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Veranstaltungen und Projektbeschreibungen
eine Auswahl
1.)
Beobachtungen der Lehrerin
während eines zweistündigen Labyrinth- Projeks
mit 4 Kindern einer 2. VS-Integrationsklasse, Juni 2000
2.) Uni
Wien mit StudentInnen der Erziehungswissenschaft, Oktober 2001
3.) Workshop
KBT-Tagung, 2001 Salzburg
4.
) Workshop VS-Graz 2002
5. Workshop Weltpsychotherapiekongreß
Wien 2002
6. Das Labyrinth
der Weg meines Lebens
Schulentlasstage für 14-16jährige
Eine Arbeit im Rahmen
des Akademielehrganges Spiritualität und Kultur des Feierns
an der Religionspädagogischen Akademie Graz 2002
18. und 19. November 2002
Das Labyrinth ist kein Irrgarten - über Einsatz und Wirkungsweise
des Labyrinthes in der Jugendarbeit
Institut für Freizeitpädagogik - wienXtra
21.Oktober 2002
Das Labyrinth - eine Möglichkeit für die Entwicklung sozialer
Kompetenz
Pädag. Institut, Wien
11.Oktober 2002
Das Labyrinth - Über den sinnvollen Einsatz im Unterricht
(VS, ASO Unterstufe)
Pädagogisches Institut, Innsbruck
9.Oktober 2002
Labyrinth-Erfahrung, eine Möglichkeit der Gewaltprävention
- Über den Einsatz des Labyrinths in der Schule
Pädagogische Akademie, Linz
3. Dezember 2003
Das Labyrinth
Pädagogisches Institut Wien
27. November 2003
Das Labyrinth
Pädagogisches Institut Wien
8. Juli 2003
Das Labyrinth - Über den sinnvollen Einsatz im Unterricht (VS, ASO
Unterstufe)
Pädagogisches Institut, Innsbruck
28. April 2003
Das Labyrinth - eine Möglichkeit zur Entwicklung sozialer Kompetenz
Pädagogisches Institut Wien
17. Juni 2004
Das Labyirnth im Kindergarten
Wien
30. März 2004
Das Labyrinth im christlichen Kontext
Graz - Religionspädagogisches Institut
21. März 2004
bewußt Sein entfalten im Labyrinth
Vortrag WAP (Wildunger
Arbeitskreis für Psychotherapie)
5. Dezember 2006
Die Bewegung als Ursprung von FarbenKlang - das Labyrinth
Pädagogisches Institut Wien
11. - 13. Oktober 2007
Konflikt Prävention - Bewältigungspotentiale erkennen und nützen
Pädagogisches Institut Wien
5. - 7. Oktober 2007
Therapeutische Potentiale labyrinthischer Wegerfahrung
gamed
Wien
22. - 24. März 2007
Konflikt Prävention - Bewältigungspotentiale erkennen und nützen
Pädagogisches Institut Wien
16. - 18. März 2007
Therapeutische Potentiale labyrinthischer Wegerfahrung
gamed
Wien
24. - 26. Oktober 2008
Therapeutische Potentiale labyrinthischer Wegerfahrung
gamed
Wien
23. Mai 2008
Praktische und theoretische Einführung, die labyrinthische Struktur präventiv
und interaktiv einzusetzen
Heilpädagogischer
Kongress, Wien
22. - 24. Feb. 2008
Therapeutische Potentiale labyrinthischer Wegerfahrung
gamed
Wien
16. Sept. 2009
Wir legen und begehen ein Labyrinth
ASO Franklinstraße
27, (SPZ 1)
Beobachtungen der Lehrerin während eines
zweistündigen Labyrinth- Projekt
mit 4 Kindern einer 2. VS-I-Klasse, Juni 2000
Thema
Wege: sichtbare/unsichtbare - geradlinige/gewundene
Von Dingen (Kugel u.a.m. / eigene/ die der anderen Kinder durch den Raum/
mit dem Stift auf dem Blatt/ die Kugel im Holzkugellabyrinth/ durch das Labyrinth
im Turnsaal
Kind - M: (ASO Lehrplan, allgem. Lernschwäche)
arbeitet so konzentriert mit, wie es bisher kaum vorkam. Es macht ihm sichtbar
Freude mit dem Labyrinth zu arbeiten. Er ist die ganze Zeit über mit
Interesse dabei. Er macht einen besonders ruhigen und ausgeglichenen Eindruck.
Kind - P:(ASO Lehrplan, Hyperaktivität, allgem. Lernschwäche, Dyskalkulie)
der normalerweise kaum eine kurze Weile zu Ruhe kommen kann, läßt
sich vertrauensvoll an der Hand nehmen und geht mit geschlossenen Augen das
Labyrinth ab. Er ist immer bei der Sache und läßt sich durch nichts
anderes ablenken, was außergewöhnlich ist.
Kind - L:(Down Syndrom)
die meist schwer motivierbar ist, mitzumachen, nimmt alle Angebote mit Begeisterung
an. Genau wie noch nie und ausdauernd zeichnet sie. Untypisch für sie,
akzeptiert sie Grenzen: ohne diese zu überschreiten, zieht sie mit dem
Stift ihre Linie durch die komplizierte Struktur des Labyrinths und überschreitet
zum ersten mal in ihrer keine grenze.
Kind - L: (SS-Lehrplan))
der am liebsten Dinge wirft bzw. werfen läßt, zeigt außergewöhnliche
Freude, das Holz-Labyrinth zu halten und dem Klang der rollenden Kugel zu
lauschen sowie ihren Weg mit den Augen zu verfolgen. Er verwendet kein einziges
mal seine sonst üblichen stereotypen Wortäußerungen.
Projektwoche:
LABYRINTH
4. VS-Klasse, 28 SchülerInnen
Jägergrund, Graz - Februar 2002
Leitung und Konzeption: Frau Mag. W. Riedl

Protokoll: Tagesprojekt
4-stündige Umsetzung durch Ilse M. Seifried
Tagesthema: Von der Labyrintherfahrung zum Mythos Labyrinth
Labyrinth und Balance
Herkunft, Verbreitung, Symbolik: Die Sage von Minotaurus
Kulturen und ihre Labyrinthe
Rituale - Tänze - Feiern
Grobkonzept
Labyrinth und Balance
In der Klasse: Begrüßung und Einleitung
Im Turnsaal: Der Schneckentanz (Kousseftos), Gemeinsames Legen von zwei Labyrinthen
(Ur-Typ), Individuelles Begehen und Erfahrungen Sammeln
In der Klasse: Skizze zum Erlebten , Austausch der Bilder und Erfahrungen
Der Mythos: Ariadne und Theseus, Erzählen des Mythos - seine Einbettung
in die Geschichte und seine gegenwärtige Rezeption Skizze mit jener Szene,
zu der die SchülerInnen die größte Affinität haben
Austausch der Bilder und Erfahrungen
Die Veränderung der Urform des Labyrinths und die gegenwärtige häufigsten
Formen, Arbeitsblätter mit verschiedenen Labyrinth-Typen, Erarbeitung
von Unterschieden/Gemeinsamkeiten
Die Struktur eines Irrgartens , Begehen der Formen mit einem Stift
Rituale - Tänze - Feiern
Im Turnsaal : Mit Musik als Gruppe ins Labyrinth und wieder hinaus

Konkrete Umsetzung
1. Einheit: Labyrinth und Balance
In der Klasse:
Begrüßung und Einleitung
Heute ist der dritte Projekttag - nun habt ihr euch alle bereits zwei Tage
mit dem Labyrinth beschäftigt und einiges Neues erfahren. Ich, meine
Name ist Ilse M Seifried, beschäftige mich seit 4 Jahren damit und lerne
immer noch dazu. Auch gibt es noch viele Fragen, auf die bisher keine eindeutige
Antwort gefunden wurden. So freue ich mich über diese Zusammenarbeit,
die eine interessante und spannende sein wird. Ehe ich meine Angebote mache,
würde mich interessieren, was für jede/n bisher das Labyrinth bedeutet
.. das kann ein Erlebnis/ein Gefühl/ein Gedanke u.a.m. sein.
Bella, Manuel D., Max, Nathalie, Bianca, Julia S.: Das Labyrinth
bedeutet für mich Zeit.
Julia L.: Im Labyrinth muss ich mich auf den Weg konzentrieren und kann nicht
auf die anderen schauen.
Kerstin: Das Labyrinth bedeute für mich "Zeit für sich selbst
haben".
Lukas, Viki: Das Labyrinth ist für mich beruhigend.
Florian, Michaela: Das Labyrinth ist für mich befreiend.
Flo: Im Labyrinth kann ich mich entspannen.
Philipp, Carina: Das Labyrinth ist für mich lustig.
Michael: Das Labyrinth ist für mich spannend.
Markus: Das Labyrinth ist etwas trauriges für mich.
Julian: Irgendwie ist das lustig, wenn man hineingeht.
Manuel A.: Das Labyrinth ist für mich entspannend.
Nora: Im Labyrinth kann man seine Gedanken sammeln.
Susi: Das Labyrinth bedeutet für mich Ruhe.
Andrea, Christiane: Im Labyrinth kann man in sich gehen
Michelle: Im Labyrinth fühl ich mich wohl.
Julia F.: Das Labyrinth ist für mich wie ein Lebensweg
Ilse M Seifried: Für mich bedeutet das Labyrinth die Verbindung von Gegensätzen
wie z.B. links-rechts, hinein-hinaus,...
Wir haben gemeinsam 4 Stunden Zeit um uns mit dem Labyrinth
zu beschäftigen. Wollte ihr das, was ich vorhabe, jetzt wissen oder euch
lieber überraschen lassen? Abzählen der Stimmen
Da aber in einer Gemeinschaft niemand übergangen werden soll mit seinen/ihren
Bedürfnissen, schlage ich vor, dass diejenigen, die es nicht wissen wollen,
die Augen schließen - die anderen schauen, was über den Overheadprojektor
kurz zu sehen ist.
1.Einheit
Im Turnsaal:
Der Schneckentanz
Gemeinsames Legen von zwei Labyrinthen mit Schnüren und Begehen
In der Klasse:
Skizze zum Erlebten
Austausch der Bilder und Erfahrungen
2.Einheit
Ich erzähle euch den Mythos von Ariadne und Theseus
und ihr zeichnet ein Bild dazu
3.Einheit
Ich stelle euch verschiedene Labyrinth-Typen vor
und schauen uns die Unterschieden/Gemeinsamkeiten an und finden heraus, was
ein Irrgarten ist
Zeichnung eines Irrgartens und oder eines Labyrinthform
4.Einheit
Mit Musik als Gruppe ins Labyrinth und wieder hinaus
Im Turnsaal:
Zuerst ein bißchen Bewegung, ich lade euch ein, mit mir einen Schneckentanz
zu tanzen - ihr werdet gleich sehen, warum er so heißt...zuerst bilden
wir gemeinsam eine Schlange, halten uns dabei an den Händen und nun geht
es linker Fuß, rechter Fuß
Der Schneckentanz (Kousseftos) laufend durch den Raum, spiralig hinein und
spiralig hinaus ...
Gemeinsames Legen von ein Labyrinth (den Ur-Typ)
Es gibt viele Arten, wie die Labyrinth-Struktur gelegt werden kann, ich zeige
euch nun eine, die einfach ist und wo alle mitmachen können.
Wir brauchen wir 12 rote Bänder, 4 Tennisbälle und
viele Springschnüre.
Den Anfang machen 2 rote Bänder. Diese zwei Bänder sehen gleich
aus. Und wie ich schon sagte, bedeutet für mich das Labyrinth die Verbindung
von Gegensätzen, also lege ich nun ein Band waagrecht und ein Band senkrecht
auf den Boden - sie bilden so miteinander einen rechten Winkel und berühren
einander nur in einem Punkt und bilden etwas Neues: einen rechten Winkel.
Damit haben wir ein Dreieck gelegt, dessen eine Seite offen ist. Das Dreieck
mit dem Spitz nach oben symbolisiert das Männliche. Das Dreieck nach
unten symbolisiert das Weibliche. Und hier beim Labyrinth geht es um die Verbindung
von Gegenpolen - der Gegenpol ist in diesem Fall eine Spiegelung des ersten
Dreiecks - darum legen wir zwei weitere rote Bänder so, dass sich die
Eckpunkte beider offenen Dreiecke berühren. So sind nun 4 Felder entstanden,
eine Verdoppelung - in jedes Feld werden mit 2 Bändern ein offenes Dreieck
gelegt -nun aber nehmen wir die vier Tennisbälle und legen in jedes Feld
einen mit ca. einer großen Schrittlänge Abstand.
Nun wird das Ende des ersten offenen Dreiecks mit einer Schnur mit dem Ende
des linken innerhalb liegenden offenen Dreiecks verbunden.
Jetzt das Ende des inneren rechten offenen Dreiecks mit dem Ball im linken
Feld - also auch hier: linkes und rechtes Feld werden verbunden.
Nun wird der Ball im rechten Feld mit den Ende des roten Bandes im linken
Feld verbunden. Wenn ihr jetzt hinseht, ist eine Asymmetrie zu merken. Weiter
geht es nach dieser Methode: die Bandenden bzw. die Bälle der rechten
Felder werden der Reihe nach mit den Bändern und Bällen der linken
Seite durch Schnüre verbunden, bis das Labyrinth fertig ist.
Die SchülerInnen arbeiten sehr motiviert am ersten eigenen Labyrinth..
Wenn wir nun schauen, sehen wir eine geschlossene Figur mit nur einem Eingang.
Bewegungsangebot
Mit Abstand von den Labyrinthen bewegt euch nun im Raum - langsam oder schnell,
so wie ihr wollt - und nun geht von der linken Seite des Raumes zur rechten
Seite - direkt und ohne Umwege; Hin und her und spürt, wie sich das anfühlt,
erst laufend, dann schnell gehend, dann langsamer gehend und langsam gehend.
Jetzt findet heraus, wie es sich anfühlt, einen Labyrinthweg zu gehen,
der Kurven und Wendungen hat.
Da ihr eine große Gruppe seid, schlage ich vor, dass ihr euch in zwei
Gruppen teilt. Gruppe 1 geht zuerst ins Labyrinth während Gruppe 2 zuschaut
und beobachtet. Wenn alle Kinder das Labyrinth verlassen haben geht Gruppe
2 und Gruppe 1 sieht zu und beobachtet.
Lasst Abstand und lasst euch Zeit. Jede/r geht für sich und spürt,
wie dieser Weg ist. Bringt mich der Weg aus meinem Gleichgewicht oder bringt
er mich ins Gleichgewicht? Beruhigt er mich oder macht er mich nervös?
Findet das oder auch anderes heraus ohne dabei mit anderen zu reden, das tun
wir später in der Klasse. Ja, und wie spürt es sich an, um die Kurve
zu gehen/ Im Mittelpunkt zu sein/ wieder rauszugehen?
Die BeobachterInnen schauen sich besonders ein oder zwei MitschülerInnen
an, wie gehen diese? Zögernd, fröhlich,..? Und wie ist der Unterschied,
zuzuschauen oder selbst im Labyrinth zu gehen?
Wir lassen die Labyrinthe für die nächste Klasse hier
liegen und gehen nun wieder in die Klasse.
Macht nun eine Skizze, eine schnelle aber aussagekräftige Zeichnung zum
Erlebten und schreibt einen Satz dazu.
Wer das Bild allen zeigen will und den Satz dazusagen, kann das jetzt machen
- eines nach dem anderen und einfach nur schauen, was die anderen erlebt haben.
Ariadne (m)
Drehsachen (m)
Freudenweg (?)
Sonne, Insel, Meer (m)
Ball (m)
Spaß (m)
Entspannung (2 b, m)
Kreuz (3m)
Von meinem Bruder ist der Hamster gestorben (m)
Trauer (b)
Regensachen (m)
Regenbogen, Regenwurm, Regen (m)
Gedanken (m)
Befreiung (m)
Befriedigung (m)
Lustig (b)
Hallo (b, m)
Labyrinth (3 b, m
Keine Antwort (2 m, 2 b)
m= Mädchen, b=Bub

2. Einheit: Der Mythos Ariadne und Theseus
Ein Mythos ist eine Sage oder eine Dichtung von GöttInnen,
HeldInnen und Geistern aus der Urzeit eines Volkes. Manches davon kann nachgewiesen
werden, das meiste allerdings nicht.
Ich erzähle euch den Mythos von Ariadne und Theseus, der auf der Insel
Kreta handelt. Heute gehört Kreta zu Griechenland, aber es gab eine Zeit,
da wohnte die Urbevölkerung auf dieser Insel, die teilweise aus Ägypten
kam und ihre eigene Kultur hatte. Das ist einige tausend Jahre her.
Zuerst wurde der Mythos mündlich weitererzählt, später dann
aufgeschrieben. Und wie ihr das vom Spiel "Stillen Post" kennt,
verändern sich dabei die Inhalte. So gibt es heute viele Varianten.
Ich erzähle auch die, die mir am besten gefällt. Und wenn ihr Lust
habt, könnt ihr, während ich erzähle ein Bild von einer Szene
dieses Mythos zeichnen oder aber auch erst am Ende der Erzählung.
Ich beginne mit einer Vorgeschichte von Ariadne und Theseus, damit ihr diese
dann besser versteht. Damals also, vor langer langer Zeit, wurde von den kretischen
InselbewohnerInnen eine Göttin, nämlich die Mondgöttin verehrt,
die die Natur wachsen und reifen (Sommer) aber auch sterben (Winter) ließ.
Sie hatte die Macht über Leben und Tod. Ihr zu Ehren gab es jedes Jahr
ein Fest, damit die Natur wieder erweckt wird und neu erblüht, die Auferstehung
der Natur sozusagen. Die Priesterin, die auch Königin war, symbolisierte
die Göttin und diese wählte sich einen Priester, mit dem sie die
Heilige Hochzeit feierte. Beide waren also StellvertreterInnen: sie für
die Kuhgöttin, er für den stiergestaltigen Gott.
Alle Kühe kommen aus Indien, denn dort waren sie heimisch, ehe sie sich
über die ganze Welt verbreiteten. Gezähmt wurde das Rind wahrscheinlich
6000 v.u.Z. und weil die Kuh ein Tier ist, dem die Menschen viel zu verdanken
haben, gab es in vielen Ländern einen Kuhkult. Bei uns in Nordeuropa
gibt es zum Beispiel einen Mythos, der erzählt, dass die Kuh Audhumbla
das erste Wesen der Welt war. Sie leckte einen Mann aus dem Eis und dieser
wurde der Großvater der Götterfamilie der Asen. Bis heute spielt
die Kuh eine wichtige Rolle, in Indien gilt sie immer noch als heilig und
darf nicht geschlachtet werden, in Spanien gibt es die Stierkämpfe, im
Stall bei Jesus steht ein Stier u.a.m.
Nun, auf Kreta also feierte die kuhgesichtige Göttin bzw.
deren Priesterin mit dem stierköpfigen Priester die Heilige Hochzeit
(Hieros Gamos). Für eine Jahr durfte der erwählte Mann König
sein. Im nächsten wählte die Königin sich einen anderen.
Aber die Zeit veränderte sich und damit auch die Bräuche und das
Leben. König und Königin regierten die Stadt bzw. das Land gemeinsam.
Ich erzähle nun aus der Zeit, da König Minos und Königin Pasiphae
herrschten. Damals gab es nicht nur Göttinnen sondern auch schon Götter.
Die Heilige Hochzeit feierte die Königin, die nun die Göttin symbolisierte
mit einem Mann ihrer Wahl.
Unter Königin Parsiphae und Minos, die mehrere Kinder hatten,
wurde reger Handel per Schiff betrieben und so hatten die KreterInnen auch
Kontakt mit Athen. Die Bevölkerung dort hatte aber eine ganz andere Kultur
und die kretische Kultur schien ihnen sehr fremd. Als Prinz Androgeos bei
seinem Besuch in Athen bei einem Stierkampf stirbt, ist klar, dass das gesühnt
werden muß.
Es kommt zwischen König Minos und König Aigeus zur Vereinbarung,
dass Athen sich verpflichtet, alle neun Jahre sieben junge Mädchen und
sieben junge Burschen nach Kreta zu schicken.
Die Wahl wird immer mit Los entschieden, wer von den Jugendlichen wegfahren
muß. Die Betroffenen und die Eltern sind natürlich nicht erfreut
darüber. Und so kommen Gruselgeschichten in Athen in Umlauf, es wird
erzählt, dass es ein Ungeheur, halb Stier halb Mensch, auf Kreta gibt,
das Minotaurus heißt und die Athener Mädchen und Burschen auffrießt.
Theseus ist ein Sohn des Athener Königs Aigeus, der jedoch
bei Pflegeeltern aufwächst und seine Eltern nicht kennt. Als er erwachsen
ist, will er seinen Vater kennen lernen und er will ihm imponieren. So kommt
es, dass er sich freiwillig meldet, nach Kreta geschickt zu werden. Er will
ein Held sein, er will König Minos besiegen indem er Minotaurus, das
Ungeheuer besiegt. Dieses soll in einem Labyrinth gefangen gehalten sein.
Als Held will Theseus nach Athen zurückkehren.
In Wirklichkeit weiß er aber gar nichts. Er ist mutig und so fährt
er mit den anderen Jugendlichen nach Kreta.
Dort hat in der Zwischenzeit König Minos ein Problem. Er hat Gott Poseidon
um Hilfe gebeten. Dieser verspricht zu helfen, aber er will dafür den
schönsten weißen Stier als Opfertier. König Minos will dieses
Tier aber nicht töten sondern für sich behalten. Glaubt er vielleicht
doch nicht an die neuen griechischen Götter, die er von Athen kennt?
Als Theseus landet, verliebt sich Ariadne, die Prinzessin in ihn- oder auch
nicht. Vielleicht ist Ariadne eine weitsichtige Politikerin und sieht die
Zeit für Änderungen gekommen und meint, der Tod ihres Bruders sei
nun ausreichend gesühnt.
Ariadnes Name heißt übersetzt: Die sehr Heilige. Minotaurus ist
Ariadnes Halbbruder, wenn er ist der Sohn, den ihre Mutter nach der Heiligen
Hochzeit zur Welt brachte, und wie wir wissen, waren Kuh und Stier ja nur
symbolisch aber nicht realistisch. Wenn nun aber Theseus Minotaurs (der Name
heißt Übersetzt: Stier des König Minos) töten will, dann
tötet er auch ihren Halbbruder. Es könnte aber auch sein, dass mit
Minotaurus der wunderschöne weiße Stier des Königs gemeint
war, lebendiges Machtsymbol des Königs.
Ariadne entscheidet sich so, dass sie Theseus einen roten Faden gibt, der
ihn zu Minotaurs führt. Wer gewinnen wird, Monotaurus oder Theseus, ist
offen. Damit ist auch gemeint, welche Religion gewinnen wird, die der KreterInnen,
deren mächtigster Gott eine Göttin ist und Frauen gleiche Rechte
wie Männer hatten oder die der Athener, die viele männliche Götter
verehren und den Frauen keine Eigenständigkeit zugestehen. Also ein wirklich
spannender Kampf.
Dieser soll sich in einem Labyrinth zugetragen haben, es könnte aber
auch ein Irrgarten gewesen sein, in jedem Fall war es ein besonderer Platz.
Der Kampf findet statt und Theseus gewinnt, er tötet Minotaurus. Geheim
und in der Nacht segeln Theseus, Ariadne, nachdem sie alle kretischen Schiffe
zerstört hatten, weg. Auf ihrer Flucht sollte sie niemand einholen können.
Warum Ariadne auf der Zwischenstation nach Athen auf Naxos zurückblieb,
ist, wie gesagt, nicht sicher. Sicher ist jedoch, dass Theseus sehr ehrgeizig
war und König von Athen werden wollte. Ob er nun wieder absichtlich oder
unabsichtlich vergaß, er hißte jedenfalls nicht das weiße
Segel, wie ausgemacht war, wenn er siegreich von Kreta zurückkehrt, sondern
ließ das schwarze Segel am Mast. Als dies sein Vater sah, stürzte
sich dieser vor Gram ins Meer.
In einer Variante läßt Theseus absichtlich Ariadne auf der Insel
Naxos zurück, in der anderen vergisst er sie, in einer weiteren heiratet
Ariadne dann den Gott Dionysos und wird Anführerin der dionysischen Frauen.
Als Ariadne stirbt, setzt Dionysos ihre Krone an den Himmel. Heute wird das
Sternbild, das aus sieben kleinen Sternen besteht, Corona Borealis genannt,
das im Sommer gut am Himmel zu sehen ist. (Bei den IndiarnerInnen Nordamerikas
wird dieses Sternbild Spinne genannt. Und wie wir alle wissen: Spinnen spinnen
ihre Fäden und Netze) Eine andere besagt (Plutarch), dass Ariadne Königin
von Kreta war und Frieden mit Theseus schloß und die Geisel freiwillig
zurückreisen ließ. Und wieder eine andere erzählt, dass Ariadnes
Schwester Phaedra mit Theseus nach Athen weiterzog, ihn heiratet und Hippolytos
zur Welt bringt.
Ein Labyrinth wurde bis heute nicht auf Kreta gefunden und daher
wird vermutet, dass es nie ein solches Gebäude gab. Und der Faden der
Ariadne? Vielleicht ist damit der Schicksalfaden gemeint, an dem alles hängt?
Damals war das wertvollste Gastgeschenk und ein Ausdruck von Macht ein Gewebe,
er kann auch für Wissen stehen, aber vielleicht bedeutet der rote Ariadnefaden
etwas ganz anderes?
- Und welche Bedeutung hat dieser Mythos für uns heute?
- Was meint ihr?
- Welche Szenen habt ihr gezeichnet - lasst sehen und erklärt!
Während der Mythos von Ariadne und Theseus erzählt wird, können
SchülerInnen dazu Zeichnungen anfertigen oder einfach nur zuhören.
Dabei zeigt es sich, dass es aber einigen SchülerInnen nicht leicht fällt,
zu zeichnen und gleichzeitig zuzuhören. Vor allem wenn sich Hindernisse
durch fehlende Farbstifte, Spitzer, Radiergummis ergeben oder, wenn durch
den Blick auf die Nachbarzeichnung vom Erzählten abgelenkt wird. Anschließend
äußerten sich die Kinder zur gehörten Sage folgendermaßen:
Markus: Vielleicht ist der Minotaurus nur ein Mensch mit Maske....
Julian:...oder ein echter Stier.
Bella: Vielleicht ist gar nichts drinnen - vielleicht haben sich die Menschen
nur im Labyrinth verirrt und sind verhungert.
Die Schülerinnen zeichneten im überwiegenden Maße den Minotaurus oder das Labyrinth. Einige Buben zeichneten auch die Flotte, mit und ohne schwarzem Segel. Susi entschied sich als einziges Mädchen für eine Zeichnung, auf der Ariadne zu sehen ist.

3. Einheit: Die Veränderung der Urform des Labyrinths und die gegenwärtige
häufigsten Formen
Ausgehend vom fünf-gängigen über das sieben-gängige
Labyrinth - siehe Overheadfolie Täfelchen von Pylos (Griechenland) und
die Keramik von Tell Rifa'at (Syrien) beide ca. 1200 v.u.Z. - werden wir uns
nun Beispiele von Labyrinth-Typen, die im Laufe der letzten 2000 Jahr entstanden
sind, in Form von Arbeitsblättern anschauen.
Bei der Vorstellung verschiedener historischer Labyrinthe entdeckte Lukas,
dass das Urlabyrinth zugleich auch das Labyrinth ist, das sie im Turnsaal
gelegt hatten.
Zuerst aber betrachten wir das siebengängige genau: es kann gegen oder
im Uhrzeigersinn beginnen.
Werden die Gängen von außen bis zum Zentrum von 1 bis 8 numeriert,
sie fällt auf, daß die Wege mit der ungeraden Zahl mit dem Uhrzeiger
laufen, die Wege mit geraden Zahlen gegen den Uhrzeiger. Der Weg 4 liegt zwischen
denWegen 1,2,3 und 5,6,7.....addiert ergibt sich 1+7=8, 2+6=8, 3+5=8. Die
8 gilt als Zahl für die ewige Wiederkehr.
Wir suchen wie DetektivInnen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen
Typen.
1. Römisches Labyrinth (Nordafrika, Italien, 2. Jh. n.u.Z.)
2. Chartres (Frankreich, 13. Jh.)
3. Man in the Maze (Nordamerikanische IndianerInnen, 20.Jh.)
4. Cakra-vyuh (Indien, Abb. Ca. 12. Jh. n.u.Z., schriftl. erwähnt 4.
Jh.v.u.Z.)
5. Irrgarten von Altjessnitz (Deutschland, 18. Jh. n.u.Z.)
Dem Irrgarten als einer Sonderform schenken wir besonderer Beachtung.
Ca 300 v.u.Z. wird diese Struktur zum ersten Mal erwähnt. Die älteste
bekannte Darstellung eines Irrgartens stammt aus dem Notizbuch des venezianischen
Arztes Giovanni Fontana (ca. 1435), im 16. und 17. Jh. Und dann wieder von
1880 - 1950 taucht dieses Motiv häufig auf. Dante, Leonardo da Vinci,
Dürer, el Greco u.a.m. verfertigen Irrgärten, Einlinienbilder und
verschlungene Flechtwerkzeichnungen. Das Berechenbare bzw. das Unberechenbare
beschäftigt die Menschen dabei.
Die SchülerInnen erfassen schnell Gemeinsamkeiten der verschiedenen
Labyrinthe:
Markus: Es ist immer ein Weg heraus.
Julian: Ein Labyrinth hat nur einen Weg.
Malt nun den Irrgarten und/oder auch euer Lieblingslabyrinth
an und versucht zu sagen, warum euch dieses besonders anzieht!
Den Kindern wird ein Irrgarten präsentiert und schnell entsteht Unruhe.
Der Weg kann nicht in Ruhe begangen werden.
Andrea: Im Irrgarten gibt es kein Zentrum.
Flo: ..es gibt mehrere Zentren.
Bella: Ich mag lieber das Labyrinth, weil man da Zeit zum Denken hat.
Michl: Der Irrgarten ist mir lieber, weil man sich verirren kann, das ist
lustiger.
Morgen habt ihr ja die Möglichkeit zu surfen, hier sind
ein paar links:
Labyrinth-Websites

4. Einheit: Mit dem sog. Labyrinth-Tanz (Tsakonikos) als Gruppe ins Labyrinth
und wieder hinaus
Im Turnsaal
Der Tanzweg, der Weg durch das Labyrinth, wird Ariadne-Faden genannt.
Das Lied wird Tsakonikos genannt und wird mit dem Labyrinth in Verbindung gebracht. Warum das so ist, wissen wir nicht.
Das Wort Labyrinth ist auf alle Fälle kein griechisches Wort sondern ein viel älteres als die griechische Sprache, die Bedeutung ist verloren gegangen. So wie wir heute viele englische Worte verwenden, war es auch damals mit der kretischen Sprache bzw. akkadischen Worten aus dem syrischen Raum.
Die Schrittabfolge: re/li/re/li mit re Zehen den Boden seitlich
nur antippen und weiter re/li/re/li mit re Zehen den Boden seitlich nur antippen
etc. dabei nehmen wir uns an der Hand (re Handfläche nach oben gerichtet,
li Handfläche nach unten gerichtet) und hacken die Arme bis zum Ellbogen
unter.
Achtsamkeit ist nun gefragt, um niemanden auf die Fersen zu steigen ...
Den lebhaften Buben gelingt es zuerst nicht ganz die Konzentration aufzubringen. Dann haben aber auch sie den Ehrgeiz, das Labyrinth tanzend zu durchdringen und bemühen sich, sich dem Rhythmus der Gruppe anzupassen, sodass schlussendlich dieses Ende für alle zum Erlebnis wird.

In der Klasse:
Zusammenfassung des heutigen Tages
Feedback: was hat gefallen/was nicht?
Abschluß
Viki: Danke, dass du gekommen bist, wir haben eine Menge dazugelernt.
Bella: Es war sehr lustig, danke, dass du da warst.
Markus: Mir hat am besten die Sage gefallen.
Andrea: Danke, dass du gekommen bist, wir haben viel gelernt und es hat viel
Spaß gemacht.
Florian: Danke, dass du da warst. Das Labyrinth bauen und gehen war lustig
und interessant war auch die verschiedenen Labyrinthe kennen zu lernen.
Flo: Es war cool, dass du da warst. Das im Turnsaal war besonders lustig.
Michl: Danke, dass du da warst und vielleicht sehen wir uns einmal wieder.
Philipp: Mir hat das Labyrinthbauen am meisten gefallen.
Lukas: Das Labyrinthbauen war lustig und ich würde mich freuen, wenn
wir uns wiedersehen.
Susi: Danke, dass du da warst und wir hätten nicht so viel gelernt, wenn
du nicht da gewesen wärst.
Reflexion: Die SchülerInnen zeigten sich an diesem
Projekt sehr interessiert. Sie waren sehr aktiv beteiligt und fanden sehr
rasch Zugang zur Symbolik des Labyrinths. Wichtig war in diesem Zusammenhang
vor allem der emotionale, ganzheitliche Zugang zum Thema: Im Vordergrund stand
daher die Labyrintherfahrung mit dem ganzen Körper. Gleichzeitig sind
die SchülerInnen sehr wissbegierig und verlangen immer auch nach ausführlichen
Informationen zum Thema, sodass auch ihr kognitiver Hunger gestillt wird.
Mag. Wilhelmine Riedl
anfragen für projektdurchführungen
schülerInnen jeden alters:
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