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Labyrinth und Labyrinthbezogenes im deutschen Sprachraum

Ilse M. Seifried
für caerdroia 2005

wo auch Detailangaben, Fußnoten etc angeführt sind

Wenn ich nun über Labyrinthe und Labyrinthbezogenes im deutschen Sprachraum berichte, dann will ich voranstellen, dass, wie das Labyrinth kein geradliniger Weg ist, es auch keine lineare Labyrinth-Geschichtsschreibung gibt. Ich kann auch über keine wie immer geartete Labyrinth-Bewegung berichten, wohl aber von bunten und vielschichtigen Labyrinth-Impulsen und Initiativen, die zusammen ein lebendiges Bild ergeben bzw. eine Netz von Ariadnefäden bilden, wo an manchen Stellen die Fäden vielfach und an anderen Stellen nur paarweise zusammentreffen !

Obwohl ich in den vergangenen acht Jahren mit sehr vielen Menschen und vielem Labyrinthischem in direkten oder auch indirekten Kontakt war und vieles kennen lernte, denke ich, es gibt noch einige unentdeckte Aktivitäten. Ich werde ein paar Steine des Labyrinth-Puzzles beschreiben.
Um 1970 tauchte - teilweise angeregt von KünstlerInnen, GeomantInnen oder spirituellen Menschen in England bzw. USA, teilweise unabhängig und parallel - das Interesse am Labyrinth intensiv im deutschen Sprachraum auf.

DEUTSCHLAND
Dieser Teil entstand mit großer Unterstützung von Silke Wolf in langen und spannenden Telefonaten.

Auf der wissenschaftlichen Ebene ist vor allem Hermann Kern zu nennen, dessen umfangreiches Werk die Grundlage der Labyrinthforschung ist und auch bleiben wird. Er definierte zum ersten Mal Mäander, Spiralen, Irrgärten, Labyrinthe, was die Unterscheidung und systematische Labyrinthforschung erst ermöglichte. Sein Werk war und ist die Basis jeder Labyrinthforschung, allerdings für WissenschafterInnen weniger Impulse gebend, denn wie sich zeigt, gibt es seither kaum wissenschaftliche Werke zum Thema .
Was geschieht, wenn man das Labyrinth nicht primär als Symbol und Ornament versteht, sondern - mit Hermann Kern - als Bewegungsform?
Henning Eichberg, Kultursoziologe, erforscht das Labyrinth als Bewegungsfigur mit ihren kulturellen, gesellschaftlichen und psychischen Dimensionen.
Das Buch war aber für viele KünstlerInnen sowohl Grundlage als auch Provokation. Denn Kern meinte, KünstlerInnen können an dieser vollkommenen Form nur scheitern, da sie sich nicht verbessern läßt.
Durch seine über mehr als zehn Jahre andauernde Korrespondenz und Recherche weltweit kann er wohl auch als wesentlicher Initiator der vor allem wissenschaftlichen Vernetzung gelten. Diese präsentierte sich sowohl durch seine Ausstellung in Mailand 1981 (die erste Labyrinth-Ausstellung Europas) als auch durch sein Buch, das, basierend auf dem italienischen Ausstellungskatalog, 1982 auf deutsch erschien. Sein Wunsch, diese Ausstellung europaweit zu präsentieren, erfüllte sich durch seinen frühen Tod 1985 nicht mehr.

In Deutschland gab es Rasenlabyrinthe in Kreuzritteranlagen in Preußen. Heute gibt es noch Rasenlabyrinthe aus dem 17. Jh. in Steigra, Graitschen und Hannover - Eilenriede. Der Wunderkreis in Kaufbeuren aus dem 19. Jh. wurde 2002 wieder angelegt.
In München gibt es im Innenhof des Rathauses ein Labyrinth als Mosaikpflaster, das um 1900 von Georg von Hauberrisser angelegt wurde. Ferner gibt es Hinweise auf 16 sogenannte Jerusalemshügel. Aus Ortsnamen lassen sich noch ungefähr weitere 20 frühere Rasenlabyrinthe erschließen .

Kurt Krüger beschäftigte sich seit vielen Jahren mit den historischen Labyrinthen in Deutschland und setzt sich vor allem auf der mathematischen Ebene mit Irrgärten auseinander.
Von Dänemark aus unterstützte Jorgen Thordrup seit langem viele deutschsprachige Labyrinth-Interessierte (vermittelte caerdroia).

Viele neue begehbare Labyrinthe entstanden. Die ersten in Köln (1973), Heersum (1985), Münsterschwarzach (1988), Augsburg (1990), Zazenhausen (1992) - innerhalb von kirchlichen Zusammenhängen, danach aus Initiativen von Frauen in Würzburg (1990), Ingolstadt (1992), Ostfildern-Nellingen (1992) etc.. Gegenwärtig gibt es mindestens 116 begehbare Labyrinthe in Deutschland. Allein im Jahr 2004 wurden insgesamt 18 neue Labyrinthe angelegt.

Diese Labyrinthe wurden und werden von Einzelpersonen (z.B. Gundula Friedman , Rafaela Schmakowski , Peter Pintatis, Sigrid und Klaus Kirdorf, Anke Peters, Angelika Koraus ) initiiert und gebaut, von Initiativen innerhalb der katholischen Kirche und evangelischen Kirche, von Menschen mit spiritueller Intention außerhalb von Institutionen (Beatrice Grimm, Gundula Friedman,...), einige entstanden innerhalb eines Workshops oder Seminars (Dörnberg-Helfensteine, Schloss Altenburg), von Frauenprojekte vom Labyrinthplatz Zürich unterstützt (Nürnberg, Dresden, ....), in anthroposophischen Zusammenhängen (Ahrensberg, Schloss Freudenberg), als Schulprojekte (Darmstadt, Rechtenbach,...), von Gartenarchitekten (z.B.: Haase & Sömisch), und GeomantInnen (Kassel, Dörenberg-Hohlestein,...).
Auf der künstlerischen Ebene ist Voré zu erwähnen. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Seit 1985 entstehen skulpturale und multimediale Projekte zum Thema "Labyrinth". Er lud für ein noch nicht realisiertes Stadt-Labyrinth-Projekt am Labyrinth Thema arbeitende KünstlerInnen ein, ihre Arbeiten einzuschicken und verfügt damit über die umfangreichste Dokumentation zeitgenössischer Labyrinth-Arbeiten. Er selbst spricht im Zusammenhang mit seinen Labyrinth-Arbeiten als Baustelle.
2004 fand auf Schloss Honhardt eine Ausstellung zum Thema Labyrinthe und Irrgärten mit 50 KünstlerInnen statt.
Von den vielen nur temporär angelegten Labyrinthen sei Anke Trümmler genannt (Greiz, Sonnenblumenlabyrinthe ) und LiShaLima (Schöbendorf: Maislabyrinth).

Es gibt einige in Privatgärten, die nach vorheriger Anmeldung zu begehen sind (Weismain, Wetzlar).

Das Fest der 2000 Frauen in Frankfurt/Main (D), wurde im Jahr 2000 von Dagmar von Garnier organisiert. Diesem liegt ein Frauen-Gedenk-Labyrinth zugrunde, das seither von Ort zu Ort reist. Jeder Stein des Labyrinths ist einer bedeutenden Frau gewidmet.

In der Theaterwerkstatt Eisingen spielen Menschen mit einer geistigen Behinderung Theater. Alle Theaterstücke werden gemeinsam mit den DarstellerInnen entwickelt. So auch das Maskenspiel zum Labyrinthmythos. Die Masken wurden über einen längeren Zeitraum an verschiedenen Orten und aus unterschiedlichen Materialien von den SchauspielerInnen erschaffen. "Wie das Labyrinth ist auch die Maske ein Urphänomen der Menschheit. Die Maske ist ein Spiegelbild unserer Seele. Beim Bauen der Maske werden verborgene Schichten aus dem Innersten nach Außen gebracht." "Auch das Labyrinth ist ein Spiegel, ein Bild, ein Symbol für den verschlungenen Lebensweg des Menschen zwischen Innen und Außen."

Labyrinthe werden u. a. in der Psychotherapie/Therapie eingesetzt (Hannelore Eibach , Rosemarie Strunk , Franz Miller , ...) mit Kontemplation, Körpergebet und Tanz verbunden (Beatrice Grimm , Susanne Bischoff, Birgit Wehnert ,) Gi Gong (Rafaela Schmakowski ) sowie im Unterricht (Religion: Hubertus Halbfas, Theo Tröndle, Peter Hofacker, Martin Autschbach andere Fächer: F. Steinauer,) verwendet.
Sie werden in Publikationen thematisiert (Helmut Jaskolski, Uwe Wolff, Peter Hofacker und Mathias Wolf, Hrg.: Jürgen Hohmuth, Marion und Werner Küstenmacher, Klaus Kürvers, u.a.m.), als Erdheilungsmöglichkeit (Michael Herwig) verwendet, als Kunstobjekt (Martin Gebhardt) sowie als interkulturelles Projekt (Deutschland-Südafrika: Schorndorf), als Erlebnisort (Tennenlohe) und öffentlicher Frauenort (Nürnberg) eingesetzt,

Helge Burggrabe gestaltet permanente Labyrinthe und transportable Bodenlabyrinthe auf Tuchstoff.
Lothar Bracht produziert Holzkugellabyrinthe mit verschiedenen Labyrinth-Typen in unterschiedlichsten Größen und Farben.

Freya und Graueule sind weit gereiste Labyrinthfachfrauen, die ausschließlich die orale Tradition fortführen. Sie erstellten die erste Übersichtskarte begehbarer Labyrinthe in Deutschland.

Silke Wolf und Werner Kaufmann stellten im Jahr 2000 die Homepage www.begehbare-labyrinthe.de ins Netz, die laufend aktualisiert wird. Sie führt alle ihnen bekannten in Deutschland begehbaren Labyrinthe detailliert auf und informiert über Labyrinth-Aktivitäten. Auf dieser Seite entsteht seit 2004 ein Labyrinth-Wanderweg-Netz , das von Sigrid und Klaus Kirdorf stetig erweitert wird. Weiters findet sich ein Forum für den gesamten deutschen Sprachraum auf dieser Seite, das bisher kaum genutzt wurde.

Erwin Reißmann stellte die Seite www.mymaze.de im Jahr 2002 ins Netz. Auf dieser kreativen und vielfältigen Seite finden sich historische Labyrinthe, viele Fotos von Labyrinthveranstaltungen, Informationen über Labyrinth-Bücher u.v.a.m., aber auch über die von ihm mit/angelegten Labyrinthe (Holzkirchen, Würzburg, Altenkirchen, Eisingen).

Der 3. Labyrinth-Kongress für den deutschen Sprachraum findet Juli 2005 in Wetzlar statt.


SCHWEIZ

Mein erster labyrinthischer Bezug zur Schweiz war die Psychotherapeutin Monica Monico, deren erste Auseinandersetzung mit dem Labyrinth aus Frauensicht mit ihrem Artikel Labyrinth und Psychotherapie 1989 eine große Öffentlichkeit erreichte.
In der Vorbereitung für die von mir konzipierte Labyrinth-Ausstellung 1999 in St. Pölten (Österreich) lernte ich das in Österreich noch unbekannte politisch-künstlerischen Frauenprojekt von Rosemarie Schmid und Agnes Barmettler kennen, das von Susanne Kramer , Mitfrau der Vereinigung labyrinth-international.org in caerdroia detailliert beschrieben wird.

Agnes Barmettler, seit 1970 freischaffende Künstlerin mit den Schwerpunkten Zeichnung, Malerei, Film sowie Raum- und Platzgestaltungen (Labyrinthe) stellte 1997 mit Anka Schmid den Videofilm Labyrinthprojektionen her und präsentierte diesen in der Ausstellung in St. Pölten.
Der Kontakt mit dem Schweizer Musiker Paul Giger der sich musikalisch mit dem Thema Labyrinth intensiv auseinander setzte und 1988 die CD Chartres produzierte, war für mich ein ebenso interessanter.

Das älteste Labyrinth in der Schweiz befindet sich in Orbe und zeigt ein römisches Fußbodenmosaiklabyrinth aus der Zeit 200 n.u.Z.. Weiters findet sich ein Schmuckstein über dem Eingang eines Hauses in Zürich aus dem 16. Jh., das den Ur-Typ mit 11-Umgängen zeigt. Das Haus nebenan trägt seit 1637 den Namen "Zum Irrgarten".

Weitere zeitgenössische Labyrinthe entstanden in St. Gallen (Schulhaus, abgewandelter Ur-Typ, 1990), in Antoniushaus, Mattli (eingebettet im 'Weg der Sinne' von Hugo Kükelhaus, Typ Chartres, 1991), in Flüeli-Ranft (Ur-Typ, 1992), in Wurmsbach SG (Kloster Wurmsbach, Typ Chartres, 1992) in Verborga-Pischasee GR (Mönchalptal, 2550m ü.M. Ur-Typ, 1993) in Rüti ZH (abgewandelter Ur-Typ 1992) in Hitzkirch LU (Pfarrkirche, Typ Chartres, 1993), in Hölstein BL (Tagungszentrum Evang. Heimstätte Leuenberg, Urtyp, 1995), Männedorf ZH (Evang. Tagungszentrum Boldern, Baltischer Typ, 1995) und Bubikon ZH, Typ Chartres, 1995).

Mir fiel auf, dass im Vergleich zu Deutschland und Österreich hier der Chartres Typ und auch das Baltische Rad auf großes Echo stoßen.

2003 wurde in Zürich die 2. Labyrinth-Fachtagung (mit ca. 80 TeilnehmerInnen) für den deutschen Sprachraum durchgeführt. Von den vielen engagierten schweizer Labyrinth-Personen nenne ich Ursula Knecht, Katharina Zaugg (Basel) und Heidi Gisler-Brun (Ganzheitliche Labyrinthos FachFrau - sie baut in den Bergen, z.B. in der Göschener Alp - entstanden bei Wasserwelten ( Stiftung ) Ausschreibung Wasser und Kunst 2003, zum UNO Jahr des Wassers - Labyrinthe und bietet Malworkshops dazu an), weil ich diese durch lange Gespräche persönlich kennen und schätzen lernte.


ÖSTERREICH

Nachdem ich 1998 in St. Louis (USA) die Gründung der TLS miterlebt hatte, organisierte ich 2001 die 1. Labyrinth-Fachtagung für den deutschen Sprachraum. Sie fand in Dornbirn /Österreich mit 36 TeilnehmerInnen statt, die den Anspruch, den labyrinthischen Charakter sowohl organisatorisch als auch inhaltlich umzusetzen, realisierten. Dies bedeutet, dass es keine Vortragenden gab sondern die Teilnehmenden brachten sich eigenverantwortlich, eigeninitiativ und gleichwertig ein. Die Dynamik des lebendigen Prozesses hatte immer Vorrang. Dass dies gelang, war dem hohen Kommunikationsniveau und der Konfliktlösungsqualität aller TeilnehmerInnen zu danken.

1999 hatte ich die erste Labyrinth-Ausstellung im deutschsprachigen Raum in der Shedhalle, St. Pölten im Auftrag der Niederösterreichischen Landesregierung kuratiert Die Kunst zu wandeln - Das Labyrinth - Mythos und Wirklichkeit zu der auch ein deutsch/englisch sprachiger Ausstellungskatalog erschien. Es war eine interdisziplinäre Ausstellung, die sowohl Erfahrungscharakter durch einen begehbaren Irrgarten und ein begehbares Labyrinth hatte, aber auch zeitgenössische Werke europäischer KünstlerInnen zeigte und literarische und musikalische Bezüge präsentierte sowie einige kunsthistorische Objekte - wie z.B. das Gefäß aus Tel Rifa'at (Syrien), das erstmals außerhalb Syriens gezeigt wurde. Die Videos von Alex Champion und Marthy Cain fanden großes Interesse wie auch die Diashow von Jeff Saward zusammengestellt.
Im Dezember 2001 wurde in Wien der Verein Das Labyrinth gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, Geschichte, Wirkweisen und Phänomene des Labyrinths zu erforschen, sowie künstlerische Impuls gebende Auseinandersetzungen zu fördern. In einem noch zu errichtenden Zentrum ist geplant, ein Erfahrungs- und Erkundungsfeld zur Verfügung zu stellen. Künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Labyrinth sollen durch ihre Präsentation Impulse geben. Eine weitere Aufgabe ist es, die Labyrinthforschung in interdisziplinären Zusammenhängen voranzutreiben und die Ergebnisse ihre praktische Umsetzung/Anwendung finden zu lassen. Weiters soll durch ein fein und differenziert gewobene Vernetzung Information und Kommunikation erleichtert werden, aus der Neues entsteht. Zwei Mal jährlich wird Labyrinth-Treffen in Wien organisiert.

Österreich hat nicht viele historische Labyrinth-Bezüge, aber doch einige nennenswerte:
Als ältester Fund gilt das römische Mosaiklabyrinth, das um 280 n.Chr. in Salzburg angelegt wurde und heute in Wien, im Kunsthistorischen Museum, zu besichtigen ist. Aus dem frühen 12. Jh. stammt das Buchlabyrinth (Typ Chartres) in Admont.
Importiert wurden das Buchlabyrinth (Typ Otfried) aus dem 9. Jh., das ursprünglich aus Weißenburg stammt, und sich nun gemeinsam mit zwei weiteren Labyrinthen (Typ Chartres) in Venedig (16. Jh.) hergestellt, in der Österreichischen Nationalbibliothek befindet.
Aus dem 12./13.Jh. stammt jenes mit Chartres Typ, das wahrscheinlich in St. Gallen angefertigt wurde und sich nun in Stift Zwettel befindet.
Ein siebengängiges Labyrinth aus dem 14. Jh. aus Byzanz befindet sich in Wien bei den Mechitaristen.
Der 1698 im Schlosspark von Schönbrunn angelegte Irrgarten währte bis 1892, ehe dieser erst 1999 wieder revitalisiert wurde. Ein historisches Rasenlabyrinth ist in Österreich nicht dokumentiert.

In den 1970iger und 1980iger Jahren setzten sich viele KünstlerInnen und GeomantInnen und Labyrinth-Interessierte mit dem Thema auseinander.

1985 legte Erich Strasky (Geomant) das erste Labyrinth (Urtyp) in Österreich im öffentlichen Raum im Kurpark Loipersdorf an, das 2002 neu gestaltet wurde
1994 baute Marianne Ewaldt (Künstlerin) in der Doppler-Klinik (Salzburg) ein fünf
gängiges und die Kirchengemeinde in Freistadt (Urtyp) legte 1994 ein Labyrinth an
1995 wurde vom Vizebürgermeister Pöllaus Heribert Hirschegger im Schlosspark ein Urtyp gebaut.
Weitere entstanden 1997 von Jörg Purner (Eigenentwurf) in Pöllau, von der Kirchengemeinde in Heiligenkreuz (Chartres), in Obdach von Marianne Ewaldt (Urtyp), im kath. Seminarhaus in Wien von einer Seminargruppe für religiöse Berufe (Eigenentwurf),
1998 im Kirchgarten in Hard (Urtyp)
1999 in Bad Mitterndorf (Urtyp) von Christa Moises, in Oberleis von der Kirchengemeinde (Eigenentwurf), im Kurpark Bad Tatzmannsdorf (Urtyp), im Stadtpark Innsbruck (Urtyp) von Gernot Candolini, auf dem Wiener Zentralfriedhof (nicht begehbarer Hopi-Typ) von Kantilli
2000 in der Pfarre Südstadt bei Wien (Chartres), im Park Unterpremstätten (Urtyp) von Kinast, am Kirchplatz Gleisdorf (Eigenentwurf)
2001 in Krumbach (Urtyp) von Herman Friedel, in Schweiggers (Urtyp) von Willi Engelmayer, am Mondsee (Urtyp) von Ewaldt
2002 in Prägarten/Waldhausen (Mäandertyp) im Rahmen der Landesausstellung, in St. Georgen (Eigenentwurf des kath. Bildungshauses), St. Johann bei Herberstein (Urtyp) vom kath. Haus der Frauen, in St. Gerold, Propstei (Urtyp) von Friedel, in Haag (Urtyp) innerhalb des Parks "Welt der Sinne", Franz Josefs Höhe (Urtyp) von Luedeling,
2003 in Schreibersdorf (Urtyp), Pfarrkirche Maria Alm (Eigenentwurf) von Candolini, in Kufstein (Urtyp), Dom zu Gurk (Got. Typ), in der Pfarre St. Christoph (Urtyp) in Dornbirn
2004 in Buchboden (Urtyp) von Friedel, Kirche St. Lambrecht (Chartres); Kloster der Kreuzschwestern (5-gängig) von Candolini, Evang. Pfarramt (Got. Typ) von Komuczky; Pfarrplatz Söll (Typ Ravenna) von Candolini, Seminarhaus Loschberg (Urtyp); Kloster der Franziskaner in Telfs (Urtyp) von Candolini
2005 in der Kirche St. Elisabeth (Urtyp) von Kopf und Ewaldt, im Stiftsgarten Seitenstetten (Urtyp) von Ewaldt

2005 gibt es gezählte 41 begehbare Labyrinthe in Österreich, wovon 23 den Urtyp zeigen, 3 jenen von Chartres.
Aktuelle Ergänzung: 2015 gibt es gezählte 105 begehbare Labyrinthe in Österreich !!!

Von den unzähligen temporäre Labyrinthe seien jene von Gonschorowski, Josef Volsa, Marianne Ewaldt, Gernot Candolin, Brigitta Mathes, Veronika Hopfner genannt.

Manche KünstlerInnen blieben dem Thema bis heute treu, für andere war es eine kurzfristige Sache.
Am international bekanntesten und berühmtesten ist wohl das im Jahr 1987 von Rudolf Hausner fertig gestellte Gemälde Das Labyrinth.
Weitere KünstlerInnen sind (chronologische Auswahl): Horst Mundschitz, Herman Friedel, Hans Tupal, Hans-Rudolf Koch, Ingrid Mantschef, Rosemarie Sternagl, Siegfried Holzbauer , Editha Taferner, Yvette Heller, Gabriele Ulmer, Harald Metzler ....

Exemplarisch seien nun drei KünstlerInnen etwas ausführlicher beschrieben, damit hinter den gesichtslosen Namen deren labyrinthischer Geist ein Stück sichtbar wird:

Martha Theresa Kerschhofer
Ihre erste Begegnung mit dem Labyrinth in den Kathedralen von Chartres und Reims in Frankreich war 1965. 1967 begegnete sie Stein-Labyrinthen und Trojaburgen in Schweden und Finnland. Skizzen und Aufzeichnungen entstanden. Durch lange Aufenthalte in Kreta begann 1993 die Arbeit am Zyklus " Wege ins Zen-Trum" Labyrinthe, Labyrinth und Tanz, Labyrinth und die Große Ur-Mutter Eileithia...
Seit 1995 entstanden durch Begegnung mit verschiedenen Völkern, Kulturen, Religionen und die Suche nach dem Weg zur Mitte, bis heute permanent Labyrinth-Bilder, überblendet mit Symbolen und Texten, die ins Zen-Trum führen. Es entstanden Holzschnitte, Monotypien, Arbeiten auf Papier, genäht, mit chin. Tusche, Sand und Ölfarbe.
Für mich als Bildende Künstlerin ist das Labyrinth im Gegensatz zum Irrgarten, Vertrauen in den Weg zu haben, der wie ein archaisches Schwingen, getragen von der großen Ur-Kraft, Ur-Mutter, ins Zen-Trum führt.

Ernst Steiner
hat eine ebenso langjährige Auseinandersetzung mit dem Labyrinth auf bildnerischer Ebene. Er meint: Die Gesetzmäßigkeiten des Labyrinths, denen wir folgen, sind nicht etwas von uns Getrenntes; sie sind in uns angelegt und uns eigen. Durch unseren Wahrheitssinn erkennen wir diese und durch unseren Schönheitssinn deren Harmonie. Da wir der Mitte immer wieder verlustig werden, ist es auch immer wieder notwendig, uns von Neuem der heil- und harmoniestiftenden und transzendierenden Mitte zuzuwenden. Die Mitte zielt auf etwas hin, das über uns hinausweist. Der Pilger/ die Pilgerin fühlt, dass er/sie mehr ist und bekommt eine Ahnung und ein inneres Wissen für sein/ihre zukünftiges Selbst,auf das hin er/sie angelegt ist. Sichin dieses Größere Verlieren, bedeutet, sein/ihr Ego zu entmachten.


Marianne Ewaldt

seit 1976 freischaffende Künstlerin mit eigenem Atelier in Salzburg und zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen im In- und Ausland.
land art (auf geomantischer Basis) mit Schwerpunkt Labyrinthe und Labyrinthbau (temporär und permanente - mit unterschiedlichsten Materialien: Weiden, Ziegel, Stein, Spiegel,..) seit 1994
In allen meinen Arbeiten geht es um die Essenz, das Wesentliche, die Befreiung von Beiwerk und Ablenkung.
Es ist mein politisches Anliegen, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es wesentlich ist, in der Kunst auch Positives zu transportieren. In Zeiten des Terrors und größter Vielfalt an direkter und indirekter Gewalt und Zerstörung gilt es positive Schwingungen und Harmonie zu beleben, zu schaffen. Dem oft subjektiven Gefühl des Übergewichts von Gewalt setze ich mit meinen Objekten einen Ausgleich.
Es ist ein Drittes, das die Gegensätze der dualen Welt zu verbinden vermag - z.B. die Labyrinthstruktur. Für mich ist der Gegenpol des Rationalen die Verzauberung und die Kunst (durch das Labyrinth) zu wandeln und sich wandeln zu lassen.

Zu ihrer Labyrinth-Kugel meint sie: Die Form der Kugel nahm ich, um Ganzheit und auch Einheit, die ohne Anfang und ohne Ende ist, wahrnehmbar zu machen. Auch sehe ich die Kugel als Symbol für unsere bedrohte und " fragile" Welt. Die Labyrinthkugel steht für den Gedanken, die ganze Welt ist Labyrinth. Die in sich abgeschlossene Kugel hat einen nicht sichtbaren (meist nicht beachteten) Hohlraum, der als Unbewusstes interpretiert werden kann. Auf der undurchdringlichen Außen- und Oberfläche erfährt der Labyrinthweg zusätzliche Dimensionen, die das Wegziel (auch Lebenszentrum), nach wie vor erreichbar bleiben lässt.

Im Frühjahr 2005 organisierte der Berufsverband bildender KünstlerInnen der Steiermark in Graz (Künstlerhaus) eine Ausstellung , die dem Thema Labyrinth gewidmet war. Die Jury wählte für die Präsentation 29 KünstlerInnen aus und gab damit erstmals und einmalig diesem Thema große Öffentlichkeit.

Brigitte Hofer und Ursula Baatz stellten Sendungen zum Labyrinth für das Radio, Ö1 zusammen.
2005 gab die österreichische Post eine 55c Briefmarke heraus, auf der Helmut Qualtinger mit Österreich ist ein Labyrinth, in dem sich jeder auskennt zitiert ist.

Das Labyrinth-Thema wurde auch in anderen Disziplinen bearbeitet:
Musikalisch setzten sich die österreichischen Musiker Karl Heinz Essl und Alex Seidelmann auseinander.
Literarisch befassten sich Marie Luise Kaschnitz (Lyrik), Christoph Ransmayr (Roman: Der Weg nach Surabaya) und Ilse M. Seifried (Libretto: Im Labyrinth), Gerhard Roth (Roman: Das Labyrinth) u.a.m..
Spezialistin für Mäander- und Labyrintharbeit mit Tieren ist Ruth Lasser.
Fachspezifisch in der Medizin Raphael Assche, Psychologie ist Eva Scala sowie im Fach Ältere Deutsche Sprache und Literatur Prof. Birkhan. Eveline Weiss schrieb ihre Diplomarbeit zum Labyrinth in der theologische Fakultät. Im kirchlichen Bereich sind vor allem Gertraud Ladner : Frauenraum Labyrinth, Innsbruck, Ulrike Amann, Barbara Gunz, Monika Wohlgenannt, Marlies Zumtobel: Dornbirn, St. Christoph und Elisabeth Hämmerle: Labyrinth und Bibliodrama sowie Angelika Gassner (kath. Frauenreferentin in Feldkirch: Labyrinth zu Lichtmess, zum Advent, zur Sonnwende, zur Johannisnacht, zum Vollmond, Labyrinthseminare, die sie in ihre bibl. Frauenarbeit einbaut, ORF Film-Beitrag, Labyrinth-Tagespilgerfahrten, Labyrinthgedichte). Feministischen Frauen haben das Labyrinth bisher noch nicht in großer Projektgest
alt aufgenommen.
Im schulischen Bereich sind vor allem aktiv: Eveline Weiss, Wilhelmine Riedl, Gernot Candolini, Ilse M. Seifried, Veronika Komuczky, ......

An dieser Stelle exemplarisch 3 Berichte zur konkreten Labyrintharbeit:

Pfarrzentrum St. Christoph: Labyrinth im Foyer
Pfr. Erich Baldauf, Dornbirn
Die Vorlage für das in den Steinboden eingelassene Labyrinth ist die kretisch-klassische Form. Es greift den theologischen Grundgedanken der Kirche nebenan auf, die während des II. Vatikanischen Konzils (1964) fertig gestellt wurde: "Das Volk Gottes unterwegs". Der Weg der Kirche und jedes einzelnen ChristInnen ist ein Pilgerweg. Auf diesem Weg geschehen die Begegnungen mit Gott. Auf diesem Weg sind die ChristInnen aufgerufen, Zeugen der frohen Botschaft zu sein und zu werden.

Die Taufe mit Beginn im Labyrinth
Die Täuflinge mit ihren Familien sammeln sich um das Labyrinth. Nach einer Begrüßung erfolgt eine kurze Einführung: Das Labyrinth ist Symbol für den Glaubens- und Lebensweg eines Menschen. Es gibt das Suchen, das Hin und Her, das Vor und Zurück. Manchmal wähnt man sich der Mitte nahe und ist doch weit entfernt und umgekehrt, man meint die Mitte zu verlieren und trifft sie unmittelbar. Ähnlich ist es im Leben: Man meint, man habe die Mitte, das Ziel, die Lösung einer Aufgabe erreicht und die Erfahrung zeigt, es dauert, es braucht Geduld, Wege und Umwege sind noch zu gehen. Dann kann es sein, dass die Mitte und das Ziel in vermeintliche Ferne rücken und dies wird zum unmittelbaren Weg dorthin.
Die Erzählung der Emmausjünger (Lk 24) zeigt uns, dass der "Herr", der Auferstandene mit uns auf dem Weg ist. Er begleitet uns, öffnet uns die Augen, führt uns an Orte der Stärkung, damit wir mit neuer Hoffnung und Begeisterung selbständig unsere Wege gehen können.

Das Labyrinth zeigt uns zugleich das Geheimnis unseres Glaubens: Im Tod ist das Leben. Der Weg in die Mitte, in die Tiefe, letztlich in den Tod führt zur Wandlung, zum Neuwerden, ja zur Auferstehung. Durch die Taufe werden wir eine Neuschöpfung. Der/die Getaufte ist nicht mehr "Kind dieser Welt", sondern ein "Kind Gottes". Der/die Getaufte hat ein neues Gewand angezogen (Röm 13,14; Gal 3,27), das Gewand des Lebens.

Mit der Taufe beginnt dieser Glaubens- und Lebensweg. Dann wird der Täufling, bzw. die Eltern gefragt: Wollen sie sich auf diesen Weg einlassen?
Und es schließt mit der Frage: Was erbittet ihr von der Kirche?

Danach ziehen alle in die Kirche ein und versammeln sich beim Taufstein zur feierlichen Taufe.


Frauenraum Labyrinth
Gertraud Ladner

Seit Tausenden Jahren werden sie von Menschen beschritten, durchtanzt, ausgegangen... In letzter Zeit erlangen sie wieder Bedeutung, neue Labyrinthe werden angelegt, bestehende wiederbelebt. Wie der Kreis oder die Spirale nimmt das Labyrinth in vielen Kulturen und Religionen einen wichtigen Platz ein. In Fels oder Ton geritzt, auf Münzen gestanzt, auf Keramiken gemalt, in Handschriften gezeichnet oder am Boden ausgelegt finden wir es in vielen Kulturen und Religionen in aller Welt. Der Ursprung wird im Mittelmeerraum vermutet. Aus Pylos in Griechenland 1200 v. Chr. ist das älteste datierbare Labyrinth, eingeritzt in eine Tontafel, erhalten. So manches in Fels geritzte mag viel älter sein.

Labyrinthe verbinden Altes und Neues. Als Symbol wurde es im Christentum sehr bald aufgenommen, eigenständig gedeutet und gelebt. In einer der ältesten erhaltenen Kathedralen, der Reparatusbasilika in El Asnam in Algerien (erbaut 324), befindet sich ein Bodenlabyrinth. Die christliche Mystik unterscheidet zwischen drei Phasen des Labyrinthweges: der Weg zur Mitte - via purgativa - der Weg der Läuterung, des Loslassens; die Mitte - illuminatio - der Ort der Erleuchtung; der Rückweg - via activa - der Weg in das aktive Leben, den Alltag, zurück. Im Mittelalter galt das Begehen eines Labyrinths als Ersatz für Pilgerfahrten nach Jerusalem oder Santiago de Compostela.

Heute versuchen vor allem Frauen im Bewusstsein der Herkunft und Geschichte dieses Symbols es als Ort des Austausches, der Reflexion und Re-Vision neu zu beleben. Der vermutete matriarchale Ursprung des bekannten kretischen Labyrinths ist hier mit von Bedeutung.
Labyrinthe sind Frauenorte, auch weil sie in ihrer Form an frauenvertraute Dinge und Symbole erinnern: an ein Blatt, einen Baum, den Lebensfaden oder an eine tanzende Frau. Bei einem Seminar deuteten Frauen in Managua spontan eine Gebärmutter, ohne zu wissen, dass Labyrinthe bei Geburten begangen wurden und bei Menarchefeiern.

Labyrinthe haben Wege und klare Grenzen oder geben den Ariadnefaden vor, eine Schnur, die uns auf dem Weg leiten soll. Sie sind mehrdimensional und ganzheitlich erfahrbar. Mit dem Körper bewege ich mich in ihnen, gehe, laufe, tanze, schreite ich. Dabei erfahre ich je nach Ort und Material auch die Umgebung und jene, die sich mit auf den Weg machen oder das Labyrinth umgeben aus unterschiedlichen Perspektiven. Verknüpft mit den Himmelsrichtungen, Lebensphasen, Geburt, Tod, Jahreszeiten oder christlichen Themen wie Umkehr, Befreiung oder Auferstehung kann das Abgehen eines Labyrinths verschiedenste Facetten des eigenen und gemeinschaftlichen Lebens bewusst werden lassen.

Ein für mich ganz besonderes Frauenlabyrinth entsteht in unserer Frauenliturgiegruppe in Innsbruck. Einmal im Jahr legen wir ein Labyrinth, beginnend mit einem dünnen Wollfaden. Wir sitzen im Kreis und erinnern uns daran, dass viele Frauen vor uns Labyrinthe gegangen sind. Die meisten Frauen haben ein Stück Stoff mitgebracht: etwas von einem Tischtuch, eine Bluse, ein Bettbezug, ein alter Pyjama, eine Windel, ein Seidenschal, ein Kinderkleid,... Eine der Anwesenden beginnt zu sprechen, sie erklärt, welche Bedeutung das mitgebrachte Stoffstück für sie hat. Sie legt es an die für sie passende Stelle des Labyrinthfadens. Die nächste Frau erzählt und legt ihr Stück Stoff an. Manchmal berichtet eine Frau, warum sie ohne Stoff da ist und für sie diesmal eine Stelle leer bleibt. Dann begehen wir - eine nach der anderen - das Stofflabyrinth. Wir teilen uns ein Stück unseres Lebens mit: was wir loswerden oder bewahren wollen, was uns freut, schmerzt, bewegt. Während wir erzählen, das Labyrinth betrachten und durchschreiten sind all die Frauen gegenwärtig, die daran in vergangenen Jahren mitgewirkt haben.
Bis zur nächsten Labyrinth-Liturgie nähen Frauen die Stoffe aneinander. In drei Knäueln wird es aufbewahrt. Jedes Jahr wächst das Labyrinth und wird vielfältiger; es verkörpert die Geschichten vieler einzelner Frauen und unsere gemeinsame.

 

Erfahrungen mit dem Labyrinth in Dornbirn - St. Christoph
Für den Labyrinthkreis Dornbirn-St.Christoph
Ulrike Amann

Seit ungefähr einem Jahr bietet der Labyrinthkreis in der katholischen Pfarrgemeinde Dornbirn-St.Christoph einmal im Monat eine Morgenmeditation im L. an. (Die Zeit 7 bis 7.30 Uhr, ist so gewählt, dass auch Berufstätige die Gelegenheit dazu nützen können)
Das L. ist im Foyer des Pfarrzentrums in den Steinboden eingelassen. Es ist kein Sakralraum, bietet jedoch mit viel Licht und warmen Farben eine sehr einladende, anregende Atmosphäre.

Unter dem Motto: Fragen stellen - Grenzen spüren - Mitte finden - Neues wagen gibt dieses Angebot Raum für spirituelle Erfahrungen und liturgische Experimente. Es ist uns ein Anliegen, bei den TeilnehmerInnen und darüber hinaus Interesse für dieses alte Symbol zu wecken und über die körperliche Erfahrung des Gehens den persönlichen Lebensbezug zu entdecken und zu vertiefen.

Diese halbe Stunde eröffnen wir meist mit einem Impuls - einem Wort/Text aus der Bibel oder Literatur oder wir stellen ein Thema in den Raum, z.B. "Sehnsucht", oder nehmen Bezug zum Kirchenjahr. Das L. an sich ruft schon sehr tiefe Eindrücke hervor und so halten wir die Gestaltung bewusst schlicht. Dies gilt auch für Gegenstände und Symbole in der Mitte.

Anfangs bedurfte es für manche TeilnehmerInnen immer wieder einer Ermutigung, sich auf den Weg zu machen und die Angst, den Weg zu verlieren, zu überwinden. Auch die Bestätigung, dass es zur Begehung keiner Vorkenntnisse bedarf ist wichtig. Manche lassen das Geschehen auf sich wirken, ohne selber das Labyrinth zu begehen und berichten von tiefen Erfahrungen.
Diejenigen, die sich auf den Weg machen, entdecken mit Freude, Rührung oder Erstaunen, wie viel ihnen das L. über sich selbst und seine Beziehungen erzählt. Besonders häufig wird erwähnt, dass vom L. eine große Kraft ausgeht und wie wichtig das "unterwegs sein und bleiben" ist. Immer wieder spüren wir auch eine tiefe Verbundenheit mit allen Menschen, - das L. bringt sehr alte Saiten zum Klingen, es erscheint mir wie ein Archetypus.
Vor allem die Eindrücke und Erfahrungen auf Körperebene, die in "normalen" Gottesdiensten kaum bis gar nicht mehr möglich sind, wirken lange nach.

Als Ergänzung bieten wir auch Tänze ums und im L. an, z.B. Licht-Advent oder unter dem Thema "Emmaus" zu Ostern.
Labyrinthmeditation am Morgen
Jeweils am ersten Dienstag des Monats 7-7.30

 


Spirituelle Zugänge außerhalb kirchlicher Zusammenhänge sind privater Natur.

Im pädagogischen Bereich arbeiten Eveline Weiss, Veronika Hopfner, Gernot Candolini, Ilse M. Seifried, die Pädagogische Aktion Oberösterreich, Veronika Komuczky und noch sehr viele, die sich noch nicht vernetzt haben.

Erwähnt seien abschließend die beiden überregional aktiven am Ariadnefaden bleibenden Labyrinth-SpezialistInnen:

Gernot Candolini, Lehrer, begann 1997 sich dem Thema durch eine Reise von einem Labyrinth zum anderen (in GB, F, D) anzunähern. Er macht Diavorträge, Seminare und schrieb bisher 5 Bücher . Er erreichte schnell ein großen Publikum im gesamten deutschen Sprachraum und trug damit wesentlich zur Verbreitung des Themas bei. Von diesen Büchern gibt es Übersetzungen in englisch, französisch, italienisch, spanisch und holländisch. Die Wiederbelebung des Labyrinths hat seiner Meinung zu tun mit der inneren Sehnsucht der Menschen, den Weg zu gehen, weiterzugehen und dabei die Bedeutung des eigenen Weges zu finden. Interessant ist für ihn, wie lange dieses noch andauern wird und wie weit es sich über USA, GB, Ch, D und Österreich ausbreiten wird. Er baute bisher 15 permanente und 30 temporäre Labyrinthe in Österreich und Deutschland.


Ilse M. Seifried
, Sprachheilpädagogin, begann 1997 sich konsequent diesem Thema zuzuwenden. Ihr Schwerpunkt ist nicht der Labyrinthbau sondern die Ursprünge und die Wirkkraft des Labyrinths zu erforschen: Wie wirkt dieses (auf sie selbst, auf Kinder, auf Erwachsene, auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen etc.)? Sie organisierte den ersten internationalen wiss. Labyrinthworkshop 2002 in Wien, lädt zu halbjährliche Labyrinth-Treffen ein und betreut als Obfrau die Österreich-Labyrinth-Website www.das-labyrinth.at . Sie leitet Labyrinth Seminare, hält Vorträge und publizierte das Buch Die Kunst zu wandeln - Das Labyrinth, und pflegt internationalen Labyrinth-Erfahrungsaustausch. Fasziniert ist sie von der Vielfalt und Vielschichtigkeit der Labyrinth-Resonanzen - ein lebendiger persönlicher und gesellschaftspolitischer Spiegel.


ITALIEN - 3 gegenwärtige Labyrinthbezüge

Zoltán Ludwig Kruse ist studierter Musiker, Lautklangforscher, Landschaftsgestalter und Bildhauer. Er lebt mit seiner Frau seit 1991 auf einem selbstrestaurierten Bergbauernhof in der nähe des Monte Labbro, hohe Maremma, im Amiata Gebiet der Toscana, in Italien. Hier entdeckte er die Welt der Steine, die ihn zur Anhörung der lebendigen Stille führten.

Kruses Labyrinthos-Forschung begann mit einem Werkauftrag für den Skulpturenpark "Il Giardino" des Daniel Spoerri in Seggiano, Toscana, im Jahre 2000. "Die Drei Throne" sollten nämlich oberhalb des "labyrinthischen Mauerweges" aufgestellt werden und sich mit ihm thematisch verbinden. Impuls- und richtungsgebend für seine Forschung war dabei die Aussage H. Kerns in seinem Buch "Labyrinthe", wonach "die Etymologie des Wortes Labyrinthos - trotz zahlreicher Deutungsversuche - leider bis heute ungeklärt blieb".

Kruse widmete sich also der aufmerksamen Anhörung und nachfolgend der Deutung des Namens Labyrinthos. Dabei waren ihm die Vertrautheit mit der Stille, mit dem Klang und vor allem mit dem Wortklang der UrWortKerne, die in der agglutinierenden hungar-/magyarischen Sprache - seiner Muttersprache - zahlreich vorhanden sind, von großer Hilfe.

Er entdeckte bald, dass Labyrinthos ein stimmig komponiertes LautJuwel ist, ein in seiner Art einzigartiges Lebens-Code, das seine UrInhalte allen Hörenden offen darbietet. Als "sprechender Name" ist er dreifach und in diesem Sinne harmonisch. Seine Sinnwirkung gründet in der Artikulie-rungsrealität, im heiligen UrGeschmack seiner bildenden Laute. Dies ist seine erste Sendungsebene. Eine weitere Bedeutung erhalten die heiligen Laute, Konsonanten und Vokale, aus ihrem Zusammenhang mit den Plätzen, die sie in der Lautdekade belegen. Dies ist seine zweite Sendungs-ebene. Die dritte und komplexeste seiner Sendungsebenen ist diejenige der Kombinierung der be- nachbarten Laute, woraus seine 15 stimmigen, systembildenden UrWortKerne, Träger von UrIdeen, entstehen. Dieser Bereich ist deswegen so komplex - und diese Komplexität korrespondiert mit der-jenigen der Natur - weil in ihm Wandlungslaute sowie Variations-, Permutations-, Inversions- und Anagrammierungsformen der UrWortKerne zur Geltung gelangen.

Das öffnende Schlüsselelement der Erkenntnisse Kruses war die Findung des kreativen LautSpiels. Seine Anwendung öffnete ihm die Welt der Wortklangschöpfungen des Labyrinthos Lautjuwels, die in unendlichen Wandlungsformen die UrThemen des Lebens, das Mys- Ter- (i)Um reflektieren. Anregend wirkten auf ihn in dieser Beziehung das Gedankengut der von J. v. Neumann begründeten und von M. Eigen weiterentwickelten modernen Spieltheorie sowie der Allgemeinen Systemtheorie (E. László).

Weitere Ergebnisse der Lautforschungsarbeit Kruses am Labyrinthos sind:

Der Mensch ermisst die Harmonie der Welt hörend, messend. Das Ohr ist sein Ingenieur. Die ankernde Sinngrundlage des Labyrinthos liegt somit im menschlichen Hör- und Sprechvermögen. Idee und Bild erhalten ihren Ausdruck in Lautäquivalenten. Diese Dreiheit ist Einheit. Die stimmig hallenden UrWortKerne, die "Werkzeuge zum Denken", Mantren sind, wirken durch Resonanz. Bei jeder Anrufung. Im kreativen LautSpiel ereignet sich ihre formal-inhaltliche Wandlung. Dieser simultane Lautwandlungsprozess ist im Wortschatz der agglutinierenden hun-gar/magyarischen Sprache nachvollziehbar. In dieser Sprache lebt die agglutinierende UrMutterSprache der Kin-Gir/ Schumerer weiter. Die 15 urideenäußernden, systembildenden UrWortKerne des Lebens-Codes sind der vergessene Wurzelbereich des Labyrinthos, der seine vielfältigen, mythischen und anschaubaren Äußerungen immer schon genährt hat und auch weiterhin nähren wird.

Die Ur-Labyrinthos-Figur ist die sichtbare, materielle Wandlungsform der UrIdeen des LautJuwels. Geistgedanke wird Klang, Worttanz, Körpertanz, Spurzeichnung und Gebäude. In dieser Reheinfolge.
Das von uns Menschen viel bewunderte, geliebte, oft gezeichnete, gebaute und begangene Ur-Labyrinthos GehStromAlternator, ist das figürliche Ergebnis der UrIdeen, die in den UrWortKernen des Lebens-Codes als hörbarer Wortklang hallen. Im Ur-Labyrinthos-Wandeln erhält das universale Kreispendeln = Keringés/Geranos einen Ausdruck der Reflexion, "pars per totum".

Die Ergebnisse der vierjährigen Arbeit Kruses sind in dem Grundlagenbuch Labyrinthos WortKern-Schichtung niedergeschrieben und im April 2005 in Eigenausgabe herausgegeben. Eine Reihe von Lichtbildaufnahmen der Natursteinkompositionen, die parallel mit dem Schreiben des Buches entstanden sind sowie zahlreiche erklärende LautSpiel-BeiSpiele und Zeichnungen vervollständigen den Text.

Seit Errichtung des "Le Tombe" 7 Umgänge Ur-Labyrinthos auf dem eigenen Hofgelände (Mai 2003), sammelt Kruse Erfahrungen mit dem harmonischen GehStromAlternator. Seine spiegelsymmetrische Ordnung und ihre Effekte auf die darin wandelnde Person sowie die Kombinierung der UrWortKerne, der Mantren, mit dem Begehen der Struktur sind die Brennpunkte seiner aktuellen Beobachtungen.

Daniel Spoerri

1930 in Galati (Rumänien) geboren flieht 1942 in die Schweiz. Neben seinen Assemblagen wurde Spoerri als Begründer der Eat-Art bekannt. Sein Buch "Topographie des Zufalls" darf als Grundlagenwerk der Objektkunst gelten. Sein großes Gelände bei Siena (Toskana) öffnete er 1997 für die Öffentlichkeit, in dem KünstlerInnen einlud, Objekte zu präsentieren und er selbst ein "Labyrinth" anlegte.
Labyrinthischer Mauerweg, 1996/1998
Steinmauern, Gras; 60 m x 40 m, Höhe 50 cm
Der "Labyrinthische Mauerweg" entstand nach einer praekolumbianischen Felszeichnung (Petroglyphe), den Zeugungsakt des Sonnenvaters mit der Erdenfrau darstellend. Oben die kosmische Vagina, darunter eine stilisierte maennliche Figur mit gefluegeltem Phallus.
Daniel Spoerri sah eine Abbildung dieser Petroglyphe und veränderte sie an wenigen Stellen um eine labyrinthische Form zu erreichen. Das nur 50 Zentimeter hohe Maeuerchen wird von Kindern sofort als Labyrinthischer Weg angenommen und sie laufen meist die gesamte Strecke ab. Verirren kann man sich nicht.


Laurin

Werner Bäumler, der unter dem Künstlernamen Laurin tätig ist, wurde 1942 in Lindau (D) geboren und lebt seit 1994 in Treporti-Venezia. Er beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem Thema Labyrinth. Nach langem Entwicklungsweg hat er 2002 eine neue Labyrinthkreation umgesetzt und abgeschlossen.
Wie auf der Abb. zu sehen ist, gibt es wie beim Chartres-Typ keine sich überschneidenden Linien. Ein Kreuz wird durch die Viertelbögen im Draufblick sichtbar. Analog den gotischen Labyrinth-Entwürfen handelt es sich hier um konzentrische Um-Kreise und Viertelbögen. Wie beim römischen Typ muss ein Quadrant nach dem anderen durchlaufen werden.
Diese Flächenstruktur hat Laurin in den Raum transferiert. In die Kugelform (wobei hier vom Kugelinnenraum der Weg auf die Oberfläche zum Labyrinthweg führt, als auch - parallel versetzt- wieder zurück) als auch auf einen (Arm-) Reifen übertragen (ringförmige Labyrinthe).
Der Künstler selbst bezeichnet seinen Raum-Labyrinth-Typ als ein "ins sich gefangenes System".

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