Zurück zur Ilse.M.Seifried-Startseite
Zurück zur Homepage-Startseite

 

Texte von SeminarteilnehmerInnen

 

Ursula Trojan

In ein Labyrinth zu schreiben:

Hier beginnt das Labyrinth,
verworren und verschlungen -
auf jeden Fall gelungen!
Zieht sich dahin in vielen Runden,
ist hoffnungslos in sich gewunden.
Geh langsam durch wie eine Schnecke,
du kommst niemals an eine Ecke!
Es dauert unaufhörlich lange -
du fühlst dich bang wie eine Schlange,
wie soll man da das Ziel erreichen -
wenn sich die Wege alle gleichen?
So viele tausend Schritte...
wo ist denn nur die Mitte?
Hab nur Geduld, ich seh sie schon:
Du hast`s geschafft! Gratulation!!!

 

 

Veronika Pferzinger

Da war ich,
und es wurde mir zu eng.
So ging ich auf die Reise.
Wohin?
Dahin und dorthin –
sehen was passt.
Bald zog ich größere Kreise,
nicht immer mit Ziel.
Andere taten dasselbe.

Die Hirten kommen aus verschiedenen Richtungen
und treffen sich beim Stall.
Wenn sie zu ihren Herden zurückgehen,
wird es nicht mehr dasselbe sein.


Werner Öllinger

Der Weg ist lange und verschlungen.
Scheinbar bewegst Du Dich im Kreis
und nur langsam näherst Du dich der Mitte.
Aber Du brauchst
nur Schritt vor Schritt setzen
und weitermachen.
Es gibt keine Abkürzungen und
keine Wegkreuzungen.
Mach einfach weiter
und geh den Weg.
Und vielleicht wirst Du am Ende feststellen,
dass Start und Ziel gar nicht so weit auseinanderliegen.


Christina Priplata-Harand

Roderich, der Milliobär

Roderich ist zwar ein Bär,
doch genügt ihm das nicht mehr.
Will nicht so sein wie die andern,
die da durch die Wälder wandern.
Will berühmt sein und steinreich
und das jetzt, sofort und gleich.
Hat er jemals Gold und Geld,
kauft er sich die ganze Welt;
Sterne, Mond und Sonnenschein -
alles, alles wird dann sein.

Roderich
verabscheut sich.
Und er jammert unglücklich:
"Wär ich doch nicht irgendwer!
Wär ich doch bloß Milliobär!
Alle lägen mir zu Füßen,
müssten meine Pfoten küssen.
Jedes Tier bewundert mich
und ruft "Hoch, Herr Roderich!",
als ob ich ein König wär!
Ich wär so gern Milliobär!"

"Milliobär?
Ist nicht schwer!",
kreischt die Elster. "Hör mal her!
Geh ins goldne Labyrinth,
wo die dunklen Wege sind.
Alles, was du suchst, ist dort
an dem rätselhaften Ort.
Du musst stark und mutig sein,
denn dort bist du ganz allein.
Da drin stillst du dein Begehr,
da drin wirst du Milliobär."

Roderich klatscht in die Pranken,
will sich für den Tipp bedanken.
Stark und mutig ist er, klar!
Doch ist, was sie sagt, auch wahr?
"Und weshalb verrätst du mir
das? Was möchtest du dafür?" -
"Ich verlange keinen Sold.
Nur ein einziges Stück Gold
gib mir von der Million." -
"Gut. Doch mehr gibt´s nicht davon!"

"Höre!", krächzt die Elster wieder,
schüttelt ihr Schwarz-Weiß-Gefieder.
"In der Mitte liegt der Platz
mit dem allergrößten Schatz.
Noch mehr wert als Gold, so sagt man.
Wer bis dorthin nicht verzagt, kann
seinen schlimmsten Gegner sehen
und mit ihm im Kampf bestehen.
Sieh ihn an, bevor du kämpfst.
Er ist stärker, als du denkst."

Roderich
entrüstet sich.
Und dann brummt er: "Lächerlich!
"Pah, der soll ruhig auf mich warten
dort in seinem goldnen Garten!"
Bleckt die Zähne, schärft die Krallen;
so ein Kampf tät´ ihm gefallen!
Brumm! Den Schatz, den wird er holen!
Doch die Elster lacht verstohlen,
denn sein Weg, der ist beschwerlich,
äußerst weit und sehr gefährlich.

Roderich erreicht das Tor.
Eine Krähe hockt davor,
eine alte Vogeldame,
und Ciara ist ihr Name.
Ungeduldig brummelt er:
"Schnell, wo werd´ ich Milliobär?" -
"Dich führt, willst du gar so viel,
nur der Umweg an dein Ziel",
krächzt Ciara. "Lern daraus:
Gehe nie geradeaus!

Viele suchten schon ihr Glück,
doch nicht jeder kam zurück.
Mancher blieb verzweifelt drin,
weil der Weg ihm endlos schien.
Denn wo Licht an Dunkel grenzt,
ist nicht alles Gold, was glänzt."
"Pah!", schnaubt Roderich. "Halt ein!
Diesen Weg find ich allein!"
"Du allein", spricht sie, "nur gehst,
wenn du dieses Rätsel löst:

Wer dort auf dich wartet, ist dir längst bekannt.
Verbohrt und verbittert läuft er durch das Land,
mit offenen Augen und trotzdem wie blind,
versteckt sich aus Furcht vor dir im Labyrinth.
Er kann dich nicht hören, ist stumm, wenn er lacht,
bedrohlich bei Tage, verschwunden bei Nacht.
Wenn du ihm begegnest, schau ihm ins Gesicht:
Er blickt auf sich selber und sieht sich doch nicht."

Roderich
wundert sich.
Warum denn so umständlich?
Ihren Spruch kann er nicht lösen,
denn es gibt kein solches Wesen.
"Diesen feigen, blinden Wicht,
nein", ruft er, "denn kenn ich nicht!"
Doch Ciara blinzelt weise,
holt den Partner für die Reise:
Lässt ihn nicht alleine weiter,
bringt ein Schaf als Wegbegleiter.

"Das ist Finn", erklärt die Krähe,
"der bleibt stets in deiner Nähe."
"Bäh!", sagt Finn und "Guten Tag!"
Roderich trifft fast der Schlag.
Denn ein Schaf mit Namen Finn
hat beim Kämpfen wenig Sinn!
Doch was hilft sein Protestieren?
Er muss Finn nun mit sich führen.
Also gehen sie zu zwein
in das Labyrinth hinein.

Helles Rauschen, dunkles Flüstern,
Bäume knirschen, knacken, knistern,
feuchter Nebel, kühler Wind -
seltsam fremdes Labyrinth.
Nur ein Weg. Er führt ins Leere.
Roderich kriegt Magenschwere.
Langsam wagt er erste Schritte.
Aber plötzlich - Schreie! Tritte ...
Was war das? Ein Geist, der poltert?
Nein, nur Finn. Er ist gestolpert.

Roderich
fürchtet sich.
Murmelt: "Das ist unheimlich!"
"Bäh!", meint Finn. Dann schlägt er vor,
hier am großen, schweren Tor
einen Faden anzubinden
um wieder zurück zu finden.
"Einen Faden?", fragt der Bär.
"Und wo kriegen wir den her?"
"Nimm mein Fell", sagt Finn, "vielleicht
ist es lang genug und reicht."

Also knüpft der Bär Finns Fell
an den Torpfosten, und schnell
tapst er in den Nebel rein,
und das Schaf stapft hinterdrein,
hält den Faden stets gespannt.
Roderich schreit: "Allerhand!
Schau, die Elster hatte Recht!
Da liegt Gold, und das ist echt!"
Gierig sammelt er es auf.
Finn blickt neugierig darauf.

Roderich, anstatt zu schaudern,
fängt nun an, mit Finn zu plaudern:
"Bald schlaf´ ich auf weichen Daunen!
Oh, die andern werden staunen,
wenn ich Sekt und Kaviar speise
und bis nach Alaska reise!
Züchte Orchideen und Rosen,
trage Seidenunterhosen,
lebe glücklich, froh und heiter!"
Finn sagt: "Bäh!", ansonsten schweigt er.

Plötzlich hastet aus dem Wald
eine schaurige Gestalt:
Ein zerzauster Fuchs jagt her.
"He da! Wartet mal!", sagt er.
Roderich erstarrt und grollt.
Furchtsam krallt er sich ans Gold.
Keuchend keift der Fuchs: "Ihr zwei!
An mir kommt nur der vorbei,
der mich bittet um sein Leben
und mir all sein Gold kann geben."

"Pah!", brummt Roderich, "Ich bitte
sicher nicht. Ich will zur Mitte!"
"Viel zu weit! Du kommst nicht hin!",
knurrt der Fuchs und zeigt auf Finn.
"So ein Braten könnt mir schmecken,
sonst muss ich hier drin verrecken.
Bind ihn los und gib ihn mir!
Und das Gold, das teilen wir!"
Listig leckt der Fuchs die Lippen,
und sein Kopf beginnt zu wippen.

Roderich
ärgert sich.
Dieser Fuchs ist widerlich!
Ein Verirrter; und er ahnt,
vor ihm wurde er ermahnt.
Finn macht sich schon große Sorgen,
hat sich hinterm Baum verborgen
und lugt ängstlich zu den beiden.
Wer wird diesen Streit entscheiden?
Dann macht Roderich sich groß.
"Fort!", brüllt er. Der Fuchs rennt los.

"Danke", blökt Finn kurz und knapp.
Roderich winkt mürrisch ab:
"Pah, nun tu nicht so lammfromm!
Los jetzt, weiter, mach schon, komm!"
Finn wird dünner, schwächer, bleicher,
Roderich wird immer reicher.
Und er eilt und hetzt verbissen,
sucht und sammelt Gold beflissen.
Hundert Stück noch ungefähr,
und dann ist er Milliobär.

Immer länger sind die Pfade,
immer enger wird der Blick.
Eine ausweglose Lage:
Geht es vor oder zurück?
"Bäh!", sagt Finn. "Ich kann nicht mehr!
Lass uns umdreh´n, großer Bär!"
Finn besteht auf eine Wende,
denn die Wolle ist zu Ende.
Seine Lage ist vertrackt:
Noch ein Schritt - und er ist nackt!

Roderich
weigert sich.
Dann erklärt er feierlich:
"Nein, ich drehe hier nicht um.
Da wär ich doch brummeldumm!
Ein Stück Gold, dann bin ich der
weltberühmte Milliobär!"
Und im dichten Nebel sieht er
endlich etwas Gold´nes wieder.
Stürzt voran, doch Finn bleibt stehen.
Aber halt! Was muss er sehen?!

Brummelbrumm! Das gibt´s doch nicht!
Wer starrt ihm da ins Gesicht?
Noch ein Bär! Zum Sprung bereit.
Wie der aussieht, liebt er Streit:
Wutentbrannt die böse Fratze,
geifert lüstern nach dem Schatze,
hasserfüllt fletscht er die Zähne.
Da! Gleich vor ihm glänzt das schöne
letzte Goldstück! Unerhört!
Roderich verweilt empört.

Und aus seinen Taschen quillt
Gold, so prall sind sie gefüllt!
Kam er von der andern Seite?
Warum sucht er nicht das Weite?
Wird er diesen Kampf beginnen
und die Million gewinnen?
Rasch besinnt sich Roderich:
Wer zuerst? Er oder ich?
Wer gewinnt? Ich oder er?
Wer von uns wird Milliobär?

"Roderich,
beruhige dich!",
krächzt Ciara eindringlich.
Ja, sie ist ihm nachgeflogen
und verkündet jetzt von oben:
"In der Mitte, wo du stehst,
ist das Rätsel nun gelöst."
Aufgeregt ruft sie ihm zu:
"Den du siehst, das bist doch du!
Roderich tritt vor und fühlt
kaltes Glas - sein Spiegelbild!

Roderich
betrachet sich.
Und dann ruft er: "Fürchterlich!
Schreck! So hässlich schau´ ich aus?
Das ist ja ein Brummelgraus!"
Aus dem Spiegel glotzt ein Monster.
Er will flüchten. Doch umsonst, er
muss sich in die Augen seh´n
und sich traurig eingesteh´n:
Nun, wo er fast Milliobär,
hasst er sich noch viel, viel mehr.

"Schau genau", erklärt die Krähe.
"Denn der Bär, den ich hier sehe,
ist ein ganz besond´res Tier.
Dieser Spiegel zeigt es dir.
Lauf nicht weg und sieh hinein.
Du kannst auch ein andrer sein!"
Schwups! Schon fliegt sie wieder fort
und verlässt den düstern Ort.
Roderich starrt lang sich an.
Ob ein Bär auch lachen kann?

Roderich
schüttelt sich.
Und dann denkt er: "Eigentlich
bin ich doch so richtig bärig:
schön und stark und sehr gelehrig."
Sich zu spiegeln macht ihm Spaß.
Zögernd grinst er in das Glas,
und es grinst - genau wie er -
dieser stumme Spiegelbär.
Lustig ist er anzauschau´n,
glitzert wie ein Weihnachtsbaum!

Überall mit Gold behangen,
ist er diesen Weg gegangen!
Gold am Hals, im Hemd, im Hut!
Er muss lachen. Das tut gut.
Freudig schneidet er Grimassen,
kann den Blick nicht von sich lassen.
Sieht sich wie zum ersten Mal:
Er ist da, die Welt egal.
Sonnenstrahlenwarmes Glück ...
Finn fragt: "Geh´n wir jetzt zurück?"

Roderich, aufs Schau´n versessen,
hat ganz auf das Schaf vergessen.
Finn hält immer noch den Rest
seiner weißen Wolle fest.
"Nein", sagt Roderich, "ich bin,
wo ich hingehöre, Finn.
Hier bin ich wie neu geboren.
Geh´ ich raus, bin ich verloren.
Nur im Nebel seh´ ich ein:
Schön ist es, ein Bär zu sein."

"Roderich,
erinn´re dich!",
flüstert Finn fast flehentlich.
"Nicht im Nebel wirst du seh´n,
dass das Leben wunderschön.
Was du suchst, hast du gefunden.
Bäh, ich bin doch angebunden!
Ohne Fell ist mir so kalt
hier in diesem grauen Wald.
Unser beider Wohlbehagen
hängt an diesem einen Faden."

Roderich
entscheidet sich.
Finn hat Recht, und sicherlich
ist es Zeit hinaus zu gehen,
endlich bärig auszusehen.
Brumm! Sein Gold ist viel zu schwer!
Es gefällt ihm jetzt nicht mehr.
Deshalb lässt er es zurück
und behält sich nur ein Stück.
(Sieh, im dunklen Schatten kauert
dieser Fuchs! Aufs Gold er lauert!)

Finn schlägt fröhlich mit dem Schwanz:
Bald schon ist er wieder ganz!
Wickelt auf dem Weg zuhauf
warme, weiße Wolle auf.
Roderich bemerkt gar nicht,
dass der Nebel kalt und dicht,
denn am Faden läuft geschwind
er zurück durchs Labyrinth.
Erst als sie ans Tor gelangen,
weiß er, hier hat´s angefangen.

Und Ciara lässt sie raus.
"Endlich kommen wir nach Haus!",
seufzt der Bär im Sonnenschein.
"Danke, Finn, denn ganz allein
hätt´ ich mich da drin verloren!" -
"Bäh!" Finn wackelt mit den Ohren.
Da kehrt auch die Elster wieder.
Flattert hastig auf und nieder:
"Bist du endlich frei von Sorgen?
Bist du Milliobär geworden?"

"Milliobär?
Will nicht mehr!",
lächelt Roderich. "Komm her!"
Und er zahlt ihr ihren Lohn:
ein Stück von der Million.
Was für ein Gesicht sie macht!
Roderich, der brummt und lacht:
"Ganz bestimmt war ich bestimmt
für das goldne Labyrinth,
denn ich bin, ich weiß jetzt, wer:
Ich bin der Ich-mag-mich-Bär!"

 

 

Herta Maria Aigner

Klein und glatt..

klein und glatt
rund nicht matt
es kann rollen
will nichts wollen
liegt bei mir
rollt zu dir
macht uns froh
so-wie-so
klein und glatt
macht nicht satt
läßt statt denken
sich versenken
doch wohin
will das Ding
keinen Ort, keinen Platz
keinen neuen Lustersatz.
nein es will nirgends hin
es sagt nur: ja ich bin!

 

Jasmin Ehsani

1.
der drang den linien zu folgen,
der innere widerstand
das hinspüren auf den widerstand
die auflösung des widerstandes
... den linien folgen!

2.
der weg zur mitte,
der weg zu mir
der weg zu meiner mitte?
freudig, angenehm, ununterbrochen!
Karin Endler
weitere Texte


Karin Endler

1.
LANGEWEILE macht sich breit. Auch ein ausgefallenes Muster nimmt nur
einen
Teil meines Gehirns in Anspruch. Der andere Teil schläft schon und
träumt von
bunten Blumen auf einer Sommerwiese. Kann ich sie im Inneren des
Labyrinths
erreichen? Der Weg dorthin ist lange, es wird eine LANGE WEILE dauern,
bis ich
ankomme.

2.
Auf Umwegen das Ziel suchen,
die vom Leben verschlungenen Wege zu Ende gehen,
erst schwungvoll,
dann zaghaft,
doch unaufhaltsam.

Im Innersten innehalten,
das Suchen ist zu Ende,
doch gefunden ist
NICHTS.

Beim Rückweg noch einmal die Enge spüren,
dann in großen Bögen alles umrunden,
um letztendlich
die Freiheit zu finden.


Michaela Graf

1.
Die Schlange, die Schlange, sie schlängelt sich herum.
Von außen nach innen, das ist ja gar nicht dumm.

2.
Struktur ist hier für mich der Strom der Gesellschaft dem ich folge: Ich habe schon öfters das Ziel vor Augen, aber ich muß noch eine Schleife ziehen und nochmals mit dem Strom mit schwimmen – nein – mich mitziehen lassen!
Dann, endlich, in der Mitte – ich denke in der Mitte zu sein, denn es verlief alles so rund und harmonisch. Aber beim längeren Verweilen und nachsinnen ist es für mich eigentlich gar nicht die Mitte, das Zentrum ist aus der Mitte verrückt!
VER – RÜCKT? was bedeutet das für mich?
· Man ist nicht zentriert – in sich, in seinen Gedanken, in der Gesellschaft
· Man steht nahe dem Mittelpunkt aber doch im Abseits
· Man dreht sich um´s Zentrum und findet den Weg nicht hinein
Sind wir denn nicht alle mehr oder weniger VER – RÜCKT?
Vielleicht steht die Gesellschaft ja nicht im Zentrum, ist aus diesem VER-RÜCKT und nur die Sogenannten „Verrückten“ haben das Glück die Mitte – IHRE Mitte – gefunden zu haben?!?



Christa Kerschner

1.
Ein eigenes Band
Verwoben und dicht
Entstanden im Raum der Fantasie
Quillt hervor unendlich und schlicht
berührt und verwandelt dich irgendwie

2.
Langes Suchen im grauen Dämmer
Leben schöpfen im Nirgendwo
Endet im Glauben an mich




Roswitha Perfahl

1.
Mit Farben
das symmetrische Gehirn
ohne Ecken und tote Enden
mit Widerständen versehen.

2.
Fließend, rund, und ausgewogen
mittendrin beginnen und innen
dann nach außen und ins Zentrum
und wieder hinaus.



E. B. Sturm

1.
hineinfinden
sehnsüchtig
suchen
zukunft
unbekannt
wände hoch
überragend
einengend
undurchsichtig
geheimnisvoll
angsteinflößend
hemmend
schwierig
lang

2.
ungeduldig
wartend
mitte
findend
begrenzung
spürbar
umkehr oder
rückkehr
zeichen
ermutigend
rätsel
gelöst
wohin
hinaus
aus



Sabine Szukitsch

1.
Zarter Beginn
führt mich
wohin?
Freudiges Tun
macht mich
nicht ruh'n.
Träumen das lässt
vergessen
den Rest.

2.
Die Augen verwirrt,
doch Sinn nicht verirrt.
Weg vorgegeben -
einfach erleben.



Ernst Wintersberger

1.
Ich fahre mit dem Stift
entlang der schwarzen Rille,
wobei ich mich ständig gift,
da ist ein Weg, aber kein Wille!

2.
Ich stoße ständig an den Rand
und bewege zittrig meine Hand,
damit das End` ich finde
von diesem endlosen Gewinde.

 

Herta Maria Aigner

NEIN

Nein - sagen und nichts tun
Nein - leben und ausruh`n
Nein - fahren durch die Welt
Nein - sein wo`s mir gefällt
Nein - vorwärts geh`n ein Stück
Nein - sehen nicht zurück
Nein - sich im Kreise dreh`n
Nein - vieles nicht versteh`n
Nein - eben noch geliebt
Nein - gar nichts ausgesiebt
Nein - danken in der Nacht
Nein - freudig aufgewacht
Nein - träumen und versteh`n
Nein - auch das Leiden seh`n
Nein - Tränen im Gesicht
Nein - schweigen das doch spricht
Nein - kunterbunt gelacht
Nein - gar nicht nachgedacht
Nein - aus dem Bauch gelebt
Nein - so gar nicht nichts bewegt
Nein - bleibt wohl was es ist
Nein - weil es nicht vergisst
Nein - will die Freude seh`n
Nein - neue Wege geh´n
Nein - wird sich bleiben treu
Nein - findet doch auf`s Neu
Nein - keine alte Bahn
Nein - ausgetret`nen Plan
Nein - manchmal was vermisst?
Nein - ist so, was es ist
Nein - ja und nochmals nein
Nein - will die Freiheit sein


siehe auch