Zurück zur Ilse.M.Seifried-Startseite
Zurück zur Homepage-Startseite

 

Die Hengstenberg-Methode

Das Wort Methode kommt vom griech. methodos und bedeutet der Weg zu etwas hin

Ich selbst verstehe diese Methode also als einen Prozeß, als Erwachsene das Kind/die Kinder mit einer immer achtsameren, liebevolleren und respektierenden, nondirektiver und reflektierten inneren Haltung zu begleiten. Die von Elfriede Hengstenberg verwendeten Geräte haben sich durch die Jahrzehnte als optimal geeignet herausgestellt.
Ziel ist, dass die Kinder durch das selbständige Überwinden von Widerständen und Schwierigkeiten (besonders beim Klettern und Balancieren) jene innere Aufrichtung und Spannkraft, die ihnen bei einer "helfenden" Erziehung so rasch verloren geht, (wieder-) gewinnen und ihren eigenen Rhythmus leben.

Die selbständige und eigenbestimmt Bewegungsentwicklung des Kindes ist die Grundlage der Persönlichkeitsentfaltung. Oft werden/wurden Kinder (auch unbewusst) eingeschränkt. In einer entsprechend vorbereitenden Umgebung kann es zur Nach-Entfaltung auch bei Erwachsenen kommen, wenn die notwendige Geborgenheit durch die begleitende Bezugsperson gegeben ist. Dann führt auch die Suche nach dem körperlichen Gleichgewicht zu einem Finden desselben, was wiederum zur innere Balance führt. Wie entwickeln Kinder Umsicht, Selbstvertrauen und Balance? Selbständig gelöste Gleichgewichtsherausforderungen bringen Selbstvertrauen und Selbstsicherheit mit sich.

Walter Plagge faßt zusammen:
Der Raum: sollte begrenzt sein
Die Erfahurng des Raumes: Es sollen nur Materialien für die Kinder sichtbar sein und greifbar, die unmittelbar eingesetzt werden.
Das Material (Herstellung in Österreich: Martin Plackner, A-4880 St. Georgen i.A., Tel: 0043 7667 8662): Wenn das Arbeitskozept vertraut und verinnerlicht ist, kann das Material nach eigener Phantasie erweitert werden. Es können diese als Parcours aufgebaut sein oder auch nur Einzelmaterialien zur Anwendung kommen.
Die Vorbereitung des Raumes: adäquat der kommmenden Kinder
TeilnehmerInnenzahl: richtet sich nach Persönlichkeitsmerkmalen der Kinder und der Ver-träglichkeit der Kinder untereinander. Es kann sowohl Einzel- oder Kleingruppenarbeit gemacht werden.
Regeln: alles geschieht freiwillig, stilles Zuschauen, wo nicht mitgemacht werden will, nur barfuß, nur ei Kind an einem Gerät mit soviel Zeit, wie es dafür haben will,
die Reihenfolge der Kinder soll beibehalten werden, nichts muß bewältigt werden - alles geschieht druckfrei - Überwinden von Schwierigkeiten kann immer wieder erprobt werden - es ist kein Wettakampf - Helfen ev. durch Handhalten etc. entspricht nicht dem Sinn dieser Arbeit und ist unbedingt zu vermeiden - nichts wird bewertet - zu nichts wird angefeuert etc, jede/r soll in ihrem/seinen Rhythmus und Tempo sein.
Formulierung der Angebote: kurz, knapp, nie wird etwas vorgemacht, die Formulierungen sollen die Kinder zum Experimentieren einladen (auch Falschmachen), um über das Ausprobieren zum zweckmäßigen handeln zu kommen.
Begleitung der Kinder: kann von einem Platz aus oder durch Herumgehen geschehen, ein Kind kann mit Abstand schweigend begleitet werden, lobende oder kritisierende Bemerkungen entsprechen nicht dieser Arbeit, ein Kind soll nur in respektvoller Nähe dann angesprochen werden, wenn es sich überfordert oder zu schnell aufgibt.
Wiederholungen: meint nicht Üben, bis man/frau etwas kann sondern "wieder-holen"
Ruhe- und Beobachtungsplatz: eine oder mehrere im Raum ausgebreitete Decken dienen den Kindern dem Ausruhen und Beobachten (auch für jene, die im Moment nicht mitmachen wollen)
Weiter Anreize zur Erprobung des Gleichgewichtssinns: dazu können Sandsäcken auf den Schultern, am Kopf angeboten werden (was noch mehr Konzentration erfordert), die Augen geschlossen werden (wobei diese wann auch immer das Kind will, wieder aufgemacht werden sollen) u.a.m.
Zeitdauer und Abschluß der Arbeit: 45 Minuten sollten nicht überschritten werden und sich bzgl kürzerer Zeit nach dem Spannungsbogen der Kinder richten. Eine Anfangs- und Endrunde bieten den Kindern die Möglichkeit sich in möglichst beschreibender Form auszudrücken. Beim Wegräumen sollte geklärt weren, wer was wegräumt.
Gespräche mit Eltern: dienen, um die Arbeit zu erklären und ev. aufkommende Emotionen zu reflektieren

in: Kreative Koordination natürlicher Bewegunsabläufe, in: Niedersächsischer Tennisverband e.V., 2001
gekürzt von mir

Ab 3. Juli 2012 im okto.tv im Rahmen der Sendung "Wie geht das?"
gibt es den Beitrag "Bewegungsparcours"


Elfriede Hengstenberg 1892-1992

lebte und wirkte in Berlin, wo sie ihren bewegungspädagogischen Arbeitsansatz aus der Gymnastik kommend, zu entwickeln begann. Inhaltlich wurde sie durch das Studium bei Elsa Gindlers (1885-1961) und die Arbeiten von Heinrich Jacobys (1989-1964, Lit.: Jenseits von "Begabt" und "Unbegabt", Christians Verlag 1987) geprägt. Sie arbeitet mit Kindern ab 3 Jahren.

Elfriede Hengstenberg begegnete 1935 der Kinderärztin Emmi Pikler (1902-1984), die mit Kindern bis 3 Jahren arbeitete und dieselbe pädagogische Grundhaltung hatte wie sie. Ab 1946 übernahm Pikler die Organisation und Leitung eines Säuglingsheims in Budapest (Lit.: Laßt mir Zeit, Pflaum Verlag 1990).

Ute Strub dokumentiert die Arbeit von Elfriede Hengstenberg als Herausgeberin in dem Buch Entfaltungen, arbor Verlag, ISBN 3-924195-07-2, das nach wie vor das Basisbuch zu diesem Thema ist und weiter Informationen zu in diesem Bereich tätigen Personen gibt.



Anfragen bezüglich Workshops und Vorträgen an Ilse M. Seifried


Bewegungsarbeit mit WALTER PLAGGE

21.5.2016 im ifps (Wien)

3-tägiger Workshop am Pädagogischen Institut Wien
23. bis 25. Mai 2005 Einführung / 27.-29.Mai 2005: Intensivseminar
Leitung: Walter Plagge und Ilse M. Seifried

3-tägiger Workshop am Pädagogischen Institut Wien
22. bis 24. November 2004
Leitung: Walter Plagge und Ilse M. Seifried

 

3-tägiger Workshop am Pädagogischen Institut Wien
7.- 9. Juni 2004
Leitung: Walter Plagge und Ilse M. Seifried

3-tägiger Workshop am Pädagogischen Institut Wien
für LehrerInnen und Interessierte
Ilse M. Seifried und Walter Plagge
9. - 11. Dezember 2003

Weiterbildungsseminar für KindergartenpädagogInnen
Entfaltungen

10. Februar 2003
Kursort: "Sunnahof Tufers"/Göfis

Inhalt des Seminars:
Theoretische und praktische Einführung in die Körperarbeit nach Elfriede Hengstenberg, Elsa Gindler und Heinrich Jacoby
Schwerpunkt:
Wie entwickeln Kinder Umsicht, Selbstvertrauen und Balance?
Die selbständige Bewegungsentwicklung des Kindes ist die Grundlage der Persönlichkeitsentfaltung. Oft werden/wurden Kinder (auch unbewusst) eingeschränkt. In einer entsprechend vorbereitenden Umgebung kann es zur Nach-Entfaltung kommen, wenn die notwendige Geborgenheit durch die erwachsene Bezugsperson gegeben ist. Dann führt auch die Suche nach dem körperlichen Gleichgewicht zu einem Finden desselben, was wiederum zur innere Balance führt. Selbständig gelöste Gleichgewichtsherausforderungen bringen Selbstvertrauen und Selbstsicherheit mit sich.
Struktur:
- Zum historischen Hintergrund der Hengstenberg-Arbeit und deren pädagogisches Selbstverständnis
- Erfahrungsaustausch, Diskussion
- Video
- die Geräte
- Selbsterfahrung
- Beobachten
- Reflexion
- Praktische Umsetzbarkeit, Integration in den Alltag

 

Arbeit mit Kindern in Kindergärten mit Walter Plagge auf Anfrage möglich

 

 

Wer sich selbst wandelt, wandelt die Welt


Elsa Gindler 1885-1961 & Heinrich Jacoby 1889-1964
Foto und Folgendes ist der website http://www.jacobygindler.ch entnommen


Elsa Gindler
war Gymnastik- und Bewegungslehrerin in Berlin und entwickelte eine Körperarbeit von der harmonischen hin zur funktionsgemäßen Bewegung. Organismische Abläufe standen bei Gindler im Vordergrund. Ihre Praxis kann als phänomenologische meditative Körperarbeit bezeichnet werden. Experimentiert wird vorwiegend mit den primären alltäglichen Bewegungsabläufen wie Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen, wobei die bewusste Erfahrung von Last, Zug und Schwerkraft eine zentrale Rolle spielt. Ziel ist es, Vertrauen in die natürlich angelegten Funktionsweisen des Organismus zu entwickeln.


Heinrich Jacoby
war Musiker und Pädagoge. Er widmete sich vorrangig der Nachentfaltung der Erwachsenen, der Erziehung der ErzieherInnen. Dies beinhaltet einen
* Selbsterfahrungsprozess (zweckmäßiges Experimentieren)
* Pädagogisch-therapeutischen Prozess (sich nicht verstörend sondern günstig auf die Entwicklung und Entfaltung anderer auszuwirken)
* sozialen Prozess
Ziel dieses Prozesses ist, sich mehr und mehr vom "Empfinden für das Stimmende" leiten lassen zu können. Dieser Begriff ist verwandt mit jenem der Selbstregulation in der Gestalttherapie.

Begabung ist für Gindler und Jacoby nicht eine Frage der Vererbung, sondern der Entwicklungs- und Entfaltungsbedingungen. Es gibt keine ‚Unbegabten'. ‚Begabtes' Verhalten und qualifizierte Leistung können (nach-) entfaltet bzw. erarbeitet werden durch zweckmäßiges Experimentieren.
Die grundlegende Zielsetzung des Jacoby/Gindler'schen Ansatzes ist die Entfaltung des Menschen. (Entfaltung als Entwicklung und Wachstum zu sinngebendem Sein.)
Zweckmäßiges Verhalten beinhaltet nach Jacoby ein Sich-einstellen-Lassen von der Aufgabe und ist somit kein reiner zielgerichteter Willensakt.
Auch die nicht-körperlichen Anteile manifestieren sich im Körperausdruck bzw. Körperverhalten. Angst, Trauer, versteckte Wut, unerfülltes Geltungsbedürfnis usw. können sich im Körperausdruck niederschlagen, sei es in Form von bestimmten Haltungen oder Verspannungen. Die freie Entfaltung, das schöpferische Tun, aber auch das situationsädaquate Verhalten im Alltag wird dadurch gestört oder verhindert. Der Schlüssel heißt:
tastend probieren
erwägen
verwerfen und
neu erwägen.
Der Mensch ist für ihn ein soziales Wesen, das sich dann verantwortlich bzw. auch für die Gemeinschaft zweckmäßig verhält, wenn es sich frei entfalten kann.

Charlotte Selver
(1901 geb.)- die in den USA die Arbeit von Jacoby und Gindler unter dem Namen Sensory Awareness praktiziert und weiterentwickelt hat - spricht von angewandtem Zen.

foto und text: www.sensoryawareness.org/newsletter/ spring01/selver.jpg
Seien Sie keine 'guten' SchülerIn, sagt Charlotte Selver oft. In diesem Prozess des Wandels, der Reifung, ist das noch nicht Stimmende so-lange das Stimmende, als das Neue und Stimmendere noch nicht erfahren wurde. Hier klingt eine Verwandtschaft zu Beissers "Paradoxen Theorie der Verän-derung" an, die besagt, dass eine Veränderung erst eintreten kann, wenn ich das Gegenwärtige akzeptiere und nicht schon so sein will, wie ich es mir wünsche. Dies bedeutet, um ein Beispiel zu nennen: wer gebückt im Stuhl sitzt, soll dies ru-hig weiterhin tun und sich nicht - mit entsprechend schlechtem Gewissen - aufrichten, nur weil dies "besser" ist. Es gilt vielmehr, die gebückte Haltung vorerst wahrzunehmen und zu akzeptieren als zu sich zugehörig. Im Laufe der experimentellen Arbeit werden die betroffenen Personen herausfinden, welche Haltung für sie zweckmässig ist. Diese wird sich bei genügendem Bewusst-Sein bzw. Be-wusst-Werden (Propriozeption) von selbst vermehrt in den Vordergrund drängen. (Zitat: Hannes Zahner)

 

Walter Plagge
entwickelte die Hengstenbergmethode weiter und bietet sowohl Fort-als auch Ausbildungen an. Er ist aktiv in Norddeutschland, auch für das Kultursministerium.
Eine kleine Broschüre über seine Arbeit publizierte die Gosselk-Stiftung


Die Konzentrative Bewegungstherapie
zeigt Parallellen mit der Arbeit von Gindler und Hengstenberg auf
Infos:
http://www.kbt.at/ und http://www.dakbt.de/

Pikler-Hengstenberg-Gesellschaft Österreich

MINI-MOKIWE Kleinkind-Kinderhaus 2345 Brunn am Gebirge

Siegrun Ferstl leitet Kindergruppen in Wien

Zurück zur Ilse.M.Seifried-Startseite

Zurück zur Homepage-Startseite