es und lässt entdecken. Ob es sich um die Wiege von Prinzessinnen, das Fächeralphabet oder Parks handelt. Prinzessinnen (Viertelmond, Hasardie, Ephemoptera u.v.a.) werden vorgestellt: Auch ein Test steht zur Verfügung. Internationale Sprichwörter zum Thema sind aufgelistet. Der Index ist hilfreich, um gezielt nach Einhorn, Milchzähne, Vorgelspinne oder Küsse zu suchen.
Leider wurden die weiblichen Sprachformen nicht verwendet, was ein echtes Manko ist, wenn nur von Freunden der Familie die Rede etc.. Auch die feministische Prinzessin war nicht zu entdecken. Wer abgesehen davon unkonventionelle originelle Ansätze mag, wird das Buch mögen. So großzügig die Illustration ist, so schwierig ist der oft klein gedruckte Text zu lesen.


Philip Waechter: Rosi in der Geisterbahn
Ill.: der Autor
32 Seiten, ab 5 J
Beltz & Gelberg
(Auch als Symphonisches Pop-Hörbuch erhältlich, Musik von Olten & Wolff)
Das 2005 erstmals erschienene Buch ist nun als handliche Kleinausgabe erhältlich.
Rosi ist eine Häsin und hat jede Nacht schreckliche Träume. Schließlich sucht sie einen Traumspezialisten auf, der ihr empfiehlt, ein Monsterbuch zu lesen, indem sie alles über Monster erfährt. Dann fasst sie den Entschluss, mit der Geisterbahn zu fahren und es gelingt ihr tatsächlich, alle Monster außer Gefecht zu setzen. Das erhaltene Hausverbot kränkt sie nicht, sie gönnt sie Eis und Tee und ist mit sich und der Welt zufrieden. Zu Hause ist sie von den Aufregungen so müde, dass sie bald einschläft und nun zügelt sie die Monster im Traum.
Eine nette Geschichte, aber wohl mehr für ältere Kinder geeignet.
Die Frage, ob ein Hase Harald sich auch mit Eis und Tee belohnt hätte und warum der Traumspezialist keine Spezialistin ist, der Taxifahrer keine Taxifahrerin, muss sich der Autor gefallen lassen. Denn erst wenn statt Frau Mann eingesetzt wird, treten die Klischees klar zutage..... Da Rosi eigeninitiativ, zielstrebig und erfolgreich ist, überwiegen das Positive im Buch.


Philip Waechter: Sohntage

Ill.: der Autor
56 Seiten, ab 12 J
Beltz & Gelberg
Das Baby ist da. Sich kennen lernen. Erste Bilanz. Guter Tag. Schlechter Tag. Krank. Gesund. Meinst du, er hat mich schon lieb? Entscheidungen. Sandkastengespräche. "Ich habe in geboren, das hast du noch nicht abgearbeitet!" Im Zoo. "Na, schön das Leben?"
Philip Waechter ist ein wunderbar liebe- und humorvolles Buch gelungen. Es zeigt die Entwicklung und die Phasen von Vaterschaft und Familie (siehe oben genannte Auszüge). Witzig und originell sind die Alltagsthemen kurz und pointiert aufgenommen. Text wie Bilder amüsieren, bereiten vor, bringen Erinnerung zurück, ermutigen und regen an.


Benoit Charlat: Fertig!!! Lustige Klo-Geschichten
Das Buch zum Drücken
Ill.: die Autorin
Aus dem Französischen: Uli Blume
18 Seiten, ab 2 J
Boie
Das Küken sieht zu, wie Schwein, Wolf, Pinguine, Brillenschlange, Nashorn und Elefant auf ihre eigene Art auf dem Klo sitzen. Am Ende kann das Küken sogar alleine aufs Klo gehen und die Spülung drücken, was ihr Applaus von allen Tiere einbringt.
Die gereimte Sprache (Manchmal dauert's ganz schön lange, stöhnt die Brillenschlange. Der Elefant kennt keine Hemmung, er sorgt für eine Überschwemmung.) und manches Misslingen mit anzusehen, macht Spaß. Der Lernprozess des Küken vollzieht sich aktiv mit/spielend und beobachtend fast unbemerkt. Auch die klaren Illustrationen ohne Hintergrunddetails tragen ihren Teil zu diesem unaufdringlichen und doch dominanten Buch bei. Empfehlenswert!


Heinz Janisch: Sieben schreckliche Seepiraten
Ill.: Karsten Teich
32 Seiten, ab 5 J
Boje
Ein Bilderbuch in S, nennt es der Verlag. Da das Buch für nicht lesende Kinder ab 4 Jahren ist, sollte es heißen, ein Bilderbuch in S und Sch, denn die Kinder hören diesen Unterschied! Dem Autor gelang es, eine witzige Seepiratengeschichte mit ausschließlich s/sch Anlautworten zu schreiben. Susi Schwarzsäbel führt ihre sechs Seeräuber an, wenn ein Schiff gekapert wird und wenn es ums Verstecken geht. Die Illustrationen sind schaurig hinreißend ausdrucksstark. Ein originelles tragik-komisches Piratenbuch.


Adelheid Dahimene: Zum Kuckuck mit den Eiern
Ill.: Heide Stöllinger
32 Seiten, ab 4 J
Boje
Die Geschichte ist zwar witzig angedacht worden, bewährt sich aber nicht.
Sie beginnt mit dem Satz: "Wieder einmal ist die Kuckucksfrau ziemlich schlecht gelaunt. Statt ihren Weckruf zu üben, soll sie ein Ei ausbrüten." Der Kuckucksmann legt die Kuckuckseier in fremde Nester und bekommt sie doch nur wieder zurück. Die überraschten Eltern finden sogar Gefallen an ihren Kindern.
Die Vermischung von Fiktion und Realität irritiert die Kinder. Klischees werden tradiert (Der Spatzenvater sagt zur Spatzenfrau: "Mach lieber du, ich bin mit eiern so ungeschickt." Die Spatzenfrau widerspricht nicht und macht.) und so amüsant manche Illustration auch ist, die Geschichte ist schlicht unerträglich.


Martin Baltscheit und Christoph Mett: Der Sonnenwecker
40 Seiten, ab 4 J
Bajazzo
Der Hahn erzählt seine Geschichte. Als sein Vater stirbt, fordert ihn seine Mutter auf, dessen Rolle zu übernehmen: die Sonne aufzuwecken. Er traute sich alles zu und tatsächlich ging die Sonne zu seinem Krähen auf. Aber die anderen Tiere am Bauernhof weisen ihn darauf hin, dass die Sonne auch ohne ihn aufgehen würde. Da kommen ihm Zweifel. Von der Henne Hedi wird er astronomisch aufgeklärt. Als er mitten in der Nacht die sonne wecken will, diese aber weiterschläft, empfindet er sein Leben sinnlos. Doch als alle am Bauernhof nicht wach werden, weil er nicht mit Sonnenaufgang gekräht hat, erkennt er seine Bedeutung. Soweit eine gute Geschichte.
Dass aber der Bauer auf der vorletzten Buchseite darauf besteht, dass er die Sonne wecken soll, lässt ihn auf der letzten Seite die Sonne etwas früher als sonst wecken und denken: "Wollte doch mal sehen, wer hier das Sagen hat."
Wer diesen Humor mag, wird dieses Buch schätzen, die anderen werden die prolongierte Präpotenz nicht mögen.


Lydia Zeller: Suche Arbeit für Papa
Ill.: Monika Maslowska
32 Seiten, ab 5 J
Bajazzo
Oskar erzählt von den Veränderungen seitdem sein Vater den ganzen Tag zu Hause ist, weil dieser arbeitslos ist. Seine Mutter ist gereizt, weil der Vater nur vor dem Fernseher sitzt, Bier trinkt und nicht im Haushalt hilft, weil er kein Pantoffelheld sein mag, sie aber nun als Putzfrau arbeitet. Er will auch seinem Sohn Oskar, der in die zweite Klasse geht, nicht bei den Hausaufgaben helfen. Seine Schwester lernt Frisörin und findet, dass der Vater gar nicht wirklich eine Arbeit sucht.
Da erinnert sich Oskar, dass er seine weggelaufenen Katze letzten Sommer wieder bekam, weil er einen Zettel im Hof angebracht hatte. So hängt er einen Zettel auf "Suche Arbeit für Papa." Und der Zufall will es, dass sich daraus ein Job ergibt.
Dass die 1953 geborene Autorin, ehemalige Deutschlehrerin und Psychologin, so eine Geschichte schreibt, die systemimmanent ist und die Verantwortung den Sohn tragen lässt, ist nicht nach zu vollziehen. Oskars Vater hat keinen Lernprozess durchgemacht, er bleibt der Pascha und die Frauenrollen bleiben traditionell.
Dass die Illustratorin jegliche Klischees abgelegt hat und in kratzbürstigem Stil an das Thema rangegangen ist, ist das Positive an diesem Buch.


Heinz Janisch: Auch die Götter lieben Fußball
Ill.: Artem
32 Seiten, ab 5 J
Bajazzo
Heinz Janisch erzählt witzig und mit vielen Anspielungen auf die Antike vom Beginn des Fußballspiels. Nicht nur die Götter, auch die Göttin der Ungeduld spielt dabei eine Rolle und Tiere mit und ohne Namen. Durch den Zorn des Weltengottes fliegt der Ball durch das All und wird zur Erde, auf der mit der Zeit Menschen leben. Eines Tages rollt ein Mädchen einen Apfel mit dem Fuß und das Spiel gefällt ihr und den Burschen. Die machen sich einen Fetzenball und spielen begeistert weiter. Daraus entwickeln sich schließlich Wettspiele, wie die Weltmeisterschaft und der UEFA Cup wird erfunden. Seither gibt es jede Woche Fußballspiele. Und weil die Götter immer noch Fußballspielen mögen, sitzen sie manchmal unter den ZuschauerInnen und haben Spaß.
Dass der Illustrator die Ehefrau den Boden saugen lässt, während Ehemann und Sohn ein Match im TV verfolgen, ist nur ein Beispiel. Wie wir wissen, sind bei Länderspielen 50% der ZuseherInnen weiblich! Mehr Hintergrundinformation - es gibt Geschlechterforschung dazu - hätte dem Illustrator gut getan! Er wird dem Text des Autors nicht gerecht mit seinen typisch männlichen Illustrationen.


Eva Polak: Malins Heldentaten
Ill.: Anke Kuhl
64 Seiten, ab 7 J
Sauerländer
Die Autorin scheint den Kontakt zu Kindern der Gegenwart verloren zu haben. Sie erzählt von Malin, die Heldentaten vollbringen will, um ihrer Lehrerin zu imponieren. Doch sie ist gänzlich naiv und kann die Realität nicht richtig einschätzen (braucht die Frau/der Mann eine Hilfe?) und somit als Vorbild für Mädchen gänzlich ungeeignet. Die Moral der Geschichte: eine Entschuldigung, die schwer fällt, ist die mutigste Heldentat. Diese soziale Kompetenz geht in der Realität weniger den Mädchen als den Buben ab. Wenn in Gedanken Malin in Martin ausgetauscht wird, kommt das Mädchenklischee noch deutlicher hervor. Die Frage, was wirklich heldenhaft ist, beantworte ich für mich so: Für Mädchen sich durchzusetzen und für Buben Konflikte nicht kämpfend auszutragen.
Dass Väter gänzlich unerwähnt sind und Malin, um mit ihrer Freundin bummeln gehen zu dürfen, sogar ihren Blumenkohl aufisst, um bei ihrer Mutter eine Zustimmung zu erhalten, erinnert einfach an vergangene Zeiten und veraltete Pädagogik. Mädchen und Mütter haben bessere Geschichten zum Identifizieren verdient!


Martin Ebbertz: Pech und Glück eines Brustschwimmers
Ill.: Christine Brand
32 Seiten, ab 4 J
Sauerländer
Die skurrile Geschichte des Brustschwimmers, der ungeplant auf eine lange Reise geht und vieles erlebt, ist inhaltlich wie zeichnerisch witzig gemacht. Das eine ist Glück (es kommt ein Schlauboot vorbei, als er müde is)t, das andere eben Pech (er wird von einem Wal gefressen) und beide wechseln sich ab. Am Ende ist er wieder an seinem Ausgangpunkt angekommen. Das war Glück. Meint der Autor und regt damit kreative Diskussionen bei Kindern und VorleserInnen an.


Anke Wagner: Mamas neuer Freund
Ill.: Heike Herold
32 Seiten, ab 4 J
Sauerländer
Karli hat Freunde, deren Väter nicht bei ihnen wohnen. Kindgerecht wird deren Situation und Empfinden verbalisiert. Jetzt hat seine Mutter einen Freund, Werner, den sie ihm vorstellen will. Karli ist abwehrend. Doch all seine Erwartungen treffen nicht ein: Der Mann bringt seiner Mutter Blumen aber ihm kein Einschmeichelgeschenk und er fragt ihn nicht nach der Schule aus. Sie spielen Mensch ärgere dich nicht und Werner sagt nie was Blödes dabei. Beim nächsten Besuch hilft Werner seiner Mutter beim Möbelumstellen, kommandiert ihn aber nicht dabei herum und mischt sich auch in anderen Situationen nicht ein. Als Karli zu einem Fußballspiel will aber seine Mutter nicht, entschließt er sich, Werner zu fragen und die beiden vertragen sich gut. Beim Abendessen gibt Karlis Mutter Werner Karlis Lieblingsbecher. Karli sieht das. Aber er sagt nichts. Warum die Autorin nicht Karli dies tun lässt, ist der Schwachpunkt der sonst guten Geschichte.


Kathrin Schärer: Die Stadtmaus und die Landmaus
Ill: Kathrin Schärer
32 Seiten, ab 4 J
Sauerländer
"Einst besuchte die Stadtmaus die Landmaus.", beginnt die Geschichte. Diese wird herzlich begrüßt und lernt die Landwelt kennen. Doch der Stadtmaus sind die Weizenfelder zu stoppelig, der gehörnte Stier macht ihr Angst und die Schweinereien stinken ihr zu sehr. Aber der Sternenhimmel, der Schlafplatz und der Sonnenaufgang gefallen ihr sehr.
Am nächsten Tag zeigt die Stadtmaus stolz der Landmaus ihre Welt. Da staunt die Landmaus über all die vielen Räder. Aber von den vielen Lichtern, dem Lärm und den Gerüche im Supermarkt wird der Landmaus speiübel. Die Nacht der bunten Großstadt gefällt ihr und auch das Fest am Schlafplatz mit den dreiundreißig Mäusen. Die morgendlichen Nebelschwaden am Fluss beeindrucken sie sehr. Doch will sie auch wieder nach Hause.
"Deins ist deins und meins ist meins. Beides anders - beides schön - deins für dich und meins für mich." Sagen die beiden Freundinnen, umarmen sich, nehmen Abschied und freuen sich auf ihren nächsten Besuch irgendwann einmal.

Die Autorin hat sich der Fabel, die aus der Antike stammt, angenommen und dahingehend inhaltlich verändert, dass sie nicht wie im Original (Aesop, Horaz) die Welten gegeneinander ausspielt sondern die Kinder ermutigt, ihren eigenen Lebensstil zu genießen und den anderer zu schätzen. Es gelingt der Sprachheilädagogin locker und leicht, das Zusammenspiel von Toleranz und Identität zu vermitteln. Sie hat ein auf allen Ebenen allen Ansprüchen gerecht werdendes großartiges zeitgemäßes Bilderbuch geschaffen, dem zu wünschen ist, ein alter Klassiker zu werden.


Carl Norac: Meine Mama kann zaubern
Ill.: Ingrid Godon
Aus dem Englischen: Sophie Birkenstädt
26 Seiten, ab 4 J
Carlsen 2007
Wie der Titel sagt, wird die Geschichte aus Kindersicht erzählt. Mama kann Ungeheuer vertreiben, erraten, was das Kind sagen will, Schmerz wegküssen u. a. m.. Allerdings wird die Kindersicht nicht konsequent durchgehalten.
Welches Kind in diesem Alter würde sagen, dass alles "wie" zaubern ist. Das Ende disqualifiziert sich ebenso: "Aber wenn Mama mir sagt, dass sie mich lieb hat, dann ist das besser als jede Zauberei." Kinder würden von sich aus nie einen solchen Vergleich treffen. So ein Satz ist Erwachsenenkitsch.
Mit wenig korrigierenden Aufwand, wäre das Buch gelungen! Würde es zu Beginn heißen: "Das ist Zauberei!" und am Ende: "Das ist keine Zauberei!" könnte sich jedes Kind damit identifizieren, weil dies die kindliche magische Welt widerspiegelt.


Sylviane Donnio: Dich hab ich zum Fressen gern!
Ill.: Dorothée de Monfreid
Aus dem Französischen : Ingrun Wimmer
32 Seiten, ab 4 J
Der kleine Achille lebt mit seinen vegetarischen Eltern zusammen. Doch eines Tages will er keine Bananenmehr essen sondern ein Kind. Keine Überredung, kein Trick hilft. Achille will ein Kind fressen. Doch als er am Flussufer ein Mädchen sieht, freut er sich zu früh. Sie nimmt ihn hoch, spielt mit ihm und wirft in dann in den Fluss. Nach diesem Erlebnis läuft er zurück und beschließt, viele Bananen zu essen, damit er groß wird und dann ein Mädchen fressen kann.
Wer diese Art von Humor liebt, wird mit dem witzig klar und ausdrucksstark illustrierten Buch eine Freude haben.


Sabine Blazy: Paula Pepper ermittelt: Schatten im Nebel
Ill.: Edda Skibbe
240 Seiten, ab 10 J
Thienemann
Die gehörlose Heldin Paula findet sich nicht nur im Alltag gut zu Recht, sie ist neugierig, denkt logisch, ist engagiert und löst so das Rätsel der unheimlichen Schatten im Gasthaus Fliegender Reitersmann. Stimmungsvoll beschreibt die Autorin die englische Nebelwelt und dadurch entstehende Spannung. Geisterstimmung entsteht. Auch der Plot ist gut und kindgerecht durchdacht. Doch die vielen Wort- und Bildwiederholungen zeigen Formulierungsschwächen, die leider vom Lektorat nicht bearbeitet wurden. Sonst ein gelungenes Buch.


Elke Heidenreich: Sonst noch was! oder Die Kunst, miteinander zu reden
Ill.: Bernd Pfarr
48 Seiten, ab 16 J
sanccouci
Die Autorin erzählt rückblickend von ihrer Zugfahrt als 13-jähriges Mädchen zu ihrem Onkel Hans aufs Land. Sie lernte im Abteil Frau Roswitha Gansauge und deren Hund Gustavo kennen und wird angeregt, die Tiersprache verstehen zu lernen. Ihr Können setzt sich gleich bei ihrer Ankunft um und bedauert Jahre später am Grab ihrer Mutter deren Wortkargheit, die sich in den Standardsatz "Sonst noch was!" subsumierte.
Heidenreich versteht es pointiert konzentriert und heiter besinnlich das Thema Kommunikation mit seinen vielen Spektren sowie all den Umwegen gelingenden Miteinanders lebensnah und berührend zu beschreiben.


Martin Widmark: Der Geisterladen
Ill.: Christina Alvner
74 Seiten, ab 8 J
Ueberreuter
Nelly Rapp, von Lena Schlau an der Monsterakademie ausgebildete Meisterdetektivin, entdeckt mit ihrem Hund London den Poltergeist Tulo und hilft diesem von Petrus in den Himmel eingelassen zu werden. Dazu müssen sie Conny Crut überführen (er überklebt abgelaufene Lebensmittel mit falschen Datum) und Tulo erkennt, dass er vermeiden kann an Geld zu denken, indem er in Nutrinella verliebt ist. So schlau und lernfähig Nelly ist, so beschränkt sind die beiden männlichen Hauptfiguren und der Nachtwächter.


Astrid Lindgren: Ur-Pippi
Kommentiert von Ulla Lundquist
Aus dem Schwedischen von Cäcilie Heinig und Angelika Kutsch
172 Seiten, ab 16
Oetinger
Bekannter Weise wurde Lindgrens Urfassung von Pippi Langstrumpf vom Bonniers Verlag abgelehnt, ehe die überarbeitete Geschichte von Raben & Sjögren publiziert wurde. Die Urfassung ist nun im vorliegenden Buch auf 101 Seiten nachzulesen. Dieser folgen auf 51 Seiten ein vergleichender Kommentar, der interessante Informationen gibt aber auch anregt, für sich selbst die beiden Texte zu vergleichen und die Veränderungen zu interpretieren.


Werner Holzwarth: Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat
Ill.: Wolf Erlbruch
Pop-up, 24 Seiten, ab 3 J
Peter Hammer
"Als der kleine Maulwurf eines Tages seinen Kopf aus der Erde streckte,...." so beginnt diese Detektivgeschichte und endet mit "Glücklich und zufrieden verschwand der kleine Maulwurf wieder in der Erde."
1989 erschien das Buch zum ersten Mal und wurde ein Klassiker. Dieser ist nun für die Kleinsten als pop-up erschienen und begeistert nun die nächste Generation - auch wenn die Moral der Geschichte Aug um Aug bzw. Wurst um Wurst ist.


Martina Baumbach: Jetzt trau ich mich!
Ill.: Jan Lieffering
32 Seiten, ab 4 J
Gabriel
Filippa soll die Elfenkönigin, die vom Drachen verschleppt wurde, bei der Kindergartenaufführung spielen. Ihr Protest wird nicht gehört, überhört, nicht ernst genommen. Weder ist die Problemstellung (Filippa hat bereits erfolgreich lange Gedichte aufgesagt) nachvollziehbar, noch überzeugt die Lösung.
Rollen traditionell verteilt (Felix spielt den Drachen, Niko macht die Beleuchtung, Filippa geht in der Nacht zum Kühlschrank, um sich Kakao zu holen, die Buben sägen, die Mädchen malen). Die Rede ist vom "Üben müssen". So wird Stress bereits im Kindergartenalter geschaffen.


Walter Schmögner: Das Drachenbuch
Ill.: Der Autor
16 Seiten, ab 4 J
Residenz
Das 1969 erstmals erschienene Buch wurde neu aufgelegt. "Es war einmal ein Drache..... " So beginnt die Geschichte vom zahmen, der mehrere Kunststücke kann und bedauert, dass er ganz alleine lebt und diese nicht herzeigen kann. Doch sein Wunsch erfüllt sich, da er der Einladung eines Plakats zur Kur des schönsten Tieres folgt und dabei viele andere Tiere kennen lernt. So auch die eine Maus, die mit ihm für immer zusammen blieb. Diese einfache Geschichte überzeugt besonders durch die detailreichen humorvollen Zeichnungen.


Heinz Janisch: Enzos Traumtor
Ill.: Evelyn Daviddi
24 Seiten, ab 4 J
Annette Betz
"Seit Enzo bei einem Verein Fußball spielt, hat er vor jedem Spiel wilde Träume." , beginnt der Autor Enzos Geschichte. Er zählt die vielen schrecklichen Szenen (Verteidiger sind große Felsen, der Torwart hat Tintenfischarme, der Ball verwandelt sich in eine Kürbis etc) kurz und pointiert auf, ehe Enzo doch noch das erlösende Tor schießt. Gerade in diesem Moment wacht er auf. Sein Vater wünscht ihm "Guten Morgen" und Enzo freut sich ganz ungeduldig auf das richtige Match. Ein Buch, das Aufregung konstruktiv bewältigt, Identifikation leicht ermöglicht und eine gute Vater- Sohn-Beziehung zeigt.


Agnes de Lestrade: Der liebste Wolf der Welt
Ill.: Constanza Bravo
32 Seiten
ab 4 J
Hanser
Das Mädchen (ohne Namen doch selbstbewusst und clever) begegnet dem Wolf und kann ihn verleiten, mit zur Großmutter zu kommen und Vegetarier zu werden. Dort frisst er tagsüber nur Gemüse und hilft bei der Gartenarbeit. Nacht für Nacht aber frisst er alle Hasen, Hühner und sogar den Nachbar und dessen Ziege. Das Mädchen verteidigt bis zuletzt den Wolf. Sie merkt die Gefahr schließlich doch und steckt ein Stück Fleisch ins Bett und rettet sich so selbst. Die Großmutter, die schon vorher Verdacht geschöpft hatte, verjagt nun den Wolf. Alle Kinder wissen am Schluss: Einem Wolf ist nie zu trauen.
Wortschatz, Argumentation (tierisches Eiweiß, Bluttfettwerte) und Humor entspricht nicht dem kindlichen Denken.


Jyoti und Suresh Guptara: Calaspia
720 Seiten
ab 12 J
Übersetzt von Frank Böhmert
Rowohlt
Die erst 19-jährigen Zwillinge britisch-indisch-schweizer Herkunft schrieben gemeinsam diese Fantasy-Saga, die in einer männlichen Welt mit traditionell männlichen Werten mit Verschwörung und viel Kampf spielt. Diese eindimensionale Geschichte ist auch stilistisch ohne Anspruch. Wie die beiden ersten Sätze: "Sprühnebel vom Wasserfall benetzte seine sonnenverbrannte Haut. Sandkörner flogen durch die Luft und blieben unangenehm an den feuchten Stellen kleben." Klingt es weiter. Am Ende fühlt sich der Held bedeutsam, weil er etwas gefunden hat, wofür sich zu kämpfen lohnt.
Bleibt abzuwarten, ob die europäischen LeserInnen durch J R Rowlings Niveau diesem Buch mit einer Startauflage von 100 000 Stück eine verdiente Absage erteilen.


Michael Borlik: Der 13. Engel
Ill.: Kathrin Treuber
368 Seiten
Ab 10 J
Thienemann
Amy lebt in einer Zauberwelt. Sie aber wurde ohne Magie geboren. Ihr Vater wird wegen Hochverrats (Verschwörung gegen den Prinzen) verhaftet. Sie entdeckt, dass ihre böse Tante mit dahinter steckt und rettet nach vielen Umwegen gemeinsam mit Finn ihren unschuldigen Vater.
Der Hintergrund dieser Geschichte um Macht liegt in der Vergangenheit. Der erste König des Reiches verfluchte vor 1000 Jahren die Engel und verwandelte sie in Stein. Diese hatten seine Familie nicht aus dem Sturm gerettet. Nun erwachen sie und führen untereinander einen Kampf wie es auch die machtgierigen Menschen tun. Weil Amy keine Magie beherrscht, ist sie von dieser als einzige auch nicht bedroht.
Sprachlich ist es einfach gehalten ("Ich muss jetzt weg. Eine dringende Angelegenheit wartet auf meine Entscheidung. Ich werde jedoch in Kürze ein paar von Lord Winterhalls Männern vorbeischicken, die die beiden in Gewahrsam nehmen.")


Brinx / Kömmerling: Neumond
288 Seiten
ab 14 J
Thienemann
Diese Geschichte von Chang, Jonas und Yannik ist ein bunter Mix und ergibt doch keinen schmeckenden Eintopf, weil er überwürzt ist. Die Schlagworte: Meteorit, Familien, die den Kindern keinen Halt geben, Freundschaft, Hund, Sex, die tödliche Krankheit von Jannik und am Ende die Reise nach China, woher Chang adoptiert wurde und wo Yanniks Asche mit der Rakete in den Himmel soll.
Vordergründig coole Situationsbeschreibungen lassen dieses Buch, das traditionelle Werte vermittelt - auch wenn viel recherchiert wurde - unstimmig wirken.

 

2007

CDs

Rafik Schami: Sie liebt ausgerechnet Bobo
1 Cd, ca. 60 Minuten
Der Autor erzählt selbst - mit musikalischen Übergängen
steinbach sprechende bücher 2007
Wenn sich Maus und Elefant ineinander verlieben, so ist das eine ganz besondere Liebesgeschichte. Mit Höhen, mit Tiefen, mit Lachen und Weinen und, weil es eine Geschichte ist, mit einem Happy End der unerwarteten Art und Weise am Schluss. Selbst Kinder können den Reifungsprozess und die Gleichwertigkeit der beiden leicht verstehen. Für Erwachsene sind der Charme und die Weisheit Rafik Schamis, der nie Klischees strapaziert sondern lebendig, respekt- und liebevoll vom Lebensdrama erzählt, eine wunderbare Gelegenheit, in innere Bewegung und Schwingung zu kommen.

Afrika Hörbuch Edition
Diese Edition besteht aus 8 Teilen mit den Schwerpunkten:
Tansania, Nigeria, Senegal, Elfenbeinküste, Kamerun, Somalia und einer Sammlung von Liebeslyrik aus ganz Afrika.
Eine sehr angenehme Möglichkeit, sich so der afrikanischen Literatur anzunähern, die ja keine Einheit bildet sondern eine reiche Vielfalt zeigt.
steinbach sprechende bücher 2007
www.afrika-erzaehlt.de
Aus Tansania kommt die Dorfsaga Die Kinder der Regenmacher. Der Autor AnicetiKitereza (1981 gestorben) gehört zu den wichtigsten Schriftstellern seines Landes. Es war ihm ein Anliegen, dass nicht verloren geht, in welcher Kultur die Gegenwart wurzelt. So ist seine Geschichte des Ehepaares Myombekere und Bugonoka ein Dokument, das Einblick gibt in Werte, Vorstellungen, Alltag und soziale Gefüge. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Kinderlosigkeit des Paares mit all seinen Konsequenzen. Dieser stilistisch stimmig klare und gleichzeitig poetische Text wird grandios von Eva Mattes in ca. 300 Minuten gelesen.

Der Zauber von Afrika
17 Prominente lesen afrikanische Märchen
2 Cds, ca. 160 Minuten
Mit dem Erwerb wird die Aktion von Böhm "Menschen für Menschen" finanziell unterstützt.
steinbach sprechende bücher 2007
Die 32 erzählten Märchen führen Kinder wie Erwachsene nicht nur von der Alltagswelt in die Märchenwelt sondern auch noch auf den afrikanischen Kontinent und macht diese Märchen doppelt faszinierend. Sie führen an Grenzen und über Grenzen, verbinden und vermitteln, lassen staunend sich zusammensetzen um sich damit spielerisch leicht auseinanderzusetzen.


Uri Orlev: Der Mann von der anderen Seite
Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler
2 CDs, 150 Minuten
gelesen von: Ulrich Pleitgen, ab 12 J
Beltz & Gelberg
Der in Warschau geborene und heute in Israel lebende Autor überlebte als 12-jähriger das KZ Bergen-Belsen. In seinem Buch erzählt er vom 14-jährigen Marek, der mit seinem Stiefvater Lebensmittel ins Warschauer Ghetto schmuggelt, seine wahre Herkunftsgeschichte erfährt, einem Juden hilft, sich zu verstecken u.a.m.. Dieser Erzählung ist für Jugendliche eine ausgezeichnete Möglichkeit, verständlich und nachvollziehbar einen Einblick in diese Zeit zu bekommen.


Harald Parigger: Caeser und die Fäden der Macht
2 CD - 146 Minuten
Sprecher: Johannes Steck, ab 10 J
Arena Audio 2007
Geschichtsunterricht - zugegeben sehr spannend erzählt und klug aufgebaut - allerdings leider wieder nur aus der traditioneller Perspektive. Der Satz, dass Frauen keine politische Macht hatten, war es denn dann auch schon .... Aber:
Oft übertrafen edle Römerinnen die Männer selbst an Klugheit und Würde. So war Terentia heldenmütiger als Cicero, Veturia edler als Coriolan, Paulina stärker als Seneka u. f. In keinem morgenländischen Harem, in keinem Gynäzeum der Griechen konnten, bei aller Anlage der Natur, weibliche Tugenden hervorsprossen wie im öffentlichen und häuslichen Leben der Römer; freilich aber auch in verdorbenen Zeiten weibliche Laster, vor denen die Menschheit schaudert. Schon nach Überwindung der Lateiner wurden hundertundsiebenzig römische Gemahlinnen eins, ihre Männer mit Gift hinzurichten, und tranken, als sie entdeckt waren, ihre bereitete Arznei wie Helden. Was unter den Kaisern die Weiber in Rom vermochten und ausübten, ist unsäglich. Der stärkste Schatte grenzt ans stärkste Licht: eine Stiefmutter Livia und die treue Antonia-Drusus, eine Plancina und Agrippina-Germanikus, eine Messalina und Oktavia stehen dicht aneinander.
Es waren die Römer, die die emancipatio erfanden. Eine Person aus der manus, der persönlichen Rechtsgewalt des pater familias, zu entlassen, war nicht nur für Sklaven eine Möglichkeit, ihren rechtlichen Status entscheidend zu verbessern, sondern auch für Frauen. Gleichzeitig blieben die Männer bis zum Tode ihres Vaters ohnehin unter dessen potestas. Zudem gab es sehr unterschiedliche Rechtsformen der Ehe. Theoretisch konnte der Fall eintreten, dass eine bereits aus der manus entlassene Frau mit einem Mann verheiratet war, der noch unter des potestas seines Vaters stand. Besonders in der späten Republik haben wir vielfältige Hinweise auf das außergewöhnliche Selbstbewußtsein der Römerinnen, mit dem die Männer durchaus zu kämpfen hatten. Auch Cicero gehörte immer wieder zu den Betroffenen.
Literatur: J.F. Gardner, Frauen im antiken Rom. Familie, Alltag, Recht, München 1995; M.H. Dettenhofer, Frauen in politischen Krisen. Zwischen Republik und Prinzipat, in: dies. (Hrsg.): Reine Männersache? Frauen in Männerdomänen der antiken Welt, München 1996, 133-158; M. Kaiser, Römisches Privatrecht, München 200312.

 

E.B. White: Wilbur und Charlotte
Aus dem Amerikanischen von Anna Cramer-Klett
Ill.: Garth Williams
Gelesen von Anna König
4 CDs - 259 Minuten
Erstausgabe: 1952 in Buchform, ab 8 J
Diogenes
Die 8-jährige Fern setzt sich bei ihrem Vater dafür ein, dass das zu klein geratene Ferkel, das sie Wilbur nennt, nicht getötet wird. Sie darf es aufziehen. Es entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen beiden, doch dann kommt Wilbur zu Ferns Onkel. Dort lernt Wilbur Charlotte, die Spinne, kennen und das Schaf Charlotte, das geschlachtet werden soll. Damit das nicht passiert, helfen noch andere Tiere mit. Viele weitere Abenteuer folgen danach.
Furn, die mehr Kontakt mit Tieren als anderen Kindern hat, wird von ihrer Mutter sorgenvoll betrachtet und findet auf ihre Art und Weise zu den Menschen.
Die Eigenart jeder Handlungsperson und die Themen Freundschaft, Tod, Vertrauen und Mut sind die zentralen Aspekte dieser Geschichte.
Anna König charakterisiert die einzelnen Tiere und Personen stimmlich überzeugend.

Bücher

Englisch

Für alle, die gerade Englisch lernen und Janosch mögen:
The trip to Panama sowie A letter for tiger
Im handlichen Kleinformat bei Beltz & Gelberg 2007 erschienen



Deutsch

Angie Sage: Die Abenteuer der Araminta Spuk
Bd. 3: Die Entführung der Frösche
Ill.: Thilo Krapp
Aus dem Englischen: Ulli und Herbert Günther
170 Seiten, ab 8 J
Carl Hanser
Araminta erzählt selbst ihr Abendteuer, das sich nichtsahnend aus der Frage von Barry: "Araminta, wo hast du meine Frösche hingetan?" entwickelt. Sie hat keine Ahnung, wo die Froschakrobaten sein könnten aber ergreift die Gelegenheit und gründet mit Wanda ihr Detektivinnenbüro. Ihre Nachforschungen führen sie mit Sir Horace, dem Hausgeist, (die unkonventionelle Familienzusammensetzung ist erfrischend) zur Entdeckung des Haigeheimnisses und vieler anderer. Am Ende dieser heiteren und durchaus komischen Geschichte sind die Frösche wieder heil zurück. Der englische Autorin gelingt es inhaltlich (die Gefahren sind kindgerecht) wie sprachlich (Papas Frösche sind gefroschnappt worden!) und auch durch die pointierten Personenbeschreibungen, dass die LeserInnen vergnügt Araminta bis zur letzten Seite mit Begeisterung begleiten.
Bisher erschienen:
Gruselangriff aus dem Hinterhalt
Das Schwert in der Grotte


Ange Zhang: Rotes Land Gelber Fluss
Aus dem Englischen: Friedbert Stohner
Mit farbige Illustrationen und Familienfotos des Autors
56 Seiten, ab 10 J
Carl Hanser
Der Autor erzählt, wie er als 13-jähriger Bub die chinesische Kulturrevolution in Beijing erlebt und über die darauf folgenden drei Jahre, die er am Land arbeitet. Er endet mit dem Entschluss, bildender Künstler zu werden.
Die siebenseitige Information im Anhang vermittelt geschichtliche Aspekte und berichtet, dass der Künstler heute in Kanada lebt.
Das Buch ist schwierig zuzuordnen. Im Kinderbilderbuchstil herausgebracht ist es nicht für Kinder unter 8 Jahren geeignet. Doch selbst für Zehnjährige fehlt das emotionale und nachvollziehbare Element, das mehr Verständnis vermitteln könnte. Für Jugendliche kann es eine Anregung sein, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, weil sehr viele Aspekte offen bleiben. Für Erwachsene ist interessant zu analysieren, welche Schwerpunkte der Autor in seiner Erzählung setzte und was er alles wegließ. Im Vergleich zu den vielen ausgezeichneten Büchern zur Aufarbeitung von Kindheit im Naziregime ist dieses Buch nur begrenzt gelungen.


Anu Stohner: Gute Nacht, Sterne!
Ill.: Henrike Wilson
32 Seiten
Carl Hanser
Der sonst so schnelle Bär ist besonders langsam, wenn es das Schlafengehen betrifft. Am liebsten spielt er mit den Eltern (beide bringen ihn zu Bett !) Reime zu finden. Diese kreative und doch ruhige Geschichte bereichert unspektakulär (Gute Nacht Affe! - Schlaf schön, Giraffe) die Bettlektüre für die Kleinen.


Brigitte Blobel: Zwischen Bagdad und nirgendwo
315 Seiten, ab 14 J
cbj
Die Autorin beschreibt die Situation in Bagdad und den Tod von Saids Eltern im ersten Viertel des Buches. Dann zieht Said (14 Jahre) zu seinem Onkel nach Berlin, wo er nach seiner Identität sucht, mit einer neuen Schulrealität und Diskriminierung konfrontiert wird und nach einer Krise gerade noch überlebt. Die Geschichte endet mit dem Happy End von Said und Lena.
Ein Buch, das jugendlichen LeserInnen neue Welten eröffnen könnte und das doch auf vielen Ebenen enttäuscht. Besonders auf der Geschlechterrollenebene, denn die Autorin lässt Lena unreflektiert und unkritisch ein Mädchen sein, das sich gegenüber einem Burschen nicht wehrt und auch nicht wehren will. Sie will vom Täter geküsst werden, alles andere zählt nicht. Wohl aber auch, weil am Schluss kein Bezug auf Bagdad mehr genommen wird.


Franz-Josef Huainigg: Du gehörst zu uns - Geschichte einer Adoption
Ill.: Verena Ballhaus
24 Seiten, ab 4 J
Annette Betz
Mit viel pathetischem Gefühl wird das komplexe Thema "Adoption" überfrachtet und auch sprachlich nicht altersadäquat präsentiert. ("Wir dachten uns, wenn wir kein Kind von alleine bekommen, dann könnten wir vielleicht einem Kind helfen, das keine Eltern hat." ... "Wir konnten unser Glück kaum fassen."). Rollenklischees werden unkritisch tradiert. (Papa ist stolz, Mama küsst.) Es wäre wünschenswert, dass sich AutorInnen bei solchen Themen sachlich, fachlich und psychologisch beraten lassen und das Lektorat sich ernsthaft mit dem Text auseinandersetzt.


Helme Heine: Nimm mich, wie ich bin
32 Seiten
Sanssouci
Philosophisch, realistisch, humorvoll - so zeigt Helme die duale Welt. Wo es weiße Schafe gibt, muss es auch schwarze geben - zumindest tagsüber, denn nachts ist ja alles schwarz und dunkel. Ein schwarzes Schaft erzählt aus seiner Sicht vom Wesentlichen im Leben. Viele männliche Schafe werden sich leicht damit identifizieren können. Auf den Punkt und auf den Strich gebracht - ein Büchlein, das um weibliche Sympathie bittet.


K. Kampwerth, O. Hilf, C. Streng: Prinzen, Frösche, Supertypen
Die besten Tipps und Tricks für den Umgang mit Jungs
Ill.: Alexander Weiler
255 Seiten, ab 12 J
Thienemann 2007
Es sei vorweg gesagt: Hier geht es leider wieder einmal um Stereotypen und nicht um den Aufbruch von Rollenklischees. Auch wenn in der Einleitung auf Sozialisation hingewiesen wird, so wird doch die Aufgabe, das männliche Geschlecht zu verstehen, bereits an die jungen Mädchen delegiert. Von Dialog und Austausch ist keine Rede! Offenbar sind auch alle Jungs gleich. Sie spielen Fußball, sind Beschützer,.... Der Vorteil einer Freundschaft mit Jungs? Den Mädchen wird mitgeteilt: "Dein Fahrrad hat nie einen Platten. Du darfst länger ausgehen." etc.
Eine klare Absage an dieses Buch!

Anja Kömmerling, Thomas Brinx: Jenny - Mädchen sind besser
Ill.: Carola Holland
157 Seiten, ab 12 J
Thienemann 2007
Jenny und die Zwillinge Zora und Jana sind dicke Freundinnen, die in die sechste Klasse gehen und Jungs als voll blöd einstufen. Dennoch schneidet sich Jenny ihre lange Haare ab, um die Jungs zu beeindrucken und orientiert sich auch sonst sehr an Jungs. Sie bekommt sicher ihren Prinzen - vermittelt das AutorInnenteam. Traditionelles Denken das vordergründig vielleicht flott und aufmüpfig daherkommt.
Heutige Mädchen haben Besseres verdient!


Michael Peinkofer: Der Pirat von Barataria
304 Seiten, ab 12 J
Ueberreuter
Die Geschichte spielt in den Südstaaten in der Zeit von 1852, da im Süden noch Sklaven gehalten werden, der Norden sich für deren Freiheit einsetzt. Die drei Geschwister Fairbanks reisen nach dem Tod ihres Vaters in den Süden, wo sich unerwartet ein Abenteuer ergibt. Die Geschwister halten zusammen, doch Henry ist der große Held. Sie decken eine Verschwörung auf, werden reich und reisen schließlich, da es dem Mörder ihres Vaters nicht gelingt, auch sie zu töten sondern selbst von den Alligatoren gefressen wird, wieder in den Norden. Ein spannend geschriebener historischer Abenteuerroman.


Katherine Paterson: Die Brücke nach Terabithia
aus dem Amerikanischen: Vanessa Walder
mit Fotos aus dem gleichnamigen Film
168 Seiten, ab 10 J
Ravensburger
Bereits 1977 im Original erschienen, kam die Verfilmung 2006 in die Kinos und das Buch, das die Stimmung der 1970iger Jahre widerspiegelt, wurde wieder aufgelegt.
Jess (zeichnerisch begabt) und Leslie (phantasievoll) fühlen sich zueinander hingezogen und spielen in ihrer eigenen Welt auf einer kleinen Insel, die sie Terabithia nennen. Am Ende der Geschichte, in der Leslie ums Leben kommt, als das Seil reißt und sie mit dem Kopf am Fels anschlägt, fällt es Jess schwer, ihren Tod zu realisieren und anzunehmen.
Wer sich an Sätzen wie "Leslie war mehr als nur ein Freund. Sie war sein anderes, spannenderes Ich - sein Weg nach Terabithia und der Weg zu all den Welten dahinter." nicht stört, wird das Buch gefallen.


Nina Blazon: Die Sturmrufer
300 Seiten, ab 14 J
Ueberreuter
Die kräftige, mutige und leicht aufbrausende Amber kommt von den Bergen, denn ihre Sehnsucht gilt dem Meer. Die BewohnerInnen von Dantar haben sowohl Verachtung als auch Zuneigung gegenüber Fremden. Amber erhält eine Chance und fährt mit Inu, Tanijen und Sabin aufs Meer, um Ladungen der vom Sturm versenkten Schiffe zu bergen. Die kleine Gruppe wird auf eine unbekannte verzauberte Insel verschlagen und es ist ein temporeiches Abenteuer mit Irrungen und auch Tod, bis der Zauber gelöst ist.
Die Autorin beschreibt neben der aktionsreichen Handlung auch die unterschiedlichen Beziehungs- und Lernqualitäten von den beiden Männern und Frauen spannend und lebendig. Unaufdringliche philosophische Überlegungen (Wie kannst du das Vollkommene sehen, wenn du das Unvollkommene nicht liebst?), kritische (Wer ist hier der Lügner, Seiler? Euer Kodex sagt, dass alles verbunden ist. Doch sobald jemand schuldig sein muss, knüpft ihr ihm einfach das Seil um den Hals.) und andere (Das ist nicht die Magie, die in der Natur liegt. Es ist Menschenmagie, von einem Willen erzeugt.) machen die Geschichte gut, abwechslungsreich und leicht lesbar. Und sie schließt keinen hermetische Grenze um ihre Geschichte, sie lässt Raum für eigenen Überlegungen und bricht traditionelle Grenzen auf.


Posy simmonds: Lulu im Museum
Aus dem Englischen: Erica Ruetz
30 Seiten, ab 4 J
Diogenes
Das Original erschien 1988, in Deutsch wurde es 1990 zum ersten Mal publiziert und erscheint nun in zweiter Auflage. Die Comic Zeichnungen zeigen Lulu (im Kindergartenalter), die in den Park will, doch der Vater will mit ihr und dem Baby ins Museum. Dort lässt er sie allein auf der Bank sitzen und geht weiter. Lulu taucht - von Engel begleitet (die aus dem Bild bzw. von Sockel gestiegen sind) in die Bilder und hat so ihren Spaß. Am Schluss werden die Engel vom Wärter wieder an ihren Platz gebracht. Aber Lulus Vater glaubt kein Wort von Lulus erlebten erzählten Abenteuern.
Eine Geschichte mit vielen netten Ansätzen, die aber viele Chance nicht genützt hat (dass Lulu verstanden wird, dass die Bilder im Anhang erklärt werden u.a.m.).


Meja Mwangi: Das Buschbaby
Aus dem Englischen: Thomas Brückner
318 Seiten, ab 12
Peter Hammer Verlag
Erheiterte und überzeugte der Autor u.a. bereits mit Happy Valley, so liegt hiermit wieder eine Geschichte vor, die die Realität in Afrika mit all ihren Vielschichtigen Facetten zeigt und die LeserInnen in anderes Denken und Leben leichtfüßig einführt. Im Zentrum steht die Verwechslung zweier Babys, als im Buschkrankenhaus der Generator ausfällt. Das weißhäutige Paar erhält das dunkelhäutige Baby und die dunkelhäutigen Eltern ein weißes Baby. Lösung auf afrikanisch machen dieses Buch zu einem auf allen Ebenen wunderbaren Leserlebnis.


Jacqueline Wilson: Das Mädchen aus der Tonne
Aus dem Englischen: Christiane Jung
192 Seiten, ab 11 J
Ravensburger
April erzählt ihre Geschichte, ihre Suche nach ihrer Identität, ihrer Geschichte. Sie hat kein gewöhnliches Schicksal, da sie ein so genanntes Müllkind ist. Ihre Mutter hat sie als Baby in einer Mülltonne zurückgelassen. An ihrem 14. Geburtstag schwänzt sie die Schule und geht an all die Orte, die mit ihr verbunden sind. So begegnet sie vielen Menschen von früher und auch neuen, ihren Gefühlen und inneren Scheidewegen.
Wilson gelingt es, den LeserInnen die tragischen Seiten wie auch die komischen, skurrilen und denkwürdigen Seiten des Lebens stilistisch sicher, reflektiert und gekonnt nahe zu bringen und das Lesen zu einem berührenden und verstehenden Vergnügen werden zu lassen.


Margit Berger: Freundschaftsprobe - Eine wahre Pferdegeschichte
160 Seiten, ab 11 J
Ensslin
Sarahs Wunsch wurde erfüllt, sie hat ein eigenes Pferd. Für den Haflinger Nestor, der aufgrund seiner bisherigen Erfahrung kaum Vertrauen in die neue Besitzerin hat, stellt sie ihr Leben um und setzt neue Prioritäten. Sie verzichtet auf ihr geliebtes Judo und sagt auch den geplanten SchülerInnenaustausch nach Spanien ab.
Nach einem Jahr Probezeit erlauben ihr die Eltern mit ihren beiden Freundinnen und deren Pferden eine Woche lang unterwegs zu sein. Dadurch will sie Nestor Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Die ruhige Woche wird zur abenteuerlichen Herausforderung.
Die Geschichte ist nicht frei von Klischees, stilistisch überzogen und überzeugt nicht. (Zitat: Auf den Außenkanten der Schuhe balancierte Sarah über den matschigen Hof zum Unterstand, den ihr Vater für sie zusammengezimmert hatte. Wahnsinnig nett von ihm, ihretwegen zu Hammer und Säge zu greifen, wo er als Bankangestellter viel lieber am Computer arbeitet.)


Sigrid Heuck: E-Mails aus Afrika
144 Seiten, ab 10 J
Thienemann
In diesem Buch wird den LeserInnen das Thema "Flussblindheit" in Afrika nahe gebracht. Die Autorin meinte, die Geschichte mit viel Emotion aufpeppen zu müssen und lässt die elfjährige Lilli, deren Mutter vor zwei Jahren verstarb, nun von ihrem Vater, der aus Forschungszwecken für mehrere Wochen nach Afrika reist, bei ihrer Großmutter zurück. Vater und Tochter schreiben einander viele E-Mails. Über diese Erfahren die LeserInnen alles. Am Ende gibt es für Lilli eine Stiefmutter und für alle ein Happy End. Auch stilistisch ist das Buch nicht überzeugend.


Carolin Philipps: Der Baum der Tränen
144 Seiten, ab 13 J
Ueberreuter
Die Situation der MexikanerInnen, die aus wirtschaftlichen Gründen illegal und gefährdet über die Grenze in die USA einwandern und immer mit Angst vor Entdeckung leben, hat die Autorin gut recherchiert. Zahlen, Standpunkte und Sichtweisen sind ausgewogen dargestellt. Das Engagement von SchülerInnen in Los Angeles zum Thema ist integrierter Bestandteil der Geschichte. Die LeserInnen haben damit eine ausgezeichnete Diskussionsgrundlage.
Dass Luca, die Hauptfigur, zusätzlich mit Familientragödien belastet wird, lässt das dünne Buch überfrachtet wirken.


Marlene Röder: Im Fluss
224 Seiten, ab 14 J
Ravensburger
Die 1983 geborene Autorin legt hiermit ihr erstes Buch vor, das von der 16-jährigen Mia handelt, die mit ihren Eltern gegen ihren Willen aufs Land ziehen muss. Sie lernt Alex und Jan kennen. Eine komplizierte Beziehungsgeschichte entwickelt sich, in der Alina eine wesentliche Rolle spielt und Mia beinahe umbringt.
Stilistisch noch nicht ausgereift, teilweise zu holprig und pathetisch ist der Autorin dennoch ein spannender Plot gelungen.


Katja Behrens: Hathaway Jones und die schöne Flora Dell
160 Seiten, ab 13
Gulliver von Beltz & Gelberg
Die Autorin folgte wandernd den Spuren von Hathaway Jones, der Ende des 19. Jh. in Oregon lebte und am Rogue River die Post austeilte und dabei auch Waren verkaufte. Fasziniert von der Hauptperson erzählt sie von jenem Jahr, als Hathaway um die 14 Jahre alt war und sich in Flora Dell verliebte. Das harte Leben, die rauen Sitten, die rudimentären Kommunikationsstrukturen vermengt sie kompakt mit der Problematik der IndianerInnen und ermöglicht so einen Blick in die Realität des Wilden Westens.


Pensri Kiengsiri: Seebarsch und Süßkartoffeln

136, ab 13 J
Aus dem Englischen: Mayela Gerhardt
Baobab
Die Autorin, 1931 in Südthailand geboren, machte 1979 eine Reportage über den Thonglor-Markt in Bangkok. Auf dieser basiert dieses Buch, in deren Mittelpunkt die Geschichte von Kim-lang (deren Mutter einen Fischstand hat) und Paramet (der einen Gemüsestand hat) und am Ende deren Hochzeit steht.
Der Alltag am Markt sowie die Strategie der Jugendlichen aber auch die der Eltern werden aus der Sicht von damals geschildert.


Paula Fox: Ein Bild von Ivan

Aus dem Amerikanischen: Brigitte Jakobeit
128 Seiten, ab 12J
Erschein 1969 im Original, 2007 deutschsprachige Erstveröffentlichung
Boje Verlag
Ivan ist ein Junge, der mit seinem Vater, der viel reist, und der Haushälterin lebt. Die Geschichte beginnt, als der Maler, der Ivan porträtieren soll und eine Vorleserin in sein Leben eintreten. Sie nehmen ihn ernst, lassen ihn an ihrem Leben teilnehmen und vermitteln Lebensanschauungen ("Und warum macht er keine Fotos?" fragte Ivan. "Er ist der Ansicht, dass Bilder besser wiedergeben, wie etwas wirklich ist." "Aber genau das kann doch ein Foto zeigen!", sagte Ivan. "Nein, kann es nicht", widersprach Miss Manderby. "Weil ein Haus, weil nichts genau so ist, wie es aussieht."). Ihre gemeinsame Reise nach Florida, wo er die kluge, erfahrene und zeichenbegabte Geneva kennen lernt, erweitert seinen Erfahrungshorizont positiv. Zurück zu Hause hat er endlich den Mut, seinen Vater nach einem Bild von seiner Mutter zu fragen und von seinem Onkel erfährt er vom Tod seiner Mutter durch ertrinken.
Der Autorin ist es gelungen, ein ungewöhnlich herausragendes zeitloses Buch über die emotionale Entwicklung eines Buben zu schreiben, das unpathetisch, ehrlich und leicht und spannend zu lesen ist.


Uri Orlev: Das Tier in der Nacht
Ill.: Amelie Glienke
Aus dem Hebräischen: Mirjam Pressler
Originalausgabe erschien 1989
112 Seiten, ab 6
Beltz & Gelberg
Das Schattentier kann sich von allem befreien und sich in der Dunkelheit aufblasen. Bei Licht schrumpft es. Mittlerweile hat sich der junge Erzähler mit diesem Tier angefreundet und will sich von diesem nie mehr trennen. Er erzählt in einfachen Worten, wie alles begann und sich langsam veränderte. Ein Geschichte, die Mut macht, über sich, die eigenen Gefühle zu sprechen und hilfreiche Strategien gegen die Angst zu entwickeln bzw. diese anzunehmen und das Leben zu bewältigen. Ein originelles und empfehlenswertes Buch zum Thema Angst.


Heinz Janisch: Ich hab ein kleines Problem, sagte der Bär
Ill.: Silke Leffler
32 Seiten, ab 4 J
Annette Betz
Kaum setzt der Bär an und sagt: "Ich hab ein kleines Problem, ...", wird er unterbrochen und die verschiedensten Lösungsansätze werden aufgedrängt. So erhält er Flügel vom Erfinder, einen Schal vom Schneider, einen Hut vom Hutmacher, Tabletten vom Arzt, einen Anhänger vom Straßenhändler, eine Brille von der Brillenverkäuferin, einen Topf Honig von der Geschäftsfrau und Bärenstiefel von der Verkäuferin. Am Ende des Tages ist der Bär erschöpft und stellt alles, was er bekommen hat, seufzend in die Wiese. Da kommt eine Fliege, setzt sich zu ihm, fragt ihn und hört ihm zu. Da erfahren die LeserInnen, dass der Bär Angst hat, allein in der dunklen Höhle zu sein. Da die Fliege gerade einen Platz zum Bleiben sucht, schließen sie sich zusammen. Und der Bär fühlt sich schon ein bisschen besser - ganz einfach, weil die Fliege da ist.
Eine durch und durch stimmige Geschichte, in der sich Kinder wieder erkennen können. Denn wie oft lässt man sie auch nicht aussprechen und stülpt ihnen Dinge über, die sie weder wollen noch brauchen? Ein positives und bestärkendes Buch des Miteinander.

 

Tanja Jescke: Mama, Papa und Zanele
Die Geschichte einer Adoption
Ill.: Jutta Garbert
32 Seiten, ab 5 J
Gabriel Verlag
Hier liegt nun eines der seltenen Bücher zum Thema Adoption vor. Leider wird alles zuckersüß beschrieben und kann nicht anders als nicht gelungen bezeichnet werden.
Auf der Illustration sieht Zanele wie ein dreijähriges Mädchen aus. Die Geschichte wird von ihrer Perspektive erzählt und wirkt, als wäre sie acht Jahre alt. Kein Aspekt der Trauer über den Verlust ihrer leiblichen Mutter (im Buch als "Bauchmutter" bezeichnet - Zitat: "Dann hat sie mich zur Welt gebracht. Das hat sie richtig gut gemacht." - Woher kommt diese Wertung?). Kein Wort über den Vater. Keine Irritation über das ganz andere Wetter, die fremde Sprache. Alles klingt so, wie Erwachsene dem Kind die Adoption erzählen könnten. Unstimmigkeiten auf jeder Seite, nicht authentisch und unrealistisch.

 

Martin Baltscheit: Hauptsache, es wird kein Hund
Ill.: Katja Kamm
40 Seiten, ab 4 J
Bajazzo
Ein wunderbar witziges und originelles Buch zum Thema: Meine Mama ist schwanger.
Die Tochter erzählt aus ihrer Perspektive. Alle fragen: "Was wird es werden?". Mama wünscht, dass es gesund ist. Papa sagt: "Hauptsache, es wird kein Hund!" Sie denkt, was wäre, würde Mama Katzen oder einen Papagei oder ein Faultier oder Pferd oder Schmetterlinge oder ein Krokodil oder ein Schwein oder einen Drachen zur Welt bringen. Alles hätte vor aber auch Nachteile. Als ihre Eltern aus dem Spital zurückkommen erschrickt sie. Zitat: "Warum denn ein Mädchen?", frage ich. Meine Eltern sehen sich an und lächeln. "Na", sagt meine Mutter, "weil uns das erste schon so gut gefallen hat!"

 

Lee Tae-Jun: Wann kommt Mama?
Ill.: Kim Dong-Seong
Aus dem Koreanischen: Andreas Schirmer
Zweisprachig
40 Seiten, ab 5 J
NordSüd - Baobab
Es ist kalt und ein Kind wartet bei der Straßenbahnhaltestelle auf seine Mutter. Anfangs fragt es die Fahrer: "Kommt meine Mama nicht?", doch nach einer Weile steht es nur noch schweigend mit roter Nase in der Kälte und wartet. Ob und wann diese kommt, bleibt offen. Die poetische Illustration ist in Gelb, Braun und Grün gehalten. Das Warten kommt gut zum Ausdruck, weil viele Seiten ohne Text sind. Eine berührende Geschichte.
Sie erschien 1938 zum ersten Mal in einer Zeitung. Die Illustrationen sind neu, nehmen jedoch Bezug auf Kleidung, Haltung und Straßenbahn dieser Zeit. Im Anhang finden sich Erklärungen zur Sprache und Schrift Koreas sowie Informationen zum Buch.

 

Darcy Pattison: 19 Mädchen und ICH
Ill.: Steven Salerno
Aus dem Amerikanischen: Uli Blume
32 Seiten, ab 5 J
Boje
Henning wird an seinem ersten Schultag von seinem älteren Bruder, der in die dritte Klasse geht, gewarnt, kein Weiche zu werden, als einziger Bub mit 19 Mädchen in der Klasse. Doch er antwortet, er wird aus den Mädchen harte Burschen machen. Jeden Tag spielen die Kinder zusammen wunderbare Spiele, wo Abenteuer, Mut aber auch Kreativität, Gesang und Phantasie eine große Rollen spielen. Henning erzählt einen Teil davon seinem Bruder, der ihn täglich warnt. Am Ende der Woche spielen beide Klassen zusammen und haben viel Spaß. Abschließend klopft der Bruder Henning auf den Rücken und ist beeindruckt von den "19 harten Burschen".
Henning antwortet darauf: "Nein! 19 Freunde."
Leider hat die Übersetzerin die Geschichte nicht ganz verstanden, denn es müsste "FreundInnen" heißen.
Das Thema der Geschlechterrollen wurde inhaltlich gut gelöst, denn Mädchen wie Burschen haben miteinander gespielt und all ihre Potentiale gelebt. Einziges Manko: Die Initiative zum Spiel ging immer von Henning aus. Auch wenn die Mädchen sich mit ihren Ideen während des Spiels einbrachten, bleibt eine Unausgewogenheit.


Lila Prap: Mein Papa und ich!
Aus dem Slowenischen: Mathias Ospelt
40 Seiten, ab 4 J
Nord Süd
Der Sohn erzählt im manchmal holprigen Reim von seinem Superpapa. Dieser ist der allergrößte, stark, unerschrocken, dick, hüpft und plantscht gerne mit ihm, spielt auch Verstecken oder trägt ihn, wenn er müde ist. Sie lachen oft miteinander. Aber Papa regt sich auch auf, wenn er zu oft "Warum?" fragt. Er ordnet ihm verschiedene Tiere zu (Känguru, Elefant, Nashorn, Giraffe, Affe etc). Am Ende des Tages liest Papa ihm dann dieses Buch vor.
Die Illustrationen sind groß, klar, freundlich bunt, und auf das Wesentliche reduziert.

 

Helga Bansch: Ein schräger Vogel
Ill.: die Autorin
32 Seiten, ab 4 J
Beltz & Gelberg
Robert ist ein ausgesprochen fröhlicher Rabe. .....Und weil er so ein fröhlicher Rabe ist, will er allen zeigen, wie schön das Leben ist........Robert macht einfach alles anders. Und alle lachen über ihn. Denn Raben wissen, wie man sich anzieht, wie man singt, worüber man lacht und mit wem man tanzt ....
Er wird weggeschickt und er reist ab. In der Fremde findet er Anerkennung. In der Zwischenzeit merken ein paar Raben, was sie an Robert verloren haben und als Robert eines Tages zurückkommt und ein Konzert gibt, findet er Fans, die auch beginnen, anders als die andern zu sein. Immer noch gibt es Raben, die sich darüber furchtbar aufregen, aber Robert kommt ab nun viel öfter nach Hause.
Inhalt, Stil und Illustration machen aus diesem ernsten Thema ein wunderbar leichtes Buch, das für Vorurteile sensibilisiert und Eigensinn stärkt.


Bettina Wenzel: Wie Prinzessin Ludmilla den Drache eroberte
Ill.: Markus Grolik
64 Seiten, ab 7 J
Sauerländer
Der Drache will dichten und keine Prinzessinnenbefreien. Die Prinzessin will endlich ihr langweiliges Leben im Schloss beenden und macht sich auf zum Drachen. Der Prinz will Entdecker sein und keine Prinzessin aus den Klauen des Drachen befreien. Allen dreien gelingt es, gegen den Willen der Eltern ihr Glück zu leben, die sich schließlich damit abfinden und Friedenschließen.

 

Pija Lindenbaum: Franziska und die Elchbrüder
Ill.: die Autorin
Aus dem Schwedischen: Birgitta Kicherer
40 Seiten, ab 5 J
Beltz & Gelberg
Franziska ist ein Einzelkind und wünscht sich eine kleine Schwester oder einen großen Bruder. Da kommt ihr Freund Tim und sie gehen Po-Rutschen im Schnee. Aber Franziska bleibt nur kurz, weil noch so viele andere da sind. Am Eingang trifft sie drei Elchbrüder, die sie mit ins Zimmer nimmt. Die sind eigenwillig und nicht so wie sie. Am Ende ist sie froh, dass sie gehen und sie keinen Bruder hat. Sie freut sich auf ihre KindergartenfreundInnen und ihre Cousinen.
Es stellt sich die Frage: Warum Brüder so platt und schlecht charakterisiert werden und wer das witzig finden soll?


David Klass: Wenn er kommt, dann laufen wir

Aus dem Amerikanischen: Alexandra Ernst
328 Seiten, ab 14 J
Arena 2006
Jeff erzählt ab dem Zeitpunkt, als er die Nachricht erhält, dass sein älterer Bruder Troy, der wegen Totschlags fünf Jahre im Gefängnis war, frühzeitig entlassen wird. Die Eltern haben Troy, trotz Jeffs Widerstand, eingeladen, bei ihnen zu wohnen. Die Geschichte endet ein paar Wochen später: Troy hat zwei weitere Morde begangen und ist auf der Flucht möglicherweise ums Leben gekommen.
Alles kreist um die Ähnlichkeiten und das Anderssein der beiden Brüder, deren Liebe bzw. Abneigung zueinander sowie die Veränderungen der Beziehung zwischen Jeff und seiner Freundin Beth.
Der packende und psychologisch stimmige Roman lässt den Aspekt der zugrunde liegenden unbewussten Familiensystematik zur Gänze ausgeklammert. Die vielen angesprochenen Fragen bilden einen Ausgleich und regen zu einer differenzierten Diskussion über "das Böse" an.

Carolin Philipps: Ein Fremder wird mein Freund
152 Seiten, ab 9 J
Arena TB 2007 (Erstauflage: Ueberreuter 2001)
Die Autorin verpackt das Thema Rassismus in den Alltag der beiden Mädchen Mai-Linh, deren Eltern aus Asien und Cindy, deren Eltern aus Afrika auswanderten. Beide wurden in Deutschland geboren und fühlen sich auch wohl, bis sich anonyme Schmierereien an den Türen finden. Die beiden Mädchen werden enge Freundinnen - trotz des elterlichen Widerstands - und wehren sich gegen Übergriffe.
Die Autorin erhielt einen UNESCO-Preis für Frieden und Toleranz.


Suzanne Williams: Die zauberhaften Prinzessinnen und das Meermädchen
Aus dem Englischen: Marta Johann
112 Seiten, ab 6 J
Arena 2007
Prinzessin Elena ist 13 Jahre und lebt mit ihrem Vater relativ einsam im Schloss. Ihre Mutter starb, als sie 3 Jahre alt war. Elena findet eines Tages einen wundersamen Kamm und mit ihren auf Besuch weilenden Freundinnen gelingt es ihr, diesen der verunglückten Besitzerin zurückzugeben.
Eine einfach geschriebene Geschichte für LeseanfängerInnen, die das Thema Egoismus und Zusammenhalt aufgreift und fliegende Teppiche und andere magische Momente einfließen lässt. Elena verliert langsam ihre Schüchternheit und lernt sichtbar zu werden.


Ayen-Sibel Celi: Sinan und Felix
Ill.: Barbara Korthues
26 Seiten, ab 5 J
Annette Betz 2007
Ziel dieses Buches ist es, deutschsprachigen Kindern Lust auf Türkisch zu machen. Mit Reimen lässt sich gut ein Wort lernen. Rätselreime und Hörrätsel ergänzen diese. Einfache Sätze (Es tut mir leid. Los, komm schon! etc) in beiden Sprachen, die in einem eigenen Abschnitt pro Doppelseite zusammengefasst sind, haben Bezug zur erzählten Geschichte. Diese erzählt von einem Nachmittag im Park und den Konflikten. Das Manko an diesem Buch: diese Konflikte sind leider nicht wirklich konstruktiv gelöst und die Geschlechterrollenklischees sind nicht zur Gänze aufgelöst.


Joanne Harris: Feuervolk
544 Seiten, ab 14 J
Aus dem Englischen: Katharina Orgaß und Gerald Jung
Cbj 2007
(auch als Hörbuch erhältlich)
Der Autorin legt mit ihrem ersten Jugendroman eine wirklich spannende mystische Geschichte über den Kampf verschiedener Mächte und die vorläufige Rettung der Welt vor. Sie verwebt die Stränge des Geschehens und den Verlauf der Dinge geschickt und intelligent. Wer sich durch das erste etwas mühsame Kapitel durchgelesen hat, taucht die weiteren 500 Seiten durch die bildhafte und sehr klare Sprache leicht und sanft in die spannungsgeladene Welt der Wanen und Asen ein, die gut recherchiert und faszinierend umgesetzt wurde. Der Widersacher und die Retterin Maddy kämpfen keinen direkten Kampf. Die vielschichtigen Auseinandersetzungen, die verknüpften Weltebenen, die äußeren und inneren Prozessverläufe, der zyklische Hintergrund - all das sind Qualitäten, die dieses Buch gegenüber vielen anderen eindimensionalen hervortreten lässt.


Tobias Elsäßer: Ab ins Paradies
144 Seiten, ab 13 J
Sauerländer
Fabian, 16, will seinem eben verstorbenen Großvater dessen letzten Wunsch erfüllen: die Asche ins Meer zu streuen - denn die Familie hat diesen nicht respektiert. Er trampt Richtung Sylt und lernt so Alice, 17, kennen, die gerade von zu Hause ausgerissen ist und sich mit Selbstmordabsichten trägt. Sie lernen durch sanfte und heftige Auseinandersetzungen zueinander Vertrauen zu finden und dadurch auch zu sich selbst.
Es ist eine aus Fabians Sicht flott, witzig und auch emotional geschriebene Geschichte, die die Abgründe und auch die Himmel von Jugendlichen in der Phase der Identitätssuche zeigt. Sie arbeiten ihre Familiengeschichte auf, orientieren sich neu. Dieser Held ist ein Held, der alle Spektren des Menschlichen annimmt: Mut und Angst, Wut und Liebe etc. und sich durch Rollenklischees nicht eingeengt fühlt und klar reflektieren kann.


Hermann Schulz: Die schlaue Mama Sambona
Ill.: Tobias Krejtschi
24 Seiten, ab 6 J
Peter Hammer Verlag
Auf der Insel Ukerewe lebt Mama Sambona, die schon alt gewordene Königin der Insel. Dort ist es üblich, dass der Tod sich der Königin angekündigt. Doch dieser wird von Mama Sambona klug ausgetrickst und so ist es, dass sie immer noch nicht bei ihren Ahnen ist sondern unter den Lebenden weilt.
Welche Rolle dabei die Kinder spielen und welche der Hase und die Musik, bleibt die Entdeckung der LeserInnen.
Ein durch seine vordergründige Einfachheit der Erzählkunst kraftvoll wirkendes Bilderbuch.


Louis Sachar: Kleine Schritte
aus dem Amerik.: Werner Löcher-Lawrence
255 Seiten, ab 12 J
Bloomsburgy 2006
Der Autor schließt an sein Buch Löcher an, auf das nur kurz Bezug genommen wird, indem die LeserInnen erfahren, dass Deo im Camp Green Lake war. Deo arbeitet nun bei einer Landschaftsbaufirma und lernt parallel dazu für seinen Schulabschluss. Er verfolgt die Taktik der kleinen Schritte, um sein Leben zu meistern. Durch seinen Freund ist er mit Schwarzhandel von Konzertkarten konfrontiert. Die Begegnung mit der Sängerin, in die er sich verliebt, bringt weitere Unruhe in sein Leben.
Ein spannend geschriebenes Buch, das Deos Weiterentwicklung zeigt - das allerdings nicht soviel Witz und Originalität aufweist wie Löcher.


Ursula Poznanski: Pauline Pechfee

Ill.: Friederike Rave
48 Seiten, ab 8 J
Residenz Verlag 2007
Die Aussage, dass das Glück manchmal einen Umweg geht, wurde in eine recht phantasielose Geschichte gepackt. Eine Himmelswelt mit Belohnungspunkten für Engel, die auch nicht mehr als die Menschen wissen, in der das Glück weder hinterfragt noch kindgerecht philosophisch vermittelt wird. Es wird nur festgestellt: Menschen sind dem Un/Glück machtlos ausgeliefert und zu viel Glück hielten sie gar nicht aus. Keine wirkliche Bereicherung für junge LeserInnen.


Jutta Richter: Die Katze oder Wie ich die Ewigkeit verlor
Ill.: Rotraut Susanne Berner
72 Seiten, ab 8 J
Die Autorin beeindruckt mit dieser kurzen, intensiven und stilistisch klugen und sensiblen Geschichte ebenso wie die Illustratorin. Ein wirklich schönes, stimmungsvolles und poetisches Buch - allerdings nur für jene, die der katholischen Kirche im traditionellen Sinne verbunden sind.
Alle anderen werden enttäuscht sein. Die Werte, die Richter vermittelt sind schwarz oder weiß, gut oder böse. Die kluge Katze, die eine Heirat aus Mitleid verneint, die Opfer-bleiben-Wollen ablehnt und die gegen Aberglauben angeht - sie wird am Ende als böse bezeichnet. Mit ihr will Christine kein Wort mehr reden. Keine Differenzierung in konstruktives bzw. destruktives Mitleid. Ein Buch, das gegen die Emanzipation der Mädchen schreibt.

 

Britta Benke: Picasso - Kinder entdecken Kunst
44 Seiten, ab 6 J
Kindermannverlag Berlin
Kurzweilig und anregend ermöglicht es die Autorin den Kindern, mithilfe der vielen Abbildungen Picassos Arbeiten und dessen typischen Stil kennen zu lernen. Die Fragen in roter Farbe sind direkt an die Kinder gerichtet und geben gute Impulse zur Auseinandersetzung. Die Person Picasso wird mit seinen Vorzügen gezeigt, seine Schwächen bedauerlicher Weise vernachlässigt. Ein Buch, das Erwachsene hilft, Kunst ihren Kindern näher zu bringen.


Nikolaus Nützel: Sprache oder Was den Menschen zum Menschen macht
220 Seiten, ab 10 J
cbj 2007
Mit der Beschreibung einer Ausgrabung in der südafrikanischen Wüste steigt der Autor ins Thema ein. Über Fragen regt er die LeserInnen an, sich in diese Materie zu vertiefen, was er schafft, indem er den Bogen von: Seit wann spricht der Mensch? Über Können Tiere sprechen? Wie viele Sprachen gibt es auf Erden? bis zu den zu den LeserInnen selbst spannt: Sprechen Jugendliche eine eigene Sprache?
Allerdings wird "der Mensch, der ...." durchgängig verwendet, sodass bis auf die dezitierten Frauenbezüge die männliche Seite dominiert. Die Abbildungen machen das Buch lebendig und die strukturierten Kästchen erleichtern den Überblick zu behalten. Dass die Überschriften in rot gehalten sind, macht das Lesen auch angenehmer. Unterhaltsam und spannend ist dieses Buch geworden und doppelt informativ, da an jedes Kapitel Websites angefügt sind.


Henning Mankell: Chronicler of the Winds
Translated from the Swedish by Tiina Nunnally
Vintage Books 2006
Jose Antonio Maria Vaz, ein junger Bäcker in einer afrikanischen Großstadt, hat vor einem Jahr eine derart bewegende Erfahrung gemacht, dass er seinen Beruf aufgegeben hat und nun auf der Straße lebt. Jetzt ist die Zeit gekommen, um die Geschichte von Nelio, dem Straßenbub, der vielleicht sogar ein Gott war, aller Welt zu erzählen.
Er begleitete den sterbenden Nelio durch dessen letzte neun Lebensnächte und dessen kurze und dennoch lange Lebensgeschichte. Die tragischen Schicksalsschläge, die Überlebensstrategien, Lebenseinsichten.
Mankell wählt meisterhaft die Rahmenhandlung, vermengt meisterhaft das Gesellschaftspolitische mit dem Individuellen, trifft meisterhaft den Ton, jedes Wort, die Seele der Lesenden.

Die freche Sprechhexe - hör gut zu und sprich genau
Ravensburger Spiele Nr 25003 5
Autorin: Dr. G. Heuß-Gierl /K. Haferkamp
Für 2-4 SpielerInnen
für 4 - 8 Jährige
Material: Hexe, Zauberstab, Hexenkessel, 1 Topfdeckel, 2 Drehscheiben, 48 Spielchips
Vier Spielideen mit Altersempfehlung werden geboten
a) Alle sich reimenden Wortpaare verschwinden im Hexenkessel (Flöte/Kröte - allerdings sind auch Tauben-Trauben darunter gerutscht - Reime sind nicht gleich Reime, es gibt folgende Unterscheidungen
a) Haus- Maus
b) Flasche - Tasche
c) Pinsel - Insel
d) Taube - Traube
Schade, dass nicht von jeder Art Beispiele inkludiert sind!
- ab 4 J
b) Ähnlich klingende Wortpaare verschwinden im Hexenkessel (Berg - Burg - d.h. der Inlaut wird vertauscht) allerdings ist auch Beeren/Bären darunter gerutscht -
diese klingen nicht ähnlich sondern gleich, obwohl diese anders geschrieben werden! Auch findet sich als Ausnahme das Anlautpaar Uhr/Ohr dabei. - ab 6 J
c) Wer findet zuerst (Reaktionsspiel) das dazu passende Kärtchen? - ab 6 J
d) Memory (zwei Kärtchen mit dem selben Anlaut gehören zusammen) - ab 4 J
Ein Spiel, das für Kinder buntes stabiles begreifbares Material bietet und eine gute Förderung bietet.


Rafik Schami: Das ist kein Papagei
Ill.: Wolf Erlbruch
28 Seiten
Deutscher Taschenbuchverlag 2000
Mann und Frau entscheiden sich, ein Haustier zu nehmen. Lange dauert es, bis sie sich einigen. Auf einen Papagei. Ihre Tochter Lina wird nicht angehört, die gleich von Anbeginn weiß, dass es sich nicht um einen Papagei handelt. Aber die Erwachsenen müssen erst ihre Erfahrungen machen und es ist Lina und Mamagei, die am Ende lachen.
Ein wunderbares Kinderbuch von den Abgründen einer Familiendynamik und deren Happy End.

 

Antje Bebendererde: Zweiherz
317 Seiten, ab 12 J
cbj
Der Buchtitel bezieht sich auf eine mystische Figur der Navajo, die für Zorn und Zwietracht steht und als Kojote oder auch Graubein oder eben als Zweiherz bezeichnet wird.
Die Autorin erzählt die Geschichte der 17-jährigen Kaye, die sich als 13-jährige in Will (14) verliebte, der seinen Schuldirektor ermordet und dafür ins Gefängnis muss. Anstatt nach 10 Jahren kommt er bereits nach fünf Jahren zurück. Nach vielen Konflikten das Happy End: Kays Vater verlobt sich und ebenso Kaye und Will.
Die Autorin bemüht sich zwar, Sitten und Traditionen der IndianerInnen zu vermitteln und die Schwierigkeiten aufzuzeigen, aber auch stilistisch (Was Arthur noch sagte, hörte Will nicht mehr. Er wandte sich Kaye zu, die aus dem Haus gekommen war. Ihr Lächeln galt ihm und es verjagte alle Schatten.) vermag sie nicht zu überzeugen.

 

Francine Oomen: Rosas schlimmste Jahre - Wie überlebe ich meinen ersten Kuss ?
Aus dem Niederländischen von Sylke Hachmeister
192 Seiten, ab 12 J
Ravensburger
Rosa (14), mit ihrer schwangeren Mutter und ihrem Stiefvater umgezogen, ist unglücklich und schreibt ihrer Freundin Esther viele Mails ebenso auch an Jonas. Inhaltlich überschneiden sich diese und das gestaltet das Lesen etwas mühsam. Rosa lässt sich mit Thomas ein (17) und läuft schließlich von zu Hause weg, um sich vom unbekannten Märchenprinzen, einer Mailbekanntschaft, retten zu lassen. Als sie einander treffen und erkennen, kommt es zwischen Rosa und Jonas zum Happy End. Kein Buch, das Mädchen in ihrem Selbstbewusstsein bestärkt sondern eher die typisch weiblichen Strategien und Rollen aufzeigt.


Jill Murphy: Eine lausige Hexe löst den Bann
Ill.: Die Autorin
Aus dem Englischen von Ulla Kösters
144 Seiten, ab 8 J
Mildred (9 Jahre) geht in eine Hexenakademie, ist clever und löst Probleme. Aber die vermittelten Klischees und der trockene Stil wägen dies nicht auf. (.... Ester Edel war die besten Schülerin des dritten Jahrgangs, sie glänzte in jedem Fach und war der Liebling fast aller Lehrer. Das allerdings war ihr unglücklicher Weise zu Kopf gestiegen, und so hatte sie eine gewisse Neigung entwickelt, ihre Schulkameradinnen zu demütigen und herabzusetzen...... Maude stimmte ihr aus vollem Herzen zu. "Du hast ja so recht. In letzter Zeit hab ich mich schon fast ein wenig nach Zucht und Ordnung gesehnt.")


Christian Bieniek: Verliebt, Baby?
407 Seiten, ab 12 J
Arena
Bienieks erstem Jugendbuch (1993) Immer cool bleiben folgten über 90 weitere. Er hatte die Begabung, den Tonfall und die Themen von Jugendlichen punktgenau zu treffen und verstand den tragischsten Augenblicken noch ein Lachen abzuringen. Die Probleme der Jugendlichen sowie deren Lösungen sind intelligent, erfrischend und kurzweilig erzählt. Bieniek verstarb 48-jährig 2005.
In diesem Sammelband sind Frisch verliebt ist halb gelogen (2001 - Tabea verliebt sich in den süßen David und damit wird alles turbulent.) und Michelle XXL (2002 - Michelle, 14, nennt sich selbst Tonne und Nilpferd, dennoch ärgert es sie, auf ihr Gewicht angesprochen zu werden. Diese Heldin ist vif und witzig und mit ihren Strategien gegenüber Burschen erfolgreich. Sie muss nicht erst abnehmen muss, um als Mensch wahrgenommen, respektiert und geliebt zu werden.) um nur € 6.- erhältlich.

 

Elisabeth Schöberl: Halt doch mal den Schnabel!
Ill.: Anna-Laura Cantone
32 Seiten, ab 4 J
Annette Betz
Meise und Spatz haben sich verliebt und sind nun ein Paar, das überall gemeinsam auftritt. Die Meise singt immer und überall, der Spatz springt immer durch alle Pfützen. Nach einer Weile sind beide genervt. Als sie beide gleichzeitig ein Korn entdecken, bricht der Konflikt offen aus, der durch Einsicht und Rücksicht gelöst wird. Positiv die Klarheit und Nachvollziehbarkeit und dass auch andere Vögel mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen.
Negativ ist, dass der Titel suggeriert, nur die Meise nerve, womit das Gleichgewicht nicht mehr gegeben ist. Die Beziehungsbezeichnung Paar und Freunde kommt in der Geschichte durcheinander. Kindgerechter wäre es, die Geschichte auf der Freundschaftsebene zu belassen. Und wenn schon auf Paarbildung eingegangen wird, sollten toleranter Weise auch gleichgeschlechtliche zumindest am Rande einfließen.

 

Pija Lindenbaum: Luzie Libero und der süße Onkel
Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
40 Seiten, ab 4 J
Beltz & Gelberg
Der Inhalt: Luzies wohnt bei ihrer Oma und ihren drei Onkeln, weil ihre Eltern gerade auf Mallorca sind. Tommy, der vierte Onkel, ist unkonventionell. Er kommt von einer Reise zurück. Normaler Weise machen sie vieles gemeinsam und beide haben ihren Spaß dabei. Diesmal aber kommt Tommys Freund Günther immer mit. Nach einigen aggressiven Aktionen (schüttet Zucker auf Tommy Schuhe, taucht die Klopapierrolle ins Wasser, wird krank, macht Günthers Handtuch patschnass) akzeptiert sie diesen, weil ihr so langweilig ist und er so gut Fußballspielen kann.
Luzie erzählt von ihrer Sicht aus detailgenau wie eine sprachbegabte Siebenjährige und ist doch nicht in der Lage, ihren Gefühlen Ausdruck zu geben, was in diesem Fall unstimmig wirkt. Das ist auch deswegen schade, weil Kinder gerade für diese Situationen Vorbilder brauchen. Positiv ist, dass sie keine Vorurteile hat in Bezug auf Männerbeziehungen und das Ende ein gutes ist.


Franz-Joseph Huanigg: Gemeinsam sind wir Klasse!
Ill.: Verena Ballhaus
24 Seiten, ab 7 J
Annette Betz
Der Autor zeigt in diesem Buch Probleme des Zusammenseins in einer Volksschulintegrationsklasse. "Und jeder ist anders. Deshalb passen wir auch so gut zusammen.", sind am Ende alle Kinder überzeugt.

 

Ahmet Zappa: Die fabelhaften Monsterakten der furchtlosen Minerva McFearless
Ill.: Der Autor
Fotos von Clay Sparks
Aus dem Amerikanischen von Vanessa Walder
224 Seiten, ab 10 J
Ravensburger
(auch als Jumbo Hörbuch erhältlich)
Minerva (11), mutig, intelligent und humorvoll erzählt. Sie und ihr Bruder Max (9) zanken sich zu Beginn, wie sich Geschwister oft zanken. Doch nur gemeinsam bestehen sie alle Abenteuer und am Ende steht nichts mehr zwischen ihnen. Außer viel aufregender Action gibt es auch ein wenig Philosophisches ("Ärger suchen und von Ärger gefunden werden sind zwei völlig verschiedene Dinge.") und Witziges ("Wir lernten jede Menge Rezepte aus Monstroklopädia - und keines davon war für Schokoladekekse oder Vanillepudding. Es ging um Substanzen, mit deren Hilfe man Monster vertreiben oder vernichten konnte, die auf den Seiten des Buches beschrieben wurden.") Minerva ist der einzige weibliche Mensch, mit der Fähigkeit , die Sprache von Monstroklopädia zu verstehen.
Am Ende ist der Vater (von Beruf Monsterjäger) aus den Klauen des mächtigsten Monsters Marzmaglorg gerettet, der Urururgroßvater entschuldigt sich, dass er sie in Gefahr gebracht hat und es klingt so, als sei die tot geglaubte Mutter noch zu retten. In Band zwei.
Wer skurrile Monstergeschichten liebt, ist mit diesem kreativen und ansprechend gemachten Buch wirklich gut dran. Denn nicht nur im Text wird Monströses ausführlich geschildert, es gibt auch viele grausliche Abwehrrezepte und entsprechende Illustrationen - in kindgerechter Dosierung.

 

Karen McCombie: Indies Welt
Aus dem Englischen von Christina Sarembe
Ill.: Lydia Monks
160 Seiten, ab 10 J
Ravensburger
Indie wohnt bei ihrer Mutter sowie mehreren Haustieren zusammen. Kati (19) ist seit kurzem eine Untermieterin bei ihnen. Mit ihrem Vater, ihrer Stiefmutter Fiona und Dylan, ihrem Stiefbruder, versteht sie sich gut. Aufgrund der aktuellen Situation entwickelt Indie eine Erwachsen-sein-ist-cool-Liste. Am Ende aber kann sie es wieder genießen, erst zehn zu sein!
Die Autorin lässt Indie in rasantem Tempo und pointiert von ihrer Perspektive aus ihren Alltag erzählen, in dem sich wirklich viel tut. Stilistisch an der Realität orientiert (Das war der Punkt, an dem Mam dann komplett ausrastete und sagte, ich sei noch viel zu klein, um unbeaufsichtigt gelassen zu werden. Na super. Irgendwie gelang es mir dann doch, sie davon zu überzeugen, dass ich Tonnen von Hausaufgaben hatte und ......) gewinnt Indie Einsichten, die gut nachvollziehbar sind. Ihre Freundinnen Fie und Sof sind wichtig und ihre Freundschaft erfährt eine verstärkte Wichtigkeit. Auch die Freundschaft zu Dylan vertieft sich.
Witzig die s/w Illustration.
Alles zusammen ein für die in die Pubertät kommenden Kids ansprechendes flott zu lesendes und doch nicht oberflächliches Buch, weil es Selbstvertrauen und Selbstsicherheit bestärkt.

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe
Ill.: Wolf Erlbruch
32 Seiten, ein Bilderbuch für Erwachsene
Kunstmann
Schon länger hatte die Ente so ein Gefühl. Damit beginnt die Geschichte vom Tod der Ente und endet mit: Aber so war das Leben.
Dieses Buch bagatellisiert nicht den Tod und nimmt dennoch die Angst. Ohne spirituelle Lösungen anzubieten, diese aber auch nicht zu negieren, beschreibt es die Begegnung und die Beziehung der beiden. Befremdlich aber nicht abschreckend, sogar etwas vertraut ist der Tod dargestellt. Und immer wieder entlockt die Geschichte den LeserInnen ein liebevolles Lächeln. Für die Zeit des Lesens spürt sich die Zeit unendlich an. Ruhig und gelassen in all der Aufregung - zentriert auf das Wesentliche. Erlbruch ist mit diesem Buch ein Meisterwerk gelungen, das scheinbar ein Kinderbilderbuch ist aber für Erwachsene besonders empfehlenswert ist.

 

Ally Kennen: Beast
Aus dem Englischen von K. Orgaß und G. Jung
288 Seiten, ab 13 J
Gerstenberg
Stephen, 17 Jahre alt, aus der sozialen Unterschicht kommend, ist bei einer Pflegefamilie untergebracht. Ich sitze auf meinem Bett, am Fußende, und lese den Brief. Ich lese ihn zweimal hintereinander. Ich geb's zu, beim Lesen bin ich nicht der Schnellste. Wenn man so oft die Schule wechselt wie ich, ist es schwer, sich auf's Lernen zu konzentrieren.
Er erzählt, was ihn beschäftigt: Die Fütterung seines Tieres (ein 4 m langes Krokodil, von dem niemand weiß), dass er aufgrund seines Alters die Pflegefamilie bald verlassen muss, sein Job in der Fleischfabrik, seine Stiefgeschwister. Dabei fließen auch Fragmente seiner nicht eben glücklichen Lebens- und Familiengeschichte ein. Stück für Stück lernen die LeserInnen Stephen kennen: Seine Probleme, Stärken und Schwächen.
Er beginnt mit der Auflistung der zehn schlimmsten Sachen, die er in seinem Leben getan hat und endet mit der berechtigten Zuversicht, dass alles gut wird.
Pointiert, oft ungewollt komisch, die Tragik von Ereignisverkettungen aufzeigend, seine Gedanken- und Gefühlswelt, seine Überlebensstrategien - die Autorin führt die LeserInnen von der ersten Zeile bis zur letzten sensibel, realistisch und doch leichtfüßig in Stephens Welt.
Faszinierend, packend, großartig ist Ally Kennens erstes im besten Sinne des Wortes wirklich eigenartiges Buch geworden.

 


Beth Webb: Die Nacht der tanzenden Sterne
Aus dem Englischen von Ursula Höfker
384 Seiten, ab 13 J
cbj
Den Druiden wird durch bestimmte Konstellationen ein Sternentänzer angekündigt, der für ein kommendes Problem die Rettung sein wird. Der oberste Druide will über Jahre hinweg nicht wahrhaben, was er weiß und sieht: Der erwartete Retter ist eine Retterin. Doch schließlich sieht er seinen Starrsinn ein und anerkennt Tegen als Sternentänzerin. Sie hat WidersacherInnen und viele äußeren und inneren Proben zu bestehen, ehe sie ihrer Bestimmung folgt.
Die englische Autorin Beth Webb recherchierte fundiert und es gelang ihr, einen faszinierenden und in Bann ziehenden magischen Roman zu schreiben. Vorurteile und Konkurrenz, Solidarität und spirituelle Verbindung sind die zentralen Themen, die lebendig beschrieben sind. Die Denkweise und Rituale der Druiden sind ohne Kitsch wider gegeben wie auch der Entwicklungsprozess von Tegen gut nachvollziehbar ist. Bemerkenswert ist auch die gute Übersetzung.

Tore Tungodden: Die Ministerpräsidentin
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
160 Seiten, ab 9 J
Gerstenberg
Hanna, 10 Jahre alt, erzählt die phantastische Geschichte von sich und ihrer Kanditatur für das Ministerpräsidentenamt- die Idee ihres Vater, der in einer Werbeagentur arbeitet und von einer neu gegründeten Partei den Auftrag dazu erhält. Hanna tanzt Ballett, spielt Fußball, spielt gerne mit ihren FreundInnen und schreibt ein bisschen Tagebuch. Sie ist in neuen Situationen eher zurückhaltend und abwartende, kann sich Hilfe holen und auch klar Dinge auf den Punkt bringen. (Papa sagt: Deine Klugheit hast du von Mama geerbt.)
Heißt es: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, ist es hier umgekehrt. Fred, ihr bester Freund, hat die geniale Idee bezüglich ihrer Werbekampagne (er bringt der Kinder der Abgeordneten dazu, dass deren Eltern für Hanna stimmen) und sie wird tatsächlich Ministerpräsidentin.
Am Ende jedoch tritt die erfolgreiche Hanna zurück und überlässt den Erwachsenen wieder die Regierungsgeschäfte: Ich lasse niemanden im Stich. Ihr Erwachsenen glaubt so gerne, wenn ihr etwas gut macht, dann müsst ihr einfach damit weitermachen, weil sonst die ganze Welt enttäuscht ist. Aber es gibt wirklich nichts wichtigeres, als dass wir in unserem eigenen Leben bestimmen können. ... Ich will Kind sein, jetzt, wo ich ein Kind bin und erwachsen später, wenn ich erwachsen bin, nicht umgekehrt......
Gleich mit seinem ersten Kinderbuch präsentiert sich Tore Tungodden als inhaltich und stilistisch meisterhafter Autor. Er greift das Thema Politik und die Rechte der Kinder auf und verwebt alles in einen packenden, informativen, intelligenten und witzigen Roman, der auch frei von Geschlechterrollenklischees und die Konkurrenz der Mädchen konstruktiv aufgelöst ist.

Bettina Gutschalk: Hexe Lillis Sachwissen: Dinosaurier
Ill.: B. Riegler und M rohrbeck
47 Seiten, ab 7 J
Edition Bücherbär
In dem sonst meist Buben vorbehaltenen Dinobüchern werden Mädchen sprachlich extra angesprochen und spielt Lilly die wichtigste Rolle. Informationen, aufgelockert durch Quizfragen und Optische Rätsel lieben die LeserInnen ebenso wie die Bären zu suchen, die Lilly ihrem kleinen Bruder aufbindet.


Babette Cole: Darum!
Ill.: die Autorin
Aus dem Englischen von Nicola T. Stuart
32 Seiten, ab 5 J
Gerstenberg
Mit diesem Buch antwortet die Autorin auf die Frage: Warum bin ich geboren?
Ziggi zieht sich mit seinem Hund Albert und seiner Gitarre zurück, denn er hat genug von all den schlechten Nachrichten in Zeitung und TV sowie der Gewalt auf der Straße. ER singt sein trauriges Lied zu den Sternen, als plötzlich ein singender fliegender Wünschdirwas-Hengst vor ihm steht und die beiden mitnimmt auf eine Reise ins Weltall. Dort erkennt er, dass alle Menschen ein Teil eines großen Puzzles und eigentlich füreinander da sind um gemeinsam etwas zu schaffen. Sein Lebenssinn besteht darin, das zu besingen, was er im All erfahren hat und das macht er mit Freude.
Die Autorin verbindet die positiven Aspekte zu einem sinnvollen Puzzle, gibt aber keine Antwort auf die Frage nach dem "Bösen" und dessen Platz im Puzzle. Diese Arbeit müssen die VorleserInnen leisten. Schade auch, dass Mädchen / Frauen nicht an prominenter Stelle zu finden sind. Und die Übersetzerin schreibt Lehrer, wo doch eine Gitarrelehrerin zu sehen ist.

Frauke Nahrgang: Die Teufelskicker, Band 7
128 Seiten, ab 8 J
cbj
Im Fußballklub Blau-Gelb spielt Catrina als einziges Mädchen mit. Die Buben wissen um ihr Talent, dem sie ihre Siege verdanken, sind aber dennoch abwertend, was sie und überhaupt Mädchen betrifft. Sie träumen von einer großen Fußballkarriere und bedauern Catrina, weil es für sie keine Zukunftschancen gibt. Rebekka, Catrins Freundin, wird für dumm gehalten. Doch sie managt, dass ein Talente Scout kommt, weil sie Catrins Enttäuschung sieht. Dieser ist von Catrin begeistert und wirbt sie für den Mädchenklub.
Das Ende ist, wie es nicht sein sollte: Catrin verzichtet auf das Angebot - ihren Freunden zuliebe. Und Moritz ist bereit Rebekka zu akzeptieren, weil er sich vorstellt, wie sie ihn in späteren Jahren erfolgreich managt. Also auch keine positive Identifizierungsangebote für Burschen. Die Geschichte wird aus Bubensicht erzählt, was sich die Mädchen denken, wie sie sich fühlen, fehlt.
Die Autorin, Grundschullehrerin, hat sich offenbar mit Geschlechtergerechtigkeit nicht ausreichend auseinandergesetzt. Sie könnte sich an Narinder Dhami (Bend It Like Beckham) ein Beispiel nehmen.

Vanessa Paulzen: Die kleine Nixe
Ill.: die Autorin
16 Seiten, ab 4 J
edition bücherbär
Von den vier Nixenfreundinnen ist die kleine Nixe weniger mutig und so bleibt sie zu Hause, als ihre Freundinnen entdecken wollen, wo das Meer zu Ende ist. Doch als die kleine Nixe hört, dass ihre Freundinnen in Gefahr sind, macht sie sich auf den Weg und rettet auf dem Weg einen Clownfisch, einen kleinen Delphin und einen Krebs. Diese wiederum kommen ihr zur Hilfe, als sie ihre Freundinnen aus dem Fischernetz befreien möchte.
Um die Fischer vom Fischen abzuhalten, schenkt ihnen die kleine Nixe Goldstücke. Wäre dieses Ende nicht, wäre es ein sehr buntes, transparentes und ansprechendes Buch.

Eve Tharlet: Prinzessin Amelie auf Kutschenfahrt
Papp-Leporello mit Guckfenstern, ab 4 J
Dieses innovative klappbare Buch zeigt zwei Prinzessinnen Amelie und Mathilde auf der Kutschenfahrt. Sie fahren durch die Welt und schauen sich die Prinzen in den verschiedenen Ländern an. Dabei reisen sie durch acht verschiedene Landschaften und Sprachen. Ob und für welchen Prinzen sie sich entscheiden, ist offen.

Birgitta Nicolas: Mit Paul bei der Eisenbahn
Ill.: Sandra Grimm
Wendebuch 16 Seiten, ab 3 J
edition bücherbär
Paul lernt Wissenswertes über die Eisenbahn, doch bleibt diese Welt leider eine reine Männerwelt. Autorin und Illustratorin hätten bei der DB recherchieren bzgl. Zugbegleiterinnen, Lokführerinnen und weiteres weibliches Bahnhofspersonal recherchieren sollen. Schade auch, dass Paul keine Schwester hat, die sich auch für die Eisenbahn und alles Drumherum interessiert.

Christiane Gohl: Sophie - Tag der Entscheidung
160 Seiten, ab 10 J
cbj
Christiane Gohl ist es gelungen, ein gutes Pferdebuch zu schreiben. Es bietet viel Informationen, beschreibt die Liebe zu den Pferden und die Dynamik innerhalb der Mädchengruppe. Nach einigen aufregenden Erfahrungen gewinnen sie den begehrten Pokal. Sophie überwindet ihre Schüchternheit und meistert ihre Angst zu springen. Jana kommt an ihre Grenzen, als sie sich in Jannes verliebt, der es nicht aushält, dass sie besser reiten kann als er. Gestützt durch ihre Reitfreundinnen bleibt sie sich treu. Eine Geschichte, bei der die Leserinnen den Realitätsbezug nicht aus den Augen verlieren sondern bestärkt werden, genau hinzuschauen und hinzuspüren.

Marcus Pfister: Hallo, da bin ich! - Fünf Abenteuer mit Pinguin Pit
Ill.: der Autor
136 Seiten, ab 4J
NordSüd
Pit ist ein Pinguinbaby, das tollpatschig ist aber auch schwimmen lernt, obwohl er gerne wie sein Vogelfreund fliegen würde. Er wächst heran, reist mit dem Wal umher und lernt einen Eskimojungen, Seelöwen und eine Schiffsmaus u. a. kennen. Zufrieden kommt er wieder nach Hause und lernt Pat kennen. Sie heiraten. Ihr Sohn heißt Tim, der wegen seines grünen Schnabels von den anderen Pinguinkindern ausgelacht wird. Doch sein Papa hat eine gute Idee und alle staunen und keiner lacht ihn mehr aus. Eines Tages unternehmen Tim und Pit einen Morgenspaziergang, der bis zum Abend dauert, weil Tim viel Neues erlebt.
Der Sammelband schließt den Bogen von einer Generation zur nächsten. Hier wird kein Superheld geboten sondern ein liebenswerter Tollpatsch, der sich entwickelt und sein Leben gut meistert.

Riitta Jalonen: Das Mädchen unter dem Dohlenbaum
Aus dem Finnischen von Anu Pyykönen-Stohner
Ill.: Kristiina Louhi
48 Seiten, ab 7 J
Hanser
Das Mädchen steht vor dem Bahnhof unter einem Baum, auf dem Dohlen sitzen und wartet auf ihre Mama, die die Fahrkarten kauft. In dieser Zeit denkt sie über die Vögel nach, den Baum und das Boot, mit dem sie mit Ihrem Vater und ihrer Mutter aufs Meer fuhren. Ihr Vater ist vor kurzen gestorben. Ihre Mutter hat sich um einen Job beworben und wenn sie diesen bekommt, werden sie umziehen. Alles wird neu beginnen. Sie erinnert sich ans Schwimmen und die Stimme ihres Vaters. (Wenn mein Vater gesungen hat, durften die Kinder länger aufbleiben. Die Erwachsenen kamen erst nur, um Vater zuzuhören, aber dann setzten sie sich im Kreis und sangen mit und achteten gar nicht mehr auf ihre Kinder. Auf einmal gab es auch keine Schlafenszeit mehr.) Am Ende hüpft sie auf ihre Mama zu und wenn sie es mit weniger als zwanzig schafft, findet sie am neuen Ort schnell neue Freunde. Sie schafft es mit vierzehn.
Die Erzählung ist assoziativ aufgebaut und gewinnt dadurch an Leichtigkeit. Langsam umkreist sie das Thema Tod und endet wieder im Leben, das eine Wendung macht und Gutes verspricht. Behutsam und feinfühlig sind die Worte (der erfahrenen Übersetzerin) gewählt.
Zwar ist es der Sprachduktus eines älteren Kindes, doch damit wird eine positive Distanz zu der sensiblen Gefühlswelt der Betroffenen geschaffen. Das Buch ist auch für ältere Kinder und Jugendliche geeignet, die angeregt werden, ihre eigenen Bilder, Assoziationen und Erfahrung zum Themas Tod zu finden und auszudrücken.
Ein bemerkenswertes besonderes Buch.


Paul Shipton: Ein Schwein rettet die Welt
Aus dem Englischen von Stephanie Menge
272 Seiten, ab 13 J
Nagel & Kimche
Auch wer sich nicht für die antike Mythenwelt interessiert, wird sich mit diesem Buch, das genial übersetzt ist, köstlich amüsieren. Sybille gibt nie auf (Sie war pickelhart, geschmiedet in der Gluthitze der elitären Mädchenschule im Tempel des Apollon. Aber wir konnten schließlich nicht alle so pickelhart sein, oder? Meint Gryllus, der von Kirke in ein Schwein verwandelt wurde und der die Begebenheiten von seiner Sicht aus und sehr bildhaft (Doch die Schuld nagte an mir wie eine Ratte in einer Käsefabrik) erzählt). Immer wieder werden die jungen LeserInnen direkt angesprochen. Der lockere und witzige Tonfall, manche Wortschöpfung (Ich hab ein freskografisches Gedächtnis.) vermischt sich mit geschlechtergerechter Sprache und auch philosophischen Anregungen ("Ganz recht - unser Leben ist absurd!" frohlockte Sisyphos. "Man kann sich dem nicht entziehen. Jeder und jede von uns ist der Mittelpunkt seiner oder ihrer eigenen Welt, gänzlich eingebettet in die Einzelheiten des eigenen Lebens. Doch der Fluch der Menschheit, ist unsere Fähigkeit, uns aus der eigenen Selbstbezogenheit lösen und sehen zu können, wie unwichtig wir tatsächlich sind...")
Einziges Manko ist der Bezug den Palast von Knossos, der als das Labyrinth von Minotaurus bezeichnet wird, was aber laut historischer Forschung nicht stimmt. Allerdings macht das der Autor wieder wett, indem er die Erfahrungsqualitäten treffend beschreibt.
Obgleich dies der Nachfolgeband von Schwein gehabt, Zeus (2005) ist, ist der erste Band keine Voraussetzung, um dieses Buch zu verstehen und genießen zu können.
Dem Autor gelingt es wunderbar, anspruchsvolle Lektüre zu schreiben, die ohne jegliche Anstrengung zu lesen ist.


Andrea Erne: Piraten
16 Seiten, ab 6 J
Ravenburger
Der durch Prof. Bohn an der Uni Flensburg beratene Autorin gelang es ein zwar fachlich richtiges aber trockenes Buch mit fragwürdigen Werten zu schreiben. Der Abschluss: Jetzt wisst ihr eine Menge über Piraten. So richtig feine Kerle waren das zwar nicht gerade, aber ihre abenteuerliche Art zu leben., gefällt uns heute noch.
Vieles ist zu vereinfacht, die gesellschaftspolitischen Hintergründe fehlen und Mary Read und Anne Bonny auf der letzten Seite in einem Satz zu erwähnen, ist zu wenig.

 


Asa Lind: Zackarina, der Sandwolf und das Meer
Ill.: Philip Waechter
Aus dem Schwedischen: Jutta Leukel
128 Seiten, ab 7 J
Beltz & Gelberg
Die Autorin schließt mit diesem Band an ihre beiden vorhergehenden mit gleicher Qualität an. Die LeserInnen nehmen Anteil an Zackarinas Alltagsleben mit seinen kleinen und großen Herausforderungen, die auch für Erwachsene ein Thema sind, wie z.B. das Diktat der Uhr, der Tod eines Vogels, Gerechtigkeit u.a.m., in fünfzehn Geschichten gefasst.

Matt Haig: Im Schattenwald
Aus dem Englischen von Knut Krüger
288 Seiten, ab 10 J
cbj
Samuel (12 J) und Martha (10 J) verlieren ihren Eltern bei einem Autounfall, den sie selbst überleben. sie ziehen zu ihrer Tante nach Norwegen. Martha hat aufgehört zu sprechen und geht in den verwunschenen gefährlichen Wald hinter dem Haus. Samuel will sie retten und folgt ihr. Tante Eda gelingt es, sie vor dem Tod zu retten, indem sie den gefährlichen Professor Tanglewood tötet und damit auch alle anderen Wesen erlöst - auch ihren seit 25 Jahren vermissten Ehemann.
Weil Professor Tanglewood die Schneehexe gerettet hatte, stand sie gemäß dem Hek Kodex in seinen Diensten und musste alle seine Wünsche erfüllen. Doch sie kommt an den Punkt, wo sie weitere Dienste verweigert, weil die Liebe zu ihrer Schwester mächtiger ist als der Kodex.
Im Blickpunkt ist Samuel, doch seine Schwester rettet ihn aus einer tödlichen Situation. Tante Ede meint zu Beginn, einen Mann an ihrer Seite zu brauchen, um die Kinder retten zu können. Doch keiner im Dorf will mit ihr gehen. Sie schafft es auch alleine!
Die vermittelten Werte: Magie ist nichts Böses, nur die Gründe, sich der Magie zu bedienen können böse sein. Böse ist nicht, was du bist, sondern was du tust. Eltern sind ein Sicherheitsnetz. Aus dem Gefühl und der Erfahrung, nicht geliebt zu sein, entstehen die bösen Handlungen und dem Bedürfnis nach Sicherheit, das sich aber ins Gegenteil, nämlich in Zerstörung wandelt. Haig thematisiert auch die Hasen-Religion, die anstelle den Kochtopfs, wo die Hasen tatsächlich landen werden, vom Hasenhimmel erzählt.
Eine spannend gut geschriebene Phantasie. Die bildhafte Sprache (Seine Stimme war freundlich und einladend und klang fast so wie eine Tasse heiße Schokolade (wenn eine heiße Tasse Schokolade eine Stimme gehabt hätte).) ist bis auf wenige Ausnahmen gelungen. Ein gelungenes Erstlingswerk des sonst journalistisch tätigen Autors.

Cressida Cowell: Dieser Hase gehört Kathi Braun
Ill.: Neal Layton
Aus dem Englischen von Manuel Thannheiser
32 Seiten, ab 4 J
Boje
Kathi und ihr Stoffhase Frederick sind wissbegierig und entdeckungsfreudig. Sie suchen im Weltraum nach außerirdischen Lebensformen, durchqueren die Sahara, tauchen im Korallenriff oder durchqueren den Amazonas. Doch jedes Mal tauchen Abgesandte der Königin Gloriana auf, die Frederick gerne haben möchte. Da Kahti immer ablehnt, lässt die Königin Frederick entführen. Doch Kathi holt sich Frederick zurück und legt der Königin aus Mitleid einen nagelneuen Teddy in den Schoß mit dem Hinweis, nach vielen Abenteuern wird er einmal ihr eigener sein.
Wäre nicht die Königin als dumm und ungezogen abqualifiziert und Kathi als Fräulein bezeichnet, wäre die Geschichte ansprechender.


Nina Schindler: Der Baumhexen-Club
Ill.: Heike Herold
128 Seiten, ab 8 J
Boje
Paolina bekommt zu ihrem neunten Geburtstag ein Baumhaus. An diesem Tag kommt eine neue Schülerin in die Klasse, Robin. Sie ist selbstbewusst und weiß sich gegen die Buben zu wehren. Das imponiert Paolina und ihrer Freundin Sandra und so entwickelt sich eine Freundschaft und der Baumhexen-Club. Ein für Mädchen bestärkendes Buch, denn Sandra und Paolina wollen wie Robin einen Karate Kurs machen, damit sie sich zukünftig selbst verteidigen können.
Dass die Autorin in diese Geschichte noch die Abreise des Vaters (Arzt) für ein Jahr nach Kuba einbringt, wirkt etwas zu viel. Die Mutter ist Krankenschwester. Die Frage, "Warum die Rollen nicht mal anders verteilt werden können", stellt sich. Und dass die Mädchen immer so viel essen, ist diskutabel. Da stilistisch sehr einfach ist das Buch besonders für LeseanfängerInnen geeignet.


Wiley Miller: Antons aberwitzige Abenteuer
Ill.: Autor
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Sawicki
128 Seiten, ab 8 J
Boje
1899 und der 12-jährige Anton lebt mit seiner klugen Mutter auf einem Leuchtturm. (Vom Vater ist nie die Rede.) Anton ist langweilig. Zu seinem Glück kommt Professor Schlunz mit seinem Heißluftballon vorbei und nimmt ihn mit in die Wolkenstadt Helios. Dort lernt er die mutige und intelligente Luise kennen, für die Helios langweilig ist. Und wie Anton es sich gewünscht hat, erleben sie gemeinsam ein richtig gefährliches Abenteuer. Am Ende überschneiden sich Realität und Phantasie.
Für alle, die Cartoons lieben und sich freuen, dass es in diesem Fall viel guten Text zum Lesen gibt.


Jeroen van Haele: Die stille See
Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik
Ill.: Sabien Clement
80 Seiten, ab 14 J
Bloomsbury
Emilio ist gehörlos. Er erzählt rückblickend von sich und seiner Welt im Dorf am Meer. Erinnerungsbilder von seiner Geburt, seiner Mutter, seinem Vater, der Geburt seiner Schwester, als er 10 Jahre alt war. Wichtig auch sein Freund Javier Vasquez und der Therapiebeginn in der Stadt. Er lässt uns an seiner Welt in kurzen und knappen Kapiteln teilnehmen. Eine berührende Begegnung - poetisch real.


Paul Korky: Zilly und der kleine Drache
Ill.: Valerie Thomas
Aus dem Engl.: Ulli und Herbert Günther
32 Seiten, ab 4 J
Beltz & Gelberg
Als um Mitternacht Zilly und ihr Kater Zingaro gerade eingeschlafen sind, kommt unerwarteter Besuch. Zilly hat zauberhafte Ideen, die mehr oder weniger hilfreich sind. Doch am Ende kommt der kleine Drache wieder mit seiner verloren gegangene Mama zusammen und Zilly und Zingaro kommen bei Sonnenaufgang endlich zu ihrem Schlaf. Korkys und Thomas ist wieder eine liebevolle Geschichte mit vielen witzigen Details gelungen.


Kashmira Shet: Schwarzer Vogel - süße Mango
Aus dem Amerikanischen: Birgitt Kollmann
272 Seiten, ab 12 J
Beltz & Gelberg
Die 16-jährige Jeeta beschreibt, wie sie erlebt, mit welchem Aufwand und unter welchen Umständen die Hochzeit ihrer ältesten Schwester arrangiert wird. Wenig später heiratet auch ihre zweitälteste Schwester. Jeeta selbst denkt kritisch und ist nicht gewillt, alles hinzunehmen, wie es immer schon war.
Die Autorin wuchs bis zu ihrem 18. Lj. In Indien auf und lebt seither in den USA. Sie thematisiert die Zwänge, Gewalt in der Ehe, Freundschaft und die positive Unterstützung durch den Vater. Sie zeigt die Veränderungsmöglichkeiten, die den jungen Frauen mehr Eigenständigkeit und Selbstständigkeit geben. Ein sowohl realistisches als auch poetisches und ermutigendes Buch.

 

Josef Guggenmos: Und was denkt die Maus am Donnerstag?
Ill.: Sophie Schmid
28 Seiten, ab 4 J
Bajazzo
Der 1969 geborenen Illustratorin ist es gelungen, dem Klassiker neue Aspekte hinzuzufügen. Ihre Zeichnungen interpretieren den Text emotional stark und dennoch unaufdringlich. Jede/r findet sich irgendwo wieder, oft mit einem Lächeln. Empathie entwickelt sich sofort. Die Ohnmacht gegenüber der Allmacht wird ausgeglichen durch die ausgelebte Phantasie, die aus jeder Opferhaltung herausführt. Träume retten oft über die Härten des Lebens hinweg. Das kleinformatig farbenfroh bunte Buch ist einfach großartig!


Veronica Ferres: Nein, mit Fremden geh ich nicht!
Ill.: Julia Ginsbach
32 Seiten, ab 5 J
cbj
Lias Tag fängt nicht gut an, Streit mit dem Bruder, von Mama missverstanden, die Lieblingskindergärtnerin ist krank. Sofie ist die Schwester von Moritz und soll heute Lia nach Hause bringen. Doch Sofie lässt Lia das letzte Stück alleine gehen. Es fängt zu regnen an und als ein Auto neben Lia stehen bleibt, ist sie fast versucht, einzusteigen. Doch Lia erinnerte sich an das Verbot und beißt den Mann in seine Hand, als dieser versucht, sie in sein Auto zu zerren. Eine Verkäuferin hört ihren Ruf und kommt zu Hilfe. Zu Hause wird Lia von ihrer Mutter gelobt, wie mutig und richtig sie gehandelt hat.
Zwei irritierende Aspekte gibt es: Der Vater sagt zwar, dass er stolz auf sie ist, aber sie muss im versprechen, beim nächsten Mal wegzulaufen und laut zu schreien. Da sie das eh gemacht hat, wirkt das kontraproduktiv.
Weiters wird auf den Täter nicht mehr eingegangen. Da sie den Mann schon öfter am Kinderspielplatz gesehen hat, müsste eigentlich eine Anzeige gemacht werden. Denn das bedeutet einen weiteren Schutz.


Margot Berger: Blindes Vertrauen - eine wahre Pferdegeschichte
183 Seiten, ab 12 J
Ensslin
Am Beginn des Buches steht die Zeitungsnotiz des tragischen Reitunfalls, bei dem die 14 jährige Mona aufgrund eines Unfalls erblindete. Die Geschichte beginnt mit dem Tag, als Mona von ihrer Mutter und besten Freundin abgeholt wird und endet zwei Jahre später mit Monas Engagement, bei den Paralympics teilzunehmen.
Die gelungene Problembewältigung ist prinzipiell positiv. Leider gelang es der Autorin aber nicht, Monas Prozess stilistisch und mit dem dafür notwendigen spektralen Blick zu beschreiben.


Heinz Janisch: Zeppelin
Ill.: Heide Stöllinger
32 Seiten, ab 5 J
Bajazzo
Das kleinste und schwerste Schaf der Herde will Zeppelin heißen. Denn es ist von dem hellen fliegenden Ding begeistert, das an einem Sonntag über sie hinweg fliegt. Ab nun probiert er zu fliegen und die Luft zu überlisten. Die Landungen sind immer hart und so bleiben Zeppelin nur die Nacht- und Tagträume. Er wird älter und schwerer und an einem Sonntag geschieht es: Ein Zeppelin kommt und er fliegt mit diesem auf und davon.
Ein Buch, das vielfältige Interpretationen zulässt.


Erwin Grosche: Elefa, Elefee! Was macht der Elefant am See
Lautgedichte und Sprachspiele quer durchs ABC
für Vorschulkinder und SchulanfängerInnen
Ill.: Christiane Hansen
Edition bücherbär
Es gibt bessere Gedichte als "Weich, weich, weich, die Watte ist wohl weich ....." oder "Es endet manche Eselei auf einem Eselhof. Der Esel findet nichts dabei, er ist ganz gerne doof." um Kinder sprachlich zu fördern.


Monika Felten: Ascalon - Das magische Pferd
240 Seiten, ab 10 J
Thienemann
Die Botschaft des Buches: Der heutige menschliche Drang nach Wissen scheint der Göttin unersättlich und unpassend und immer, wenn ein Mysterium enthüllt zu werden droht, hilft das Pferd Ascalon der Göttin, dies zu verhindern. In diesem Buch in Kooperation mit Muriel. Eine eindimensionale Geschichte, die LeserInnen weder inspiriert noch deren Intelligenz oder philosophischen Niveau entspricht.


Antje Babendererde: Lakota Moon
280 Seiten, ab 14 J
Arena TB 2007
Oliver, 15 und seit seinem 9 Lebensjahr ohne Vater aufgewachsen, ist eher ein Bursche der sanften Sorte. Gerade als er mit Nina seine erste Liebe erlebt, beschließt seine Mutter, mit ihm in ein Indianerreservat zu ziehen und dort Rodney zu heiraten.
Die Autorin schreibt aus Olivers Perspektive und findet durchgehend die richtigen Worte, den richtigen Klang für seinen Widerstand, seine Einsamkeit, sein langsamen Ankommen, sein Sich-Finden und Integrieren. Unaufdringlich fügt sie Informationen über das Reservat, die Sitten und Bräuche der Indianer, die Natur ein und setzt sich auch mit Vorurteilen und Problemen auseinander. Ein insgesamt gut gelungener Jugendroman.
Der einzige kritische Aspekt ist Olivers Mutter, die ihre Berufstätigkeit aufgibt, nach drei Monaten schwanger ist und gänzlich von ihrem neuen Mann abhängig ist, dem ein Prozess und eventuell zehn Jahre Gefängnis bevorstehen. Damit verhindert die Autorin, den LeserInnen eine zeitgemäße Alternative zu traditionellen Frauenrollen zu zeigen.

 

Sigrid Heuck: Colleen
176 Seiten, ab 12 J
Erstausgabe 1985, Veränderte Neuausgabe
Thienemann 2007
Heuck erzählt in diesem Buch, von ihrem Entschluss, sich ein irisches Pony zu kaufen, von ihrer Reise dahin, ihrer Entscheidung, der Rückreise und den Jahre mit Colleen auf ihrem Gestüt. Sie erzählt mit einfachen Worten und ohne viel Emotion. All jene, die nicht Action und flotten Stil wollen, können hier eintauchen in eine authentische Pferdewelt.


Thomas Fuchs: Unter Freunden
272 Seiten, ab 14 J
Thienemann 2007
Sara ist sechzehn und kommt zur gleichen Zeit wie Leo in das Internat Hausenthal. Das ist für Eltern der letzte Platz, um ihren im Schulalltag gescheiterten Kindern um teures Geld doch noch einen Schulabschluss zu ermöglichen. Strenge Regeln herrschen hier. Sarah berichtet über jene Dynamik, die sich entwickelt unter den Jugendlichen entwickelte. Greg scheint zu Beginn ein Freund zu sein, ehe sich zeigt, dass er Terror ausübt.
Der Autor studierte Geschichte und Politik und versucht in diesem Buch zu zeigen, wie ein solches Terrorsystem innerhalb des Schulsystems entstehen kann.


Joseph Lemasolai Lekuton: Facing the lion
Aus dem Englischen. Werner Petermann
140 Seiten, ab 12 J
Peter Hammer
Die kurzen Geschichten, die der Autor bewusst für junge Leute geschrieben hat, erzählen von seinem Leben als Nomade in Kenia und seinen ersten Tagen in den USA.
Er will sein Leben als Beispiel benutzen, um Kinder wissen zu lassen, dass sie, egal welche Hindernisse sich auf ihrem Weg zeigen, diese bewältigen können, solange sie ein Ziel vor Augen haben und ihr Bestes geben., schreibt Hermann Viola im Nachwort.
In einfacher Sprache beschreibt Lekuton seinen Alltag als Kind, die Regeln im Dorf, das Leben in der Schule, sein Engagement für seine Kultur. Die LeserInnen tauchen ein in seine Welt, die er mit ruhigen und respektvollen Worten vermittelt. In offener und direkter Weise lässt er die LeserInnen an wichtigen Momenten seines Lebens teilnehmen.
Am Ende spannt er den Bogen von der Männerwelt zur Frauenwelt, zu der er traditioneller Weise keinen Zugang hatte. Seine Mutter unterstützte seinen Wunsch, zur Schule zu gehen, immer. Und so machte er ihr Jahre später aus Dank die größtmögliche Freude, er schenkte ihr Rinder. Ein beeindruckend informatives autentes und berührendes Buch.


Krystyna Kuhn: Schneewittchenfalle
200 Seiten, ab 14 J
Arena
Der Plot: Kerstin besucht mit ihren beiden Kindern ihre Studienfreundin Pat. Diese eröffnet Kerstin, dass deren Mann eine Freundin hat. Pat gibt Kerstin Gift ins Essen, was zu einem Autounfall führt, den nur die 14-jährige Stella überlebt, allerdings mit Gedächtnisverlust. Pat beginnt langsam die Stelle von Kerstin einzunehmen. Stella beginnt sich langsam der Wahrheit zu stellen, will sich erinnern. Ehe die Psychopathin Pat Stella vom Leuchtturm stößt, kommt Hilfe.
Bereits zu Beginn wird von den LeserInnen Pat als Täterin vermutet, weshalb die Geschichte nur halb so spannend ist.
Die Autorin trifft in ihrer Beschreibung der Handlung und der SchülerInnen einen stimmigen Ton und die Erzählung fließt ohne Hindernisse flott dahin.


Sabine Dillner: Die Piratin - Das Leben der Grania O'Malley
304 Seiten, ab 14
Ueberreuter
Grania O'Malley wurde 1530 geboren und starb 1603. Als Tochter des Clanführers lernte sie die Schiffs- und Handelskunst. Sie agierte gegen die englische Herrschaft, was sie auch zur Piraten werden ließ.
Der Autorin gelingt es, sowohl die Zeit als auch die willensstarke Persönlichkeit Grania O'Malleys in eine spannende und intelligente Geschichte zu packen. Sie beschränkt sich auf die Jugendjahre von Grania O'Malley und spannt im Epilog einen Bogen zurück. Irische und englische Sichtweisen, Sitten und Werthaltungen sowie Überlebensstrategien sind verbunden mit Naturbeschreibungen und der Bewältigung der Herausforderungen des Alltags wie auch der Abenteuer. Unbeschwert sind Männer und Frauen in ihren Rollen innerhalb und außerhalb der gesellschaftlichen Normen beschrieben. Sabine Dillner ist ein Roman gelungen, der einen weiten Horizont vermittelt und ermutigt, weiterzuforschen, weiterzudenken.


Shenaaz G. Nanji: Zwei Ungeheuer unter einem Dach - Mein Opa und ich
Ill.: Heike Herold
aus dem Englischen: Constanze Breckoff
32 Seiten, ab 6 J
Annette Betz
Mit Worten wird die Welt erklärt. Mit Worten können Veränderungen verarbeitet und bewältigt werden. Die Generation Großvater und Enkel treffen aufeinander wie fremde Welten. In unsere Haus ist gestern ein Außerirdischer eingedrungen, sagt Leon zu seinen Freunden. Ich bin in das Haus eines Monsters gezogen, sagt der alte Herr zu seinen Freunden. Die beunruhigenden Sitten des jeweils anderen irritieren sehr. Doch am Ende der Geschichte kommen sie miteinander gut aus, denn der alte Herr erkennt: Einmal war ich auch ein Monster. und Eines Tages werde ich auch ein Außerirdischer sein, erkennt der Junge.
Ein witzig originelles Buch, das verbindet. Schade nur, dass Übersetzerin und Illustratorin nicht konform gehen was die Freunde und Freundinnen betrifft, denn Mädchen /Frauen sind gezeichnet kommen sprachlich aber nicht vor.


Susa Hämmerle: Freche Tiergeschichten für drei Minuten
Ill.: Mathias Weber
56 Seiten, ab 4 J
Betz
Jede Geschichte erstreckt sich mit den Illustrationen über eine Doppelseite. Allerdings frech sind diese Geschichten nicht, im Gegenteil, sie meisten sprechen ein Problem an, das sich friedlich und einsichtig zum Wohlgefallen aller löst. Alles in allem brave, einfühlsame und harmonische Geschichten.
In der Geschichte von Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt und dadurch das Rad findet, mit dem er am Wettbewerb teilnehmen kann endet mit den Worten: .. allerdings sollte man den Kopf nicht in den Sand stecken. Hier wird Ideologie über die Erfahrung gestellt. Kein guter Ratgeber für Kinder.


Aygen-Sibel Celik: Seidenhaar
144 Seiten, ab 14 J
Ueberreuter
Sinem ist ein15-jähriges eigenständig und kritisch denkendes Mädchen. Seit ihre Mitschülerin Canan das Kopftuch trägt, hat sich der Kontakt zwischen beiden verloren. Als Canan vermisst wird, berührt das Sinem sehr. Für einen Tag trägt sie selbst das Kopftuch und erlebt viele verschiedene Reaktionen.
Nach Canas Rückkehr schaffen es die beiden, die unterschiedlichen Sichtweisen zu überbrücken und Verständnis für die jeweils andere zu haben.
Die LeserInnen bekommen Einblicke in die Realität und Identitätssuche der Mädchen. Das Ende, drei Jahre später, zeigt sich im Epilog : Sinem fliegt alleine nach London um ihr Englisch zu verbessern. Canans ist in eine andere Stadt gezogen und es ist offen, ob sie ihr Kopftuch ablegt oder nicht.
Auch wenn es vordergründig um das Kopftuch geht, so kommen partriarchale Strukturen deutlich zum Vorschein, die die Basis frauenfeindlicher Gesellschaftsstrukturen ist, egal ob katholischer oder islamischer Religionszugehörigkeit.
Die Autorin vernachlässigt die Schwierigkeiten aufgeschlossener Islamistinnen/Lehrerinnen der Koranschule, doch abgesehen davon ist es ein gutes Impulse gebendes Buch, das zeigt, wie wichtig Frauensolidarität ist und die Diskussion positiv bereichert.


Leonie Swann: Glennkill
Ein Schafskrimi
381 Seiten, ab 16 J
Goldmann 2005
Dieser spannend und gemächliche Krimi aus Schafsperspektive ist ein besonderes leichtes und auch intelligentes Vergnügen und Leseerlebnis.
Aus einem Interview in: http://www.randomhouse.de/dynamicspecials/swann_glennkill/
Wenn bislang Tiere in Krimis vorkamen, dann eher Katzen, die als "samtpfötige Ermittler" auf die Pirsch gehen. Weshalb haben Sie sich für Schafe entschieden?
Ich glaube, ich wollte einfach den Spieß umdrehen. Schafe sind normalerweise die Gejagten. Bei mir werden sie am Ende zu Jägern. Außerdem sind Schafe interessante Ermittler, weil sie es nicht so leicht haben wie andere Tiere, sie müssen sich ständig überwinden. Im Gegensatz zu Katzen können sie sich beispielsweise nicht auf einem Hausdach oder in einer Baumkrone verstecken und von dort aus Informationen zusammentragen.
Außerdem sind Schafe Herdentiere.
Ja, weil sie keine Multitalente sind, brauchen sie sich gegenseitig. Jedes Tier hat eine spezielle Stärke, von der andere profitieren. Das gefällt mir sehr.
Sie wissen unheimlich viel über Schafe, woher nehmen Sie die Fakten?
Zum ersten Mal ganz bewusst beobachtet habe ich Schafe in Irland, und dort spielt ja auch mein Roman. So richtig viel wusste ich jedoch zunächst nicht über sie. Darum habe ich mir vieles vorgestellt und versucht, mich in die Tiere hinein zu versetzen. Das hat wunderbar geklappt. Schafe sind uns wirklich ähnlicher, als wir denken. Nicht umsonst gibt es auch bei uns auch Begriffe wie das ‚schwarze Schaf' oder den ‚Leithammel'.
Dennoch beschäftigen Sie sich auch auf wissenschaftlichem Niveau mit Tieren in Romanen.
Ja, theoretisch schreibe ich an meiner Doktorarbeit über Tierbewusstsein in der englischen Literatur. Aber praktisch komme ich nicht mehr wirklich zum Forschen. Lesereisen sind zeitintensiver als ich dachte.

 

Ole Könnecke: Du schaffst das!
32 Seiten, ab 5
Sanccouci 2007
Das ist Burt. Burt wird es heute tun. So beginnt dieses Buch und zeigt den Vogel auf das Ende eines Astes zugehend.
Die Stärke von Ole Könnecke, Autor und Illustrator, liegt in seiner Kunst, auf das Wesentliche reduzieren, Spannung aufbauen und ein Lächeln bei den LeserInnen hervorzurufen zu können. Die Kombination seiner klaren unverschnörkelten Figuren, die optimale Positionierung eines jeden Wortes und die Menschlichkeit seiner Figuren machen seine Arbeiten zu Meisterwerken. In diesem Fall geht um die Überwindung der Ängstlichkeit - eine ermutigende Geschichte, mit der sich leicht jede/r identifizieren kann.

 

Sabine Blazy: Paula Pepper ermittelt: Die verschwundene Statue
Ill.: Edda Skibbe
240 Seiten, ab 10 J
Thienemann
Paula hat Ferien und verbringt ein paar Tage mit ihren Großeltern im Schloss Henford, das Lord und Lady Anthorpe gehört. Paula ist seit ihrem vierten Lebensjahr aufgrund einer Erkrankung gehörlos. Sie liest den anderen von den Lippen ab und schreibt für jene, die die Gebärdensprache nicht beherrschen, was sie zu sagen hat, auf einen Block. Sie hatte kurz Sprechunterricht, war aber von Kindern ausgelacht worden, weil ihr Sprechen anders klang. Seither schweigt sie. Paula ist neugierig, zielstrebig, sportlich, kommunikativ, spielt gerne Schach und mag Hunde. Die Tage auf dem Schloss sind erfahrungsreich. Unspektakulär findet sie die Lösung des Rätsels.
Der Autorin gelingt es, den Spannungsbogen hält bis zur letzten Seite zu halten. Der Lösungsprozess ist schrittweise und einsichtig nachvollziehbar. Das Thema Vorurteile ist fast nebenbei aber darum umso wirksamer und verständlich integriert und schließlich gelingt es Blazy ausgezeichnet, Paula und ihr Erleben realistisch und ganz selbstverständlich nahe zu bringen. Ein gelungener vielschichtiger Kinderkrimi!

 

Johanna Friedl: Sprache erleben
Sprachförderung für Kinder ab 3 Jahren
Ill.: Antje Flad
120 Seiten
Ravensburger
Die einleitenden Worte motivieren Eltern, ihrem Kind in diesem Bereich Achtsamkeit zu schenken. Sie geben einen gut verständlichen Einblick in die Förderungsarbeit mit Kindern. Die Struktur ist übersichtlich, klar und hilfreich. Gut ausgebildete PädagogInnen werden das meiste bereits kennen. Daher ist dieses Buch für Eltern, die viele Anregungen finden, die gut in den Alltag (auch bei Festen) integriert werden können.
Die Illustration ist eine ansprechende Mischung aus Zeichnungen, Fotos, Liednoten und Kästchen mit Raben-Tipps. Allerdings sind ausschließlich weibliche Bezugspersonen abgebildet - es findet sich kein einziger Kindergartenpädagoge oder Vater! Auch sind die Mädchen in der Mehrheit, was aber nicht der Realität entspricht, denn mehr Buben als Mädchen benötigen Sprech- und Sprachförderung. Daher wäre ein Titelbild mit einem Buben und einem Mädchen passender gewesen. Denn Bilder schaffen Bewusstsein und tradieren Inhalte.
Ein vertiefter kritischer Blick hätte nicht geschadet, denn es fragt sich, ob Spiele mit "Herrscher und Untertan" entsprechen. Das Gedicht "Im Wald steht eine Kuh" endet mit dem nicht nachvollziehbaren Stierzitat: "Die dummen Kühe, die machen doch nur Mühe."
Weibliche Sprachformen werden nicht verwendet. Ein Spiel heißt "Chefsache", es wird erklärt, was ein Chef ist. Mädchen erhalten kein Vorbild, denn dass auch Frauen Chefin sein können, wird ausgelassen. Dass weder Autorin noch das Lektorat Wert auf geschlechtergerechte Erziehung legt, ist ein großes Manko.


Frances O'Roark Dowell: Chicken boy
Aus dem Amerikanischen: Cornelia Krutz-Arnold
180 Seiten, ab 11 J
Sauerländer
"Ihr habt vielleicht schon davon gehört, dass meine Granny am ersten Schultag verhaftet wurde. Kann sein, dass ihr zu den Kids mit Tomaten auf den Augen gehört, die sie mit ihrem himmelblauen 1984er Toyota Truck fast überfahren hätte, während ich am Beifahrersitz saß."
Damit beginnt Tom seine Geschichte zu erzählen. Einerseits eingebunden in eine komplizierte Familienstruktur, andrerseits mit der Sehnsucht nach Ruhe, da er seine Mutter vermisst. Wie er alles für sich - wenn auch auf unkonventionelle Weise - gut auf die Reihe bekommt, überrascht.


Frank M Reifenberg: Mit dem Herz einer Piratin
240 Seiten, ab 10 J
Thienemann
Lissy schüchtern und will den Burschen, die sie schlecht behandeln, helfen. Warum sie sich nicht wehrt und nicht ihr Eigenes macht, bleibt offen. Lissys Mutter ertrank in einem Baggersee. Aus diesem Grund durfte sie von ihrem Vater aus nicht schwimmen lernen. Ihr Traum ist, Piratin zu werden. Sie wird im Kaufhaus für eine Diebin gehalten und auch da hält sie zu den Jungs und nimmt auf sich, was nicht das Ihre ist. Immer wieder die Orientierung Lissys an den männlichen Klischees von Mädchen. (Z.B.: "Oder hat Matze am Ende doch recht und du bist nur eine Ische?" fragt sie Jule.) Auch der (unglaubwürdige) Wandel der Antipathie zwischen Jule und Lissy zur Freundschaft ist von Burschen bestimmt. Zusammen mit dem zuckergußsüßen Happy End ist es ein gänzlich verzichtbares Buch.


Imke Sönnichsen und Angelika Glitz: Kuschelhaarwuschel
32 Seiten, ab 3 J
Thienemann
Theos Mama und Papa kuscheln. Da will Theo dazu. Da soll sein Schnuffelhase nicht fehlen! Oma steht in der Türe und als sie sieht, wie kuschelig s bei den vieren im Bett ist, klettert sie dazu. Wuff, der Haushund, will das auch nicht versäumen. Angeregt vom an geflatterten Vogel Pieps schnäbeln nun alle miteinander. Ina, Lina und Sina kommen mit einer neuen Idee dazu: Kitzeln. Entspannt liegen alle im Bett, als plötzlich Theo seinen Papa vermisst. Er hat das Frühstück gemacht, der Tisch ist gedeckt. Alle stürzen hin. Doch wo ist Papa schon wieder geblieben? Er hat das Bett jetzt für sich allein.
Gerade, weil es selten diese Bilderbuchfamilienkonstellation gibt, regt sie an, die eigenen Kuschelwuschelmorgenfröhlichkeiten zu entwickeln.


Jon Berkeley: Das gestohlene Lachen
Aus dem Englischen: G. Jung und K. Orgaß
391 Seiten, ab 14 J
Ravensburger
In dieser Zirkus-Geschichte bestehen der Lied-Engel "Little" - der an einer Stelle kurz erklärt, was es auf sich hat mit dem Einen Lied, das die Komposition ist, die allem zugrunde liegt - und der Waisenbub Miles viele Abenteuer, vor allem aber helfen sie, dass die wahre Kraft des Lachens über Herrschaftsansprüche siegt.
Ein aktionsreicher Handlungsstrang in umgangssprachlichem Stil mit Sätzen wie "Urplötzlich saß Miles ein dicker Kloß im Hals."


Ulrike Schweikert: Die Maske der Verräter
450 Seiten, ab 14 J
cbj
Es geht - kurz gesagt - um Macht und Intrigen in Würzburg im Jahr 1453. Jos, um eine Schmiedelehre zu beginnen, mit Sara neu in die Stadt gekommen, spielt dabei eine tragende Rolle. Ebenso Rebecca, die mit den Worten "Ja, mein lieber Mann, lass uns nach Hause gehen." das Buch beendet. Die Autorin hat zu wenig Rücksicht auf damalige Sprachgebräuche gelegt, worunter auch die Dialoge leiden. Auch wenn sie gut recherchiert hat, vermag sie doch nicht die Stimmung einzufangen und ausreichend Spannung zu erzeugen.


Sylvia van Ommen: Die Überraschung
Ein Bilderbuch ganz ohne Worte
32 Seiten, ab 4
Sauerländer 2007
Das Schaf - ob er oder sie bleibt offen - wirft einen Blick auf die Waage, wirft einen Blick in den Spiegel, wirft eine Blick auf das Lineal und setzt sich auf den Roller und fährt ins Farbengeschäft, wo es sich für Rot entscheidet. Fährt nach Hause, färbt den Körper rot ein, lässt die Farbe einwirken, duscht den Überschuss ab, trocknet sich mit dem Haarföhn und: rasiert alles ab. Weil es so ganz ohne Wolle plötzlich so kühl ist, zieht es eine Pullover an und setzt sich wieder auf den Roller. Das Schaft fährt mit der Schur zum Pudel - er oder sie, ist offen - wo alles zu Wolle gesponnen wird. Und dann wird gestrickt und gestrickt und gestrickt, solange, bis der Pullover fertig ist. Dieser wird eingepackt, verschnürt und mit dem Roller als Geschenk zur Giraffe gebracht. Der Pullover passt! Die Giraffe freut sich und küsst dankbar das Schaf.
Erfrischend, anregend und berührend - der jungen Grafikerin überzeugt mit diesem Buch, mit ihrem reduzierten und aussagekräftigen Stil.

Jörg Wolfradt: Ein Anton zu viel
Ill.: Birgit Antoni
32 Seiten, ab 4 J
Sauerländer 2006
Dieses Buch vermittelt den Eindruck, der Autor kennt Kindergärten nur von außen und hat weder den Kindern genau zugehört noch hat er einen eigenen Stil entwickelt. Die Illustratorin bietet nicht altersadäquate Bilder und Klischees. Ein unausgereiftes Buch.


Sylvia Serbin; Königinnen Afrikas
Aus dem Französischen: Gudrun Honke
408 Seiten, ab 16
Peter Hammer Verlag 2006
Die Autorin (lebt als Stadträtin in Frankreich) tritt im Vorwort gegen das Vorurteil an, in Afrika sei alles so ereignislos gewesen. Sie wirft einen Blick auf Völker, die als geschichtslos galten und weist auf die rund zwanzig Königtümer, Stadtstaaten oder Großreiche hin, die es im präkolonialen Afrika gab. Auch verschweigt sie nicht, dass Afrikaner an der Deportation von 20 bis 100 Millionen SklavInnen beteiligt waren. Die Zerstörung gewachsener sozialer Strukturen durch 3 Jahrhunderte hindurch wirken sich noch heute aus.
Die Spurensuche gestaltete sich schwierig. Ihr Wissen bezieht sie aus oralen Traditionen, die sie abglich mit Aufzeichnungen von Patres, Offiziere, mittelalterliche Chroniken und arabischer Geografen und anderen Gelehrten, die durch die Islamisierung ins Land kamen.
Sie berichtet von 22 Frauen und gliedert ihr Buch in die Kapitel: Königinnen - Frauen mit Macht und Einfluss - Frauen des Widerstands - Prophetinnen - Kriegerinnen - Höfische Romanzen - Opfer - Mütter großer Männer und fügt eine Bibliographie an.
Die Schwäche des Buches ist, dass die Autorin Helden in traditionell westlicher Weise versteht, ohne zeitgemäße systemische, analytische oder kritisch historische Ansätze in ihre Interpretation/Erzählungen einzubeziehen.
Heute wird z.B. Napoleon nicht mehr als Held gesehen sondern er wird definiert über seine militärischen / wirtschaftlichen / kulturellen / inhumanen u. a. Taten. Serbin erzählt von der Mutter Shakas, ein extrem brutaler Herrscher, und meint: "Ein trauriges Los für die Mutter eines Helden.", da sie von den Feinden ihres Sohnes ermordet wurde. Über derartige Sätze stolpern die LeserInnen vielfach.
Der Wunsch der Autorin ist, zu einer humaneren Gesellschaft beizutragen und bleibt doch schuldig, Ursachen und Wirkung von Inhumanem aufzuzeigen und gelungene Wege zu einer humaneren Gesellschaft aufzuzeigen.
Ein ambivalentes Buch - das im besten Fall als Basis zu konstruktiven Nachfragen und Forschen sowie zu differenzierten Diskussionen, Verständnis und den prinzipiellen Schwierigkeiten von Geschichtsschreibung führen kann.

 

Annette Herzog: Einer, der bleibt
Ill. (s/w): Gretja Witt
64 Seiten, ab 9
Peter Hammer Verlag 2006
Als Nora zu sich kommt, ist sie allein im vom Kriegsgeschehen zerstörten Dorf und traumatisiert. Sie hat ihre Sprache verloren. Nora irrt zuerst alleine umher, ehe sie vorsichtig Freundschaft mit einem Hund schließt, der verletzt ist. Sie teilt die gefundenen Mandarinen mit ihm und findet in ihm Trost und Geborgenheit. Seine Wunde verheilt.
Als wenige Tage später Soldaten kommen, misstraut sie ihnen zu Beginn und nimmt dann doch Essen an. Aber als diese sie ohne dem Hund mitnehmen, springt sie ab, denn den Hund, ihren Trost, kann sie nicht schutzlos zurücklassen. Nun ist es der Hund, der die geschwächte Nora durch sein Bellen von der Suchtruppe finden und retten lässt.
Die Autorin beschreibt mit kindgerechten Bildern den Krieg (wie ein wütender Drache, der Feuer spuckt), den Hunger (Schlange), die Angst (Spinne). Das Ende irritiert: eine alte Frau verspricht ihr, dass der Krieg aufhört (denn wir sind viele, die ihn beenden wollen) und sie wieder von Prinzen träumen kann.

Katherine Hannigan: Ida B... und ihre Pläne so viel Spaß wie möglich zu haben, Unheil zu vermeiden und (eventuell) die Welt zu retten
Aus dem Amerikan.: U. Gutzschhahn
186 Seiten, ab 12 J
cbj 2005
Ida B. erzählt rückblickend von sich, als die Welt zuerst noch in Ordnung war und die sich dann so plötzlich veränderte. Sie wächst mit ihren Eltern glücklich auf einer Farm inmitten der Natur auf. Da sie sich in der Schule nicht wohl fühlt, wird sie die ersten 4 Jahre von ihren Eltern unterrichtet. Doch dann erkrankt ihre Mutter an Krebs. Dadurch verändert sich das Familienleben erheblich. Ida B. muss wieder in die Schule und zieht sich von ihren Eltern innerlich zurück. Ein Grundstück muss verkauft werden, um die Rechnungen bezahlen zu können. Trotz ihrer anfänglichen abwehrenden Haltung findet sie emotional zurück in die Familie und in die Klassen.
Mittels bildreiche Sprache gelingt es der Autorin die Problemsituationen und Abstraktes fassbar zu machen. Hannigan unterrichtet Kunst und Design. Sie hat für ihr erstes Kinderbuch gut recherchiert und die Geschichte klug aufgebaut. Ob sie mit Sätzen wie "Sich entschuldigen ist wie Frühlingshausputz. Zuerst willst du nicht. Aber irgend etwas in dir oder irgend jemand, der außerhalb von dir steht und die Hände in die Hüften stemmt, sagt. "Es wird Zeit alles um dich herum in Ordnung zu bringen", und du kannst dich dem nicht mehr entziehen." die jungen LeserInnen wirklich erreicht, ist fraglich.

E. W. Heine: Papavera - Der Ring des Kreuzritters
380 Seiten, ab 12 J
cbj 2006
Der Autor legt mit diesem Band sein erstes Jugendbuch vor.
Die Handlung umfangreich, denn Papavera wird von der Inquisition verfolgt.
Am Umschlag das Zitat: "Ich beschreibe die Vergangenheit so, wie sie wirklich war. Nicht, wie sie von früheren Historienschreibern oder Mönchen geschönt überliefert wurden."
Nur für jene, die stilistisch sich mit Sätzen wie "Der Bursche kam direkt auf ihr Versteck zugelaufen. Ein Faustschlag von Albin, und die Zahl der Raubritter hatte sich um einen weiteren Galgenvogel verringert." zufrieden geben.


 

2006

BOLOGNA ANNUAL 2006 - Kunst im Bilderbuch
Seit fast 40 Jahren treffen sich in Bologna im Frühjahr VerlegerInnen, IllustratorInnenen und andere Fachleute aus der ganzen Welt,
um sich und ihre Arbeit zu präsentieren, um ins Gespräch miteinander zu kommen.
Eine Jury ausgewählter VerlegerInnen kürt die besten IllustratorInnenen, deren Arbeiten in zwei Sparten eingereicht werden können:
Bilderbuch allgemein und
Sachbücher.
Die ausgewählten Werke werden in Bologna als Ausstellung präsentiert und in einem Katalog veröffentlicht.
Dieser qualitativ hochwertige Katalog enthält sämtliche Künstlerbiografien und informiert über den aktuellen Stand der Illustrationskunst im Bilder- und Kinderbuch.

 


CDs

Hanna Johansen: Die Hühneroper
Musik: H Albrecht

steinbach sprechende bücher 2005
1 CD, 60 Minuten
Die Rahmen- und Binnenhandlung erleichtert den Einstieg für Kinder ins Thema Oper, die SängerInnen, einen Chor und ein Kammerensemble kombiniert. Ein gelungenes Werk, würde nicht die Geschichte des Geflügelhalters und Huhns, das singen, schwimmen und goldene Eier legen möchte so stereotyp und das Ende ein Schein-Happy-End sein.

 

Bücher

Axel Scheffer: Der Grüffelo
Ill.: Julia Donaldson
Aus demEngl.: Monika Osberghaus
24 Seiten, ab 4
Beltz & Gelberg 1999
Ein Klassiker, der nicht vergessen werden sollte!
Die kleine Maus hat viele Feinde im Wald, denn diese würden sie gerne fressen. Sie hat Verstand und legt ihre Feinde herein und ist am Ende selbst gefürchtet. Dabei spielt Grüffelo eine wichtige Rolle und lässt die ZuhörerInnen und LeserInnen staunen. Die Reime sind gelungen ins Deutsche übersetzt und machen Spaß.


Christine Biernath: Bauchgefühl
189 Seiten, ab 13
gabriel 2006
Nadine, 15 Jahre, fühlt sich als Außenseiterin in ihrer Familie - äußerlich und weil sie gerne lernt und Karierre machen will. Da wenig Geld zur Verfügung steht, nimmt sie einen Nebenjob bei der Messe an, um sich das Geld für die Klassenreise nach Paris zu verdienen. Dort lernt sie Rick, einen Grafensohn, kennen. Nadine hat keine FreundInnen und flüchtet so aus ihrer Familie in Ricks Arme, zieht bei ihm ein. Sie wird schwanger. Rick ist ein umsorgender Mann, der Nadines einzige Stütze ist. Nadines Mutter hat den Kontakt abgebrochen.
Die Autorin bleibt an der Oberflächliche, spart Nadines sexuellen Erfahrungen und inneren Konflikte aus und bietet ein Happy End. Mehr Recherche bei Betroffenen und PsychologInnen hätte dem Buch gut getan.

Klaus-Peter Wolf: Die Wunderzwillinge und der unheimliche Mieter
76 Seiten, ab 8
Kerle bei Herder 2006
Laura will Geheimagentin werden. Ihre Zwillingsschwester Leoni ist ein Klettergenie. Oma Klapphecke wird gerettet- wenn gleich auch anderes passierte als vermutet. Wer Kinderkrimigeschichten mag und einfachen Stil wird mit Freude lesen.


Karin Gündisch: Mia und Tante Milda
Ill.: Sabine Wiemers
26 Seiten, ab 5
Kerle bei Herder 2005
Die Nachbarin Tante Milda soll Babysitten, da Mias Eltern eine Einaldung für den Abend haben. Mia und Milda tauschen die Rollen: Mia liest Milda eine Geschichte vor, bringt ihr etwas zu trinken. Milda nimmt ein Bad und legt sich ins Bett. Mia schaut fern und spielt mit ihrer Schildkröte. Die Eltern sind beim Nachhausekommen etwas überrascht, doch Mia ist ganz zufrieden.

Carola Henker: Fröhliche Zahlengeschichten und Gedichte
Ill.: Sybille Hein
75 Seiten, ab 6
Kerle bei Herder 2006
Die Geschichten und Gedichte dieser Zusammenstellung weisen unterschiedlichste Qualitäten auf. Rotraud Berner erzählt eine Geschichte, in der die Mutter zu ihrem 4-jährigen Kind sagt: "Das kannst du ganz leicht selber ausrechnen." und überfordert damit ihre jüngsten LeserInnen. Margret Rettichs Geschichte der verdrehten Telefonnummer ist ebenso nicht kindgerecht. Zum Trost findet sich die wunderbare Geschichte von Janosch Wie der Tiger zählen lernt sowie von D. Kreusch-Jakob: Riesen schlafen.
Somit muss sich jede/r selbst eine Meinung bilden, ob sich ein Kauf lohnt.

Hermien Stellmacher: Mein großes Jahreszeiten-Buch
Ill.: Regine Altegoer
31 Seiten, ab 5
ars edition 2006
Ein Sachbuch mit viel anschaulicher Information und guten Bastelanleitung, eingebettet in den Kindergartenalltag und die Familie. Allerdings mehr für Katholische Kinder geeignet (das christliche Osterfest, Nikolaus und Weihnachtsfest sind die einzig erwähnten Feste), da auf Interkulturelles kein Bezug genommen wird.


Ursel Scheffler: Upps regelt das!
Ill.: Jutta Timm
32 Seiten, ab 5
ars edition 2006
Aus schlimmen Kindern sollen brave werden. Auf dem Planeten Maxnix leben die Wesen nach ihren Regeln. Ihr Leben wird sehr ausführlich beschrieben. Die Regeln auf dem Planeten Erde werden auf jeder Seite trocken und kurz zusammengefasst. Gleich zu Beginn auf Seite Eins zu lesen: Man räumt (ab und zu) auf. Man guckt nicht stundenlang fern. Man schummelt nicht beim Spielen.
Dass Kinder Regeln und Struktur brauchen, ist unbestritten. Aber das ist sicher nicht eine pädagogisch wertvolle oder humor- und liebevolle Vermittlung!

Ian Whybrow: Fiessein für Anfänger
Ill.: Tony Ross
32 Seiten, ab 5
Bereits im Titel sind Mädchen ausgespart und sie kommen auch im Buch nicht vor. Papa trägt Anzug mit Krawatte und Mamma ein langes rosa Kleid mit weißem Spitzenkragen. Sie fordern von ihrer Kindern, schlimm zu sein und sich schlecht zu benehmen. Sie zeigen es vor und wollen am Ende doch nur brave Kinder. Diese Geschichte geht nicht auf, weil zu viele Brüche, Klischees und inkonsequentes Denken vermengt sind.


Luise Holthausen: Karotte und der Osterhase
Ill.: Karl-Heinz Volkmann
32 Seiten, ab 4
Karotte hätte - ausdrücklich! - niemals eine Chance, Nachfolgerin des Osterhasen zu werden, gäbe es Mitbewerber. Dass der Osterhase rohe Eier anmalt, ist neu. Da leider Karotte diesen Fehler nicht behebt, bleibt alles beim Alten. Die Kontrolle behält der Osterhase weiterhin, da er ihr beim Arbeiten zusieht. Die beiden sind gänzlich alleine auf der großen Hasenwelt. Kinder erzählen witzigere Geschichten!


Petra Hirscher: Das Buch für Mädchen
240 Seiten, ab 13
Pattloch 2002
Ein buch für Mädchen, das männliche Sprache verwendet, scheidet für mich schon aus diesem Grund aus. Aber auch inhaltlich ist dieses Buch undifferenziert: Beim Thema "Scham" wird nicht auf gesellschaftspolitische Aspekte hingewiesen, obwohl sich Kopflastigkeit durch das ganze Buch zieht. Das Zitat von Thomas von Aquin, Bordelle müssen hingenommen werden, ist gänzlich ungeeignet für Mädchen einer aufgeschlossenen Gesellschaft. Macht wird im Zusammenhang mit männlicher Sexualität ebenso wenig erwähnt.
Da greifen Mädchen besser zu anderen Büchern!


Dr. Elisabeth Raith-Paula: Was ist los in meinem Körper?
129 Seiten, ab 12
Pattloch 2003
Der Titel trennt Körper von Geist und Psycho und zeigt bereits die Tendenz zur traditionellen Sichtweise. Da täuscht ein flotter Stil nicht darüber hinweg (es wird von der Zyklusshow gesprochen). Dass Mädchen Mädchen lieben können, bleibt unausgesprochen. Aids kommt einmal im Nebensatz vor. Dafür werden in der Chefetage (nicht Chefinnenetage!) die hormonellen Entscheidung getroffen. So ist auch die sachliche Informationsfigur männlich. Darüber tragen die wunderbaren eingestreuten Fotos (Blastocyste, Zervixschleim .. - wobei leider keine Vagina zu sehen ist) nicht hinweg. Dass Mädchen oft Schwierigkeiten haben "Nein" gegenüber Burschen zu sagen, und wie sie das lernen können, wird ebenso wenig thematisiert.
Leider wieder ein Buch, das nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann.

 

Gabriele Beyerlein: In Berlin vielleicht
317 Seiten, ab 14
Thienemann 2005
Lene, ein uneheliches Kind, lebt im Haushalt des Lehrerehepaars und hat nur selten Kontakt zu ihrer Mutter. Sie sieht im Dorf keine Chancen und geht nach Berlin, um als Hausmädchen zu arbeiten. Die Geschichte wiederholt sich: Sie wird schwanger und der Vater des Kindes heiratet sie nicht. Da sie aber von guten Menschen umgeben ist, kann sie ihr Schicksal und ihr Kind gut annehmen. Sogar ihre Mutter kommt zur Taufe.
Die Autorin versucht die Gedanken und das Leben Lenes sprachlich im Stil der Jahrhundertwende nachzuzeichnen


Sabine Rahn: Hexentest im Klassenzimmer
84 Seiten, ab 8
ars edition 2006
Robin geht in die 4. Volksschulklasse und glaubt, seine rothaarige Lehrerin sei eine Hexe. Am Ende entschuldigt er sich zwar für all das Üble, das er deswegen getan hat und bleibt doch nicht frei von Zweifeln.
Der Autorin unterlaufen viele Fehler: Es fehlt der Realitätsbezug (Welcher 10 Jährige kann sich damit identifizieren? Keine Lehrerin fährt ein Kind im privaten Auto nach Hause! Information über Hexen bleibt für die LeserInnen fehlt. Die Mädchen sind fürsorglich, die Buben initiativ, die Sprache männlich, die Schulleitung hat natürlich ein Mann über...). Robin hat keine erwachsene Vertrauensbezugsperson, am Ende wird er für seinen Mut gelobt und hat nichts dazugelernt.


David Elliot: Fine - ein Mädchen in den Bäumen
Aus dem Engl: U.K. Sawicki, Ill.: A. Wesson
124 Seiten, ab 8
Boje 2006
So originell das Buch beginnt hält der Autor doch den locker leichten Ton und die Gags nicht konsequent durch und scheitert schlussendlich. Er vergisst, dass chinesische Kinder traditionell auch keine Windel bekommen. Warum Fine keine FreundInnen findet, bleibt gänzlich unausgesprochen und passt eigentlich nicht ins Bild. Auch nicht, dass sie alles bei Onkel und Tante erduldet. Diese werden ausschließlich unmenschlich und negativ gezeigt. Der Satz: Die Zeit ist wie ein Soldat, der nie zu marschieren aufhört ist unpassend für Fine, ebenso wie: Nur Männer heulen, wenn das Auto einen Kratzer hat! Die Ungereimtheiten ließen sich fortsetzen.


Carl Hiassen: Fette Fische
296 Seiten, ab 12 J
aus dem Amerikan. von Birgitt Kolmann
Beltz & Gelberg
Noah erzählt aus seiner Sicht, wie es ihm und seiner jüngeren Schwester mit Unterstützung der Barfrau Shelly gelang, Muleman, der ein Kasinoschiff besitzt und die Abwasser verbotenerweise nicht in einen Container sondern in das Meer fließen lässt, zu überführen.
Noahs Mutter arbeitet bei einem Rechtsanwalt und ist oft an der Grenze zur Scheidung. Sein Vater ist Taxifahrer, der ab und zu inadäquat reagiert, sodass er ins Gefängnis kommt. Noah ist keiner, der sich gegen Angreifer zu wehren weiß und seinen Vater immer und jederzeit unterstützt. Als Retter in drei brenzligen Situationen taucht sein todgeglaubter Großvater auf. Am Ende sind alle glücklich und zufrieden und Noah hat gelernt, sich zu wehren. Stilistisch trifft der Autor einen autenten coolen Jugendliche ansprechenden Stil.


Franz Hohler, Jürg Schubiger: Aller Anfang

Ill.: Jutta Bauer
128 Seiten, ab 8 J
Beltz & Gelberg 2006
Die beiden Autoren beschäftigen sich mit dem Anfang der Welt, wie er gewesen sein könnte und auch mit dem Ende der Welt sowie Dingen wie Augen, Nasen, Kometen, Sprache u. v. a. m.. Sie stellen sich abwechselnd den Themen. Das macht das Lesen der 34, die fast alle humor- und phantasievolle kluge kurze Geschichten sind, spannend und zu einem Lesevergnügen. Blickwinkel werden gewechselt, verschiedene Aspekte der selben Sache pointierte betrachtet, überraschende Wendungen eingebracht. Frauen und Männer, Göttinnen und Götter - eigenmächtig, unabhängig, kooperativ, gleichberechtigt - sind frei von Geschlechterrollenklischees. Kinder, Jugendliche und Erwachsene fällt es leicht, darüber zu diskutieren und philosophieren und selbst mit dem Geschichtenerzählen zu beginnen.
Eine Geschichte sei an dieser Stelle präsentiert:
Die Göttin von F. H.
Am Anfang, bevor die Welt erschaffen war, streifte Gott durchs Nichts, um irgendwo etwas zu finden. Er hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben und war todmüde, als er plötzlich vor einer Baracke stand. Er klopfte an, und eine Göttin öffnete und bat ihn, hereinzukommen. Sie sei, sagte sie, gerade mit der Schöpfung beschäftigt, aber er solle sich ruhig ein bisschen hinsetzen und ihr bei der Arbeit zuschauen. Zurzeit war sie daran, in einem Aquarium verschiedene Wasserpflanzen einzusetzen.
Gott war in höchstem Maße erstaunt, über das, was er sah, er wäre nie auf die Idee gekommen, so etwas wie Wasser zu erschaffen. Gerade dies aber, sagte die Göttin lächelnd, sei sozusagen die Grundlage des Lebens überhaupt.
Nach einer Weile fragte Gott, ob er vielleicht ein bisschen helfen könne, und die Göttin sagte, sie wäre sehr froh, wenn er das Wasser und ihre bisherigen Schöpfungen auf einen der Planeten bringe könnte, die sie etwas weiter hinten eingerichtet habe. Sie würde gerne auf dem unbedeutenden anfangen, probeweise. Also begann Gott damit, die Schöpfungen der Göttin eine nach der anderen aus der Baracke auf die Erde zu bringen, und es ist nicht verwunderlich, dass später die Mensche, auf diesem Planeten nur den Gott kannten, der das alles gebracht hatte, und ihn für den eigentlichen Schöpfer hielten. Von der Göttin aber, die sich das ausgedacht hatte, wussten sie nichts, und deshalb ist es höchste Zeit, das sie einmal erwähnt wurde.

Klaus Kordon: Jinbal von den Inseln
126 Seiten, ab 8 J
Beltz & Gelberg
Die Geschichte des hinkenden indischen Mädchens Jinbal wird erzählt. Der Autor stellt ihr einen lebensuntüchtigen Vater zu Seite, der sie und ihre Geschwister nicht zu ernähren vermag. Ihre Mutter verstarb. Sie fühlt sich verpflichtet, für ihre Geschwister zu sorgen und sie ist bereit, dafür ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Sie will dem Aufruf des Kalifen folgen und die Traurigen Inseln vom Ungeheuer befreien und so reich werden. Sie ist die typische weibliche Retterin, die sich aufopfert und nicht jene zur Verantwortung zieht, die die Ursache des Übels sind.
Würde der Autor diese Klischees nicht bedienen, wäre es immer noch eine Geschichte, die politischem Widerstand (die unterdrückten InselbewohnerInnen versuchen einen naiven Aufstand, der zum Scheitern verurteilt ist) keine Chance gibt sondern nur persönlichem Glück.


Manne Forssberg: For boys only - Alles über Sex und Liebe
209 Seiten, ab 12J
aus dem Schwed.
Beltz & Gelberg 2006
Manne Forssberg, Jahrgang 1983, ist Journalist in Schweden. Dieses Buch entstand auf Grundlage vieler Gespräche des Autors mit Jugendlichen Burschen und Mädchen. Alles, was "boys" interessieren könnte, wird tabufrei angesprochen. Der Autor fügt seine persönlichen Sichtweisen hinzu und lässt auch eigene Erfahrungen einfließen. Einige 16- bis 18-jährige sind zitiert. Die leben allerdings bereits in einer anderen Welt als die 12 jährigen, für die dieses Buch gedacht ist.
Forssberg trifft mit seinem lockeren Stil sicherlich den Ton von vielen Jugendlichen und ermutigt, sich den eigenen Fragen und Gefühlen zu stellen. Nicht alle Antworten sind gut auf den Punkt gebracht, wie jenes Kapitel über Feminismus. Ob Mädchen eine Freude damit haben, wie sie im Kapitel "Menstruation" gezeigt werden, sei auch dahingestellt. Das was männlichen Jugendlichen meist fehlt, ist das offene Gespräch mit dem lebenserfahrenen Vater, nicht mit dem etwa gleichaltrigen Freund - dieser weiss mehr oder doch noch vieles nicht. Doch Letzteres bietet dieses Buch sehr gut.


Thomas Zauner: Wien - der neue Stadtführer für Kinder
Ill.: Carola Holland
96 Seiten, ab 8 J
Ueberreuter 2006

Das gut strukturierte Buch gibt einen klassischen und traditionellen Einblick in die Stadt. Manches Detailwissen macht den Kindern sicher Spaß, wie z.B. dass täglich in den U-Bahnen 10.000 Kaugummis weggeputzt werden müssen.
Doch kommen kaum Frauen/Mädchen vor! Die Stadtgeschichte wird illustriert durch einen Hund mit Schafen, einen Ritter und einen Türken. Beim Sammelsurium wird ein Wanderer und der liebe Augustin gezeigt.
Ein Bub, der durch das Buch führt -stehend mit erhobenen Zeigefinger- ist der Schlaumeier. Das Mädchen - liegend - erzählt über den Wiener Dialekt - hat keinen Namen. Auch auf die weiblichen Sprachformen wurde leider verzichtet. "Seit über 80 Jahren gibt es in Österreich keine Kaiser mehr.", steht im Zusammenhang mit der Hofburg. Warum wird auf Maria Theresia vergessen und nicht geschrieben "Kaiser und Kaiserinnen"? Dass Mädchen und Buben unterschiedliche Interessen haben, ist belegt. Warum wurde darauf nicht Rücksicht genommen?


A°sa Lind: Mehr von Zackarina
Ill.: Philip Wächter
aus dem Schwed.: Jutta Leukel
120 Seiten, ab 7 J
Beltz & Gelberg
Zackarina ist ein intelligentes, kreatives und selbständiges Mädchen, das im Sandwolf einen guten Freund gefunden hat. Mit ihm hat sie nicht nur Spaß, durch das Zusammensein mit ihm wird ihr sehr vieles einsichtig. Zackarina verbringt die Tage mit ihrem Vater, denn ihre Mutter ist berufstätig. Die fünfzehn Geschichten thematisieren unter anderem die Liebe, den Tod, die Regeln des Zusammenlebens, das Schwimmenlernen, die Angst, das Friedenschließen.
Schade, dass die Übersetzerin nicht konsequent die weibliche Sprache verwendet, denn so muss Zackarina Pirat und nicht Piratin spielen.)
Mit poetischer Sprache und Bildern der Natur gelingt es der Autorin die Welt Zakcarinas, die das Leben mit seinen vielen Seiten entdeckt, stimmungsvoll und kindgerecht ausbalanciert zwischen Phantasie und Realität humor- und liebevoll zu vermitteln.

Nomi Baumgartl (Fotos) Jutta Richter (Text): Sommer und Bär -
Eine Liebesgeschichte
Ill.: Horst Janssen
72 Seiten, zahlreiche Fotografien
für Erwachsene
sanssouci im Carl Hanser Verlag 2006
Langsam und sinnlich wird die Geschichte von den beiden gerade daumengroßen Teddybären in Worten und Bildern erzählt. Sie lernen sich kennen und gehen gemeinsam durchs Leben. Da treffen sie auf Ziege und Kuh, überqueren Wasser, finden Schnecken und von allem ist genug da - auch vom Glück.
Für alle, die den Kontakt zur Teddybärenwelt noch nicht verloren haben oder diesen gerne wieder herstellen und die poetische Melancholie mögen.


Antje Damm: Fledolin verkehrtherum
Ill.: Antje Damm
32 Seiten, ab 4J
Gerstenberg 2006
So klar überschaubar und witzig die Illustration durch das Thema oben/unten/verkehrtherum teilweise ist, sind die weiblichen Tiere immer kleiner als die männlichen, obwohl in der Realität die ausgewachsenen Weibchen in der Regel etwas größer als die Männchen sind. Dass das Weibchen die Flasche hält und das Männchen das Buch, ist ein weiteres Beispiel plakativ konservativer
Geschlechterklischees. Leider sind diese auch inhaltlich durchgängig. Die Mutter findet ihren verkehrtherum Sohn als einmalig und ist glücklich. Der Vater scheint am Ende ohne Begründung nicht mehr auf. Die Oma bezeichnet sich als Niete, der Onkel jedoch ist der reiseerfahrene Mann. Feinde der Fledermäuse sind nachtaktive Raubtiere, vor allem Katzen, Greifvögel und Eulen. Die Autorin, Architektin von Beruf, wählt jedoch einen Fuchs. Es hätte die Geschichte nicht geschmälert, hätte die Autorin Fakten korrekt einbezogen. Aber Bücher, die veraltete Klischees tradieren, sind verzichtbar.


Isabel Pin: Als alle früher nach Hause kamen
Aus dem Franz. Von Otto Honke
24 Seiten, ab 4J
Peter Hammer Verlag 2006
Tom geht in den Kindergarten und erzählt, was passierte, als er einmal ein Bild malte. Weil alle brav waren (zeitgemäße Pädagogik?), dürfen die Kinder malen, was sie wollen. Als die Kindergärtnerin sein Bild sieht, ruft sie: "Macht keinen Lärm, Kinder. Ich muss Frau Groß rufen." Eine weitere inadäquate Aktion. Ohne den Grund des Aufruhrs zu nennen, werden der Reihe nach die Leiterin, Mama, Papa, Großmutter, der Doktor verständigt und gebeten, zu kommen. Erst seine Freundin Lilly, die nebenan wohnt und kommt, löst durch ihren Ausruf: " Es ist echt super, dein schwarzes Quadrat, Tom!" das Rätsel. Tom bemerkt abschließend, dass die Erwachsenen wohl nicht gleich verstanden hätten, was es ist.
Eine Geschichte, die sicher nicht für Kindergartenkinder ist, die über das geforderte Reflexionsvermögen nicht verfügen und den satirischen Ansatz nicht verstehen können. Trotz allem bleibt offen, warum Tom ein schwarzes Quadrat gemalt hat und was die Erwachsenen zuerst daran so erschreckend fanden. Weder Thema noch Stil entsprechen der Lebenswelt der Kinder.

Hilda Herklotz: Die Erdenreise des kleinen Engels.
Erst als die Welt fertig ist, darf der kleine neugierige Engel auf die Erde, muss aber seine Flügel abgeben, die aufgehoben werden, bis er wieder kommt. Von allen Tieren wird das Menschenkind herzlich aufgenommen.
Eine sinnlich erzählte Geschichte, die den Tod indirekt thematisiert und für Kinder ein nachvollziehbares und tröstendes Bild anbietet.


Karkijn Stoffels: Marokko am See
Aus dem Niederl.: Mirjam Pressler
156 Seiten, ab 12
Beltz & Gelberg 2006
Der 13-jährige Issa ist die Hauptperson der Geschichte, die innerhalb weniger Monate spielt. Issa bringt in der Schule nicht die geforderten Leistungen und wechselt in eine adäquate Institution. Von zu Hause - einer islamischen und marokkanischen Familie - bekommt er keine Förderung, im Gegenteil, seine Selbständigkeit und Integration wird verhindert. Die Autorin beschreibt die Tage und Wochen pointiert, sehr bildreich und sinnlich. Dennoch gelingt es ihr nicht, Issa fassbar und verständlich den LeserInnen zu vermitteln. Am Ende bleiben zu viele offene Fragen und Unstimmigkeiten.

Alex Shearer: Geheimnisse einer Hexe
304 Seiten, ab 12
aus dem Engl.: Barbara Küper
Zwei Hexen gelingt es über Jahrhunderte, immer wieder in Kinderkörper zu schlüpfen. Die Kinderseelen müssen in die alten Hexenkörper. Es geht also ums Altwerden, unsterblich zu sein. An sich ein traditionell männliches Thema. In diesem Fall sind zwei Mädchen betroffen, denen es mit den alten Körpern gelingt, an den richtigen Zauberspruch heranzukommen und diesen im richtigen Moment auch zu sprechen, sodass sie wieder in ihren eigenen Körper können und die Hexen in Staub zerfallen. Dieser Nonsens, der auf der hundertprozentigen Trennung von Körper, Geist und Seele aufbaut, ist im Vergleich zu anderen Hexenbüchern weder konstruktive Weisheit, Philosophie oder Wahrheit noch Humor und Mehrdimensionalität sondern lineare schwarze Weltanschauung vermittelt.
Meredith, ein junges Schulmädchen erzählt von ihrer Perspektive, wobei eine störende Diskrepanz zwischen dem flapsigen Stil und dem Inhalt liegt.
Ein unzeitgemäßes Buch - Jugendliche haben Besseres verdient.


Manfred Schlüter: Reime Eimer
Ill.: der Autor
96 Seiten, ab 8
Boje 2006
Der professionelle Zeichner legt hier seinen ersten Gedichtband mit 64 kürzeren oder längeren Reimen vor. Er wendet sich den Reichen der Worte, der Liebe, der Wolken, der Wahrheit und den Tieren kreativ - verspielt, verständlich und witzig zu. Ein Beispiel sei hier zitiert:
So ein(e) Spiegelei
Ich hab ein Ei, das spiegelt sich.
Ich hab ein Spiegelei!
Und spiegelt sich das Spiegelei,
dann hab ich sogar zwei!


Piet Grobler: Das Vogel A-B-C
Ill.: der Autor
Aus dem Niederl.: Uli Blume
64 Seiten, ab 4
Boje 2006
Der freischaffende Künstler versucht sich bei diesem Buch in einem Bereich, in dem er kein Fachmann ist, der Sprache- oder hat der Übersetzer versagt? So humorvoll, farbenfroh und gekonnt reduziert die Vogelzeichnungen sind, denen er Ausrufe begesellt (Oh! Oh! - Mmmm - kikerikiii - grrr - ffft - Hatschi etc) so ungeeignet ist dieses Buch für Kinder, die den Laut zum Buchstaben noch erlernen müssen oder bereits kennen. Den Buchstaben C für Chi-chip-chilp oder das E für Ei-ei bzw. das Y mit Yeaa! zu verwenden, ist falsch und damit abzulehnen. Ein Vogel, der Bier trinkt und dann rrrülps ruft, ist nicht das, was ich Kleinkinder mit r assoziieren wissen möchte. Die Groß-und Kleinschreibung spielt keinerlei Rolle.
Hätte Grobler manche der guten Idee in eine Geschichte gepackt und nicht den Anspruch auf ein Vogel-ABC gelegt, es wäre ein gutes Buch geworden.

 

Michael Lüders: Aminas Restaurant - ein modernes Märchen
206 Seiten, ab 14
Arche 2006
Alexander lernt Sid Mohamed, Amina und deren Tochter Jasmina aus Marokko kennen, die in Lesum (Bremen) ein Lokal aufmachen. Die kurze Zeit des Beginns im Frühjahr bis zum Brand des Lokals im Herbst ist aufregend. Sie bringt die Liebe ins Spiel und das Aufarbeiten der persönlichen Vergangenheit bei vielen Beteiligten. Mit seinem schwungvoll und leicht zu lesendem Stil gelingt es dem Autor, in die politische und persönliche Welt der ProtagonistInnen beider Länder Einbick zu gewähren und weiter neugierig zu machen.

Angela Mc Allister: Kinder der Gezeiten
224 Seiten, ab 10
aus dem Engl: Petra Koob-Pawis
Arena 2006
Muriel, das Mädchen von Meeresgrund, erfährt von ihrem Vater über lange Jahre nicht die Wahrheit über das Verschwinden ihrer Mutter. An dem Tag, da sie beschließt, ihren eigenen Weg zu gehen kommt sie in Kontakt mit dem Menschkind Jake. Dieser erfährt nach dem Kentern des Bootes, dass er unter Wasser atmen, essen und sprechen kann. Die beiden meistern viele Abenteuer und entdecken das Geheimnis, das sie beide betrifft. Für jene, die keine hohen stilistischen Ansprüche haben, ein netter Schmöker.


Christine Knödler (Hrg.): Engel nebenan
192 Seiten, ab 14
Ill.: Carola Holland
Sauerländer, Aare
14 AutorInnen unterschiedlichster Generationen (David Höhn geb.1956 bis Susan Kreller geb. 1977) und Nationen (Deutschland, Kroatien, Frankreich) schreiben über Engel. Der Bogen ist sowohl stilistisch als auch inhaltlich weit gespannt. Die Geschichten zeigen vielfältig, unkonventionell und oft überraschend verschiedenste Gesichter von Engeln. In einer Geschichte ist das Engelsgewand das einer Prostituierten. In einer anderen ist der Engel die jüngere Schwester, die es schafft, ihre magersüchtige Schwester zu therapieren. Ein guter Impuls, über Engel im eigenen Leben nachzudenken.

Maria Elisabeth Straub: Das Geschenk
336 Seiten, ab 14
Diogenes 2006
Die Autorin greift das Thema der unbefleckten Empfängnis Marias auf und lässt diese selbst erzählen.
Sie setzt in dem Augenblick ein, da "der Hölzerne" schwer erkrankt ist und sie ihrem "Mamser" genannten Sohn, das Geheimnis seiner Zeugung - sie wurde von ihrem Vater geschwängert - eröffnen will. Dafür wartet sie lange den besten Zeitpunkt ab. Der Betroffene reagiert mit Zorn, Enttäuschung und zeigt sein Talent, das Beste aus diesem Faktum zu machen. Als er sich von seiner Familie löst und geht, beendet Straub ihre Interpretation.
Auch wenn sich die Autorin bemühte, stilistisch auf diese Zeit mit biblischen Redewendungen und Psalmen einzugehen und Grundaspekte des Mythos berücksichtigte, so lässt sie Marias, die oft rückblickt und sich erinnert, mit einer Stimme sprechen, die einen schalen Geschmack hinterlässt und das Bild einer alten gebückten leidenden Frau.
Ein Buch für LeserInnen, die es mögen, wenn alles mit seinen - wie der Verlag schreibt - "menschlichsten" Seiten gezeigt wird.

Gioconda Belli: Die Blume und der Baum
24 Seiten, ab 5
Ill.: Barbara Steinitz
aus dem Span.: Sigrid Groß
Peter Hammer Verlag 2006
Eine junge Bougainvillea rankt sich um einen alten Pinienbaum. Die beiden lieben einander. Als die Pinie merkt, dass sie schon fast erdrückt ist, verschweigt sie dies, weil sie ein friedlicher Baum ist und sich nicht beklagen will. An dieser Stelle wird ein sehr fragwürdiger Liebesbegriff vermittelt. Von zwei Gärtnern hört die wachsfreudige Bougainvillea von der Gefahr, die von ihr ausgeht. Darauf angesprochen, schlägt die Pinie ihr vor, doch keine Angst zu haben, loszulassen und seitlich weiter in die Luft zu wachsen. Andernfalls würden sie beide sterben. Die Moral: Auch die liebevollste Umarmung muss Freiraum zum Atmen lassen. Die Bougainvillea ist eine Pflanze, die sich nicht selbst tragen kann und prinzipiell Wände oder Gitter benötigt. Also ist die Lösung eine Scheinlösung. Eine Parabel, die emanzipierte Erwachsene nicht überzeugen kann. Womit sollte ein Kind sich in dieser Geschichte identifizieren? Schade, dass sich die Autorin mit diesem Thema nicht differenzierter, qualitativer und kindgerechter auseinandersetzte.


Heinz Janisch: Der Stärkste von allen!
Ill.: Daniela Bunge
Ein griechischen Märchen neu erzählt
24 Seiten, ab 4
Annette Betz 2006
Dieses Märchen erzählt von einem Mäusevater, der den Freund seiner Tochter aus Haus vier ablehnt. Er will für seine Tochter nur den Stärksten. Nach einer langen Reise zu Sonne, Wolken, Wind und Stein, kommt er zu der Erkenntnis, dass Mäuse stärker sind, als er dachte. Jetzt kann er den Mäuserich als Schwiegersohn akzeptieren.
Die Betroffenen - Mäusetochter und Freund - kommen in dieser Geschichte nicht vor. Warum es der Stärkste sein muss, wird nicht hinterfragt. Allerdings wird gezeigt, dass auch Väter ihre Vorurteile ändern und dazulernen können. Allerdings muss er in die Welt ziehen, denn die Kommunikation mit seiner Frau ist nicht seine Stärke. Janisch erzählt die Geschichte mit vielen direkten Reden kindergerecht. Schade, dass er manche Klischees nicht weggelassen hat.
Die Illustration, die mit den Perspektiven spielt fängt mit den vielen Blauschattierungen die griechische Atmosphäre gut ein.


Dagmar H. Müller: Herbst im Kopf - Meine Oma Anni hat Alzheimer
Ill.: Verena Ballhaus
32Seiten, ab 7
Annette Betz
Paula, noch kein Schulkind, erzählt von ihrer Oma, die an Alzheimer erkrankt ist. Die bildgerechte Sprache (Erinnerungsbaum) wie auch die Situationsbeispiele vermitteln die Problematik der Krankheit gut und verständlich.
Alle Erklärungen zur Oma und ihrer Krankheit kommen aber ausschließlich von der Mutter, die den Alltag mit ihr bewältigt. Der Vater hat nur die Entscheidung getroffen, dass Oma Anni ins Haus zieht und ist sonst nicht präsent. Warum der Nachbarsbub Moritz ihre Oma auslacht, bleibt offen. Dass Paula und Mama nie genervt sind, ist unrealistisch.
Der Textumfang ist für jüngere Kinder (Verlagsempfehlung ab 5) weniger geeignet, ebenso der nicht diesem Alter entsprechende Kindererzählstil.


Emmanuelle Houdart (Text und Ill.): Die Monster sind krank
40 Seiten, großformatig (37,3 x 27,5)
Gerstenberg 2006
Die Autorin lässt vierzehn Monster (Teufel, Teufelin, Phantom, Hexe u. a., warum dreimal die Riesin?) krank sein. Jede Seite ist strukturiert in die vier Aspekte: Beschreibung, Symptome, Behandlung und Anmerkung. Als Krankheiten sind u. a. Schlafkrankheit, Übelkeit, Angst, keine Stimme mehr haben, stinkende Füße, Windpocken, Migräne vertreten. Witz mischt sich mit Wissen und Unsinn.
Dass selbst solche Monster manchmal krank sind, mag das eigene Leid für kurze Zeit vergessen lassen. Doch ist das Buch nicht, wie der Verlag empfiehlt, für Kinder ab 5 J sondern erst ab 8 zu empfehlen. Jüngere Kinder verstehen weder die Anspielungen auf den Nachbar in der Schule noch ist Wortschatz und Grammatik (Das plötzliche Erwachen des Federviehs in seinem Kopf zwingt den Kranken, jedwede körperliche und geistige Tätigkeit einzustellen.) kindgerecht.
Für allzu sensible Kinder mag die Illustration ungeeignet sein, da diese Unruhe und Alpträume verursachen könnten. Alles in allem mehr ein Buch für humorvolle Erwachsene.

Doris Dörrie: Mimi und Mozart
Ill.: Julia Kaergel
32 Seiten, ab 5
Diogenes 2006
An Mozart kommt in diesem Jahr niemand vorüber, auch nicht Doris Dörrie. Sie hat die Problemstellung, wenn schon nicht originell, so doch professionell gelöst. Mimi soll Klavier üben. Da hebt sich der Deckel und Mozart steigt heraus. ER spielt. Kurz kommt Mimis Mutter herein, weil sie meint, Mimi hätte eine CD aufgelegt, weil das Spiel plötzlich viel besser klingt. Mozart versteckt sich. Die Technik einer CD macht ihm auch Angst und er läuft davon. Auf der Straße findet ihn Mimi. Er hört seine Musik aus den Autos, aus den Handys klingen. Er lädt Mimi ein, mit ihm in seine Welt zu kommen. Sie steigen ins Klavier. Nun erlebt Mimi ein Konzert, bei dem Mozart mir verbunden Augen vor Adeligen spielt, lernt Vater Mozart und Nannerl kennen, fährt mit ihnen mit der Kutsche nach Hause. Ehe Mimi wieder in ihre Welt reist, schenkt ihr Mozart eine seiner weiß gepuderten Perücken. Zu Hause will Mimi gar nicht mehr mit dem Üben aufhören, denn jetzt macht es ihr Spaß.
In ihrem Stil des Spiels mit der Perspektive zeigt Kaergel wieder viele oft witzige Details, ohne das Bild für Kinder zu überladen.
Ein Buch das gut gemacht ist und auch gut gefällt.


Josef Guggenmos: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums
Ill.: Stefanie Harjes
324 Seiten, ab 12
Ravensburger Buchverlag 2006
Ob die Illustrationen von Stefanie Harjes gefallen oder nicht, sie regen zum Nachdenken, zur Diskussion, zum Lachen an, inspirieren und nehmen die Trockenheit des alten Stoffes weg.
So ist es leider nicht mit der aus den 60iger Jahren stammenden Nacherzählung der Sagen von Josef Guggenmos, dessen Grundlage der Text von Schwab (19. Jh.) ist. Über Sätze wie: Die Amazonen verließen Athen und kehrten in ihr Vaterland (!) zurück. Können wir heute nur den Kopf schütteln. Es ist wirklich bedauernswert, dass der Verlag die Chance nicht nutzte, einen zeitgemäßen Text vorzulegen. Die heutige Jugend hat einen frischeren und kritischeren Text verdient!


Narinder Dhami: Die Sari Sisters
224 Seiten, ab 10
Ravensburg 2006
Amber (12J) erzählt, beginnend an dem Tag, als ihre Tante Susie aus Indien kommt und in ihrem Haus einzieht von sich und ihren beiden Schwestern Jazz (11J) und Geena (14J). Vor über einem Jahr starb ihre Mutter an einer schweren Krankheit. Ihr Vater flüchtete sich in Arbeit und sie kehrten ihre kluge, verlässliche und witzige Seite heraus. Sie vermieden, über ihre Mutter zu sprechen, um diesen Schicksalsschlag zu verkraften. Sie lehnen Tante Susie ab, da sie sich gut eingerichtet haben und keine Veränderungen wollen. Die drei Schwestern versuchen verschiedene Strategien, Tante Susie loszuwerden doch durch eine überraschende Wende, finden sie alle zusammen und endlich Worte.
Dhami trifft wieder den coolenTon dieser Altersgruppe und bringt so das Thema Lebensbewältigung witzig, leicht und konstruktiv an..


Edith Schreiber-Wicke: Zwei Papas für Tango
Ill.: Carola Holland
32 Seiten, ab 5
Thienemann 2006
Mit wunderbar trockenem Humor und in leichtem Tonfall wird eine Geschichte (Sie ist nicht erfunden. Nur nacherzählt.) von zwei männlichen Pinguinen und ihrer Liebe zueinander erzählt. Mit menschlicher Hilfe werden sie eine Familie. Na ja - nicht ganz wie jede andere. Aber auf jeden Fall eine glückliche Familie. Und eine Bilderbuchfamilie. Wie man sieht.
Die klaren und unverschnörkelten Illustrationen sind wohltuend und machen dieses vordergründig einfach erscheinende Buch zu einem hochqualitativen.

 

Marita de Sterck: Morgen, wenn Frieden ist
Aus dem Niederländ. Von Rolf Erdorf
248 Seiten, ab 14J
Sauerländer 2006
Joppe macht eine Pflegerausbildung, bereitet gerade mit KlassenkollegInnen ihren Anteil zu der großen Friedensdemonstration2003 vor und ist in Alya verliebt. Er erzählt von den letzten Lebensmonaten seines Urgroßvaters Tist. Parallel dazu wird das Leben des Großvaters ab 1913 erzählt, der den ersten Weltkrieg als Kind erlebte und davon geprägt den zweiten Weltkrieg überlebt sowie seine Schwierigkeiten in Zeiten des Friedens seinen eigenen Frieden zu finden. Daraus ergibt sich ein guter Erzählrhythmus und ein Spannungsfeld, durch das die durch Generationen gleich bleibenden Familienthemen, Wiederholungen und Veränderungen sichtbar und nachvollziehbar werden.
De Sterck glückt die Balance, existentiellen Fragen und lebensbedrohliche Erfahrungen mit lebensbejahenden Philosophien der Personen autent und glaubwürdig zu verbinden. Ihre Sprache fließt dialogstark mitten durch oder um die Emotionen, um die die Leben pulsieren.
Der Autorin, die auch als Dozentin für Literatur und Anthropologie tätig ist, gelingt es in ihrem neuen Buch, das Leben von drei Generationen und das Thema Sterben so in einen Jugendroman zu fassen, dass die LeserInnen bewegt, berührt und gefordert sind, Einblicken und neue Zusammenhänge entdecken sowie Verständnis für eine ihnen fremde und vielleicht doch vertraute Welt entwickeln können.

Heinz Janisch: Die kluge Katze
Die schönsten Tiermärchen aus aller Welt - neu erzählt
Ill:: Marion Goedelt
92 Seiten, ab 4 J
Annette Betz 2006
"Märchen erzählen immer von den unendlichen Möglichkeiten des Lebens.", schreibt Janisch in seiner Einleitung, ehe die von ihm 29 ausgewählten Märchen folgen. Die Erwartung, dass alle Märchen von ihm neu erzählt wurden, wird enttäuscht, denn z.B. der Froschkönig ist wortident mit dem Original der Gebrüder Grimm. Die Illustrationen haben m. M. nichts Märchenhaftes - aber Märchen haben ihre eigene Kraft und wirken.....


Doris Dörrie: Mimi entdeckt die Welt
Ill.: Julia Kaergel
32 Seiten, ab 5
Diogenes
In allen vorherigen Büchern lernten wir Mimi und deren Mutter kennen. In diesem Buch bringt der Vater Mimi ins Bett. Er liest ihr eine Geschichte vor, doch Mimi will noch eine weitere. Der Vater greift zu einem leeren Blatt Papier. Dieses wird nun mit Phantasiebildern und -geschichten verbal gefüllt. Beide staunen am Ende, was sich so alles in einem leeren Blatt verbirgt.
Im vorliegenden Buch verbirgt sich ein holpriger Text, ein verkopfter Vater, angestrengter Humor und ein unpassender Titel.


Dagmar H. Müller: Die Hälfte des Himmels gehört Bo
220 Seiten, ab 12
Thienemann
Bo ist sechs Jahre alt und wie sich herausstellt so schwer krank, dass er kurz darauf stirbt. Seine um fünf Jahre ältere Schwester erzählt im Rückblick, wie sie und die Familie diese Zeit im Alltag mit seinen schwierigen aber auch lustigen Seiten erlebte.


Gabriele Beyerlein: Das Mädchen mit dem Amulett
Ill.: Katrin Treuber
272 Seiten, ab 10
Thienemann
Liliam und Maureen sind die Heldinnen der Geschichte der Gegenwelten, die Getrenntes wieder zusammenfügen. Die zwei Seiten des Amulett stehen auch für die beiden Seiten des Lebens - die helle und die dunkle und das Problem ist, dass es Menschen gibt, die ihre eigenen dunkle Seiten nicht mehr wahrnehmen und wahrhaben wollen. Die Autorin nimmt dieses spannende Thema auf, bleibt mit etwas pathetischem Ton aber im traditionellen Denken verhaftet, das psychologische und schamanische Aspekte nicht ausgereift einwebt.

Ute Andresen: Im Mondlicht wächst das Gras - Gedichte für Kinder und alle im Haus
Ill.: Dieter Wiesmüller
192 Seiten
Diese Gedichtsammlung (1991 erstmals erschienen) ist keine der schnell und leicht gelesenen, sie stellt Ansprüche. Die Einführung der Autorin (ehemals Grundschullehrerin und nun Journalistin) in das Thema Lyrik - Vermittlung ist hilfreich. Die versammelten AutorInnen (Rose Ausländer, Christine Busta, Joseph von Eichendorf, Ernst Jandl, Isolde Kurz, Gottfried Keller, Christine Lavant,...) sind bekannt (der Verlag versichert, dieses Buch sei auch für den Deutschunterricht geeignet). Die meisten Gedichten haben auf einer Seite Platz - die unterschiedlichen Schriftgrößen geben dem Buch Lebendigkeit.


Nina Blazon: Der Spiegel der Königin
320 Seiten, ab 12
Ravensburger Buchverlag
Dieses Buch vermengt den historischen Roman (Königin Kristina von Schweden) mit dem sozialen Aufstieg der Küchenmagd Elins, deren Liebesgeschichte und Suche nach der Mutter. Die Autorin versucht Elin als das Spiegelbild der Königin heraus zu arbeiten, die am Ende jedoch ganz traditionell die Ehe und nicht die Freiheit wählt.
Sätzen wie: Tränen stiegen Elin in die Augen, rannen über ihre Nase und versickerten in Emilias Haar, das sie an Herbstblätter erinnerte, die von Raureif überzogen waren. präsentieren Blazons Stil.

Jan de Leeuw: Das Schweigen der Eulen
254 Seiten, ab 14
aus dem Niederländ. Von Rolf Erdorf
Gerstenberg
Der Tod der Großmutter führt den 13-jährigen Arnoud in deren Dorf, zu deren Brief und Erbschaft. Puzzleartig setzt sich der Roman, ein Zeitdokument der Generationen, von der ersten bis zur letzten Seite spannend, zusammen. Der leichte und stimmig fließende Erzählrhythmus lassen diese faszinierende Geschichte ein Lesegenuss sein.
Mit diesem Debüt hat der Psychologe de Leeuw den Sprung in die Kategorie des literarischen und politischen Jugendbuches selten meisterhaft geschafft.

Joke van Leeuwen, Malika Blain: Jahre ohne Amrar
160 Seiten, ab 12 J
Sauerländer 2006
Zima erzählt aus ihrer kindlichen und später jugendlichen Sicht, wie sie die Zeit erlebt, als ihr Bruder wegen politischer Betätigung inhaftiert wird. Einfühlsame, poetische und kritische Saiten klingen an, ohne die LeserInnen zu überfordern oder etwas zu verschönern.
Zimas Leben, wie es in den 70iger Jahren in Casablanca war, erreicht und berührt Dank des schriftstellerischen Könnens der Autorin. Diese hat die Erfahrungen Malika Blains als Grundlage für diese vielschichtige Geschichte genommen. Im Anhang wird in prägnanter Kürze auf historische Fakten eingegangen. Ein faszinierendes Buch, das die emotionale und kognitive Welt der LeserInnen auf erschütternde und doch sanfte Weise erweitert.

Jude Daly: Alles hat seine Zeit
Ill.: die Autorin
32 Seiten, ab 5
Gabriel 2006
Der philosophische Text (Prediger 3, 1- 8) wird auf 32 Seiten aufgeteilt und lässt so den LeserInnen Zeit, diesen zu verstehen, zu interpretieren. Die Illustration reduziert die vielen Möglichkeiten auf eine und darum ist bei diesem Buch weniger der bekannte Bibel-Text als die Illustration zu rezensieren. Diese trifft an manchen Stellen sehr poetisch den Kern der Sache (z.B.: sterben hat seine Zeit - vor dem Haus stehen die Schuhe und über die Türe ist ein großes X gezogen) an manchen Stellen wirkt es so, als könnte Kindern nicht das Leben, wie es ist, zugemutet werden, sondern müsste verharmlost werden (z.B.: lieben - da stehen Vater, Mutter, Kinder und Hund den LeserInnen den Rpcken zugewandt an der Türe und schauen den Vollmond an - hassen - zwei Kinder stehen vis a vis von einem und schauen). Bilder der Erwachsenen- und Kinderwelt vermischen sich, was prinzipiell eine positive Sache ist. Zu hinterfragen ist jedoch das Wann und Wie.
Bei diesem Buch stellt sich die Frage, warum nicht Kinderzeichnungen und somit autente Kinderinterpretationen verwendet wurden....


Meja Mwangi: Happy Valley
160 Seiten, ab 12J
aus dem Engl.: Thomas Brückner
Peter Hammer 2006
Der in Kenia geborene Autor schreibt seit 1973 und erhielt bereits viele Auszeichnungen. Sein aktuell vorliegender Roman erzählt mit viel Situationskomik von einem kleinen afrikanischen Dorf, das eine eigene abgeschlossene Welt bildet. Eines Tages gerät alles durcheinander. Männern und Frauen, mit ihrer un/scheinbaren bzw. realer Macht und der Zufall spielen die Hauptrollen, bis alles wieder so ist, wie es sein soll - und doch: der erste Schritt vom traditionellen männlichen zum ersten weiblichen Häuptling ist gemacht!


Thé Tjong-Khing: Die Torte ist weg!
32 Seiten, ab 4 J
Moritz 2006
Ein Bilderbuch, das Kindern ganz ohne Worte die Geschichte zweier Mäuse, die einem Hundepaar eine Torte klauen und am Ende an einem Baum angebunden mit ansehen, wie Schwein, Dachs u.a. die vom Frosch aus dem Wasser gerettete Torte verzehren mit überschaubare Details und Parallelgeschichten erzählt. Bedauerlicher Weise verheddert sich der 1933 in Indonesien geborene Künstler in der traditionellen Bestrafungspädagogik.


B. Wolf/K.-P. Göschl: Der Schal, der immer länger wurde
Ill.: Blazejovsky: 32 Seiten, ab 5 J
Annette Betz 2006
Der Sohn (im Volksschulalter) erzählt vom Alkoholismus des Vaters, anschaulich und stimmig symbolisiert durch einen Schal. Er nimmt seinen Vater sowohl mit seinen angenehmen als auch unheimlichen Seiten wahr wie auch die Reaktion der Mutter, die schließlich den entscheidenden Schritt der Trennung macht. Das psychologisch gut durchdacht und formulierte Buch endet mit dem ersten Besuch beim Vater in der Entziehungsklinik.

Bernhard Lins: Lass uns wieder Freunde sein
Ill.: Sven Leberer
32 Seiten, ab 3 J
Annette Betz 2006
Die gereimten Texte erinnern an Stammbuchgedichte und sind sicher nicht für 3-Jährige geeignet, wie nachfolgendes Beispiel veranschaulicht:
Ein Maitag, ein Freitag,
es war gegen acht.
Da hat es gedonnert,
geblitzt und gekracht.
Es flogen die Fetzen
die Erde hat gebebt.
Dann flog deine Hand
und die hat geklebt.
etc

englischsprachige Bücher
Mark Haddon: The curious incident of the dog in the night-time

272 Seiten, ab 12 J
Vintage 2004
Christopher ist 15, das Asperger Syndrom prägt sein Denken und Handeln. Er beschreibt, was mit dem Fund des toten Nachbarhundes alles für ihn in Bewegung kommt. Ein berührendes Jugendbuch, mit dem der Autor auch Erwachsenen Einblick in diese "andere Welt" gibt.

 

2005 erschienen

CDs

Goscinny & Sempé: Der kleine Nick erlebt eine Überraschung
1 CD - 9 Geschichten - 74 Minuten
aus dem Franz.: H. G. Lenzen
Diogenes & SWR 2005
Gelesen von Rufus Beck
Rufus Beck lässt jede Geschichte zu einem Erlebnis werden - auch jene alltäglichen, die so vertraut und wie schon lange vergangen in den Ohren klingen. Für alle jene, die den traditionellen Familienrahmen bevorzugen und diesem etwas abgewinnen können.

Chitra Banerjee Divakaruni: Anand und das Geheimnis des Silbertals. Teil 1
einer Triologie
Aus dem Engl: Katharina Orgaß und Gerald Jung
6 CDs - 440 Minuten
steinbach sprechende bücher 2005 - ab 9 J
Leser: Markus Hoffmann
In dieser Geschichte ist Anand, 12 Jahre, die Hauptperson. Die Autorin lässt ihn innerhalb eines Jahres den Weg zu einer hierarchischen Bruderschaft finden und sich für das Heilen entscheiden. Die Muschel, die seit Jahrtausenden verehrt wird und verwahrt wurde gestohlen, um die Weltherrschaft zu erlangen. Anand wird zum Hüter der Muschel ernannt.
Die magische Welt und der philosophische (schwarz/weiß) / psychologische Hintergrund der Geschichte sind oftmals unstimmig - der klassische Heldentod wird glorifiziert, Traumata werden mit Magie vergessen gemacht (werden also nicht aufgearbeitet oder integriert), etc..
Der Verlag kündigt das Werk als No age Roman an - aber Divakaruni hat sich in diesem Gebiet versucht aber verlaufen, da sie unkritisch unzeitgemäße Werte vermittelt. Daher ist es weder für Kinder noch für Erwachsene eine Bereicherung.
Markus Hoffmann versteht es hervorragend, der Geschichte Farbnuancen zu geben.

Gerold Dommermuth-Gudrich: 50 Klassiker Mythen
Teil 2
3 CDs im Digipack
Gerstenberg
Was fehlt sind (zumindest schriftliche) Informationen, auf welche Originale sich Dommermuth-Gudrich bezieht und inwieweit Inhaltsvermengungen seiner Interpretation zugrunde liegen. Der Mythos von Ariadne und Theseus ist einer, der in vielen Varianten existiert. Um 100 n.u.Z. zeigte Plutarch in seiner Zusammenfassung all die widersprüchlichen Berichte und Interpretationen auf, die von Ovid/Metamorphosen, Vergil/Aeneis, Diodorus, Apollodorus, Homer u.a. stammen. Dommermeuth-Gudrichs Erzählung ist eindeutig aus einem traditionellen männlichen unkritischen Blick heraus entstanden, was m. M. nicht mehr zeitgerecht ist. Und der Held ist und bleibt ohne Makel. Dass Theseus aus Berechnung nicht die weißen Segel hießte sondern leider vergaß u.a.m. zeugen davon. Hier wurde vom Verlag eine große Chance vergeben.

Helme Heine: Die Schöpfung
Bilderbuch 58 Seiten plus 1 CD: Musik: Reinhard Seifried, ab 5
Beltz& Gelberg / Schott 2005
Zeigt Helme Heine seinen Diabollo (Middelhauve 1999) nach vielen Streichen als Feuerwehrhelfer, ist dem Verwandlungsprozess da und dort ein Schmunzeln abzugewinnen. Mit seinem neuesten Buch Die Schöpfung bleibt der Autor im traditionellen Rahmen: Gott wird als alter Mann mit Bart gezeigt, der physisch die Welt erschafft ( malt, gärtnert,..). Rosi kümmert sich um die Herzen, Professor Kopf um den Verstand und Dick Bauch um den Magen. Diese drei verlassen den Körper, wenn die Menschen sterben. Wo die Eigenverantwortung des Menschen ist bzw was diesen eigentlich ausmacht ist nicht auszumachen. Die einmal erwähnte unsterbliche Seele ist aus dem Blickfeld. Das Wesentlichste - so das Ende - ist, unvergesslich zu sein. Kein Buch für die Empfehlungsliste des 21. Jahrhunderts.

 

Bücher

Sachbuch
Nicola Davies: Das Buch vom Müssen und Machen
Ill.: Neal Layton
64 Seiten, ab 7
Sauerländer 2005
Der englischen Zoologin hat mit diesem Kindersachbuch ein Thema aufgegriffen, das meist gemieden wird und doch so spannend ist wie jedes andere. Sie geht gut strukturiert, sprachlich unkompliziert und sachlich u. a. den Fragen nach, ob und von welchen Tieren Verdautes in welcher Form und Farbe anderen Tieren oder auch dem Menschen von Nutzen ist. Selbst für Erwachsene eröffnen sich neue Aspekte.
Die männlichen orientierten Zeichnungen sind wie immer Geschmackssache - das Buch aber in jedem Fall empfehlenswert!

Elke Krasny: Warum ist das Licht so schnell hell?
Ill.: Hein & Krteschmann
Techn. Museum Wien
112 Seiten, ab 10J
NP Verlag 2005
Die Kombination von Illustration und Fotos fällt beim Durchblättern sofort positiv auf. Ein interessantes, gut strukturiertes informatives Sachbuch, mit Kapitel wie "Warum werfen die Fußballspieler im nächtlichen Stadion 4 Schatten?" oder "Unter Wasser brennt die Kerze". Die Sprichwörter rund ums Licht bringen philosophische Aspekte ein. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Herangehensweise von Mädchen an Naturwissenschaften tatsächlich ausreichend berücksichtigt wurde.

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Geraldine McCaughrean: Nicht das Ende der Welt
200 Seiten, ab 10
Nagel & Kimche 2005
Die Idee, das Thema Arche Noah aufzunehmen und die nie erwähnte Tochter Amas und Noahs zu Wort kommen zu lassen, ist erwähnenswert. Timna beklagt ihre Benachteiligung, ein Mädchen zu sein und spürt vieles klar mit ihrem Herzen, aber sie ist zu jung, um weiter reichende Reflexionen und Perspektiven anstellen zu können. Die Autorin hinterfragt teils kritisch die Vorgänge (z.B. Tieropfer), teils bleibt sie im traditionellen Rahmen (z.B. wird Timna nur als Noahs Tochter bezeichnet). Vieles ist sehr gegenwärtig beschrieben (z.B. Entfernungen in Kilometern), manches (z.B. die toten Körper ertrunkener Bäume) poetisch. Den Konflikt, sich dem Vater /Gott unterzuordnen oder zu fliehen, löst jede/r nach ihrem/seinem individuellen Temperament. Eine gute Gelegenheit für alle LeserInnen ihre Interpretation bzw. ihren Standpunkt, zu diskutieren.

Ole Könnecke: Anton und die Mädchen
32 Seiten, ab 3
Hanser 2004
Anton, ein sportlich starker Könner, wird sauer, weil er trotz aller Anstrengungen keine Beachtung von den beiden Mädchen findet. Erst als ihm etwas kaputt geht und er weint, gucken die Mädchen und schenken ihm einen Keks und laden ihn zum Mitspielen ein. Da kommt Lukas.
Wie ist er? Wie wird Anton reagieren? Das offene Ende ist wunderbar, um mit Kindern deren Erfahrungen und Phantasien reflektieren zu können.

Pernilla Stafelt: So ein Kack!
32 Seiten, ab 5
aus dem Schwed.: Brigitta Kicherer
Moritz 2005
Ein selten gewähltes Buchthema für die jungen LeserInnen, das einige Impulse und Denkanstöße gibt. Die Illustration ist an vielen Stellen erheiternd, an manchen Stellen werden aber die traditierten Rollen widerspiegelt (Vater sitzt mit Pfeife direkt vor dem TV Gerät, die Mutter seitlich und leidend dreinblickend sieht kaum etwas vom TV-Programm u.a.m.). Leider wurde auch die Übersetzung nicht annähernd gemeistert - zu viele "man" Sätze und selbst Kleinkinder wissen, dass Pipi nicht "herumliegt".


Chen Jianghong: Der Tigerprinz
40 Seiten, ab 5
aus dem Franz.: Erika und Karl Klewer
Moritz 2005
Die Geschichte nimmt ein vermeindlich gutes Ende, aber es gibt in diesem vom bildenden Künstler geschriebenen Märchen zu viele Unstimmigkeiten, als dass es überzeugen könnte.



Isabel Abedi: Merope, das Sternenkind

Ill: Petra Probst
104 Seiten, ab 5 J
Adventkalender mit 24 Überraschungsgeschichten
Edition Bücherbär 2005
Merope, das Sternenkind, schüttelt unabsichtlich ihre Sterne auf die Erde und will diese wieder einsammeln. Sie begegnet 24 Wesen der Erde (Mädchen, Igel,..) und der Phantasiewelt (Drache, La Befana,..) ehe sie wieder zu ihren sechs Schwestern zurückkehrt. Um jede Geschichte lesen zu können, müssen die Seiten erst getrennt werden, was den Überraschungscharakter eines Adventkalenders entspricht. Geschichten des Trostes, des Problemlösens und des Miteinander Teilens, die mit der entzückenden Illustration die Adventzeit so richtig "schön" riechen lassen.

 

Iris Präel (Hrg): Das Grauen kam an Heiligabend
192 Seiten, ab 12 J
Ill.: Kitty Kahane
Sauerländer 2005
13 neue Geschichten von 13 AutorInnen über die Weihnachtszeit. Nicht wenigen gruselt - aus welchem Grund auch immer - vor diesem Fest in der Realität bzw. wer der zu großen Harmonie entrinnen möchte: Mit diesem Buch ist all jenen GruselliebhaberInnen wirklich gedient!

Jutta Treiber: Naja
Ill.: Susanne Eisermann
32 Seiten, für jedes Alter
NP 2005
Die Themen Schönheit und Selbstakzeptanz werden anhand geometrischer Figuren konkret. Das Dreieck fühlt sich zu spitz, der Kreis zu rund etc.. Der Figurendoktor hilft und nimmt da etwas weg und saugt dort etwas ab. Doch am Schluss wollen alle wieder wie zuvor sein - aber das geht leider nicht mehr.
An diesem knappen, pointiert witzige farbenfrohen und originellen Buch könnte die vielleicht dahinter stehende Moral kritisiert werden.

 

Gisela Cölle: Der Koffer mit den sieben Kronen
36 Seiten, ab 4 J
Bajazzo 2005
Prinz Moritz ist langweilig und so fliegt er einen Tages mit seinem Koffer und seinen sieben Kronen hinaus in die Welt. Er begegnet sechs Männern (Häuptling, Scheich, Eskimojunge, Fischerjunge, Indianerhäuptling und dem Alpenseppl) und einer chinesischen Prinzessin, die er leider vom Kaiser nicht geschenkt bekommt und aus Heimweh nach Hause zurückfliegt. Alle seine Kronen hat er getauscht - gegen Löwenmut und Tigerstärke, Wüstenstille und Wintersonne, Wellenglitzern und Feuerwärme, Nachtigallengesang und das Wir-sehen-uns-wieder-Echo.
Und was hat er gelernt? Die Macht liegt in den Händen von Männern und Männerfreundschaften. Ob Eltern wollen, dass ihr Kind diese Werte der Autorin (Ärztin und Illustratorin mit sehr kindlichem Stil) tatsächlich übernehmen?

Helme Heine: Neue Fälle für Freunde
96 Seiten, ab 5 J
Hanser 2005
Dieses vergnüglich illustrierte Buch beinhaltet sechs Geschichten. Die erste (Die falsche Prinzessin) erzählt von Franz, dem Hahn, der sich in eine Froschfrau verliebt. Ohne auch nur zu recherchieren gehen seine Freunde davon aus, dass diese nur die Leckereien von Franz haben will und diesen nicht wirklich liebt. Franz muss gerettet werden! Ja, die Froschfrau hat es wirklich nur auf Leckereien abgesehen und küsst jeden, von dem sie etwas Süßes erhält und Franz kehrt zu seinen Hühnern zurück.
Motiviert nicht wirklich, weiter zu lesen, was der 64-jährige Autor so an Frauen- und Männerbildern vermittelt, oder?


Tove Jansson: Die Mumins machen glücklich
96 Seiten, ab 8
aus dem Schwed. Von B. Kicherer
Die "schönsten" Aussprüche und Gedanken der Mumins sind hier versammelt. Die Qualität reicht jedoch nicht dazu, dieses Buch zu empfehlen, denn lohnt es sich dies bei Sätzen wie: "Seltsam ist das mit den Straßen und Flüssen, überlegte das Schnüferl. Man sieht sie vorbeiziehen und kriegt plötzlich unheimliche Lust, irgendwo anders zu sein. Man möchte sie begleiten, um zu sehen, wo sie enden." "Der Helmut wachte langsamauf. Dann fiel ihm wieder ein, wer er war , und er wünschte, er wäre jemand anders." "Ich glaube, berühmt sein macht keinen Spaß", erklärte der Jokoks. "Anfangs vielleicht, aber dann gewöhnt man sich daran und zum Schluss wird einem bloß schlecht davon. Wie beim Karusselfahren."
Alles etwas banal und auch stilistisch nicht beeindruckend. Wen machen diese Mumins glücklich?


Ursel Scheffler/Jan Lieffering: Welche Farbe hat die Freundschaft?
32 Seiten, ab 4 J
Ill.: Jan Lieffering
Gabriel 2005

Max, Mira und Joshua gehen zusammen in den Kindergarten. Max kommt aus Deutschland, Mira aus der Türkei und Joshua aus Afrika. Die Kindergärtnerin vermittelt den Kinder einiges über andere Kulturen, über das andere Aussehen und die andere Sprachen, Bräuche, Feste und Religionen. Ein konventionelles Buch, das mit den Worten schließt: "Mein Zahn ist gezogen worden. Ich kann nicht reden", flüstert sie (Mama). "Macht nichts", sagt Papa. "Heute redet der Max."


Martin Baltscheit: Ich bin für mich
40 Seiten, für jedes Alter
Ill.: Christine Schwarz
Bajazzo 2005
Mit Eine Lektion in Sachen Politik und Demokratie wirbt der Verlag für dieses Buch. Die Geschichte: Der Löwe ist König und wurde bisher alle vier Jahre wiedergewählt. Die graue Maus stellt dies in Frage. In der Folge kandidiert jedes Tier. An vielen Stellen kommt ein Lächeln auf (Eine Ameise fordert mehr Arbeit für alle. Der Kater Mäuse als Grundnahrung. Ein Mäusefressverbot fordert die Maus. U.a.m.). Jede/r wählt sich selbst - außer dem Löwen, der sich der Stimme enthält. Zwei Wochen lang herrscht Chaos. Die Maus geht zum Löwen, der Neuwahlen ausruft. Nun gibt es wieder nur einen Kandidaten, den Löwen und der wird wieder König. Ist das tatsächlich ein Kinderbuch, das Demokratieverständnis vermittelt?

Tanneke Wigersma: Acht Tage mit Engel
Aus dem Niederländ.: Andrea Kluitmann
Sauerländer
Ab 10
96 Seiten
Silke ist phantasievoll und sprachlich begabt und dennoch in der Klasse eine Außenseiterin. Die Geschichte erzählt jene acht Tage, an jenen sie dem Mädchen Engel begegnet. Eine langsame Annäherung beginnt und damit auch die Veränderung: Silke gibt ihr Geheimnis preis, für das sie sich schuldig fühlt. Sie bringt daraufhin den Mut auf und vertraut sich ihrer Lehrerin an und setzt damit den zweiten Schritt. Wigersma vermittelt durch sinnliche, konkret situative Bilder, wie Silkes Innenwelt und Außenwelt aussieht. Fachlich professionell, wirkungsvoll und sensibel kindgerecht zugleich hat sie mit ihrem ersten Kinderbuch zu einem heiklen Thema ein für alle Kinder sehr lesenswertes Buch geschrieben!

Barbara Zoschke: Flanke ins Weltall
Ill.L Iris Wolfermann
Ab 9
120 Seiten
Moritz ist mit einer neuen Situation konfrontiert: Sein Vater ist ausgezogen, seine Mutter hat einen neuen Lebensgefährten. Er fühlt sich unverstanden und ist sehr verunsichert. Fußball ist sein großen Hobby, in das er seinen Ehrgeiz legt. Seine Begegnung mit der unkonventionellen Lila verwirrt ihn anfangs. Am Ende des Buches hat er einen guten Entwicklungsprozess durchgemacht. Die Autorin trifft den richtigen Ton. Mit der bildhaften und sinnlichen Sprache spricht sie Buben gut an. Moritz bietet Buben eine positive Identifizierungsmöglichkeit, die möglicherweise die Sichtweise öffnet (ihre Gefühle anzunehmen und auszudrücken).


Anette Bley: Und was kommt nach tausend?
Text und Ill: von A. Bley
Ravensburg
ab 4
32 Seiten
Otto und Lisa, wenn sie miteinander sind, erleben immer eine gute Zeit. Sie machen lustige Zahlenspiele, essen Notkekse, wenn Lisa beim Zielwerfen daneben schießt, feiern ihre Treffer, betrachten den Sternenhimmel, philosophieren, machen Gartenarbeit u.a.m.. Doch eines Tages liegt Otto krank im Bett und weiß, dass er sterben wird. Lisa sitzt oft an seinem Bett und hält nun seine Hand. Beim Begräbnis fühlt sie sich unverstanden, weil Erwachsene offenbar anders mit Trauer umgehen als sie. Olga teilt mit Lisa das Gefühl des Verlassenseins. Lisa erfährt das Gefühl, dass jemand nicht ganz weg ist, wenn er im Herzen und in der Erinnerung ist.
Mit dieser Geschichte wird schon jungen Kindern das Thema Tod sowohl textlich als auch bildlich sanft, gefühlvoll, konkret und tröstlich vermittelt. Der Autorin ist damit ein Buch gelungen, das in jeder Kinderbibliothek sein sollte!

Will Gmehling: Herrn Mozarts Hund
Ill.: Maren Briswalter
Sauerländer
ab 10J
206 Seiten
Gmehlings Lieblingswort ist abenteuerlich, nervt auf die Dauer und steht für seinen mittelmäßigen Stil. Auch die Handlung, mit manch guten Ideen versehen, enttäuscht schlussendlich. Ein besseres Lektorat hätte dem Buch gut getan.

 

U. Poznanski: Die allerbeste Prinzessin
Ill.: S. Hein
Dachs
ab 7
48 Seiten
Die Geschichte eines autoritären Königs, der seine pubertierenden Töchter nicht aushält und daher verheiraten will. Konkurrenzverhalten der drei Schwestern und Seilschaft zwischen König und Prinz. Das Ende: Die Schwestern fangen Drachen (ihr Lebenssinn) und die beiden Männer haben ihre Ruhe, gestört nur durch die Zusendung der Drachen durch die Prinzessinnen.
Ein Buch, dessen Stil diese nicht wirklich witzige Geschichte um nichts vergnüglicher macht.

Anne Find: Die Rückkehr der Killer-Katze
aus dem Engl. von Ursula Kösters-Roth
Ill.: Steve Cox
Diogenes
ab 8
96 Seiten
Kater Kuschl soll vom Pfarrer versorgt werden, als seine Familie auf Reisen geht. Wie Kuschl gänzlich unschuldig zum Killer-Katzen Image kommt, ist mit Heiterkeit nachzulesen. Melani, die naiv an vom Himmel gefallene Wunder glaubt und typische Mädchenklischees erfüllt (zieht Kuschl Puppenkleider an) hat Kuschl als Gegenpol und die LeserInnen bilden sich selbst ihre Meinung.

Asa Lind: Zackarina und der Sandwolf
Aus dem Schwed. Von Jutta Jeukel
Ill.: Philip Wächter
Beltz & Gelberg
ab 8
116 Seiten
In 15 Geschichten lernen die LeserInnen Zackarina kennen und wie sie das oftmalige Alleinesein am Strand bewältigt und welche Antworten sie auf ihre Fragen findet. Berührend, realistisch und stimmig ist die geglückte Entwicklungsphase. Stil und Tempo sind von der Autorin (und Übersetzerin) wunderbar getroffen.
Dieses Buch (2002 in Schweden erschienen) ist das erste ins Deutsche übersetzte von Lind. Die Qualität hat überzeugt und es ist zu hoffen, dass weitere nachfolgen.

Narinder Dhami: Kick it like Beckham
Ravensburger TB
Aus dem Engl.: Anne Braun
Ab 14
192 Seiten
Beiden - Buch wie Film - gelingt es, die oft zur Konfrontation zwischen den Generationen führenden Themen Liebe, Selbstverwirklichung, Geschlechterrollenklischees und Traditionen humorvoll und realistisch für jedes Alter so zu transportieren, dass Betroffenheit erreicht und auch eine Öffnung geschehen kann, die zu einem konstruktiven Dialog führt.
Der bereits mehrmals ausgezeichneten Autorin ist mit diesem Jugendbuch ein engagiertes und auf allen Ebenen stimmiges und abgerundetes und damit ausgezeichnetes Buch gelungen. Anne Braun hat überall den richtigen Ton getroffen und damit zu einer bemerkenswerten Übersetzungsqualität beigetragen.


Katherine Scholes: Die Nacht der Vögel
Ill.: Qunit Buchholz
Ravensburger
Ab 10
128 Seiten
Mit langen und stilistisch vertrauten Naturbeschreibungen und einer unstimmig wirkenden Beziehung zwischen Enkel und Großvater ist der Autorin der Versuch, eine poetische Umweltschutzgeschichte mit esoterischen Aspekten zu schreiben, misslungen.


Gwyneth Rees: Erde an Pluto
Ravensburger
Aus dem Engl.: Katarina Ganslandt
Ab 11
208 Seiten
Die Autorin hat Erfahrungen in der Jugendpsychiatrie und nimmt das kaum in der Jugendliteratur wahrgenommene Thema kranker Elternteil als Ich-Erzählung des 12-jährigen Daniel auf. Leider ist die Geschichte mühsam zu lesen und wirkt zu konstruiert (Wohnortwechsel, Mutter wird an Daniels Schule Direktorin,..) und zu voll gepackt - weniger wäre mehr gewesen. Und auch die krankmachenden Zusammenhänge beruhen auf einem traditionellen Menschenbild (nicht der Körper, nur die Psyche ist krank), dem der zeitgemäße ganzheitliche Ansatz fehlt.

 

Heinz Janisch: Drei Birken
Ill.: Marion Goedelt
NP
Ab 4
36 Seiten
Die poetische und märchenhafte Geschichte ist, mit einfachen und klar beschreibenden Worten kurz erzählt, ist eingerahmt von Es waren drei Birken, die beschlossen eines Tages in die große Stadt zu gehen. und Es waren einmal drei Birken. Es gibt sie immer noch. Dort stehen sie. Manchmal.
Sie erfahren Lebensfeindliches und Lebensfreundliches und nehmen die Dinge, wie sie sind. Die Reise mit den drei Birken lohnt!


Sibylle Rieckhoff: Wie erziehe ich meinen Menschen?
Ill.: Jürgen Rieckhoff
Gerstenberg
Ab 4
32 Seiten
Die Geschichte einer gescheiterten Hunde-Selbstbestimmung ist im Denken einer schwarz-weiß Dualität voller Klischees geschrieben. Der an sich brave und gut erzogene Hund wünscht sich nur ein Stück mehr Selbstbestimmung (den Stock ins Haus zu nehmen), doch das Ende ist (ohne auch nur einen Versuch der Veränderung unternommen zu haben) alles beim Alten. Er fügt sich glücklich in sein Leben. Das von der Autorin vermittelte Erziehungsmodell ist mehr als entbehrlich.


Tor Age Bringsvaerd: Der kleine Papagei, der ganz alleine den Wald retten wollte
Ill.: Stella East
Hanser
Ab 5
64 Seiten
Die 5 Tiergeschichten aus der buddhistischen Jakatas Sammlung, die 550 Märchen, Gleichnisse und Anektoten umfasst) sind gut ausgewählt, aber die vermittelnden klischeehaften Worte des Geschichtenerzählers und die Geschichten selbst klingen holprig. Positiv der Anhang mit den wichtigsten Kurzinformationen zum Thema.


Peter Schössow: Gehört das so??!
Hanser
Ab 5
40 Seiten
Die Geschichte eines namenlosen Mädchens, das den Tod ihres Vogels mit Hilfe anderer bewältigt.
Sowohl der Aufbau der Geschichte, der Stil als auch die Lösung lösen Interesse, Mitgefühl und am Ende ein Lächeln aus.
Ihre immer wieder gestellte Frage "Gehört das so?" ist irritierend und damit eine gute Diskussionsgrundlage. Ein anspruchsvolles und unkonventionell gezeichnetes Buch.

Harriet Grunewald: Frau Machova wartet auf den Postmann
Ill.: Selda Marlin Soganci
Peter Hammer Verlag
Ab 4
32 Seiten
Frau Machova lebt völlig isoliert und wartet monatelang täglich vergeblich auf Post. Sie aalt sich in Selbstmitleid und spielt so eine typisch weibliche depressive Opferrolle (sie selbst schreibt auch keine Briefe). Ihre Rettung erfolgt durch den Postmann, der sich in sie verliebt und sie wieder unter Menschen und in Kontakt bringt.


Anne Maar: Lotte und Lena im Buchstabenland
Ill.: Stefanie Harjes
Bajazzo Verlag
Ab 6
32 Seiten
Die Zwillinge Lotte und Lena ersetzen beim Sprechen das g immer durch d. Die Lösung in diesem Buch ist nicht sprachheilpädagogische Betreuung - nein, sie lernen es im Traum. Abgesehen vom unrealistischen Lösungsansatz ein originelles und amüsantes Buch, das Kindern sicher Impulse gibt zu Sprech- und Sprachspielen.

Christine Nöstlinger: Dschi Dsche-i Dschunior, Wischerbriefe
Dachs
Ab 9 J
128 Seiten
Der Klassiker neu aufgelegt. Für jene, die Dschi Dsche-i Dschunior 1974 in Ö3 gehört haben, werden staunen, wie frisch der Text immer noch klingt. Und für all jene, die vom Wischer noch nie etwas gehört haben, ist es eine gute Zeit, Dschi Dsche-i nun kennen zu lernen.

Franz Josef Huainigg: Wir verstehen uns blind
Annette Betz
Ab 5
32 Seiten
Gelungen wird in die Welt von Blinden eingeführt und wie sie sich im Alltag nicht nur zurechtfinden sondern diesen auch meistern.. Wie kann die Uhrzeit von der Uhr abgelesen werden? Woher weiß der Blindenhund, wohin er gehen muss? Können Blinde Schi fahren?
Die Schwächen des Buches: Die meisten Menschen erblinden und kommen nicht schon blind auf die Welt, wie die Hauptperson der Geschichte. Die Rahmenhandlung: Katharina hat ihre Eltern beim Einkaufen verloren. Diese Situation wird weder realistisch noch geglückt mit der Begegnung des Blinden gekoppelt.


Ursula Muhr: Matti braucht eine Brille
Annette Betz
Ill: Heike Herold
Ab 4 J
32 Seiten
Mattis Eltern tragen Brillen. Warum sich Matti so sehr gegen eine Brille verwehr, ist nicht wirklich nachzuvollziehen. Unglaubwürdig, dass Matti seinen Vater noch nie ohne Brille sah! Klischeehaft, dass Omas herhalten müssen, die ihre Brille immer verlegen. Auch geht Mutter zum strengen Augenarzt und nicht der Vater mit Matti zu einer kinderfreundlichen Augenärztin! Weghören, ist Vaters Tipp auf die Angst von Matti, ausgelacht zu werden. Auch keine wirkliche Hilfe! Dass er sich die Brillenfassung nicht selbst aussuchen darf, ist ebenso wenig ermutigend für die kleinen LeserInnen. Die witzigen Assoziationen zum Thema Brille sind das einzig Positive am Text.


Jutta Langreuter: Die kleine Prinzessin und das Geheimnis des Drachen
Ill: Quentin Greban
Sauerländer
Ab 4 J
32 Seiten
Diese Geschichte erzählt von autoritären altmodischen Eltern und einem beleidigten Kindermädchen und einer daher verzogenen kleinen und unverstandenen Prinzessin, die rebelliert. Die "Rettung" kommt durch den Drachen, der ihr erzählt, sie soll sich ein Kind zum Spielen einladen. Der Hofmarschall meint, das Kind will ganz normale Eltern, die mit ihr schimpfen, wenn sie Unordnung macht oder schmutzige Kleider hat. Also schimpfen die Eltern und die Welt ist wieder heil.
Die Auseinandersetzung mit dem Problem der notwendigen Grenzsetzung für Kinder ging in diesem Fall gänzlich daneben.

2004 erschienen

 

Hermann Schulz: Ein Apfel für den lieben Gott
Ill: Dorota Wünsch
32 Seiten, ab 4J
Peter Hammer Verlag 2004
Großmutter, genannt Gretchen, erzählt aus ihrem Leben. Sie wuchs in einer katholischen Familie auf. Weil sie eigenwillig ist, wird ihr oft gedroht, Gott würde sie bestrafen. Sie stellt Gott mit ihren Streichen auf die Probe. Am Ende wird sie vom Kohlenwagen nicht überfahren, weil das Pferd ausweicht. Gretchen ist überzeugt, dass das Pferd der liebe Gott ist.
Eine Geschichte, die zum Philosophieren anregt und der schwarzen Pädagogik eine Abfuhr erteilt. Die skurrilen Illustrationen sind Geschmackssache.


Lian Hearn: Der Pfad im Schnee

397 Seiten, ab 14 J
aus dem Engl: von Irmela Brender
Carlsen 2004
Nach Das Schwert in der Stille liegt hiermit der zweite Band der Trilogie vor, die in der fiktiven frühen japanischen Kultur der Otori spielt. Der Autorin gelingt es, stimmungsvoll archaisches Denken und Leben (mit den Themen Frauen / Männerrollen, Machtwechsel, Liebe und Tod) mit Spannung auf hohem Niveau zu verbinden. Hearns läßt die LeserInnen mit dem ersten Satz in diese Welt eintauchen, gebannt vom Geschichtenverlauf, der stilistisch gewandt und souverän tiefer und tiefer in die Seelenschichten führt.
Ein lesenswertes literarisches Jugendbuch, dessen erster Teil ebenso gelungen ist, aber (wegen des Orientierung gebenden Vorworts) nicht unbedingt Voraussetzung ist, um anschließen zu können, obgleich ich dieses wegen des Lesegenusses empfehle.

 


Lauren Child: Nein! Ich bin nicht müde und ich geh nicht schlafen!
Aus dem Engl: Sophie Birkenstädt
32 Seiten, ab 4 J
Carlsen
Charlie bringt seine jüngere Schwester Pia ins Bett – über realistisch-kindlich kreative Umwege, die er einfühlsam und geduldig mit ihr geht. Schön, diese harmonische und humorvolle Geschwisterbeziehung mitzuerleben. Das Ende zaubert uns allen ein Lächeln ins Gesicht.

Leo Lionni: Sechs Krähen
32 Seiten, ab 4 J
aus dem Engl von Fredrik Vahle
Beltz & Gelberg
Wie sich aus dem Frieden in einem Tal in den Balabadurhügeln ein Aufrüsten auf Seiten des Bauern und der Krähen entwickelt, ist in Wort und Bild (Collage) realistisch, einfach und nachvollziehbar gezeigt. Die Angst auf beiden Seiten steigt, die Spirale dreht sich. Eine Eule hat alles beobachtet und fragt sich, wer dümmer ist, doch lässt sie es nicht bei dieser Frage, sondern sie kontaktiert beide Seiten und vermittelt. "Kommt, sprecht miteinander", sagte die Eule, "Worte können Wunder wirken." Und das Wunder geschieht.


John A Rowe: Hasenmond
22 Seiten, ab 4 J
Neugebauer
Als Albert, der Hase, eines Tages den Mond nicht sieht, weil sich Wolken vorgeschoben haben, entdeckt er einen Mond an einem Faden zwischen den Bäumen hängen. Er macht viele erfolglose Versuche, den Mond wieder zum Himmel hoch zu bekommen. Als der Mond wieder zu sehen ist, denkt er, sein letzter Versuch ist gelungen. ("Ich habe den Mond gerettet!")
Damit wird allen einfach, einsichtig und humorvoll der männliche Machbarkeitswahn vor Augen geführt.

Doris Dörrie: Mimi ist sauer
32 Seiten, ab 4 J
Ill.: Julia Kaergel
Diogenes
Mimi schimpft ihre Mutter eine doofe Kuh, weil diese sie wegen der Unordnung in ihrem Zimmer ein kleines Ferkel genannt hat. Mimis Mutter wechselt die Ebene: "Wenn ich eine Kuh wäre, dann ..." und spielt verschiedene Situationen realistisch durch. Darauf wird die Welt Mimis als Ferkel beschrieben. Papa wird zum Esel erklärt. Allerdings gäbe es in der Familie dann Sprachprobleme (grunz / muh / ia). Mimi wechselt wieder die Ebene und schlägt vor: "Wenn du nie wieder Ferkel zu mir sagst, werde ich wieder ein Kind. .... und ich sage auch nie mehr doofe Kuh zu dir.....außer du sagst Ferkel zu mir." Klar und nachvollziehbar werden hier kindgerecht Konfliktauslöser und Konfliktlösung humorvoll gezeigt.


Paul Korky und Valerie Thomas: Zilly und ihr Zauberstab
Aus demEngl von Ulli und herbert Günther
32 Seiten, ab 4 J
Beltz & Gelberg
Zilly will zum Zauberfest und ihren neuesten Zaubertrick vorführen. Im Stress wäscht sie ihren Zauberstab mit und damit funktioniert dieser nicht mehr richtig. Ihr schwarzer Kater Zingaro greift rettend ein, er besorgt einen neuen Zauberstab. Auf dem Fest schwenkt Lilly ihren neuen Zauberstab und Überraschendes geschieht.

Eve Buntig: Der kleine Bär und sein kleines Boot
32 Seiten, ab 4 J
aus dem Engl. von Edmund Jacoby
Gerstenberg
Der kleine Bär liebt sein Boot, das ihm aber zu klein wird mit der Zeit. Er muss Abschied nehmen, findet einen kleinen Bären, der das Boot mag und baut sich ein neues großes. Eine einfache Geschichte schlicht erzählt.

Rafik Schami: Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm
32 Seiten, ab 5 J
Ill.: Ole Könnecke
Hanser
"Ich erzähle euch etwas, das werdet ihr nicht glauben." So beginnt die Geschichte.
Seit Mama nicht mehr da ist, leben Vater und Tochter harmonisch und zufrieden miteinander. Ihr Papa hat viele Stärken. Seine Schwäche ist die Angst vor schwarzhäutigen Menschen. Es fügt sich alles eins zum anderen, als ihre afrikanische Freundin Banja sie zum Geburtstagsfest einlädt. Die Tochter hat einen Plan und setzt diesen auch gekonnt und gewitzt um. Eine durch und durch stimmige und auf vielen Ebenen anregende Geschichte.


Manuela Olten: Echte Kerle
32 Seiten, ab 5 J
Bajazzo
"Mädchen sind voll langweilig!" Mit diesem Satz beginnt die Geschichte, die mit wenigen Sätzen auskommt und deren Illustrationen das Unausgesprochene zeigt. Die Vorurteile, wie Mädchen sind, werden skuril ausgemalt und am Ende sind sie selbst es, die vor Gespenstern Angst haben und nur mit Kuscheltieren im Arm im Bett der Schwester einschlafen können.


Babette Cole: Handbuch für Görenbesitzer

32 Seiten, ab 5 J
aus dem Engl von Nicola T Stuart
Gerstenberg
Hier wird informiert, wie Sie zu einer Göre kommen können und woran gute und üble Gören zu erkennen sind. In diesem Zusammenhang werden die körperlichen Funktionen wie essen, verdauen, atmen, bewegen, denken etc. beschrieben. "Da muss ich mir aber Mühe geben, dass es eine gute Göre wird.", denkt der Mann. "Vielleicht schaff ich mir doch lieber einen Hund an!" schließt die Frau ihre Überlegungen ab. "Oh, nein! Bloß keinen Hund!" denkt die Katze entsetzt.
Cole gelingt es auf ihre typische humorvolle Art, ein originelles Kinderbuch zu liefern, das jedoch erst für ältere Kinder wirklich verständlich wird.


Jens Thiele: Jo im roten Kleid
32 Seiten, ab 6 J und auch für viel ältere Kinder
Peter Hammer Verlag
Verständigung zwischen zwei Generationen, der Dialog intelligent, auf das Wesentlichste reduziert und stimmig, die Wenden überraschend. Ein Bub/ ein Mann im roten Kleid? Ein Bub/ ein Mann im roten Kleid! Scherenschnitt und Collage machen das Einfühlen leicht. Klischees werden aufgebrochen. Ein wie aus dem Berg sprudelndes Wasser erfrischendes Buch!


Christine Nöstlinger: Mini greift ein
64 Seiten, ab 7 J
Patmos/Dachs
Damit liegt der 14 Band der Mini-Reihe vor. Noch ist offen, was Mini in den Osterferien machen möchte. Spontan nimmt sie die Einladung von Tante Berta an. Diese wohnt in Tullnerdorf und dort ist sie auch herausgefordert, die den Park beherrschenden Buben Otto und Emil mit Unterstützung der einheimischen Mädchen erfolgreich in Grenzen zu weisen. Schade, dass sie sich am Ende nur heimlich als Heldin fühlt.


Sigrid Zeevaert: Mia Minzmanns Mäusezucht
128 Seiten, ab 8 J
Ill.: Lola Renn
Gerstenberg
Eine nette Geschichte über Mia, die kreativ die arbeitslos gewordene Mutter unterstützen möchte (Mäusezucht) und die Konflikte mit ihren Freundinnen auch geregelt bekommt.


Lauren Child: Durch und durch Clarice Bean
192 Seiten, ab 10 J
aus dem Engl. von Gabriele Haefs
Carlsen
Sprachlich flott, witzig, phantasievoll und emotional aber auch gut beobachtend und reflektierend beschreibt Clarice Bean ihren Alltag (sechsköpfige Familie, Schul-Buchprojekt, FreundInnen, FeindInnen etc.) in Tagebuchform. Kreativ umgesetzt die Stimmungen sowohl im Bild als auch in Schriftsatz. Ein Lese- und Schauvergnügen!



Louis Sachar: Bradley - letzte Reihe, letzter Platz
192 Seiten, ab 10 J
aus dem amerik. von Klaus Fritz
Hanser
Nach dem großen Erfolg im deutschen Sprachraum Die Löcher werden nun auch ältere Werke des Autors, wie dieses Buch aus dem Jahr 1987, übersetzt und herausgegeben.
Bradley ist 11 Jahre und, wie es in der Fachsprache genannt wird, verhaltenskreativ.
Der Prozess seiner Wandlung (vorwiegend durch den neuen Mitschüler Jeff und die Schulpsychologin Carla) zu einem integrierten und zufriedeneren Knaben ist differenziert, mit allen Auf und Abs sowie Hin- und Herwendungen nachvollziehbar und humorvoll beschrieben. Ein spannendes, stimmiges, ermutigendes und erkenntnisreiches Buch für angepasste und nichtangepasste Kinder.

 

Brigitte Melzer: Whisper - Königin der Diebe
252 Seiten, ab 12 J
Überreuter
Eine spannende Abenteuer-, Intrigen- und Liebesgeschichte, die im Mittelalter spielt. Die intelligente, wendige und erfolgreiche Whisper geht am Ende glückselig als Fürstin im Hafen der Ehe vor Anker. Anajas verstand nicht nur tapfer, ihr beizustehen sondern auch ihre alten seelischen Wunden zu heilen. Es liegt an jeder/m selbst herauszufinden, wie und wann klischeehafte Pfade gewandelt werden.

 

Dagmar Geisler: Die Bommels brausen los
32 Seiten, ab 4 J, Ravensburger
In dieser Geschichte geht es um einen kleinen neugierigen Bommel, der sich über ein Verbot hinwegsetzt und von seiner Mutter wieder gerettet wird. Vater Bommel ist dennoch stolz auf seinen Sohn. Bobby sieht alles ein und alles ist gut. Leider nur eine banale Geschichte in banaler Sprache - von der Autorin klischeehaft illustriert, nämlich Papa mit Hosenträgern und Mama mit Perlenkette.


Heinz Janisch: Der Prinz im Pyjama
Ill.: Birgit Antoni
32 Seiten, ab 3 J, Annette Betz
König wie Königin sind mit ihrem erfinderischen Sohn, der nur Pyjamas trägt, unzufrieden, sie wollen einen ganz normalen Prinzen, einen Helden. Dass sich alles um Stoff dreht, ist eine originelle Idee, die Details entpuppen sich aber als langweilig und witzlos. Der Bruch mit den Klischees gelingt dem Autor in diesem Fall nicht, auch wenn das Ende der Geschichte ein Happy End (für das der Prinz noch schnell Ehering und Hochzeitstorte erfindet) mit Prinz im Pyjama und Prinzessin im Badeanzug ist. Die Prinzessin bleibt farblos, passt sich dem Prinzen an, auch sie wird Erfinderin. Sie hat keine Vergangenheit, keine FreundInnen und obwohl sie das Wasser liebt, folgt sie dem Prinzen wie automatisch aufs Schloss.
Mit diesem Buch enttäuscht Janisch. Dass Huber einen Prinzenpyjama auf den Markt bringt, der ein anderes Muster hat als im Buch, zeigt von Marketingproblemen des Verlags. Und dass es für Prinzessinnen keine Badeanzüge gibt, zeigt ihre Bedeutungslosigkeit.


Friedrun Reichenstetter: Was ist los im Feenwald?
32 Seiten, ab 3 J, Annette Betz
Drei Zwerge verstecken das blaue Tuch der Waldfee, sehen ein, dass das nicht nett war, entschuldigen sich und haben auch vor, wieder zu arbeiten, weil ihnen sonst eh langweilig ist. Dieses Buch ist phantasie- und humorlos und die Frage steht im Raum, warum der Verlag jungen LeserInnen nichts Besseres anbietet.


Gesine Schulz: Die gefährliche Gummiente
132 Seiten, ab 10J, Ueberreuter 2004
Ein Buch in Umgangssprache, sogenannter Action und mit klassischer Rollenverteilung: Sparkassendirektor und Kassierin, Polizist und Kundin, Arzt und Krankenschwester, weiter männliche Ingenieure, Buchhändler und Lehrer. Billie ist zwar ein aktives Mädchen, aber das macht das Buch dennoch nicht lesenswert.


Andrew Clements: Frindel oder die Kunst, ein Wort neu zu erfinden
Aus dem Amerikan.: M. Krieger
110 Seiten, ab 10 J, Ueberreuter
Das Thema der Geschichte ist interessant und gut nachvollziehbar umgesetzt, obwohl das Ende ein typisch amerikanisches ist: der arme Junge wird Millionär und hat auch 10 Jahre später seine Lehrerin nicht vergessen. Allerdings ist er es, der ihr erlaubt, jenes Wort zu verwenden, das sie will. Welch Großzügigkeit! Stilistisch klingt es bemüht flott, die veraltete Form Mrs statt Ms wird verwendet, ebenso ist von Mitschülern die Rede und nicht Mitschülerinnen und Mitschülern. Auch wird nicht die Mutter sondern ganz patriarchal der Vater vom Juristen zur Unterschrift gebeten, als es zum Millionenvertrag kommt. Die Mutter wird erst gar nicht darüber informiert, geschweige denn miteinbezogen. Und so bleibt alles in allem nur halb gelungen. Die Titelillustration ist jedoch zur Gänze missglückt.

 

Martine Murray: Meine nicht ganz wahre Geschichte
288 Seiten, ab 11J, Ravensburger
aus dem Austral.: C. Krutz-Arnold
Martine Murray legt mit der Geschichte von Cedar, die beschloss, ein außergewöhnliches Leben zu führen, ihr erstes Buch vor. Der Verlagsankündigung, dass es sich hier um ein literarisches Werk handelt, kann ich nicht folgen. Die Geschichte macht einen eher erzwungenen und zu bemühten Eindruck witzig und originell zu sein.

Bianka Minte-König: Esmeraldas Fluch
174 Seiten, ab 11J. Thienemann
Die Autorin, Prof. für Literatur, lässt ihre Hauptfigur Lorna über ihre Ferien bei ihren Verwandten und manche Entdeckung der Familiengeschichte, die bis zu den Hexenverfolgungen zurückreicht, berichten. Viele Details der Geschichte und auch die Zeichnung der Personen sind unstimmig, zu oberflächlich und klischeehaft und enttäuschen daher.


David Chotjewitz: Das Abenteuer des Denkens - Roman über Albert Einstein
384 Seiten, ab 14J, Carlsen
Es gibt bereits viel über Einstein zu lesen, ob dieses Werk Jugendliche anspricht, bleibt abzuwarten und ob diese Romanform die geeignete ist, bezweifle ich. Jedenfalls mangelt es daran, dass der Autor über Mileva Maric die feministische Forschung nicht einfließen hat lassen. Gelungen ist, die physikalischen Problemstellungen deutlich zu machen.

 

Zöller/Kolloch: Ich bin ein richtiger Junge!
Ill.: Czerwenka, 32 Seiten, von 3-5 J (Verlagsangabe), Ellermann
Begrüßenswert, dass sich die beiden Autorinnen dezitiert dem Thema Geschlechterrolle annehmen. Um es vorwegzunehmen: nach meinen Kriterien sind sie jedoch gescheitert. Alleine der Buchtitel impliziert, dass es auch nicht richtige Jungen gibt und das erhält schwarz-weiß Ideologien aufrecht, denn auch das Nachwort von Frau Dr. Bischoff trägt zur Festigung von Vorurteilen bei, wenn sie meint, Jungen benötigen mehr Bewegung als Mädchen und nimmt keinen Bezug auf historische Aspekte!
Die erste Geschichte trägt den Titel: Darf ein Junge kuscheln? Sie berichtet über Julius, der schlechte Laune hat und dessen Vater genervt sagt: "Ein Junge mault und schimpft nicht den ganzen Tag herum." Dass es für Mamas wie Papas und Kinder Grenzen des Erträglichen gibt, ist ein kooperatives Ende. Allerdings wird Julius nicht gefragt, warum er schlechte Laune hat bzw. wird ihm nicht adäquate Beschäftigung oder Ruhe geboten. Julius bleibt in einer Sprachlosigkeit stecken, wie es typisch für Buben ist. Julius hat am Ende gelernt, dass er kuscheln darf aber auch, dass er
seiner schlechten Laune ausgeliefert ist und nur Selbstdisziplin dagegen hilft und dass es klare Meinungen gibt, wie er als Junge (nicht als Mitbewohner) zu sein hat oder nicht.
Die zweite Geschichte Wie der kleine König Pirat werden wollte ist durch und durch unstimmig. Erstens ist er ein Prinz, da er ja nicht herrscht sondern sein Vater, zweitens findet es der König nicht gut, dass der Prinz Erfahrungen sammelt und will ihn nicht ziehen lassen, drittens geht er an Bord eines Piratenschiffes (das in Hafen der heimatlichen Stadt liegt, was bedeutet, dass sein Vater diese Gewalt duldet. Viertens gehen Piraten, wenn sie Angst vor dem Sturm haben, nicht unter Deck, liefern sich dem Sturm aus und lassen sich erzählen, woher der neue Matrose kommt. Offenbar haben diese Autorinnen keine Ahnung vom echten Piratenleben.
Der Prinz lügt, weil er Angst hat, ausgelacht zu werden. Mittlerweile landen sie wieder im Heimatland. Der Prinz ist ausgehungert und klopft erleichtert ans Schlosstor. Mit Freude wird er empfangen und es wird gefeiert. Die hungrige Piraten-Mannschaft lädt er nicht dazu ein und er gesteht: Nur eine zeitlang macht Abenteuerlust Spaß. Und Mama und Papa sind zufrieden!
Spätestens am Ende dieser entmutigenden Geschichte legen Vater /Mutter /KindergartenpädagogInnen und ErzieherInnen das Buch enttäuscht aus der Hand und denken sich selbst eine viel bessere Geschichte für den Sohn / den Knaben aus!

Moritz Petz: Monstermädchen Mona
Ill.: Maja Dusikova
32 Seiten, ab 4
Nord-Süd
Das Monstermädchen Mona hat vor Menschen Angst. Der Autor lässt in der Welt der Menschen wie Monster die Mütter für die Kinder zuständig sein, Väter kommen nicht vor, das zentrale Thema ist Zusammenräumen und natürlich spritzt der Bub mit der Wasserpistole und das Mädchen hält den Teddybär. Dass die drei Kinder des Hauses zueinander finden und Freundschaft schließen, ist das erwartete Ende einer sehr klischeehaften Geschichte.

Zauberworte: Die schönsten Gedichte für Kinder aus vier Jahrhunderten
Hrg.: Rita Harenski
160 Seiten, ab 10
Arena
Wo manche Vorteile sehen, sehen andere Nachteile. Dieses Buch reiht sich hier ein:
Gedichte für Kinder/Jugendliche und Erwachsene wechseln einander ab, was es einerseits zu einem Familienlesebuch machen könnte, andrerseits manche das Buch aus Überforderung weglegen lässt. Dass sich auch Balladen in der Sammlung befinden, entspricht nicht dem Titel, der dem Trend nach Superlativen nachgibt und inadäquat ist. Die Frage was ein Gedicht zu einem schönen Gedicht macht, bleibt ungestellt und unbeantwortet.
Das Verhältnis der Autorinnen zu Autoren ist 1:6 zeigt, dass die Herausgeberin auch in diesem Bereich in traditionellen Bahnen denkt.


Catherine Sauvar: Isabelle Eberharft - Abenteuerin der Wüste
Fotos: Jean-Luc Manaud
168 S, 95 Fotos, ab 16
€ 36,-
Gerstenberg
Isabelle Eberhardt, 1877 in Genf geboren, 27- jährig in Algerien gestorben, schrieb Texte (Kurzgeschichten, Reportagen, Tagebücher und Briefe) über die Wüste und ihre Erfahrungen. Meist als Mann gekleidet legte sie früh Konventionen ab und überschritt traditionelle Grenzen.
Sauvar gliedert ihren Text in die vier Bereiche: Der Traum vom Orient, Die Offenbarung einer Seele, Das raue und prächtige Land, Dem Horizont entgegen. Mit Zitaten garniert versucht die Autorin Eberhardts Persönlichkeit und Leben nachzuzeichnen, die bis zum Ende des Buches dennoch nur vage vor dem inneren Auge sichtbar wird. Den historischen und gegenwärtigen Fotos gelingt es, mit dieser fremden faszinierenden Welt vertrauter zu werden, sich einzuschwingen.

 

Nadia Budde: Flosse, Fell und Federbett
24 Seiten, Pappe, ab 3
Peter Hammer
Kannst du abends gar nicht schlafen und die Sache mit den Schafen funktioniert nicht mehr bei dir .....dann probier ein andres Tier. Darauf folgen viele Angebote u.a. mit Hasen zu rasen oder mit Meisen zu verreisen, die der muntere Knabe alle annimmt. Der letzte Vorschlag mit Eulen heulen bis früh um acht? Oder doch lieber nicht? Dann lösch das Licht! Gute Nacht! bringt nach all den Abenteuern das einschläfernde Ende.
Die überhaupt nicht lieblichen Illustrationen können erheitern und irritieren, sind jedenfalls konkurrenzlos originell. Die leicht verständlichen Verse regen Wortschatz und Kreativität der Kinder an und Schlafengehen macht plötzlich Spaß.


Holly Hobbie: Die abenteuerliche Weihnachtsreise
32 Seiten ab 3
Arena
Drops ist zu Urgroßtante Peggy gereist, will aber unbedingt zu Weihnachten wieder bei seinem Freund Krümel zu Hause sein. Ein Schneesturm verzögert den Abflug, der Heimweg ist lang. Wie gut, dass er die Glücksnuss von Tante Peggy mit hat, denn mit dieser gelingt es, im letzten Augenblick anzukommen. Krümel begann mittlerweile mit den Festvorbereitungen und ist glücklich über Drops rechtzeitiger Rückkehr. Jetzt ist wirklich Weihnachten!
Diese einfache Geschichte ist eine empfehlenswerte Alternative zu anderem Weihnachtskitsch. Sprachlich überzeugt das Buch durch seinen anspruchsvollen Erzählstil. Die Illustration ist unsentimental aber stimmungsvoll.

Paul Korky und Valerie Thomas: Zilly und der Zauber-Computer
32 Seiten, ab 4
Beltz & Gelberg
Die Abenteuer der liebenswerten aber oft chaotischen Zauberin Zilly und ihrem immer mitbetroffenen Kater Zingaro finden in diesem fünften Buch eine wieder wunderbare Fortsetzung. Diesmal kauft Zilly einen Computer. Zingaro findet die Maus komisch und ist neugierig wird aber wegen seiner Störungen vor die Haustüre gesetzt, wo er eifersüchtig zusieht, welche Bedeutung dieses Ding für Zilly bekommen hat. Zilly erfährt sehr rasch, dass der Computer hilfreich sein und sowohl willkommene als auch unwillkommene Verzauberungen bewirken kann. Zu guter letzt hat alles seinen richtigen Platz und seine richtige Bewertung.

Heinz Janisch: Herr Jemineh hat Glück
Ill.: Selda Marlin Soganci
36 Seiten, ab 4
NP
Diese Liebesgeschichte entstand, weil Herr Jemineh dem Leben immer das Positive abgewinnt, denn alles Unangenehme hat auch sein Gutes. Als ihm am Ende vieler Erlebnisse ein Blumentopf auf den Kopf fällt, ist er nicht zornig sondern verliebt sich in die ungeschickte Blumengießerin und blüht nun statt der Blüten auf.
Neben der Erzähllinie fließt eine beschreibende, die am Ende lautet: Vier Lippen, zwei Münder, ein Kuss. Schluss.
Dem Team ist wieder ein vielschichtiges, herausforderndes und unkonventionelles Bilderbuch gelungen.

Papan: Schwein gehabt, Wilma!
32 Seiten, ab 4
Gerstenberg
Ehe die Geschichte beginnt, also bereits beim Aufschlagen der Buchdeckels, beginnt die Einstimmung ins Lachen: Es war einmal ein Känguruh! Nein, halt, stimmt ja gar nicht! Es waren einmal zwei Pinguine. ....
Die eigentliche Geschichte: Das Schwein Wilma will ein Superstar werden. Ihren eindrucksvollen Karriereweg können die LeserInnen voller Sympathie mitverfolgen.
Papan lässt zwischen dem ersten und letzten Strich keine Chance aus, originell, intelligent, witzig, detailreich, humor- und phantasievoll seine unglaubliche aber auch lebensnahe Geschichte in passenden Worten und einleuchtenden Bildern zu erzählen. So gelingt es ihm die Liebe zum Bilderbuch generationsübergreifend zu entwickeln bzw. zu stärken.


F. J. Schaudy: Kewpie & Johnny in Venedig
Ill.: Theres Cassini
48 Seiten, ab 5
NP
Johnny ist krank. Noch einmal wünscht er sich in seine Heimatstadt Venedig. Der Katzenwunsch erfüllt sich und mit Elfenzauber befindet er sich mit Kewpie in der Rätselwelt dieser Stadt. Raum und Zeit lösen sich auf, Himmel und Erde finden zusammen und Johnny erholt sich. Zurückgekehrt an seinem Geburtsort wird ihm ein weiteres Katzenleben geschenkt.
In poetischen zauberhaften Foto-Collagen und Worten werden Ebenen verschoben und verwoben, wird diese berührende Geschichte von Freundschaft auf besondere Art erzählt. Kinder lernen Aspekte Venedigs kennen und werden sanft konfrontiert mit dem Kreislauf von Leben und Tod und Leben.

 

Helena Olofsson: Gorilla Hobelia und Langer Schatten
Aus dem Schwed. Von Maike Dörries
Ill.: Jacky Gleich
144 Seiten, ab 8
Gerstenberg
Die Autorin, auch als Kunsttherapeutin tätig, hat bereits mehrere Kinderbücher geschrieben. Dieses, 1998 publizierte, ist das erste in deutscher Übersetzung. Es
handelt von Torilda Jesefina in Lappland: Wie sie zu ihrem Namen kam, wie sie mutig den Dieb im Geschäft ihres Vaters austrickste, wie sie ihre erste echte Freundin findet und durch Einfallsreichtum einen weiteren Diebstahl aufklärt. Die Autorin überzeugt inhaltlich durch ihre Vermengung von Wirklichkeit (Jahrhundertwende, Eisenbahnbau, Soziale Schichten, Vorurteil) und Märchen. Humor und sprachliche Sensibilität erleichtern den Zugang zum Thema Körperbehinderung. Poesie mit Spannung verbunden, das und noch mehr macht dieses Buch, dem hoffentlich bald andere nachfolgen, aus!

 

Rafik Schami: Die dunkle Seite der Liebe
896 Seiten, ab 16
Hanser
Mit diesem Familienepos der beiden verfeindeten Schahin- und Muschtak- Clans ist Rafik Schami ein Meisterwerk gelungen, das sowohl die politischen, privaten, kulturellen, religiösen und emotionalen Aspekte Syriens Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart umfasst. Der Autor ist frei von jeglicher Verpflichtung ausschließlich historisch-wissenschaftlich oder in traditioneller Märchenerzähltradition zu berichten und hat so einen für sich wieder neuen Bereich bravourös und faszinierend gemeistert. Einem Krimi gleich beginnt und endet dieses Buch - das Hauptanliegen ist jedoch das Leben zu zeigen - auch mit der dunklen Seite der Liebe.


Beate Dölling: Schutzfaktor 18
360 Seiten, ab 14
Beltz & Gelberg
Anna kann wegen Liebeskummer und Regenwetter die Sommerferien in Hannover nicht genießen und nimmt so die Einladung ihrer Freundin Vanessa nach Spanien zu kommen an. Hier wird Anna nicht nur mit den Sonnenseiten des oft unüberschaubaren Lebens konfrontiert: die Beziehung zu ihrer Freundin, deren emotionale Verlassenheit von den Eltern, Discos und Drogenhandel etc. Am Ende ist Anna um Erfahrungen reicher und froh, wieder zu Hause zu sein. Vanessa hat ihre Beziehung zu ihrem Vater abgebrochen und fliegt mit einem ihr kaum bekannten älteren Mann nach England, um dort in seinem Hotel zu arbeiten.
Dieses Buch reiht sich sowohl stilistisch als auch inhaltlich in die lange Reihe des Mittelmaßes ein.


Caja Cazemier: Verliebt sein ist eine Katastrophe
192 Seiten, ab 13
aus dem Niederländ. Von Sonja Fiedler-Tresp
Klopp
Die ehemals als Lehrerin tätige Autorin nimmt sich des Themas homo- und heteroorientierter Beziehungen und der emotional bewegten Welt von Jessica und Myra sensibel und Vorurteile abbauend an. In dieser Hinsicht ist das Buch zu empfehlen, wenngleich sie den Ton Jugendlicher stilistisch nicht überzeugend trifft.


Christine Nöstlinger: Lillis Supercoup
224 Seiten, ab 10
Oetinger
Wer Nöstlingers Bücher kennt und mag und ähnliches wieder lesen will, wird sich freuen. Eine turbulente Geschichte in vertraut stilistischem Tonfall.


Posy Simmonds: Die Katze des Bäckers
Aus dem Engl: Erica Ruetz
32 Seiten, ab 5
Wer die Mischung von Comic und traditioneller Illustration schätzt und sich mit einer nur teilweise witzigen Geschichte begnügt, wird das Buch vielleicht mögen.

 

Quint Buchholz: BuchBilderBuch
152 Seiten, ab 16
Sanssouci (Neuauflage, jetzt im Miniformat)
Die Idee, 46 Bilder des Künstlers an Autorinnen zu schicken mit der Bitte um einen Kurztext dazu, ist gut. Dass dabei die Auswahl an 40 Männer und 6 Frauen erging, verärgert. Buchholz lädt wie eh und je mit seinen Bildern ein, sich selbst Gedanken zu machen, Emotionen damit zu verbinden. Zusätzlich kommen die LeserInnen nun in den Genuss spannender Intaraktion mit Maler, SchriftstellerInnen (Elke Heidenreich, Susan Sontag, Ida VosHerta Müller u.a.), sich selbst und Mit-SchauerInnen- und MitlerserInnen.

 

Margret Rettich: Als Matti mal ein Engel war
96 Seiten, ab 8
Arena
Dass der früher anspruchsvolle Arena Verlag dieses Buch publiziert, enttäuscht. Es ziehen sich Klischees vom ersten bis zum letzten umgangssprachlichen Satz durch diese pseudo-colle Geschichte, in der Mattis Babysitter und seine Mutter ein Happyend finden.

 

Charlotte Kerner (Hrg.): Sternenflug und Sonnenfeuer
228 Seiten, ab 16
Beltz & Gelberg
In dieser neuen Anthologie der Herausgeberin werden Maria Cunitz (17.Jh.), Caroline Herschel (18.Jh.) und Maria Mitchell (19.Jh.) und ihre astronomischen Leistungen beschrieben und gewürdigt. Die Frauen, deren Zeiten, Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie das damalige astronomische Wissen werden gut nachvollziehbar und lebendig beschrieben und ist auch für Erwachsene als Einstiegslektüre geeignet.

 

CDs


It's all mine!
Nele Moost, Annet Rudolph
CD ISBN 3-8337-1185
Jumbo 2004 - ab 7 J
SprecherInnen: Twin und Joachim Kaps
Die Ankündigung, damit leicht Englisch zu lernen ist nur dann richtig, wenn die Kinder Unterstützung dabei erhalten. Für wirkliche Beginners ist sie eine Überforderung. Die schriftlichen Unterlagen zeigen nur einige Substantive. Die Lied/Texte sind auf Deutsch und Englisch.


Kein Keks für Kobolde
Cornelia Funke
Duo CD ISBN 3-8337-1174-4
Jumbo 2004 - ab 7 J
Nach dem gleichnamigen Buch im Fischer Verlag
Sprecher. Rainer Strecker
Es geht um Nahrungsvorräte für den Winter und einen Kobold.
Am Abend eine gute Einschlafgeschichte ....

Denk dir die Welt
Brigitte Labbé und Michel Puech
CD ISBN 3-8337-1183-3
Jumbo 2004 - ab 10 J
SprecherInnen: Anja Boche, F.-L. Engel
Philosophie für Kinder - bringt die meisten Beispiele nicht aus der Kinderwelt 7-jähriger - lässt wenig Denkspielräume und ist didaktisch-methodisch zu wenig unkonventionell aufgebaut und enttäuscht daher.

Mäuse wie wir
Fredrik Vahle
CD ISBN 3-40779858-X
Beltz & Gelberg 2004 - ab 5 J
Bei all den Geschichten klingt klar durch, dass diese aus der Denkwelt eines Erwachsenen stammen.



 

2003 erschienen

 

1.
Adelheid Dahiméne: Die seltsame Alte
Illustation: Heide Stöllinger
NP (Niederösterreichisches Pressehaus) 2003
32 Seiten, ab 5 J
Eine vielschichtige Geschichte, der es gelingt, die alte Tradition des Fadenspiels (ein Faden zum Mitmachen ist beigelegt) wiederzubeleben und einen guten und offenen Kontakt zwischen den Generationen herzustellen. Ein Mädchen erzählt vom Besuch der seltsamen Alten. Mystisches schwingt mit, das einfängt und doch den Spannungsbogen zur Realität hält. Originalität und Humor faszinieren. Ein Buch, das, simpel wirkend, auf einer ausgereiften intellektuellen Basis steht und auch aufgrund seiner hoch- qualitativer Illustrationen und Sprache Freude macht.

 

2.
Babette Cole: Wovon Mama niemals spricht
Gerstenberg 2003
Bilderbuch, 32 Seiten, ab 5 J
Der Text wirft die Fragen auf : Warum ich einen Bauchnabel habe? Warum muss ich zur Schule gehen, wo doch Mama von der Schule geflogen ist? Warum haben Erwachsene Haare in den Ohren aber manchmal keine Haare auf dem Kopf? Warum schließen Mama und Papa manchmal ihre Schlafzimmertüre ab? U.a.m. Die Illustration gibt teilweise und witzige Antworten darauf. So gehen diese beiden Disziplinen eine spannende Partnerschaft ein. Am Ende jedoch ist eines klar: Mama wird mir alles erzählen, wenn es so weit ist.
Damit hat Cole wieder ein provozierendes und humorvolles Kinderbuch geschrieben, das viel Spiel- und Diskussionsraum lässt und bietet.

 

3
Barbo Lindgren: Julia wünscht sich ein Tier
Ill: Eva Eriksson
Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch
Oetinger 2003
Bilderbuch, 32 Seiten, ab 5 J
Julia wohnt in einem etwas tristen Stadtteil, der ihr jedoch gefällt. Einzig ein Haustier geht ihr ab. Ihre Mutter erfüllt ihr den Wunsch nicht. Und "Ihr Papa sagt nichts, der wohnt nämlich nicht bei ihnen."
Julia ist kreativ und muss sich mit Fliegen, Käfern und dem Nachbarsjungen begnügen, die sie in ihrem Puppenwagen umherführt. Aber als sie 8 Jahre ist, bekommt sie eine Katze.
Diese Geschichte regt zum Nachdenken und Miteinanderreden an, denn sie ist eigenwillig und ambivalent.

 

4
Birgit Urmson: Germaine - Leidenschaft und Macht
Königshausen & Neumann 2003
Germaine de Stael (1769-1814), eine herausragende Persönlichkeit des Pariser Gesellschaftslebens mit gesellschaftspolitischen Ansprüchen, die sich in ihrem Lebensstil und Publikationen zeigen, wird von der Autorin Urmson vorwiegend im bildreichen romantischen Stil präsentiert. Germaine de Stael, von der Schiller sagte:" ... wenige Männer kommen ihr an Geist und Eloquenz gleich." wird nicht als jene feministische und intellektuelle Persönlichkeit, die sie war, vermittelt und damit wird dieses Buch der gegen Doppelmoral ankämpfenden und für Meinungsfreiheit eintretenden de Stael nicht gerecht.

 

5
Chisato Tashiro: Carlo Chamäleon
Neugebauer Verlag 2003
Das wunderschön gestaltete Bilderbuch spricht an und nimmt für sich ein. Die Geschichte - wie viele unzählige Chamäleon-Geschichten gibt es bereits ? - beginnt originell und kreativ, endet aber in der Problemverstärkung und nicht -auflösung.
Carlo wird, weil er sich seiner Umwelt anpasst, von niemanden wahrgenommen und leidet darunter. Vom Flusspferd wird er aber eines Tages wegen seiner Farbenvielfalt beneidet. Das regt Carlos an, allen Tieren eine Körperbemalung anzubieten, die diese auch begeistert annehmen. Doch der Nachteil ist schnell entdeckt: Die Beute ist nicht mehr so gut zu fangen! Deswegen wird Carlos nun von den bemalten Tieren bedroht. Seine Hilfe ist der Regen, der die Farben wieder abwäscht. Und alles ist wieder so wie früher. .......Carlos ist nicht integriert und die Chance dazu, wurde nicht genutzt. Mir hätte gefallen, wenn ein Tier die Idee des Abwaschens gehabt hätte und wegen der Nachteile einmal im Jahr ein Farbenfest gemacht wird und so Sinn und Spaß und Miteinander verbunden werden. Es gibt sicher noch bessere Lösungen, aber der Autor sich für die schlechteste entschieden.

 

6
Christian Bieneiek: Der MädchenHasserClub
Arena 2003
144 Seiten, ab 10 J
Der 11-jährige Nathan erzählt rückblickend seine Sicht der Zeit, als er in Maria verliebt und gleichzeitig Vorsitzender des MädchenHasserClub war. Er wagt nicht offen dazu zu stehen und so entwickeln sich verwickelte Situationen. Mit Humor und in typisch lockerem Stil des Autors, erfahren die LeserInnen von der inneren und äußeren Dramatik des Alltags als Junge und den Gruppenzwängen - aber auch viel über die selbstbewussten und selbstsicheren Mädchen, die locker alle Herausforderungen bewältigen. Dass hier auch der Vater eine positive Rolle hat, ist einer unter vielen positiven Aspekten dieses wirklich gelungenes Buch zur Geschlechterthematik!

 

7
Dimitri Clou: Das Quiz des Teufels
Thieneman 2003
ab 12 J, 251 Seiten
Ill: Daniela Chudzinski
Mit Sprach-Humor und Spannung gelingt es dem Autor auf der Grundlage humanistischer Werte Nächstenliebe, die Freundschaft,..) die Phantasiewelt eines 13-jährigen zu vermitteln. Der Teufel verliert alle 1000 Jahre sein Gedächtnis und erlangt es wieder, wenn sein Gegenspieler beim Quiz verliert. Die Gegenkräfte sind aktiv und so erlebt Quentin Fux ein Abenteuer, bei dem er nicht ganz dem traditionellen Bild eines Helden entspricht und doch zum Sieg des Guten beiträgt. Die weiblichen Romanfiguren unterstützen ihn kräftig und sind wesentlich am guten Ende beteiligt. Am Ende schließt sich der Kreis und zufrieden kann das Buch aus der Hand gelegt werden. Durch die Kaptitel-Illustrationen gewinnt es auch an Schauvergnügen.

 

8
Eva Ibbotson: Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf
Dressler Verlag 2003
320 Seiten, ab 10 J.
Die Handlung beginnt 1910 in England. Maia, 16 Jahre alt und finanziell gut versorgt, lebt in der Mayfair-Akademie für junge Damen und erfährt, dass ihre letzten entfernten Verwandten in Brasilien leben und sie einladen, zu kommen. Maia wird von ihrer neuen Gouvernante Miss Minton begleitet. Die Realität, die sie dort erwartet, entspricht nicht ihrer Vorstellung, denn die Familie Carter lebt isoliert von der brasilianischen Kultur und erhält ihren englisches Stil aufrecht und hat Maia nur aufgenommen, weil sie selbst in Geldschwierigkeiten stecken.
Maia findet auf Umwegen und mit vielen Abenteuern gepflastert, den ihr entsprechenden Weg: als Forscherin in Brasilien zu leben.
Maias Entwicklung zeigt die Möglichkeiten, trotz der Enge gesellschaftliche Konventionen dieser Zeit für Mädchen, sich unkonventionelle Ziele zu stecken, aus Zwängen zu entfliehen und das ihr Entsprechende zu leben. Damit ist dieses Buch ein ermutigendes aber auch atmosphärisch dichtes, spannendes und unterhaltsames geworden. Problematisch jedoch ist die Schwarz-Weiß-Zeichnung der Familie Carter, womit Klischees tradiert werden.

 

9
Gabriele Beyerlein Vollmondnächte
Thienemann 2003-02-04
254 Seiten, ab 12 J
Die Autorin, psychologisch und sozialwissenschaftlich qualifiziert, packt in ihren Roman sowohl Elemente der konstruktiven weiblichen Entwicklung als auch gängiger esoterischer Aspekte. Zusammen ergibt das einen dichten, in sich schlüssigen und abgerundeten Roman, würde nicht die stilistische Technik Gabriele Beyerleins doch so deutlich spürbar sein, sodass keine in den Bann schlagende Stimmung aufkommt. Oft entgleitet ihr durch die Reflexionsebene die autente Lebenswelt einer 12-jährigen in die Erwachsenwelt. Nichts desto trotz ist die Suche Aimees nach ihrer Zwillingsschwester und deren Erlösung sowie die friedliche Auflösung aller Konflikte eine empfehlenswert zu diskutierende Leselektüre.

 

10
Iris Prael (Hrg.): fiese Weihnachten
Geschichten für Festmuffel und Keksverächter
Sauerländer - aare 2003
Die bunte Geschichtensammlung wirft aus fünfzehn wirklich unterschiedlichsten Gesichtspunkten ihren Blick auf Weihnachten und gibt so zahlreiche Impulse zum Lachen, Weiterdenken, Reflektieren, Diskutieren und Initiieren. Somit eine willkommene Abwechslung im Weihnachtsbücherberg der Klischees

.

11

Isabel Pin: Die Königin der Blumen
Textbearbeitung: Bruno Hächler
Michael Neugebauer Verlag 2003
32 Seiten, ab 5J
Catherine war klein und rund und blond und offenbar emotional labil, denn sie gewährt ihrer Familie, sie für das Faschingsschulfest als Biene zu verkleiden, obwohl sie lieber als Prinzessin gegangen wäre, was sie sich nicht einmal erwähnen traut. So wundert es nicht, dass sie von ihren vermeintlichen Freundinnen ausgelacht wird und nach draußen flüchtet. Dort erklären ihr die Blumen, dass sie die schönste Biene ist, flechten ihr einen Kranz und machen sie zu ihrer Bienenkönigin. So bestärkt traut sich Catherine zurück in die Klasse, wo ihre Freundinnen ihre Blumenkrone bewundern. Stolz stellt sie sich als Königin der Blumen vor, was die Kinder zum Staunen bringt und auch ihrer Mutter, die sie später abholt, gefällt sie noch besser als am Morgen. Das erzählt die Hauptdarstellerin rückblickend.
Zwar entwickelt die schüchterne Catherine einen selbstbewussten Aspekt und damit ist ein Beginn gesetzt - dennoch bleibt ein schaler Geschmack am Ende, weil es keine Reflexionsebene, keine Bruchstelle, es kein Zwischen den Zeilen gibt, was eine gute Geschichte eben ausmacht.

 

12
Lauren Child: Peters Engel
Ill: Alexander Sturgis
aus dem Engl. Von Nicola T Stuart
Bilderbuch, 36 Seiten, ab 5 J
Gerstenberg 2003
Peter sucht ständig mit seiner Lupe nach Spuren. Er ist ein Detektiv. Per Zufall kommt er in ein Kunstmuseum. Dort kommt ihm ein Engel (aus dem Bild "Verkündigung" von FraAngelico) zu Hilfe. So entdeckt er Hintergründe und Zusammenhänge der gemalten Szenen. Leider handelt es sich bei den zwölf Kunstwerken um ausschließlich von Männern gemalte Bilder (von Frau Angelico über Rembrandt bis Jackson Pollock). Die Illustration ist witzig, alles in allem aber handelt es sich dabei um ein sehr konventionelles Buch.


13
Lian Hearn: Das Schwert der Stille

Aus dem Engl von Irmela Brender
384 Seiten, ab 12 J
Carlsen Verlag 2003
Mit dem Buch Das Schwert der Stille begann die englische Autorin Lian Hearn eine Triologie, die in einem japanische beeinflussten Phantasieland spielt. Die Handlung spielt im Spannungsfeld friedfertiger und demokratischer Lebensweise versus Macht und Gewalt. Hauptperson ist der junge Takeo, der aus seiner Sicht über die Geschehnisse berichtet. Der zweite Erzählstrang focusiert Kaete und damit die Position der Frauen in der Umbruchzeit bzw. im Spannungsfeld der Politik. Differenziert und nuanciert werden die Gedanken- und Gefühlswelten beschrieben. Die spannende Handlung gewinnt durch die ruhig fließende Erzählweise, die die Natur konsequent einbezieht und auch dadurch einen sehr sinnlichen Charakter erhält. Ein wirklich guter Schmöker in einer wunderbaren Übersetzung, dem hoffentlich bald der zweite Teil folgt.

 

14
Iris Anna Otto: Kinder, Kinder, die Luschinskis

Carlsen 2003
192 Seiten, ab 12 J
Das vorliegende Buch ist der dritte Band, in deren Mittelpunkt die Familie Luschinski und deren Alltagschaos steht. Die mittlerweile 14 Jahre alt gewordenen Drillinge gehen ihren individuellen Weg: Ben wird von seiner Freundin Anja verlassen, weil sich diese in seine Schwester Ruth verliebt hat. Monalena leidet unter Magersucht und ist froh, nicht schwanger geworden zu sein. Frauke kommt zur Welt und Mutter und Vater beschließen, wieder zusammenzuziehen.
Diese oft wortwitzige Familien-Soap ist rasant geschrieben und greift Tabus auf - Lesemuffel könnten mit dieser Lektüre wohl damit erreicht werden.

 

15
Maritgen Matter: Ein Schaf fürs Leben
Ill: Anke Faust
Oetinger 2003
Bilderbuch, 64 Seiten, ab 5 J
Diese Geschichte (weder Parabel noch Märchen) von Wolf und Schaf, zweier natürlicher Feinde, macht sie zu Freunden. Der hungrige Wolf verzichtet, das Schaf zu fressen. Der Wunsch einer sogenannten heilen Welt wird hier nicht zum ersten Mal versucht, aber auch die teilweise humorvollen Ansätze retten die Geschichte nicht. Was nicht überzeugend gelingen kann, Wölfe sind nun mal keine Vegetarier, kann eben nicht gelingen.

16
Ralf Isau: Das Museum der gestohlenen Erinnerungen
Thienemann 2003
671 Seiten, ab 14J
Wenn bereits die ersten 55 Seiten des 671 Seiten starken Bandes das sowohl stilistische (die desolate Verfassung der Geschwister .... die Nahrungsmittelspende wurde von Oliver und Jessica umgehend ihrer Zweckbestimmung zugeführt....) als auch durch unkritisches Tradieren von Klischees (sie weint, er ist diszipliniert / er fragt / sie kann fühlen, weil sie eine Frau ist / die um Minuten Ältere trägt die Verantwortung / ...) das geschlechtssensible Feingefühl der LeserIn strapazieren und enttäuschen, fehlt es an Motivation, sich durch die nicht wirklich originelle Phantasiewelt, die die Babylonier als historischen Hintergrund hat, bis zur Lösung lesend weiterzuquälen.

17
Mario Ramos: Ich bin der Stärkste im ganzen Land!
32 Seiten, ab 4 J
Moritz 2003
Der graue Wolf braucht Bestätigung. So wandert er durch den Wald und befragt nacheinander den kleinen Hasen, Rotkäppchen, die drei kleinen Schweinchen und die sieben Zwerge. Alle antworten ihm das, was er hören will: Er ist der Stärkste. Als er aber auch den kleinen grünen Drachen trifft, antwortet ihm dieser: Meine Mama ist die Stärkste. Und als diese kommt, ist auch der Wolf davon überzeugt.
Dieses Buch, im umgangsprachlichen Ton gehalten, thematisiert zum einen den Anpassungsdruck der Schwachen, das Mitläufertum als zum anderen das Relative der Stärke. Und dass am Ende Mama die Stärkste ist, freut uns alle, auch wenn wir bedauern, dass Rotkäppchen nichts dazugelernt hat.

18
Rick Walton, Arthur Robins: Bertie, der Wachhund
Carlsen 2003
Bilderbuch ab 4 J
Die Geschichte, wie der kleine schmächtige aber eben clevere Bertie den Räuber mit viel Glück und Zufall doch noch der Polizei ausliefert ist nicht wirklich neu aber dennoch berührend und humorvoll gemacht, so dass Mitgefühl für den naiven Räuber entwickelt wird. Es ist die Stärke aber auch gleichzeitig die Schwäche des Illustrators, dass er die Figuren klischeehaft charakterisiert - und so bleibt es vorwiegend eine persönliche Geschmacksache, ob es gefällt oder nicht.

 

19
Sabine Wiemers / Sylvia Heinlein: Pit im Baumhaus
Beltz & Gelberg 2003
32 Seiten, ab 3J
Pit will seiner Mutter seine gebaute Piratenburg zeigen. Doch diesevertröstet ihn mit "Ich komme gleich" und räumt zuerst die Waschmaschine aus, trinkt noch einen Kaffe, hängt die Wäsche auf . Pit verliert die Geduld und zieht ins Baumhaus. Als die Mutter ihn zum Mittagsessen ruft, ruft er zurück "Gleich!" und vertröstet sie immer wieder und kommt doch nicht. Als die Nachbarskinder zu dem Baum kommen, klettern sie zu ihm zum Spielen hinauf.
Am Abend rufen alle Eltern ihre Kinder. Pits Mutter entschließt sich, hinaufzuklettern und Pit herunterzuholen und mit ihm sofort mit seiner Piratenburg zu spielen.
Die Überforderung einer alleinerziehenden Mutter wird thematisiert - sie hat einfach zu wenig Zeit für ihren Sohn. Es findet sich hier eine einmalige aber keine generelle Lösung.
Warum Pit seiner Mutter nicht im Haushalt hilft, damit sie auch Zeit für gemeinsames Spiel haben, bleibt auch offen. Die Geschichte von einer Pia im Baumhaus wäre passender - denn Buben erhalten generell mehr Beachtung als Mädchen.
Somit mehr ein Buch für Erwachsene zu überdenken, welche Ansprüche sie an Kinder stellen und welche Kinder an sie stellen dürfen als ein gelungenes Kinderbuch.

20
Sobo & Laska: Berta, Berlin und Magic Bi
Sauerländer- aare 2003
Wer das als Comic Roman bestens beworben Buch liest, ist enttäuscht, wenn mehr als Comic Niveau erwartet wurde. Die Idee, Text und Bild in dieser Weise zu verweben, ist eine gute, aber wenn die Aussage der Geschichte ist: Berta, 15 Jahre, muss erst von zu Hause über Umwege nach Italien abhauen, damit ihre Mutter und ihr Stiefvater sie wahrnehmen und alles happy ist, dann ist es besser, das Buch erst gar nicht in die Hand zu nehmen.

21
Sylvia van Ommen : Lakritzbonbons
aus dem Niederländischen von Willy de Wanten
Moritz 2003
Bildergeschichte (sch/w), Kleinformat, 48 Seiten, ab 5 J
Jule und Oskar verabreden und treffen sich und kommen zufällig ins Gespräch über das Leben nach dem Tod. Das erste Buch (Text und Illustration) der jungen Künstlerin (1978 in Friesland geborenen) ist unkompliziert, leicht und stimmig.

 

22
Ursula Poznanski: Buchstabensalat
Ill: Jens Rassmus
Dachs, 2003
Als sich der Sturm legt, ist festzustellen, dass der Wind hat nicht nur Buchstaben herumgewirbelt sondern auch den Tieren den Kopf verwirrt hat, sodass die Ledermaus an den Baum prallt, weil ihr das F verloren gegangen ist u.a.m.. Die Buchstaben werden vom Affen und Papagei an die Tiere verteilt.
Geschichte müssen nicht dem Anspruch methodisch-didaktischen Know-How entsprechen, doch wird dieses Manko hier weder durch Originalität noch Witz wettgemacht. Auch die illustrative Umsetzung greift zu kurz und vergibt so die Chance, LeseanfängerInnen eine lustvolle und sinnliche Lektüre zu sein.


22
Megan McDonald: Judy Moody
dtv junior 2003
judy - intelligent, kreativ und initiativ - geht in die dritte Volksschulklasse. ihr Alltag zu Hause (das Bild gleichberechtigter Eltern wird vermittelt sowie der jüngere und von Judy nicht immer liebenswürdig behandelten Bruder Stink) und in der Schule (Rocky und Frank) sind ihr Umfeld und Thema des 144 seitigen Taschenbuches, das im Stil der der Umgangssprache geschrieben ist. Warum Judy nicht auch eine Freundin hat, bleibt offen. Aber auf alle Fälle ein Buch, das Mädchen wie Buben amüsieren und gefallen wird.

 

23
sonia levitin: der tag, an dem sie sich die freiheit nahm
carlsen 2003
tb 204 Seiten, ab 14
Claudia lebt in den USA und nimmt sich Freiheiten, stößt damit an Grenzen und
bedauerlicherweise bleibt sie trotz allem innerhalb der Konventionen. Ein Buch, das zur
Diskussion anregt, aber nicht unbedingt positiven Vorbildcharakter hat

 

24
Alois Prinz: Lieber wütend als traurig - die Lebensgeschichte der Ulrike Marie Meinhof
beltz verlag 2003
328 Seiten, ab 14
"ich wäre ihr gern noch näher gekommen, hätte sie gern besser verstanden. aber irgendwann
hatte ich das Gefühl, dass sie immer undeutlicher wird. ..." schreibt der 1958 geborene Autor
auf der letzten Seite und drückt genau das Gefühl aus, das ich auch als Leserin hatte: bemüht
aber nicht gelungen!

 

25
Karl Ferdinand Kratzl: Schlappi - Am Anfang war der Hase
32 Seiten, ab 6
Ill.: Helga Bansch
Georg Hoanzl 2003
Schlappi erzählt von sich selbst - unterbrochen von einem Erzähler bzw. Interviewer. Er ist das erste Geschöpf Gottes. Dieser wird leider traditionell als alter Mann mit Bart gezeigt, obwohl viele humoristische und witzige Einfälle die Geschichte durchziehen. Schlappi geht auf Reisen, erlebt viel und staunt über das inzwischen auch mit Schweinen und Menschen bevölkerte Paradies. Doch als aus ihm Hasensuppe gemacht werden soll, flüchtete er - worüber der erste Streit im Paradies zwischen Eva und Adam entstand. In seinem ursprünglichen Urwald ist Schlappi wieder glücklich und zufrieden.

2002 erschienen

 

1
Agnes Desarthe / Claude Ponti

Kleiner Prinz Pluff
Aus dem Franz. von Tobias Scheffel
Moritz 2002
80 Seiten, ab 5 J
Wie alle Märchen beginnt auch dieses mit Es war einmal .... Es war einmal ein Land, indem Königin und König ihrem Sohn eine adäquate Erziehung angedeihen lassen wollen und sich am Ende der Sohn dieser Aufgabe würdig erweist. Soweit ist die Kerngeschichte traditionell. Doch Autorin wie Illustrator machen daraus eine ungewöhnliche, humorvolle und hochphilosophische Geschichte, die überrascht. Die Leichtigkeit, mit der Existentielles Tiefgang erfährt, die kindgerechte Sprache mit vielen Dialogen, die langsam aufgebaute Spannung und deren originelle Lösung als auch die unaufdringliche Umsetzung der Gleichberechtigung (einzig die Frage, warum Paula nicht Königin werden soll, stellt sich) zwischen Mann und Frau, macht dieses Buch zu einem vielschichtigen Erlebnis für Kinder wie Erwachsene. Pädagogik ist damit ein konstruktiv und lustvolles Thema. Zufrieden, heiter und ruhig klingt das Märchen aus - und eine Frage bleibt am Schluss für alle offen.

 

2
Chiara Carrer: Der große Platsch
Aus dem Ital. Von Dorothea Löcker
Picus Verlag 2002
32 Seiten, ab 4 J
Dieses Buch, originell illustriert mit der Technik der Collage von der Autorin selbst, thematisiert anschaulich, wie ein Gerücht entsteht über etwas, das Angst auslöst. Lange dauert es, bis alle Tiere Mut fassen und von ihrer Flucht zurückkehren, um es ganz genau zu wissen, was dieses Ungeheuerliche eigentlich ist. Diese Geschichte ist für alle weiblichen und männlichen Angsthasen sowie alle mutigen Löwen und Löwinnen und alle anderen geeignet, irrationale und rationale Ängste voneinander unterscheiden zu lernen. Damit wird das politische Thema MitläuferIn bereits für Kindergarten und Schulkinder hervorragend aufgearbeitet.

 

3
Heinz Janisch/Birgit Antoni: Her mit den Prinzen!

Annette Beltz Verlag 2002
32 Seiten, ab 4J
Heinz Janisch greift das traditionsreiche Thema der Prinzessinverheiratung in Verbindung mit dem Drachenkampf auf - und enttäuscht. Seine vier positiven Ansätze heben in diesem Fall leider die Fixierung der geschlechtsspezifische Rollenverteilung nicht auf.
Bereits der Titel bezieht sich auf den König. Auch wenn es im Land keine Drachen mehr gibt, ruft er zum Drachenkampf auf und verspricht seine Tochter. Sie stellt sich nicht die Frage, ob sie heiraten will oder nicht und sie besteht nicht darauf, die Wahl selbst zu treffen. Mit der Strategie der Machtlosen, einer List, versucht sie, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Sie ergreift die Initiative und verkleidet sich selbst als Drache. Das Vater-Tocher Verhältnis ist und bleibt ein Machtverhältnis, denn schließlich heiratet die Prinzessin wirklich. Warum der Vater sie verheiraten will, ist kein Thema. Die Illustratorin stellt die Prinzessin als Kind, nicht als Jugendliche dar. Die Bewerber sind ältere Männer. Dem König ist das Glück seiner Tochter kein Anliegen. Offene Konflikte darf es offenbar nicht geben. Auch wird sie ohne soziales Umfeld gezeigt. Sie ist namenlos, wie auch die nicht siegreichen Prinzen und der erwählte. Die Königin wird mit keinem Wort erwähnt. Welche Position sie nach der Heirat einnehmen wird, bleibt ebenso unangesprochen. Der Prinz ist kein Held und kein Kämpfer. Als Drache forderte die Prinzessin die Prinzen zum Wettkampf auf - in den kindlichen Disziplinen Wettlauf, Handstand, Nicht lachen beim Kitzeln, Kirschkernweitspucken, Verstecken, Fußballspielen. Den Prinz, der gegen sie nicht kämpfen will, weil sie als Drache so schöne Augen hat, kann mit ihr nicht mithalten und doch ist er der erwählte, den sie fragt, ob er sie haben will. Die Hochzeit soll gleich am nächsten Tag stattfinden - dennoch gibt es bis zum Ende kein Wir. Der emanzipatorische Ansatz erstickt im Keim und bietet weder für Buben noch für Mädchen eine wirklich konsequente und positive Identifizierungsmöglichkeit.


4
Jutta Langreuter/Vera Sobat: Fünf wollen zum Rummelplatz

ars edition 2002
32 Seiten, ab 5 J
Ratte, Kater, Schwein, Hund und Rabe wollen auf den Rummelplatz, haben aber kein Geld. Eine Lösung wird gesucht. Zuerst gehen sie der Idee nach, durch eine Vorführung Geld zu verdienen. Die Umsetzung einer Imitation der Bremer Stadtmusikanten geben sie auf. Die Jongliererfolge sind auch nicht zum Vorzeigen. Auch ein Boxkampf ist nicht erfolgversprechend. Der Vorschlag von Schwein, Tortillas zu machen und zu verkaufen, gefällt und endet damit, dass sie diese selbst genießen.
Der Prozessverlauf sowie die Dynamik untereinander gleicht einem lebendiger Fluss. Die ausgeprägten Charaktere führen zu kleineren Spannungen aber auch zu einem gelingenden Miteinander, das respekt-, humor- und liebevoll ist.
Die Qualität der Geschichte liegt darin, dass nicht das geplante sondern ein ganz anderes Ziel erreicht wird und dieses zweifelsfrei für alle befriedigend ist. Für Buben ist dieses Buch empfehlenswert, da die Darsteller coole Typen sind, doch wo es notwendig ist, mit Herz handeln.


5
Peter Greißler: Ich kenn mich schon aus

Ill.: Almud Kunert
32 Seiten, ab 4 J.
Hanser 2002
Das ziemlich kleine Kind in dem ziemlich großen Haus führt durch seine (phantastisch gezeichnete) Welt. Wahrheiten wie: Geh ich aus dem Zimmer raus, komm ich in ein andres rein. lassen Erwachsenen schmunzeln, Kinder werden sich begeistert wiederfinden bzw. angesprochen fühlen, in welche Zusammenhängen von Spiegel, Stöcken, Hosen, Wegen, Schildern, Autos, Bäumen und vom Helfen und Kranksein die Rede ist.

 

6
Manfred Mai: Mama hat heut Freitag

Ill.: Karin Schliehe und Bernhard Mark
60 Seiten, ab 6 J.
Ersterscheinung 1988, Neuauflage Ravensburger 2002
Dieser Text dreht sich um ein gegenwärtig immer noch relevantes Thema: die Wertschätzung der Hausarbeit der Mutter. Der Vater bringt diese tatsächlich auf, nachdem er für einen Tag ihre Aufgaben übernommen hat. Anna, die Tochter, beobachtet alles sehr interessiert und versteht sehr gut, worum es hier geht.
Ein guter und richtiger Ansatz zur Emanzipation, wobei sich die Frage am Ende stellt, ob sich aufgrund dieser Erfahrung nun beide den Haushalt teilen bzw. warum die durchaus aufgeschlossene Mama Hausfrau ist.

 

7
Dagmar Henze: Das neunundneunzigste Schaf oder Schäfchen zählen macht müde

Ill.: Isabel Abedi
32 Seiten, ab 3 J.
Ars edition 2002
Emma, ein sehr kreatives eigenständiges Mädchen, hat schon alles versucht, um einzuschlafen. Von Mamas Tipp, Schäfchen zu zählen, hält sie nicht viel. Sie probiert es aber doch aus und läßt nun ein Schaf nach dem anderen über den Zaun springen. Dabei entpuppen sich manche als gute Springer, eines trappelt widerwillig und bleibt erst mal blökend vor dem Zaun stehen, ein anderes macht gar einen Salto darüber. Das neunundneunzigste Schaf steht weinend vor dem Zaun: es hat seine Mama verloren. Emma gelingt es, das kleine Schaf zu seiner Mutter zu bringen, indem sie zurückzählt. Mit dem Gedanken: Schäfchen zählen macht wirklich müde, schläft sie zufrieden ein.

 

8
Lauren Child: Nein! Tomaten ess ich nicht!

Aus dem Englischen von Sophie Birkenstädt
Carlsen 2002
32 Seiten, ab 4 J
Die englische Autorin ist auch Illustratorin ihres zweiten Kinderbuches. Das Thema teilt sich bereits im Buchtitel mit und gehört, das sei gesagt, zu den besten.
Charlies erzählt liebevoll über seine jüngere Schwester Pia, die richtig komisch und eigenartig ist. Das kommt beim Essen besonders zum Ausdruck. Pia sitzt am Tisch und wartet auf ihr Essen und es bleibt nicht nur bei: Tomaten ess ich nicht! Pia mag keine Möhren, keine Erbsen, keine Kartoffel, keine Pilze - die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Charlie teilt ihr mit, dass es von all dem diesmal nichts geben wird. Charlie tischt ihr orangenfarbene Lakritzenstangen vom Jupiter auf. Pia meint, das seien doch Karotten. Aber, wie können das Karotten sein? Auf dem Jupiter wachsen doch keine Karotten! Das sieht Pia ein. Die grünen Drops aus Grünstadt, zum Verwechseln ähnlich mit Erbsen, die vom Himmel fallen, überzeugen sie erst, als Charlie diese selbst essen will. Auch der Wolkenflaum von Fudschijama schmeckt gut. Schließlich entdeckt Pia am Ende des Tisches etwas Verlockendes. Charlie ist irritiert. Ist Pia sicher, dass sie so etwas will? Ja! Denn Mondflutscher isst sie am liebst! Hat Charlie gar geglaubt, dies seien Tomaten?
In dieser Geschichte wird Pia immer ernst genommen und achtsam behandelt. Charlie, selbst ja noch ein Kind, ist die Phantasiewelt vertraut und Pia, ein vifes Mädchen, spielt mit. Beide haben dabei ihren Spaß. Und wie sich am Ende zeigt, hat Pia die Situation voll im Griff! Damit entspricht dieses Buch nicht nur einem Anspruch der Originalität sondern auch dem Aspekt der geschlechtssensiblen Pädagogik.

 

9
Pija Lindenbaum: Fanziska und die Wölfe

Aus dem Schwedischen von Brigitta Kicherer
Moritz Verlag 2002
40 Seiten, ab 4J
Franziska klettert nicht gerne herum, denn da könnte sie runterfallen oder einen Schuh dabei verlieren. So ist sie ein braves und angepasstes Kindergartenkind und traut sich fast gar nichts. Frau Köpke und Robby unternehmen eines Tages mit den Kindern einen Ausflug, bei dem die ängstliche Franziska über das Suchen von Blättern die Gruppe verliert. Sie findet den Weg zurück nicht und verirrt sich im Wald. Dort entdeckt sie hinter den Bäumen Wölfe. In dieser Situation ruft sie diese herbei und fragt nach dem Weg. Damit beginnt die Kontaktaufnahme und bald spielen sie miteinander. Franziska wird kreativ und initiativ, selbstsicher und selbstbewusst. Sie übernachtet im Wald und findet, begleitet von den Wölfen, die dann am Waldesrand zurückbleiben, den Weg zurück in den Ort.
Auf unkonventionelle Art wird hier das Thema Angst und Unsicherheit aufgenommen. Auf sich alleine gestellt schöpft Franziska ihre Potentiale aus und behauptet sich. Ein Buch, das viele Fragen aufwirft und motiviert, diese individuell mit den LeserInnen zu besprechen. Alles in allem ein originelles und positiv bestärkendes Buch.

 

2000 erschienen

1
Li Na, Meisterin der Kalligrafie, ist eine Frau mit viel Lebenserfahrung. Ihre Kunst besteht darin, jedes Zeichen zu verinnerlichen und so widerzugeben, daß die BetrachterInnen die Bedeutung sofort erspüren können.
Die Geschichte spielt im alten China. Ihre noch sehr junge Schülerin San Li wohnt bei ihr und erlebt mit, wie Li Na die sehr schwierige Situation mit dem mächtigen und kaltblütigen Kaiser meistert, der von ihr ein Bild seiner Macht und Herrschaft wünscht.
Die Gegenspieler sind Li Na, die die Menschen mit ihren Arbeiten erfreuen kann und der mächtige und auch von seiner eigenen Familie gefürchtete Kaiser.
Die Geschichte windet sich mäanderförmig wie ein Fluß, der nicht angetrieben werden kann, durch die Erzähl-Landschaft, ehe eine erneute Wendung die Problemlösung, aber nicht das Ende bringt, weil sie noch einmal weitermäandert.
Die kraftvollen, ausdrucksstark-schlichten kalliographieartigen Illustrationen verstärken das emotionalle Miterleben der Geschichte, die dramatische und sehr poetische Augenblicke miteinschließt. Die Kunst Li Na's ist so groß, daß das Herz des Kaisers beim Anblick des Zeichens seiner Macht und Herrschaft berührt wird. Nach langer Zeit kann er wieder Gefühle spüren und wandelt sich langsam zu einem anderen Menschen.
Ein ausgezeichnetes Bilderbuch für junge und ältere MärchenliebhaberInnen.
Andrea Liebers (Text) und Silke Tessmer (Ill.): Li Na und der Kaiser
Bilderbuch gebunden, 32 Seiten
Peter Hammer Verlag 2000, ab 6 J

 

2
Mit den lapidaren Worten Teil eins - Sie betreten Camp Green Lake führt der Autor Louis Sachar die LeserInnen unmittelbar und gegenwärtig in die Geschichte. Stanley wurde vom Jugendrichter (für einen nicht begangenen Diebstahl) verurteilt. Die Alternative zum Jugendgefängnis sind 18 Monate Camp Green Lake, für das sich Stanley entscheidet, ohne zu wissen, was ihn erwartet. Es liegt mitten in der Wüste von Texas. Dort müssen die (ausschließlich männlichen) jugendlichen Straftäter unter schwierigsten Bedingungen täglich ein großes Loch graben. Wozu?
Die Geschichte fasziniert, schlägt in Bann, ohne durchgehend Aktion zu bieten ist es spannend und dennoch von langsamen Tempo.
Mit einer großen Portion trockenem Humors (passend zur Wüstengeschichte und dem Milieu) beschreibt Sachar unspektakulär eine umso unglaublichere und berührende Geschichte. Mit der Zeit verflechten sich die Begebenheiten vor 110 Jahren mit jenen der Gegenwart. Am Ende hat Stanley nicht nur die 18 Monate überlebt sondern auch seine Familienchronik (mit starken Frauen) zu einem guten Ende geführt.
Die Qualität der Sprache, der Dramaturgie und Führung der Themen (die wie viele kleine Bäche schlußendlich in einem großen Lebens-Fluß verenigt sind) als auch jene der Realitätsbewältigungsstrategien und das Faktum, daß keine Interpretationen angeboten werden, weil die LeserInnen gefordert sind, eigenständig Verbindungen herzustellen, machen dieses Buch zu einem Meisterwerk der Jugendliteratur.
Louis Sachar: Löcher - die Geheimnisse von Green Lake
aus dem Amerikan. von Brigitt Kollmann
Roman, gebunden, 296 Seiten
Beltz & Gelberg 2000, ab 12 J

 

3
Der Roman des 67-jährigen Peter Härtling Reise gegen den Wind mit dem Untertitel Wie Priml das Ende des Krieges erlebt beruht auf Autobiographischem, dh eigenen Erfahrungen und Erlebnissen als (sudentendeutscher) Flüchtling. Der Autor bestätigt: Ja, Primel ist schon Peter Härtling...
Bernhard, von seiner Tante Karla jedoch Primel genannt, ist 12 Jahre alt. Nach dem Tod von Bernds Vater im Krieg stirbt seine Mutter kurz nach dieser Nachricht durch Ertrinken. So übernimmt seine selbstbewußte und durchsetzungsstarke Tante die Verantwortung für ihn. Kurz nach Kriegsende flüchten die beiden von Brünn nach Laa /Thaya. Vom Ankommen und dem etwa vierzehntägigen Aufenthalt bis zur Weiterreise nach Wien erzählt diese Lebens-Geschichte.
So verunsichert Bernd in vielen Situationen ist, Zusammenhänge nicht herstellen oder verstehen kann, so können jüngere LeserInnen am Ende des Buches ebenso verwirrt und verunsichert sein. Das kann sowohl die Schwäche als auch die Stärke des Buches sein. Abgesehen davon läßt der Autor die Geschichte gut ausgehen - doch empfehle ich dieses Buch nur für Jugendliche, die die historischen Hintergründe kennen.
Dieses Buch läßt viele Fragen aufkommen und lädt zu anspruchsvollen Diskussionen ein - ein ganz und gar unglattes Buch.
Peter Härtling: Reise gegen den Wind
146 Seiten
Beltz&Gelberg 2000, ab 14 J

 

4
"Mal wieder nichts los auf der Straße", denkt Eddi, der Hund und macht sich auf den Weg zu seiner Freundin Babette. Unterwegs trifft er Alabaster, den Kater, der sich ebenfalls langweilt. Babette wälzt sich gerade in der Erdkuhle und ohne angestrengt nachdenken oder Action machen zu müssen entwickelt sich aus der Situation die Entdeckung des Bauchnabels. Angeregt und anregend beginnen die drei das Thema zu erforschen. Hat jedes Tier einen Nabel, auch die Ente? Wozu ist der Bauchnabel überhaupt da? Vergügt werden Theorien ( "Er ist ein Sender, der mich vor Hunden warnt" meint Alabaster) aufgestellt und lachend wieder verworfen. Mama Schweins Erklärung hören alle interessiert zu. Doch die Spielfreude wird dadurch nur kurz unterbrochen. Alle drei akzeptieren nicht, daß der Bauchnabel für sie jetzt keine Bedeutung mehr haben soll und kreieren ein neues lustvolles Bauchnabelspiel.
Jutta Langreuter: Hier, mein Bauchnabel
Ill.: Andrea Hebrock, 32 Seiten
ars edition 2000, ab 3 J

 

5
Lotte fährt mit ihrer Mutter nach New York. Das ist eine große Stadt in Amerika. Dort wohnt ihre Patentante Ella. Lotte packt alles ein, was sie braucht: ihr Prinzessinnenkleid, ihre Krone, Bundtstifte und natürlich Erich, ihr Schlafschaf. Denn ohne Erich kann Lotte nicht einschlafen.
Das Abenteuer kann beginnen: Der Flug, das Ankommen, wo sich die Zeitverschiebung bemerkbar macht. Die Stadt mit ihren gelben Taxis, ihren vielen Wolkenkratzern und beeindruckenden Brücken, die englische Sprache und die speziellen Hundeparks. Begegnungen mit Tante Ella, Paco dem Hotelboy, von dem sie einen Kaugummi geschenkt bekommt und die Freiheitsstatue. Ein Tag voll mit Entdeckungen und der Katastrophe am Abend: Erich ist nicht da! Wo ist er nur? Erich ist ganz allein in New York und kennt sich doch nicht aus in der großen Stadt. Spätnachts wird er in der Hotelwäscherei wiedergefunden. Mit dem Taxi wird er zu Lotte zurückgebracht. So spät war Erich noch nie wach. Glücklich aneinandergekuschelt schlafen Lotte und Erich endlich wie immer gemeinsam ein.
Doris Dörrie: Lotte in New York
Ill.: Julia Kaergel, 32 Seiten
Ravensburg 2000, ab 5 J

 

6
Selina und Jakob gehen in dieselbe Klasse.Es gab eine Frage, die ihn einfach nicht mehr losließ. Die Frage lautete ganz schlicht und einfach: Was ist los mit Selina? Seit drei Tagen hatte sie nicht mehr mit ihm geredet. Stand in den Pausen auf dem Gang und starrte Löcher in die Luft. Er fragt nach. Selinas Eltern lassen sich scheiden. Jakobs bemerkt auch eine Veränderung an seinen Eltern. Werden sich seine Eltern vielleicht auch scheiden lassen? Nein, seine Mutter ist schwanger. Bald wird er eine Schwester bekommen. Sie wird Naomi heißen. Woher kommt Naomi? Gibt es eine andere Wirklichkeit außer dieser realen? Selina und Jakob lösen ihre ganz anderen Schwiegigkeiten auf ihre Art und Weise erfolgreich. Was für Erwachsene ein Problem ist, muß für Kinder keines sein, wie in diesem Fall: Naomi ist ein Down-Syndrom-Kind. Selina schüttelte nachdenklich den Kopf: "Nie hätte ich gedacht, daß neue Babys so nützlich sein können." Jakob war erleichtert. Selina würde Naomi mögen. Geradeweil sie ein bißchen anders war.
Edith Schreiber-Wicke: Regenbogenkind
63 Seiten
Thienemann 2000, an 8 J

 

7
1914 bricht der Forscher Shackleton mit dem Schiff Endurance zur Durchquerung der Arktis auf. Unter die 27 Teilnehmer hat sich der 16-jährige Peter als blinder Passagier gemischt. Er will um jeden Preis seinen Traum verwirklichen und mit. Schließlich wird er als Küchenjunge behalten.
Aus seiner Sicht werden die 635 Tage und das Überleben im Eis erzählt. Die Wellen schlugen über Bord. Das Wasser stand bis zu unseren Knien. Als ich mich an der Ruderbank festhalten wollte, glitten meine Finger ab. Sie waren überzogen mit dickem Eis. Und zum ersten Mal wußte ich eines ganz sicher. Das war nicht die schönste Zeit in meinem Leben. Das war nicht die Erfüllung meines Traumes. Das war eine grausame. tödliche Quälerei.
Mit Fotos und Routenplan ist diese berühmte Expedition dokumentiert.
Christa-Maria Zimmermann: Gefangen im Packeis
die abenteuerliche Fahrt der Endurance, 320 Seiten
Arena 2000, ab 12 J

 

8
Tom wird von einem Hund verfolgt. "Der will mich fressen", denkt Tom. Nun verfolgt ihn auch noch ein Pferd. Tom hat solche Angst, daß das Pferd ihn niedertramplern wird.
Und da gibt es noch den Bullen, die Schlange, Vögel und Spinnen, und Fledermäuse und.... Die konkreten Ängste werden wohl ernst genommen und dennoch wird ihnen die Schwere genommen, da sie bildlich skuril zum Ausdruck kommen, was Distanz ermöglicht. Wie Tom sich in seiner größten Angst doch noch retten kann, ist fern jeder psychologisch tiefgehenden Aufarbeitung dem englischen Humor der Autorin zu danken, die mit ihren Büchern Prinzessin Pfiffigunde und Mami hat ein Ei gelegt bereits auf sich aufmerksam machte.
Babette Cole: Ich hab so Angst vor Tieren
32 Seiten
Gerstenberg 2000, ab 3 J

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