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Der labyrinthische Quantensprung

Das Labyrinth

Ariadnes roter Faden, auch als Weg verstanden, führt durch die Struktur des Labyrinths. Das Labyrinth symbolisiert die Welt, der Ariadnefaden den Lebensweg.
Dem Labyrinth im eigentlichen Sinn liegen folgende Kriterien zugrunde:
* Es gibt eine äußere Begrenzungslinie, die nur eine Öffnung besitzt.
* Die Figur kann (gedanklich oder körperlich) zwischen den Linien abgeschritten werden.
* Der Weg ist kreuzungsfrei, d.h. er bietet keine Wahlmöglichkeit und wechselt immer wieder pendelnd die Richtung. Der Weg führt wiederholt sehr nah am Zentrum vorbei und mündet schließlich ausweglos und sackgassenartig in ein Zentrum.
* Ein Weg, der als Umweg vom Eingang zum Zentrum führt, füllt den Innenraum aus. Beim Ur-Labyrinth ist der Weg ein langer pendelnder Umweg, der nach sieben Wendungen ins Zentrum führt.
* Nur durch eine Wendung, einen Bogen von 180°, kann der Weg fortgesetzt werden.
* Denselben Weg zurückgehend wird dieser diesmal in der anderen Richtung vorschauend erfahren.
* Der Mittelpunkt des Labyrinths ist nicht das geometrische Zentrum.
Das Zentrum ist ein leerer Raum.


Der Lebensweg beinhaltet die Entwicklung aller Bereiche: der körperlichen, emotionalen, geistigen und spirituellen. Das aufgewickelte Knäuel (Leben) wird auf- bzw. abgrollt (gelebt) in irdischer Zeit und irdischem Raum.
Die Wirkkraft der pendelnden Bewegungen (links und rechts sowie näher zum und wieder weiter weg vom Zentrum) und das Ankommen an einem Ruhepol könnte das Gehirn möglicherweise so aktivieren, dass das, was in uns vielleicht biologisch (Lit.: Dr. Benson) angelegt ist, ausgelöst oder verstärkt wird: das Gefühl des Einsseins mit allem bzw. mit der Urkraft (egal ob es einen Gott gibt oder nicht) zu erfahren. Im Zentrum des Labyrinths, so berichten viele Labyrinth-Erfahrene, wie im Zentrum des Lebens, ist die Erfahrung, sich mit allen und allem durch jede Zeit- und Raumgrenze hinweg verbunden und eins zu fühlen, möglich.

In der Struktur des Labyrinths sind die Gegenpole dem Dualitätsprinzip des irdischen Seins (Leben und Tod) entsprechend so angelegt, dass sie sich ergänzend zu einer Einheit verbinden. Die Labyrinthstruktur ist aus zwei Fäden zusammengesetzt. Beide haben einen Anfang und ein Ende. Der Eingang ist der Ausgang. Senkrechte und Waagrechte bilden ein Kreuz. Rechte Winkel bilden die Struktur. Kurze geradlinige und lange kreisbogenförmige Wegstrecken ergänzen einander.
Ob durch häufiges (z. B. täglich über mindestens acht Wochen, insgesamt mindestens hundert Mal) Begehen von Labyrinthen sich neurologisch tatsächlich eine Verstärkung der Brücke zwischen den beiden Gehirnhälften nachweisen lässt, muss noch untersucht werden.
Tatsache ist, dass viele Menschen aus eigenem Antrieb heraus, oft über Jahre, regelmäßig Labyrinthe begehen - weil sie es als balancierend, positiv und oft als notwendig erleben.
Meine Vermutung ist, dass damit eine (Bewegungs-und Entwicklungs-) Erfahrung nachgeholt wird, die offenbar in früheren Zeiten verabsäumt wurde. (Lit.: E. Hengstenberg, Entfaltungen). Die Gegenpole schließen einander nicht aus sondern ergänzen sich, d.h. die kognitive, rationale Ebene mit der intuitiven.
Bislang wurde als des Labyrinths Gegenpol der Irrgarten angesehen. Doch wie meine persönlichen Erfahrungen zeigen, sind diese beiden Strukturen aufs engste miteinander verwandt und ähnlich und keine wirklichen Gegenpole.

Das Labyrinth im Begehen löst immer wieder Momente der absoluten Desorientierung aus - obgleich rational in dieser eindeutigen Struktur kein Verirren möglich ist. In diesen Fällen ist das Labyrinth ein Spiegel, eine Möglichkeit, persönliche Themen ins Bewusstsein gelangen zu lassen. Dann kann daran/damit gearbeitet werden. Wenn die Person sich zum Beispiel kurz vor dem Zentrum wendet und in dem Glauben, bereits im Zentrum gewesen zu sein oder in der Meinung, der Weg führt nicht weiter, zurückgeht, so setzt hier die Wahrnehmung aus und eine persönlich relevante Situation wird re-inszeniert. Dieser Aspekt kann aufgenommen werden mit den Fragestellungen: Wo gab es im Leben ähnliche Situationen? Was verhindert das Ins-Ziel-Kommen? Was könnte es unterstützen?
Im Labyrinth kann, da keine Konzentration auf den Weg selbst gelenkt werden muss, ohne Ablenkung Schritt für Schritt vorangegangen werden: Der Weg führt sicher ins Zentrum. Dabei, so viele Erfahrungsberichte, wird eine Lösung für eine Fragestellung, mit der sich die Person auf den Labyrinthweg gemacht hat, gefunden. Auch für eine Problemstellung, die erst im Labyrinth ins Bewusstsein kam, stellt sich oft eine Antwort ein. So kommt auf dem sich wendenden und pendelnden Weg oft Erkennen und Einsicht ins Bewußtsein. Die Person und das Labyrinth sind dann miteinander in einer stimmigen Resonanz.
Da die Labyrinthe fast ausnahmslos ohne Mauern strukturiert sind, kann von jeder Person die Struktur aufgebrochen werden, indem über die Begrenzungslinien gestiegen wird. Ungeduld, Unlust oder Angst sind meist die Motivation, dies zu tun oder die Erfahrungssuche, Grenzen zu überschreiten, sich nicht länger an vorgegebene Richtlinien halten zu wollen.

Der Irrgarten
Der Irrgarten ist nun eine Struktur mit einem Eingang oder mehreren Ein- und Ausgängen. Er kann ein Zentrum haben oder auch keines. Bei den vielen Weggabelungen und Sackgassen müssen Entscheidungen getroffen werden: Gehe ich links oder rechts weiter oder wieder zurück? Damit ist die Eigenmächtigkeit des Wegverlaufes gegeben.
Die Angst, nicht mehr hinauszufinden, damit dem Tod preisgegeben zu sein, ist mit dieser Struktur aufs engste verbunden.
Aber es gibt zwei Möglichkeiten, dem etwas entgegenzusetzen:
a) den Verstand: gehe ich immer nur links (oder rechts - wichtig ist, dass eine Richtung beibehalten wird) so gelange ich immer zum Ausgang!
b) die innere Führung: vertraue ich mich meiner Intuition an, verlasse ich mich auf diese, finde ich mit schlafwandlerischer Leichtigkeit hinaus bzw. ins Zentrum, wenn es ein solches gibt.

Der Irrgarten ist somit der beste Prüfstein der Intuition, des Vertrauens in die innere Stimme, des Urvertrauens, in dem das Selbstvertrauen wurzelt. Ein Hindernis ist oft unsere Schwerhörigkeit im Lärm der Welt, die Abgelenktheit im Schallraum des Ich-will.

Die Intuition

Im Duden findet sich folgende Definition:
Intuition: Eingebung, ahnendes Erfassen (entlehnt aus dem lat.: unmittelbare Anschauung)
Das bedeutet umgesetzt auf das Labyrinth: Nicht länger: ich will das Labyrinth auf diese oder auf andere Weise begehen, betanzen, nicht länger ich mache sondern ich lasse mich gehen, folge absichtslos dem Weg, folge der Intuition und staune über mich und den Weg, der so eine völlig neue Qualität erhält.
In der Encyclopaedia Britannica ist zu lesen:
Intuition: in der Philosophie, das Vermögen, Wissen zu erlangen, das weder aus Schlussfolgerungen oder Beobachtungen, noch durch Vernunft oder Erfahrung gewonnen werden kann. Die Intuition wird demnach als eine eigenständige, unabhängige Wissensquelle angesehen, da sie genau diese Art des Wissens vermittelt, die durch andere Quellen nicht zu erhalten ist. Das Wissen um die notwendigen Wahrheiten und moralische Prinzipien wird manchmal auf diese Weise erklärt.
Sie ist der Sinn, wie es Benedict Spinoza und Henri Bergson diesem Wort zuschreiben, wo es sich auf vermeintlich konkretes Wissen um die Welt als ein unter sich verbundenes Ganzes bezieht, im Gegensatz zum zerstückelten, "abstrakten" Wissen, das durch Wissenschaft und Beobachtung vermittelt wird.

Ariadnes Faden
Kann somit die Intuition als der verbindende Faden zum Schöpfergeist - Gott - Göttin - Großen Geist (oder wie auch immer die Namen lauten mögen), gesehen werden? Kann die Intuition auch so verstanden werden, dass sie die Verbindung zum Höheren Selbst ist ? Den Weg gehen, auf dem Weg-Sein ist, der Weg sein .... Somit hat der Faden der Ariadne (ursprünglich eine vorgriechische minoische Mondgöttin) zwei unterschiedliche Qualitäten.

Ariadnes Faden ist zu Beginn zu einem Knäuel aufgerollt. Die Struktur ist Rahmen, Lebensbedingung und Lebensverlauf, auf dem sich der Faden entrollt. Der Weg, das Leben, der Faden sind klar definiert mit Geburt - Leben - Tod; das ist ein Naturgesetz.
Offen und frei wählbar bleibt im Labyrinth der lebendige Prozess, wie der Weg gegangen wird.
Sicher ist und Sicherheit gibt allein der Faden. Der Faden, der den Lebensweg symbolisiert und die Verbindung (ist) zum Zentrum, zum Bewusstsein, zur Liebe, zum Licht.
Was wir als Geist oder Wesenheit bezeichnen, steht hinter der Materie, durchdringt sie. Beides, Geist und Materie, ist untrennbar - nur das Ganze verkörpert den Weltgeist, wie wir ihn verstehen. Das für unser Sein wesentliche Wissen ist uns mehr intuitiv als kognitiv zugänglich. Exaktheit gelingt nur über die Isolierung, damit geht Beziehung verloren. Es kommt auf die Relevanz an. Die Technik ist wie ein Uhrwerk, die Natur ist offen und damit auch die Zukunft.
Hans Peter Dürr - Träger des Alternativen Nobelpreises

Labyrinth und Irrgarten sind keine wirklichen Gegenpole
Das Nichtwissen, was sich nach der nächsten Ecke/Wendung befindet, ist der verbindende Charakter von Labyrinth und Irrgarten. Dieses Nichtwissen kann mit Angst einhergehen.
Wie ich versuchte zu zeigen, sind die äußerlich unterschiedlichen Strukturen Irrgarten und Labyrinth im Erleben durch die Intuition und die Irritation verbunden. Beide Qualitäten sind in beiden Strukturen eindeutig zu finden.
Der Gegenpol
Wenn das Labyrinth charakterisiert ist durch einen langen pendelnden kreisförmigen Weg, dann erscheint mir die kürzeste direkte lineare Strecke vom Eingang zum Zentrum die gegenteilige Entsprechung zu sein.
Findest sich diese Möglichkeit auch innerhalb der Labyrinthstruktur selbst? Ja.
Stehe ich am Eingang, so mache ich zwei, drei Schritte geradeaus in/durch den Eingang des Labyrinths und wende mich nicht sondern halte inne und: steige über die energetische Begrenzung (oft durch eine Linie oder eine Steinlegung materialisiert). Dann ein weiterer Schritt oder vielleicht noch ein zweiter und dritter und ich befinde mich im Zentrum.

Dies zu tun, empfinden jene Menschen, die sich mit dem Labyrinth (oft schon seit Jahren) beschäftigen, als ein Sakrileg, was nicht schwer nachzuvollziehen ist. Denn damit setze ich mich über eine (natürliche) Grenze, eine Barriere hinweg. Damit wird das Labyrinth selbst ad absurdum geführt, weil es im traditionellen Verständnis so bedeutungslos wird. Darin sehe ich den Beweis, dass es sich dabei um den Gegenpol des Labyrinths handelt.

Woher kommen die Widerstände? Ich sehe sie darin, dass, wie eingangs erwähnt, das Labyrinth ein Lebens- und Lebenswegsymbol ist, das wohl als archetypisch angesehen werden kann. Vertrautes ist plötzlich bedroht.
Ängste verweisen auf das Thema, auf anstehende Aufgaben. Angst ist entwicklungshemmend - eine Angstschonhaltung bringt mehr Ängste hervor. Angst zur Disziplinierung verwenden heißt, die Lebendigkeit einschränken. (Verena Kast)

Nun, die Gefahr, das Labyrinth als Identifizierungsmöglichkeit, als Weltbild, als Boden der Existenz zu verlieren, das ja für Vertrauen und Verbundenheit steht, löst enorme Bedrohung und daher massive Angst aus - was bleibt denn übrig, wenn das Labyrinth nicht mehr gilt?
Geht es wirklich verloren? Nein, die Struktur bleibt, was sich verändert ist Ariadnes Faden, der Weg.

Realität und Symbol

Um über die Grenze (in dem Fall über das Kreuz, d.h. metaphorisch gesprochen auch über das Leid) zu steigen, dieses hinter/unter sich zu lassen, um sich über die vorgegebene Struktur hinwegsetzen zu können, bedarf es einer Bewusstseins-Entwicklung. Traditionelle Ethik- und Moralvorstellungen (das tut man/frau nicht!) müssen dafür aufgelöst sein.

Sich der Bedeutung der eigenen Gedankenkraft, des Mit-SchöpferInnen-Seins der eigenen Wirklichkeit bewusst sein, geht parallel mit dem Überschreiten der realen Wegbegrenzung.
Wissen um Ursache und Wirkung, ahnen, was unter Maya auch verstanden werden kann (ohne Anspruch auf die Wahrheit), die kosmischen Gesetze er/kennen - mit anderen Worten, das rein materielle Weltbild transformieren in ein energetisches, das sich der Verbundenheit mit allem bewußt ist und der Möglichkeit der Aufhebung der Dualität (für Augenblicke oder länger) sind die Begleiterfahrungen.
Wir können nur das dem menschlichen Geist/Körperwissen Erfaßbare erforschen, denn nur diesem Fassbare ist fassbar und das Unfassbare ist und bleibt für uns Menschen unfassbar. Das Eingestehen des Scheitern-Müssens, das Unfassbare fassen zu wollen, muß von vielen (WissenschafterInnen wie EsoterikerInnen) erst verkraftet werden. Das Wunder des Lebens, das Wunder der Schöpfung (wir leben und erleben es, nähern uns an mit unserem Bewußtsein im Laufe der Menschheitsentwicklung) erkennen: Die Offenheit der Symbolik macht das Symbol erst wirksam.

Der labyrinthische Quantensprung
Mit dem Durchschreiten des Labyrinths wird ein äußerer und ein innerer Weg (Gedanken, Gefühle) zurückgelegt und im wahrsten Sinn des Wortes durchwandelt, gewandelt. In der bisherigen Tradition wurde der Labyrinthweg, dieser lange Um-Weg, bewusst so gegangen.
Manche Menschen hielten die Länge bzw. die Enge oder das Gegengeltsein nicht aus und stiegen aus Überforderung oder Widerstand über Begrenzungslinien hinweg, um schneller ins Zentrum und wieder aus dem Labyrinth zu gelangen.
Was aber geschieht und bedeutet es, wenn ich bewusst eine beschleunigte Variante gehe?
Hat die Labyrinth-Struktur die Funktion als Orientierung zu dienen, als Energieschranke den Weg zu kennzeichnen, verändert sich diese nun: ich mache zwei Schritte ins Labyrinth und steige nun über das Kreuz der Labyrinthstruktur direkt und beinahe unmittelbar (zwei 45° Knicke inkludiert) ins Zentrum. Diese Erfahrung fühlt sich so an: So scheinbar schnell und kurz der Weg ist und die Zeitspanne dauert, um ins Zentrum zu gelangen, so verlangsamt und verzögert spürt es sich an. Wie komprimiert durchschreite ich in einem Schritt den siebenwendigen langen Weg.
Der energetische Widerstand ist spürbar - die Kraftanstrengung, die es kostet, ebenso. Der Raum verkürzt sich, ebenso die Zeit.
Konzentriert wirkt die Energie wie eine Hürde, die es zu überspringen gilt, eine Herausforderung, die ebenbürtig ist mit dem langen Weg, aber eben anders. Subjektiv ist die Zeit, ist der Raum dieses Schrittes ebenso lang ebenso weit wie der (nicht) abgeschrittene Weg. Steckt nicht die gesamte Information des Labyrinths auch in diesem Schritt?
Die Erfahrung des Weges wurde nicht gemacht und doch ist diese Information konzentriert und kompakt in Körper und Geist. Die Kraft liegt jetzt woanders.

Mit dieser neuen Erfahrung, die auf "neuem" Bewußtsein beruht und neues Bewusstsein hervorruft, ist eine neue Dimension erreicht. Der kurze Weg ist eine Energiebrücke von hier nach dort. Was geschieht nun im Zentrum konkret weiter? Im Zentrum des Labyrinths, wirkt die Kraft der Mitte: Raum und Zeit lösen sich wie bei einer traditioneller Labyrinth-Begehung auf. Das Ich löst sich auf und mit dieser Auflösung findet die Verbindung statt mit jener Kraft, die das Leben schuf/schafft.

Ist der Quantensprung vollzogen, so befindet sich jede/r in einem Zustand des frei und doch nicht frei und doch frei Seins. Die Freiheit, den Labyrinthweg zu wählen, die Freiheit, den labyrinthischen Quantensprung zu vollziehen - wertfrei bleibt diese Entscheidung der/dem Einzelnen überlassen, in Übereinstimmung mit der Intuition entsprechend zu handeln. Vielleicht sind auch erst zig-fache Labyrinth-Erfahrungen Voraussetzung dafür?

Gibt es Parallelen zwischen dem Labyrinth und der Quantenphysik? Und was sind die Konsequenzen?
Das Aufbrechen der Labyrinth-Struktur ist kein Abbrechen oder Unterbrechen im destruktiven Sinne, es ist ein Aufbrechen im Sinne von Sich-Entwickeln und Erblühen.
Die Urkraft schuf die Welt, indem sie schöpfte - bildlich gesprochen packte sie die Gelegenheit beim Schopf und nahm einen Schöpflöffel und schöpfte aus dem Vollen. Die Schöpfung ist nach unserem Sprachverständnis eine Handlung des Schöpfens oder Schaffens. Sie holte heraus und schaffte das Geschöpfte (ein Schaff war in früheren Zeiten die Bezeichnung für das Hohlmaß und ein Gefäß) in ein neues Gefäß, das für das Leben die besten Rahmenbedingungen hatte. Sie schöpfte solange, bis die Schöpfung erschaffen war und schöpft vielleicht/bestimmt noch immer? Sie schöpft bis alles voll ist oder auch bis es überläuft?
Aus sich schöpfen - die Urkraft schöpft in allen Mythen der Welt aus sich selbst. Ist die Schöpfungsenergie der menschlichen kreativen Energie gleich - ist sie spiegelbildlich? Menschliche Kreativität entspringt aus der Intuition, der Quelle, die Gott/Göttin ist, der Quelle, die Menschen in sich haben. Die Quelle, die eins ist und eins sein läßt - die Liebe.

Die gegensätzlichen und sich ergänzenden Prinzipien/Energien (Freude - Trauer, Liebe - Haß, Friede - Krieg,..) durchdringen das Leben. Dualität zeigt sich beim Menschen durch Frau und Mann, wobei beide für sich alle Formen der Energien in sich haben und einander gegensätzlich, ergänzend und gleichwertig sind. Und so birgt das Labyrinth auch das Männliche wie das Weibliche in sich (sowie die Zeugung, die Geburt, das Leben und den Tod). Als diese Pole können z.B. die beiden Fäden, die gegenläufig die Labyrinth-Struktur bilden als auch der links/rechts-pendelnde Weg sowie der direkte und indirekte Weg gesehen werden. Im Zentrum, der Leere, begegnen die Gegenpole einander, fließen ineinander über, das Weibliche mit dem Männliche (bzw. vice versa) wird eins und bildet damit ein (neues) Drittes.

Für mich besteht der Quantensprung (auch in den Tendenzen unserer gesellschaftspolitischen Gesetze) auch darin, das eine und das andere zu sein, beides - und so das alte Identifizierungsmuster (Matriarchat/Patriarchat) und Weltbilder hinter sich zu lassen. Darin sehe ich eine neue Lebensqualität.

Der Atem der Welt, der Atem der Schöpfung, ist der Rhythmus des Lebens, innerer und äußerer Bewegung, ist Schwingung, ist Klang. Das Ein und Aus - das Einatmen, das Sich-Wenden der Luft (Pause/Ruhe), das Ausatmen. Der Atem wandelt durch und wandelt uns und verwandelt - wir lassen uns wandeln, wandeln den Atemstrom, die Luft, in Leben. OM.

Wir können uns, ob am Eingang oder im Zentrum des Labyrinths befindend, eigenverantwortlich entscheiden, in die Welt der drei bzw. vier Dimensionen zu leben und dort verweilend den vorgegebenen Weg des Labyrinths zu gehen
In our beginning
is our end
in our end
is our beginning.
T.S.Eliot
oder sich in eine neue fünfte oder sechste Dimension wandeln, wandeln lassen und dort mit jener inneren Haltung jene Schritte zu tun, die zu setzen sind.
Goethes Erfahrung: Ich schreibe dir einen langen Brief, denn zu einem kurzen hab ich keine Zeit. kann übertragen werden in: ich nehme mir die Zeit und gehe den kurzen Weg im Labyrinth.
Abbildung

Ilse M. Seifried

 

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