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2013
Labyrinthisches Lernen - von Ilse M. Seifried

Einleitung
Wir lernen absichtlichen und/oder beiläufig. Aus lernpsychologischer Sicht wird Lernen als ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens aufgrund von Erfahrung oder neu gewonnenen Einsichten und des Verständnisses aufgefasst. Die genaue Funktionsweise des Lernens ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt.
Ich füge dem Lernen den Aspekt "labyrinthisches Lernen" hinzu.
Ein Labyrinth ist kein Irrgarten. Der Weg durch einen Irrgarten hat viele Wegkreuzungen und zwingt so zu Entscheidungen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nach Außen: Geh ich links oder rechts oder geradeaus?
Im Labyrinth folge ich dem Weg, lasse mich führen und leiten, denn es gibt keine Entscheidungsmöglichkeit, keine Weggabelung. Die Aufmerksamkeit einer Labyrinthbegehung richtet sich somit nach Innen und ermöglicht so, den eigenen Rhythmus, das eigene stimmige Tempo zu gehen und entschleunigt so und fördert die Achtsamkeit
Der sieben Mal sich wendende Weg pendelt links /rechts sowie zum und vom Zentrum. Das Labyrinth ist auch ein Symbol für den Lebensweg, der ein Weg des Lernens ist.
Beim labyrinthischen Lernen folgen Sie ganz konkret einer nicht linearen nicht alltäglichen Spur. Sie spüren während der Labyrinthbegehung ihren Gefühlen, Erinnerungen, Gedanken, ihrem Körper nach. Während des Gehens lernen Sie ganzheitlich. Das Labyrinth bietet die Erfahrung zu wandeln und sich wandeln zu lassen.
Die Labyrinthstruktur, die in der Natur nicht vorkommt wie die Spirale bei Schnecken oder Farnen, Galaxien oder Mäander, ist ein Kulturgut, das nicht allen Kulturen zu eigen ist. Sie ist geschätzte 5000 jahre alt und somit eine vorpatriarchale Struktur, die andere bzw. alte/neue Lernerfahrungen ermöglicht.

1. "Lernen"
Etymologisch ist das Wort "lernen" u. a. mit den Wörtern "lehren" und "List" verwandt. Es gehört zur Wortgruppe von "leisten", das ursprünglich "einer Spur nachgehen, nachspüren, schnüffeln" bedeutet. Im Gotischen heißt lais "ich weiß", bzw. genauer "ich habe nachgespürt" und laists für "Spur". Die indogermanische Wurzel *lais- bedeutet "Spur, Bahn, Furche".
Schon von der Herkunft her hat "Lernen" etwas mit Spuren hinterlassen, aber auch mit nachspüren zu tun. Lernen soll im Gedächtnis ebenso Spuren hinterlassen (subjektivierender Anteil), wie in der Umwelt (objektivierender Anteil). Lernen geschieht aktiv und passiv.
Wir lernen absichtlichen (intentionales Lernen) und/oder beiläufig (inzidentelles Lernen = Lernen in der Handlung ohne Lernabsicht sowie implizites Lernen = spielerisches Aneignung von Fertigkeiten und Wissen beim Ausüben einer Tätigkeit).
Lernen kann als individueller oder kollektiver Erwerb von geistigen, körperlichen, sozialen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten definiert werden. Aus lernpsychologischer Sicht wird Lernen als ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens aufgrund von Erfahrung oder neu gewonnenen Einsichten und des Verständnisses aufgefasst.
Die genaue Funktionsweise des Lernens ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Lerntheorien: Konditionierung, Instruktionalismus, Lernen durch Einsicht, Lernen am Modell, Situativer Kontext / Transfer, Biokybernetisch-neuronale Lerntheorien sowie Maschinelles Lernen.
Zum Grundinstrumentarium des Lernens gehören neben dem Lernprozess auch die Fähigkeit zur Erinnerung (Gedächtnis) und des Abrufens. Jedoch ist Lernen mehr als das reine Abspeichern von Informationen. Lernen beinhaltet die Wahrnehmung und Bewertung der Umwelt, die Verknüpfung mit Bekanntem (Erfahrung) und das Erkennen von Regelmäßigkeiten (Mustererkennung).

2. Das Labyrinth
A) Historisch
Wer das Labyrinth wo und wann in welchem Zusammenhang geschaffen hat, ist unbekannt. Ob es gleichzeitig an verschiedenen Orten oder von einem Ort zum anderen reiste, ist ungewiss. Sicher ist, dass es in den Nativen Kulturen Australiens und Afrikas unbekannt war. Die Labyrinthstruktur kommt nicht wie die Spirale bei Schnecken oder Farnen, Galaxien oder Mäander, vor.
Die ältesten historischen Labyrinthe sind Felsritzungen (Sardinien, Italienisches Festland, Spanien sowie das Tontäfelchen von Pylos (Griechenland) und Malerei auf Keramik (Tell Rifa'at, Syrien) - letztere aus 1200 v.u.Z..
Die Griechen integrierten das Labyrinth in ihre Kultur und machten es im Mythos von Theseus und Ariadne zu einem Irrgarten. Seitdem erfuhr das Labyrinth verschiedene strukturelle Veränderungen: der Kreuzungspunkt wurde verschoben, aus den sieben Gängen wurden elf, aus den ganzen Bögen wurden Viertel- und Halbbögen u.a.m..
Die Römer legten nicht begehbare Bodenmosaike. Von der Katholischen Kirche an- und aufgenommen erreichte 1220 n. Chr. die labyrinthische Formentwicklung in Form des noch heute erhaltenen Kirchenbodenlabyrinths in Chartres seinen Höhepunkt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist ein spiritueller Bezug nachweisbar. Das Labyrinth wurde als Pilgerweg begangen.
Durch die Jahrhunderte trat das Labyrinth immer wieder ins menschliche Bewusstsein und verschwand daraus auch wieder. Seit den 1970iger Jahren erfährt das Labyrinth eine Renaissance - initiiert von GeomantInnen, KünstlerInnen, spirituellen Menschen unterschiedlichster Glaubenrichtungen vor allem in den USA aber auch Westeuropa. Hier ist Hermann Kern hervorzuheben, der 1981 das erste wissenschaftliche Werk publizierte, das nach wie vor das Standardwerk ist.
Gab es 1999 in Österreich nur sieben Labyrinthe im öffentlichen Raum so sind es gegenwärtig mehr als 100.

B) Möglichkeiten, ein Labyrinth zu erfahren
sind
* es anschauen - als Bild, als Mandala
* es auf einem Blatt Papier befingern, begehen
* eine Kugel in der Wegrille eines Holzlabyrinths rollen
* es ganzkörperlich begehen
Labyrinthbegehung können unterschiedlichster Art und Weise sein:
a) Ich gehe mit keiner Intention ins Labyrinth
. weil ich offen sein will und stelle danach fest, dass ich mich ausgeglichen fühle
. weil ich mich auf den Prozess einlassen will und stelle fest, dass es jedes mal anders ist
. weil ich wach sein möchte für das, was kommt
. mich von meinen Vorstellungen frei zu machen und nur wahrzunehmen, was passiert. Ich erfahre jedes mal eine mich erstaunende Erkenntnis (emotional, körperlich oder gedanklich)
b) Ich gehe mit der Intention ins Labyrinth
. der Mittesuche, weil ich mich im Zentrum des Universums erfahren möchte
. mir zu begegnen
. und erfahre, dass meist ein anderer Bereich angeregt wird
. persönlicher Fragen, weil es ein spezieller Wahrnehmungsraum ist und erfahre, dass ich auf tieferen Ebenen Impulse finde
. weil ich meist einen Übergang zu bewältigen habe
c) Ich gehe alleine durch das Labyrinth.
d) Ich gehe mit anderen durch das Labyrinth.
Wer sich führen lässt und dabei die Augen schließt, kann sich der anderen Person gänzlich passiv überlassen und gleichzeitig selbst aktiv sein durch die konzentrierte Wahrnehmung was ist, ohne auf die Führung einzugreifen und doch eigenverantwortlich zum Beispiel das Tempo zu reduzieren etc.. Die führende Person ist nicht nur aktiv sondern auch empathisch, um zum Beispiel Tempo und Weg achtsam für die geführte Person so angenehm wie möglich zu machen.
e) Ich tanze durchs Labyrinth mit Musik.
f) Ich gehe im Pilgerschritt durch das Labyrinth. etc etc.

C) Aussagen
a) von Kindern einer 4. VS-Klasse:
Das Labyrinth bedeutet für mich Zeit.
Das Labyrinth ist für mich beruhigend.
Das Labyrinth ist für mich befreiend.
Im Labyrinth kann ich mich entspannen.
Das Labyrinth ist für mich lustig.
Das Labyrinth ist für mich spannend.
Im Labyrinth kann man seine Gedanken sammeln.
Im Labyrinth fühl ich mich wohl.
Das Labyrinth ist für mich wie ein Lebensweg
b) von Erwachsenen
Manche Menschen fühlen sich im Zentrum des Labyrinths in die Unendlichkeit versetzt und vermeinen das Göttliche berührt zu haben. Solche Erfahrungen sind das Ziel jeder Meditationspraxis, manche meinen, dies sei einfacher im Labyrinth als mit anderen meditativen Praktiken zu erreichen. Das Labyrinth ist ein Eingang, ein Tor zu spirituellem Wachstum.
Helen Curry

Das Labyrinth ist Symbol für den Kosmos, für eine spirituelle Welt. Es ist auch Metapher für einen spirituellen Lebensweg, der nicht auf der rationalen Ebene erfahren werden kann, weil jede Labyrinthbegehung eine Erfahrung ist.
Robert Ferré
Labyrintherfahrungen sind Spiegel des Unbewussten. Das Labyrinth unterstützt den Prozess Altes zu beenden und Neues zu beginnen. Brauchst du eine Erfrischung auf deinem spirituellen Weg, so geh den Labyrinth-Weg!
Lauren Artress

Was macht die Faszination des Labyrinths aus?
Das Labyrinth ist nicht nur ein Symbol der Wandlung, es bietet die Erfahrung zu wandeln - im doppelten Wortsinn: es zu begehen und so zu wandeln und auch sich wandeln zu lassen.
Wie eine kleine Umfrage ergab, konnten 33 % der Personen während einer Labyrinthbegehung ein Problem, das sie lösen wollten, lösen.
"Das Labyrinth ist ein wünschenswertes Hirn - ein Gehirn ohne Teilung in linke und rechte Hemisphäre."

3. "Labyrinthisches Lernen"
A) Risiko und Risikoforschung
Risiko beschreibt eine potentielle Gefahr. Die andere Seite der Mediale des Risikos ist, dass es eine Chance in sich birgt.
Entscheidungen werden getroffen, ehe wir uns dieser bewusst sind, weil nur ein geringer Teil des Gehirns der Sprache mächtig ist. Doch wir sind ja auch der andere Teil.
Die Kunst, sich richtig zu entscheiden besteht vor allem darin, sich von einigen scheinbaren Gewissheiten zu verabschieden und auf Daten zurückzugreifen. Fakt ist zum Beispiel, dass ein Flug Wien - Berlin die gleiche Todeschance wie eine 20 km lange Autofahrt hat.
Durch Risikokompetenz können (irrationalen) Ängste reduziert werden, denn es wird
sehr viel Zeit und es werden sehr viele Emotionen verbraucht, um nach Sicherheiten zu suchen, die nicht existieren.
Allerdings sei darauf hingewiesen, dass Intuition ist nichtsprachliches unbewusstes Wissen ist. ManagerInnen treffen ihre Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Das zuzugeben ist aber ein gesellschaftliches Tabu, weswegen nach getroffenen Entscheidungen nachvollziehbare logische Gründe präsentiert werden.
Leben und Lebensversicherungen …. und die 2 Fragen männlicher Philosophen ergänzt Olaf Schubert zeitgemäß:
"Wo kommen wir her und wo gehen wir hin - und welche Schuhe ziehen wir dafür an?"
"Wenn du denkst, dass du alles kontrollieren musst, schaffst du Verwirrung, Angst und Sorge und solange ich jeden Tag neu versuche, mir keine Sorgen zu machen, denke ich, ist das ein guter Weg zu leben." Bobby McFerrin

B) Der Zufall
In der Physik wird gegenwärtig die Multi-Universentheorie von den meisten vertreten. Doch sie vermeidet die Existenz des Zufalls . Der kausale Zusammenhang von Ursache und Wirkung ist im westlichen Weltbild fest verankert. Doch auch den Zufall müssen wir akzeptieren, denn er ist ein erfolgreiches Evolutionsprogramm.
Im wissenschaftlichen Alltag sind die ForscherInnen erst zufrieden, wenn die Ursache gefunden ist, doch dies engt ein, wenn der Zufall prinzipiell ausgeschlossen ist.
Wenn wir davon ausgehen, dass wir in einer Welt der Dualität leben, dann gibt es beides gleichzeitig: Ursache und Wirkung und den Zufall. Der Zufall ist in der Quantenphysik gegeben. Das bedeutet, dass das Quantensystem nur eine begrenzte Informationenmenge hat. Ist eine Information nicht möglich, so entscheidet der Zufall! Eine ununterbrochene Ursachenkette ist die Grundlage des Buddhismus. Der Dalai Lama sagte zu Zeilinger, er würde die Grundlehre ändern, wenn der Zufall beweisbar ist.
Der Zufall als künstlerisches Konzept ist für Georgia Russell wesenrlich. Sie benutzt Bücher nicht nur zum Lesen, sondern kreiert daraus Skulpturen. Sie versucht an die Literatur auf eine etwas andere Art heran zu kommen.
Warum? Weil. Erklärungen sind nur ein kleiner Bruchteil der Wahrheit .... Rose Ausländer

C) Weiblichkeit
"Der Sündenfall unserer Spezies liegt in der Abkehr von der Tradition der Verehrung des Weiblichen.", meint Naomi Wolf und weiter "Es gibt eine Vagina-Geist-Beziehung, die der Westen zu verschleiern suchte."
Zunehmend erkennt die Forschung, dass Gehirn und Vagina nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Die Existenz eines neuronalen Netzwerks zwischen weiblichem Becken und weiblichem Gehirn lassen die weiblichen Sexualität in einem neuen Licht erscheinen. Naomi Wolf nimmt dies zur Basis der kulturhistorischen Geschichte, wie die Vagina in der Antike, bis zur Gegenwart repräsentiert wurde und wird - und diese Geschichte ist eine durchaus aufschlussreiche.
Auch wenn bereits von "Neuro-Mythologie" gesprochen wird, weil die Neurologie überbewertet bzw. unzulänglich interpretiert wird, so ermöglicht diese neue Blickpunkt und alte Sichtweisen zu hinterfragen.
Als Beispiel einer Fehlinterpretation sei hier Göttin Artemis genannt. Sie war die Schirmherrin der Jagd, die in etlichen Darstellungen als vielbrüstige Frau dargestellt wurde. Dies ist eine vermutlich nicht ganz unabsichtliche Fehlinterpretation . Tatsächlich hängte man der Göttin Stierhoden als Opfergaben um. Üblicherweise opfert man nicht, was wertlos oder verwerflich ist. Stierhoden werden in den USA als Bergaustern bezeichnet und in Ägypten als "Sweet Bread".
Worte haben Macht, sind mächtig. Welche Worte es für Vagina gab und gibt und was diese mit der Stellung von Frauen zu tun haben zeigt Naomi Wolf wie auch der an dritter Stelle der Unwörter des Jahres befindliche Begriff "marktkonforme Demokratie" . Dieser bedeutet nichts anderes als dass nicht mehr allein BürgerInnen als WählerInnen bestimmen, sondern Spekulanten, Finanzmärkte, Hedgefonds und Banken.
Wege

sollen gegangen werden
geh "ein Wort weiter"

gradaus schräg
hinauf hinab

finde deinen Schritt
im Sternenwald

Licht kleidet dich
in Schatten

Geh
in den Steinbruch
der Wörter

Rose Ausländer


"Es ist wichtig, Raum zu schaffen für die Unberechenbarkeit des Lebens."
Die Historikerin Barbara Tuchmann meinte: "You cannot extrapolate any series in which the human element intrudes. History, that is, the human narrative, never follows and will never follow the scientific curve."
Die Labyrinthstruktur wird von vielen spontan mit dem menschlichen Gehirn oder der Gebärmutter assoziiert. Diese Verbindung passt gut zum genannten Weiblichkeits-aspekt.
Der Ariadnefaden, der Weg durch die Struktur, garantierte auf konkreter Ebene das Finden des Ausgangspunktes in einem Irrgarten und auf der philosophischen bzw. spirituellen bedeutet sie die Verbindung zur Göttin (bzw. dem Schöpfungsursprung). Der Faden symbolisiert die "innere Führung", die Intuition - diese ist Wissen, Erfahrung, und Nichtwissen aus nicht-sprachlichen Dimension.

D) Labyrinthisches Lernen
a) Gedankengänge
*
Wenn das Leben "Nein" sagt (etwas klappt nicht, wird abgesagt wird, geht kaputt etc.) zu einer Lebensrichtung (zum Beispiel zur Fortführung einer Ehe in Form einer Scheidung), so geht das Leben weiter, fließt es dennoch weiter. Nur eben anders als gedacht, erwartet, gewünscht.
Schritt für Schritt, Atemzug um Atemzug, Mosaikstein um Mosaikstein entsteht der LebensWeg, das Leben. Es gibt kein Hindernis - außer dem Tod.
*
Wenn gegen das Nein des Lebens angekämpft wird, so stellt sich dann eine neue Frage:
Nun bist du mit dem Kopf durch die Wand. Und was wirst du in der Nachbarzelle tun?
Stanislaw J. Lec
*
A: "Ich hätte fast aufgegeben …."
B: "Aufgeben tut man nur einen Brief!"
*
Wir Menschen wissen nicht im Voraus, wohin unser Lebensweg uns führt und wie. Mit anderen Worten: Wir wissen nicht, was "geplant" ist.
Wenn wir dem inneren "Kompass" folgen, folgen wir dem Ariadnefaden, der ohne Wegkreuzung ist - egal ob das Weltbild ein Irrgarten oder ein Labyrinth ist.
Der Irrgarten im Labyrinth bedeutet, dass wir zu zweifeln beginnen, die innere Ausrichtung bzw. Orientierung verloren haben
Das Labyrinth im Irrgarten bedeutet, dass wir die Weg-Entscheidungen nicht als Stress oder Entscheidung im Außen nehmen sondern dem "inneren Faden" zweifelsfrei folgen.
*
Und die Frage stellt sich, ob die Irrfahrten des Odysseus nicht ein Weg durch das Labyrinth waren?
*
Für Jacques Attali ist das Labyrinth viel mehr als eine Zeichnung. Es ist nach seiner Meinung "die letzte Botschaft, welche die Nomaden den Sesshaften übermittelt haben, als hätten sie geahnt, dass ihre fernen Abkömmlinge eines Tages, nachdem sie unfreiwillig wieder zu Nomaden werden, in diesen vergessenen Zeichnungen die Wege der Weisheit werden suchen müssen, die für ihre Zukunft notwendig sind."
*
Die Evolutionstheorie bedarf Modifizierungen : Max-Planck-Forscher entwickelten mathematisches Modell - Ergebnis: Manchmal ist es besser, sich langsamer anzupassen
München - Bei der Evolution ist es offenbar manchmal besser, etwas langsamer zu sein. Mathematiker haben herausgefunden, dass es entgegen der bisherigen Annahmen der Evolutionsbiologie nicht immer von Vorteil ist, sich im Vergleich zu anderen schneller zu entwickeln, besser anzupassen und rasch zu lernen, wie die Max-Planck-Gesellschaft am Freitag in München mitteilte.
Mit einem mathematischen Modell aus der evolutionären Spieltheorie fanden die Wissenschafter nach Angaben der Gesellschaft heraus, dass es sich in Beziehungen zwischen verschiedenen Spezies häufig auszahle, langsamer zu sein, da sich die schneller entwickelnde Art nach und nach an die Bedürfnisse der sich langsam entwickelnden anpassen wird.
*
Während einer meditativen Labyrinthbegehung scheinen sich Ort und Zeit aufzulösen bzw. spüren sich viele diesen beiden Dimensionen enthoben.
Das Ziel, die Fokusierung darauf, ist im Gefühl der Gegenwärtigkeit irrelevant. Das Ursache-Wirkungs-Prinzip ist von keiner Bedeutung - Zufall und Einfall wirken.

b) Umwege
Umwege sind eine Bereicherung - die Welt nicht erklären sondern verstehen ….
Suchen und finden gehören zusammen - Gefallen finden am Weg, den wir gehen ….
Wie und wohin wir den Fuß setzen um Schritt für Schritt zu gehen, kann sich anfühlen wie im Irrgarten oder wie im Labyrinth. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit und die Aufmerksamkeit können wir lenken lernen….
Während der nicht alltäglichen körperlichen, geistigen und emotionalen Erfahrungen einer Labyrinthbegehung werden Bereiche berührt, die so im Alltag nicht berührt werden. Die Labyrinthbegehung bringt zur existentiellen Basis, dem Experimentieren, zur Freude, zur Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung. Für mich sind dies Faktoren die Verbindung von Hengstenbergarbeit und Labyrinth.

c) wandeln - sich wandeln lassen
Zum Wort Labyrinth, seiner Bedeutung und Herkunft, gibt es verschiedene Theorien, auf die hier nicht eingegangen wird. Doch sei darauf hingewiesen, dass das Wort auch mit "wandeln" im ganz konkreten Sinn zu tun hat:
Lab, (auch Laab, Kälberlab, Käsemagen), ist ein Gemisch aus Enzymen (Chymosin und Pepsin) und wird zum Dicklegen der Milch bei der Herstellung von Käse verwendet. Lab wird aus dem Magen junger Wiederkäuer im milchtrinkenden Alter gewonnen und hat die Eigenschaft, das Milcheiweiß Kasein so zu spalten, dass die Milch eindickt, ohne sauer zu werden, daher werden mit Lab erzeugte Käse auch als Süßmilchkäse bezeichnet. Das Lab war schon im Altertum bekannt, und Aristoteles rühmt das Lab von jungen Hirschen oder Rehen als besonders wirksam.

"Manchmal ist es falsch, etwas einfach zu ertragen. Die Fähigkeit, sich anzupassen und neu anzufangen, zeichnet alle großen Führungspersönlichkeiten aus. Der Wandel ist nicht immer unser Feind, und ihr müsst lernen, ihn als notwendigen Bestandteil eures Lebens zu akzeptieren. Wenn wir uns mit dem Wandel anfreunden und ihn annehmen, so trifft er uns das nächste Mal möglicherweise weniger schmerzhaft."

"Erst mit sich ständig erneuernden Denkmustern vermag der Mensch die Aufgaben anzugehen, die ihm in den Wechselbeziehungen seines Lebens gestellt werden. Der Mut wird stärker, die geistige Flexibilität verbreitert sich, die Beziehungsfähigkeit wird kreativer."

d) Zitate zum Be- und Weiterdenken

*
"Die Geheimnisse der Welt ergeben sich demjenigen, der bereit ist, sich von ihnen verwandeln zu lassen." Michael Ende
*
" Quelle différence entre le parfum de tes boucles / et le parfum du monde?/ Ta chevelure est le labyrinthe à travers lequel / je travers les routes du monde. "
Titi Robin
*
"Wenn einer in die Irre geht, dann heißt das noch lange nicht, daß er nicht auf dem richtigen Weg ist."
Hans Bemmann
*
In Irrgärten trafen wir verspielte Naturen mit einer Vorliebe für kniffelige Aufgaben, Menschen, die Spaß daran haben, aus vielen Möglichkeiten den richtigen Weg herauszufinden, in Sackgassen zu landen sich auszuprobieren, die den menschlichen Irrtum überhaupt für möglich halten. (Jürgen Hohmuth in: Labyrinthe und Irrgärten))
*
Obwohl jede Fehlentscheidung einen längeren Weg und Zeitverlust bedeutet, liegt im Irren die Möglichkeit, den richtigen Weg zu finden, Neues zu entdecken.
*
"Der uralte Widerspruch zwischen Bestand und Wandel in menschlichen Begebenheiten sind voneinander abhängig und müssen als eine Gestalt gesehen werden. … Für eine Theorie des Wandels ist eine klare Trennung zwischen Tatsachen und Annahmen über Tatsachen von entscheidender Bedeutung."
Paul Watzlawick


E) Ein kleiner Umweg: Wie die Entwicklung der Menschheit mit Ariadnes Faden verknüpft sein könnte
In allen Kulturen der Welt gibt es Mythen, die von einer Zeit erzählen, die so ganz anders war, als die jetzige es ist. Eine Zeit ohne Mühsal, ohne Hass und ohne Kriege - in unserer Kultur Paradies genannt. Dieses Wort lässt sich zurückführen auf seinen Ursprung, nämlich Einzäunung.
Was, so stellt sich die Frage, war eingezäunt? Einzäunung bedeutet, es gibt ein Innerhalb und ein Außerhalb. Zu Beginn befinden sich die Menschen im Paradies, also innerhalb der Grenze, in einem Zeitraum, in dem Friede und Liebe schwingt und alle glücklich und zufrieden sind. Offenbar gab es bereits eine Dualität, die die Menschen aber weder kannte noch ahnte.
Ein Quantensprung der Bewusstseinsentwicklung setzte ein, ein evolutionäres Geschehen. Anhand konkreter Bilder und Geschichten wird dieses Ereignis in allen Kulturen zwar oft unterschiedlich, aber nachvollziehbar vermittelt wird.
Ich möchte nun in diesem Kontext einen Zusammenhang mit dem Labyrinth herstellen.
Im Labyrinth gibt es einen Raum, der von Menschen begangen / gelebt werden kann, Der Weg bringt Abwechslung durch die vielen 180° Wendungen. Doch es gibt keine Entscheidungsmöglichkeiten, weil es nur eine Wegspur gibt und keine Wegkreuzungen. Egal wie oft die Gehende zur Ruhe kommt, um dann aufgrund eines Impulses wieder weiter geht, in welchem Tempo sie schreitet / lebt: Der menschliche Wille ist ident mit der universellen Kraft, denn es gibt nur diesen einen Weg und keine Trennung davon.

Die Labyrinth-Struktur hat allerdings eine Öffnung in der äußersten Grenzlinie. Durch diese Öffnung gelangt die Menschheit in eine neue RaumZeitQualität, jene die jenseits des irdischen Lebens liegt.
Nehmen wir an, die LabyrinthStruktur ist mit Steinen gelegt, so kann diese durch willkürliche Weglegung eines Steines (oder bei einem Rasenlabyrinth durch Niedertreten von Gras) in einen Irrgarten verwandelt werden.
Diese Veränderung kann durch einen inneren bewussten oder unbewussten Impuls geschehen.
Wenn alles eins ist, dann hat dieser Impuls zum freien Willen, ebenso seinen Ursprung in der Schöpferkraft, die ja alles ist und alles ist diese. Kommt dieser Impuls intuitiv, ist das schlussendlich dasselbe, den die Intuition ist lt. Duden : das Vermögen, Wissen zu erlangen, das weder aus Schlussfolgerungen oder Beobachtungen, noch durch Vernunft oder Erfahrung gewonnen werden kann. Die Intuition ist demnach als eine eigenständige, unabhängige Wissensquelle angesehen, da sie genau diese Art des Wissens vermittelt, die durch andere Quellen nicht zu erhalten ist.
Für diese Qualität der Intuition sind jedoch nicht allen Menschen gleich offen. Doch sie kann trainiert werden - Im Irrgarten und im Labyrinth. Im Labyrinth kann die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet werden und das Gefühl entwickelt, die Erfahrung gemacht werden: Ich bin getragen. Ich bin beschützt. Ich kann vertrauen.

Im Irrgarten hat jede/r Gehende die Möglichkeit, eine Wahl zu treffen. Hier ist der Weg nicht vorgegeben. Hier kann der eigene Weg kreiert werden. Allerdings unterliegen die meisten Menschen dem Irrtum, hier frei zu sein, denn auch im Irrgarten gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Wegen und Gehmöglichkeiten!
Wenn allerdings zu früh aufgegeben wird, kann der Weg nie zu einem Ziel führen, der Ausgang nie mehr gefunden werden.
Im Irrgarten, wo die Aufmerksamkeit nach außen gerichtet ist, um sich nicht zu verirren, kann diese bewusst nach innen verlegt werden, im Gefühl des Vertrauens wird intuitiv der Weg stressfrei gefunden.
Gelingt der Weg durch einen Irrgarten bis ans Ziel, so hat dieser dieselbe Qualität wie jener durch ein Labyrinth: Der Weg ist ein sich windender Faden.
Damit ist der scheinbar so große Unterschied zwischen Irrgarten und Labyrinth in gewisser Weise irrelevant.
Die Menschen der irdischen Welt, der Welt der Dualität, der Welt des Irrgartens und des Labyrinths - erfahren beides und auch das große farbenschillernde Spektrum dazwischen.
Das zu erkennen bedarf es des Metablickes - der Wahrnehmung aus der sog. Vogelperspektive, die den Überblick ermöglicht, das In Distanz gehen zum Alltag.
Dies ist immer wieder möglich. Menschen können Erfahrungen unter der Erdoberfläche, unter dem Meeresspiegel machen, auf der Erde und in der Luft. Und es bedarf des Wunsches, sich auf den Urzustand zu besinnen.
Die Religion, der Weg zu den Wurzeln - der Weg vom Irrgarten wieder zum bzw. ins Labyrinth zu finden. Für manche ein Ziel, für manche ein Horror - das Leben bietet alles!
Wesentlich ist, wie alles erlebt, erfahren wird. Der grundsätzliche Unterschied zum paradiesischen Leben, um wieder darauf zurückzukommen, ist die Körperlichkeit .
Ariadne hält den Faden in der Hand. Es ist ihr Faden. Im Mythos gibt sie diesen Theseus. Damit ist die Verbindung gegeben von Innen und Außen, von Mann und Frau, von Mensch zur Göttin, zwischen Angst und Sicherheit etc..

Ein Loslassen - ob materiell, gedanklich, emotional oder spirituell - ist die Hölle - das Gegenstück zum Paradies und kann als Tod verstanden werden, ein Zustand, der keine Bewegung zulässt. Ein Loslassen - ob materiell, gedanklich, emotional oder spirituell - ist das Paradies - das Gegenstück zur Hölle und kann als Weisheit verstanden werden, ein Zustand, der Verschmelzung mit dem Ursprung, der SchöpferInnenkraft.
Doch auch das ist, wie alles bisher Gesagte nur eine reduzierte Bildhaftigkeit des unbeschreiblichen Wunders Leben. Von den vielen Dimensionen des Seins kennen wir nur eine begrenzte Auswahl und viele Menschen suchen Sinn und Orientierung.
Und so schließt sich der Kreisbogen, kehren wir an den Beginn zurück, an den Ausgangspunkt, den Ursprung.
In allen Kulturen der Welt finden sich Mythen, die Arten und Weisen von Lebensbewältigung, über das Austragen von äußeren und inneren Konflikten erzählen. Verglichen mit der zeitgenössischen Realität zeigen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten: die Entwicklung vom Kollektiv zum Individuum und weiter zum Kollektiv - allerdings mit der zusätzlichen Erfahrungsqualität, der Weisheit hunderter Generationen: Das Ich bildet sich über das Ego und dieses wird transformiert in die Liebe.

F) Ein weiterer Umweg: Die Freiheit - als eine schöne Kunst betrachtet
Mythen aller Kulturen der Welt erzählen von einer Zeit, die so ganz anders war, als die jetzige es ist. Eine Zeit ohne Mühsal, ohne Hass und ohne Kriege. Und ohne Tod. In unserer Kultur wird dieser Lebensraum Paradies genannt. Ein Zeitenraum, in dem Friede und Liebe schwingen, alle glücklich und zufrieden sind und ewig leben.
Folgen wir dem Wort Paradies zurück zu seinen Ursprung, entdecken wir die Einzäunung. Einzäunung bedeutet, es gibt ein Innerhalb und ein Außerhalb. Das Leben im Paradies, das sich mit dem Beginn der Menschheitsgeschichte findet, fand also innerhalb einer Grenze statt. Das Wie und Warum dieser Abgrenzung gründet sich im Schöpfungsakt der Schöpfungsenergie. Gegenwärtig findet das Leben dem Mythos entsprechend außerhalb statt. Dieses Ausgegrenzte ist die uns bekannte Welt.
Wo aber bitte schön, ist das Paradies geblieben? Ist die Grenze eine undurchdringliche Mauer? Gibt es da und dort Schlupflöcher? Wer hat die Grenzen mittlerweile erkundet? Von welchem Material sind diese? Wird sie bewacht und von wem? Wurde diese Mauer vielleicht sogar schon durchdrungen? Mit welchen Konsequenzen? Wer weiß davon?

Menschen denken in Bildern. Menschen teilen sich mit durch Bilder, die in Sprache transformiert werden. Das Paradies ist der Garten Eden, in dem das Schaf ungefährdet neben dem Wolf ruht. Das Paradies ist gleichzusetzen mit einem sich nicht verändernden Status quo.
Welche Entwicklung nahm das menschliche Bewusstsein, da Wölfe nun Schafe reißen - und nicht nur Wölfe, der Mensch selbst? Besser sollte hier an Stelle von Mensch korrekter Weise Mann stehen. Das über mindestens drei Jahrtausende herrschende Bewusstsein war ein männliches. Wie kann diese Veränderung beschrieben werden?
Wissen, Denken, Erkennen und Bewusstsein - sowohl individuelle als auch das kollektive - unterliegt einem Evolutions- bzw. Entwicklungsprozess. Wie erlebten und begriffen Menschen sich selbst vor 7000 Jahren? Wie erleben und begreifen sich Menschen heute? Welche Sichtweisen und Interpretationen sind gesellschaftlich akzeptiert, welche sind geächtet? Was ist gleich geblieben? Was hat sich verändert?
Eine Welt der Dualität befindet sich im Außen des Paradieses. Eine Welt innerhalb der es interessanter Weise ein Innen und Außen gibt und überraschender weise nicht nur Schwarz und Weiß sondern sich über das Spektrum des Regenbogens erstrecken. Eine Welt, in der Zahlen in die Unendlichkeit reichen. Eine Welt, ....
Fragen stehen im Raum: Von welcher Qualität ist diese Welt? Wie wirklich? Von welchem Ursprung? Eine Welt, kreiert durch das Gehirn. Wie immateriell ist unsere materielle Welt.
Gibt es überhaupt eine Welt außerhalb?


nicht
die Liebe
nehme ich
auf mich
die Liebe
sie lebt
in meinem Herzen

nicht
das Leben
nehme ich
auf mich
das Leben
lebt mich
und ich lebe es

Abwerfen
wie Bäume die Blätter
die sieben Häute der Illusion
das
nehme ich
auf mich

Schrödingers Katze und die Heisenbergsche Unschärferelation resultieren aus der hohen Kunst differenzierten und abstrakten Denken. Die Einsicht heutigen wissenschaftlichen Wissens lautet: Es gibt kein Außen. Wir sind die SchöpferInnen unserer Wirklichkeit.
Die mögliche Konsequenz und Aussicht ist eine Reparadiesifizierung . Kosmischen Lachen schallt durch die Universen.
Des Menschen Wille, das ist sein Glück .
Die Jahrtausende alte Labyrinth-Struktur ist ein Symbol für die Welt und den Lebensweg. Diese ist charakterisiert durch das Fehlen von Weggabelungen. Der Weg durch diese Struktur ist ein Weg, der sich windet und wendet, auf Umwegen aber garantiert ins Zentrum, ins Ziel führt. Der Weg ist also vorgegeben. Es gibt keine Wahlmöglichkeit. Ist das des Menschen Glück? Es ist sein Unglück, da der so genannte freie Wille zumindest anscheinend fehlt?
Nicht so alt wie das Labyrinth ist die Struktur des Irrgartens. Diese ist ebenso ein Symbol für die Welt und das Leben. Im Irrgarten kann nicht nur, hier muss entschieden werden, links oder rechts zu gehen. Wie der Name bereits mitteilt, ist die Möglichkeit nie ans Ziel zu kommen, sich zu verirren und nie wieder herauszufinden, immanent gegeben. Ist diese Art der Entscheidungsmacht, der freie Wille, den Weg zu wählen, das Glück der Menschen? Ist es Unglück, Entscheidung treffen zu müssen - wider Willen ?
Das Glück wird in Wien als ein Vogerl besungen - einmal dahin und dorthin fliegend, und symbolisieren bekanntlich die Freiheit.
Kommen wir wieder zurück auf das Bild von der Welt , das Weltbild. Wie oder was ist nun die Welt? Ein Irrgarten? Ein Labyrinth? Ist mit dieser Fragestellung wieder die Polarität aktualisiert? Gibt es nicht doch noch ein Drittes?
Der Weg durch den Labyrinthraum bringt Abwechslung, vielleicht auch Irritation durch die vielen Wendungen. Bewegungsphasen und Ruhephasen wechseln einander ab. Inneres Bewegtwerden und Bewegtsein geben Impulse für eine weitere äußere und damit auch neue innere Bewegung. Rhythmus wie Tempo liegen innerhalb des Spielraums der Entscheidungsfreiheit. Ist damit der Wille des Menschen deckungsgleich mit der Struktur, der Schöpfungskraft?

Über die Grenzen hinweg steigen, aus der Spur in eine andere Spur zu steigen, nicht bis zum Ende, dem Zentrum zu gehen, zuvor umzukehren. Viel ist möglich in der Beschränkung. Und gibt nicht das Schachspiel mit seinen rigiden Regeln erst die größtmöglichste Freiheit?
Veränderung geschehen durch innere Impulse. Durch willkürliche Löschung eines Grenzstückes wird aus der Labyrinth-Struktur die eines Irrgarten. Diese Freiheit gibt es auf dem Blatt. Gibt es diese auch in der Wirklichkeit?
Der Kopf arbeitet (wo ist das Gefühl?) und findet eine weitere Interpretation: Wenn alles eins ist, dann hat dieser Impuls zum freien Willen paradoxer weise ebenso seinen Ursprung in der Schöpferkraft, die ja alles ist und alles ist diese. D.h. es gibt innerhalb der Labyrinth-Struktur eine Wahl und doch keine!
Zu beachten ist weiters, dass die Labyrinth-Struktur eine Öffnung in der äußersten Grenzlinie aufweist. Diese Öffnung ist eine Verbindung zu einer anderen Raumqualität. Ist diese Schwelle der Übergang von Leben und Tod?

Die Fragen reihen sich wie Perlen zu einer Kette. Geschlossen kann diese als Schmuck um den Hals getragen werden. Aus Freude. Aus Lust am Schönen. In Freiheit. Und da in jeder Frage die Antwort liegt - verborgen zwar, doch vorhanden, strahlt diese Fragekette besonders glänzend in die Welt.
Fügen wir noch weitere hinzu.
Das Weltmodell eines Irrgartens hat das Potential des nicht vorgegebenen Lebens-Weges. Der eigene Weg muss selbst kreiert werden. Immer wieder steht der/die Gehende /Lebende vor einer Wahl, die er/sie treffen muss: Dies bedeutet, symbolisch und konkret gesprochen, entweder Ja oder Nein zu sagen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, in Sackgassen zu gelangen, eventuell das Ziel nie zu erreichen oder ev. nie wieder heraus zu kommen. Wer kennt nicht diese Zweifel und Ängste, die Wut und den Zorn, Verzweiflung, Resignation, Freude der Herausforderung, Lust am Gelingen?
Gelingt der Weg durch den Irrgarten, führt der Irrweg mit seinem fraktalen Charakter tatsächlich bis ans Ziel, so hat dieser wiederum eine ähnliche Qualität wie der durch das Labyrinth: Der Weg ist ein sich windender Faden. Der wesentliche Unterschied liegt in der Schwingung, im Klang, der labyrinthischen Harmonie.

Was ist das Wesentliche im Leben? Ist das Warum mit der Lebensstruktur bereits beantwortet? Wie wird etwas erlebt, erfahren?
Ist ein wesentliche Unterschied zum paradiesischen Leben ist die Körperlichkeit? WissenschafterInnen belegen, dass im Körper Aktion /Reaktion nachweisbar ist, noch ehe der Mensch sich darüber bewusst ist, wie er/sie handeln wird. Die Entscheidung ist bereits im Körper/vom Körper gefallen - was dem menschlichen Bewusstsein allerdings nicht zugänglich ist - und im Glauben, die Entscheidung selbst zu treffen und zu danach, ist demnach in Irrglaube! Und die Freiheit kann
als eine schöne Kunst betrachtet, die jedoch nur eine Interpretation der Realität ist bzw. eine eigene Realität bildet.
Da menschliches Bewusstsein menschliches Bewusstsein immer nur annähernd erfassen kann, bleibt das Leben wohl immer ein Rätsel ... vielleicht ist die Alternative dazu die Intuition, das Spiel?
Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Spielerisch durchs Labyrinth, spielerisch durch den Irrgarten, spielerisch durchs Leben!

Die Qualität der Intuition ist im Spiel wichtig. Im Duden ist dieser Begriff definiert mit: das Vermögen, Wissen zu erlangen, das weder aus Schlussfolgerungen oder Beobachtungen, noch durch Vernunft oder Erfahrung gewonnen werden kann. Die Intuition ist demnach als eine eigenständige, unabhängige Wissensquelle angesehen, da sie genau diese Art des Wissens vermittelt, die durch andere Quellen nicht zu erhalten ist.
Die Freiheit, die Freiheit als eine schöne Kunst betrachten zu können, ist auch eine Kunst.
Was bleibt, ist, die eigenen Vorstellungen, Überzeugungen und Glaubenssätze zu überprüfen und nach Willen zu entscheiden - gleich wie frei oder unfrei dieser ist.

Die Welt ist, wofür ich sie halte. Es gibt keine Grenzen. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Jetzt ist der Augenblick der Macht. Lieben heißt, glücklich sein mit ... Alle Macht kommt von innen. Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit.
Widerspruch, Ablehnung, Auflehnung, Ankämpfen, Vernichtung.
Gegenwärtig findet das Leben dem Mythos entsprechend außerhalb des Paradieses statt. Dieses Ausgegrenzte ist die uns bekannte Welt. Wir sind die, die ausgegrenzt sind, die ausgegrenzt wurden, sich selbst ausgegrenzt haben. Ausgrenzen bedeutet die positive Verbindung lösen. Ausgrenzen kann Abspaltung bewirken.

Zu erkennen bedarf es oft des Metablickes - der Wahrnehmung aus der sog. Vogelperspektive, die den Überblick ermöglicht, das In Distanz gehen zum Alltag.
Dies ist immer wieder möglich.
Menschen können Erfahrungen unter der Erdoberfläche, unter dem Meeresspiegel machen, auf der Erde und in der Luft. Es bedarf des Wunsches, des Begehrens, sich auf den Urzustand zu besinnen. Das Besinnen, das Sein - immer nur eine Annäherung.
Die Religion, der Weg zu den Wurzeln. Möglicherweise der Weg vom Irrgarten zurück zum bzw. ins Labyrinth finden. Für manche ein Ziel, für manche ein Horror. Das Leben bietet alles!
Die Freiheit, vom Standpunkt innerhalb der dualen Weltsicht, kann durchaus als schöne Kunst betrachten werden. Vom Standpunkt der Einheit legt sich die Sinuswelle über die Kosinuswelle und verwandelt sich.

Ariadne hält den Faden in der Hand. Damit ist die Verbindung gegeben von Innen und Außen, von Mann und Frau, von Mensch zur Göttin, zwischen Angst und Sicherheit etc.. Ein Loslassen - ob materiell, gedanklich, emotional oder spirituell - ist die Hölle - das Gegenstück zum Paradies und kann als Tod verstanden werden, ein Zustand, der keine Bewegung zulässt.
Doch auch das ist, wie alles bisher Gesagte nur eine reduzierte Bildhaftigkeit des unbeschreiblichen Wunders Leben. Von den vielen Dimensionen des Seins kennen wir nur eine begrenzte Auswahl und viele Menschen suchen Sinn und Orientierung.
Und so schließt sich der Kreisbogen, kehren wir an den Beginn zurück, an den Ausgangspunkt, den Ursprung.
In allen Kulturen der Welt finden sich Mythen, die Arten und Weisen von Lebensbewältigung, über das Austragen von äußeren und inneren Konflikten erzählen. Verglichen mit der zeitgenössischen Realität zeigen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten: die Entwicklung vom Kollektiv zum Individuum und weiter zum Kollektiv - allerdings mit der zusätzlichen Erfahrungsqualität, der Weisheit hunderter Generationen: Das Ich bildet sich über das Ego und dieses wird transformiert in die Liebe.
Liebe ist ein Kind der Freiheit . Das Paradoxon von Wollen und Freilassen kann seine Auflösung, sein Ineinanderfallen finden. Die Möglichkeit ist gegeben, die Chancen sind groß, die Wahrscheinlichkeit ist gering.

Und doch auch: Auf dem Weg dorthin liegen die Auseinandersetzungen mit den Themen wie Gehorsam, Innere äußere Tyrannen, Gesellschaftszwänge, Versuchung, Kampf um die Freiheit, Macht und Kontrolle.
Angst ist mit dem Ego aufs Engste verbunden. Das Ego kann Sicherheit nur vortäuschen, nicht aber wirklich geben.
Und damit schließt sich die Frage an: Gibt es eine allgemeingültige Definition, eine, auf die sich viele einigen können, wenn darüber gesprochen wird, für Kunst?
Die Freiheit - eine schöne Kunst?
"Bis ins 18. Jahrhundert war der Bereich menschlicher Fertigkeiten (artes) mit Kunst gemeint. Von den Künsten wird vor dem 19. Jahrhundert zumeist so gesprochen wie heute von den Berufen, die eine Fachausbildung voraussetzen. Die Handwerke gelten als eigene Künste (die "mechanischen Künste") ebenso wie die Fächer des (philosophischen) Grundstudiums (die "artes liberales", die "freien Künste", die in den drei großen Fakultäten Theologie, Jurisprudenz und Medizin vorausgesetzt werden)."

Freiheit kann erworben, gelernt werden. Dieser Lehrpfad ist allerdings kein linearer. Und damit kommen wir wieder auf das Labyrinthische zurück. Aus der eigenen Erfahrung kennen wir die Phasen des Erkennens, wieder Verlierens, dem Näherkommen des Zieles und der Entfernung desselben, ehe dieses tatsächlich erreicht wird.
Wo die Freiheit auf das Leben trifft oder den Tod werden Leben und Tod zur Freiheit. Sie machen Experimente und Untersuchungen. Sie schauen in unsere Köpfe und sehen - bunte Bilder. Sie sagen, sie wissen genau, was wir fühlen. Doch eines können sie partout nicht finden, die Hirnforscher: einen freien Willen. Der sei pure Illusion, folgern sie. Daher sei Freiheit genauso eine Illusion wie Zahnschmerzen. Wir alle sind determiniert. Determiniert von neuronalen Prozessen. Das heißt zum Beispiel, dass wir glauben, wir hätten eben erst spontan entschieden, bei Rot über die Kreuzung zu gehen, in Wahrheit hat diese Entscheidung aber schon viel früher stattgefunden.
Nun kann man sich aber auch auf den Standpunkt stellen, dass Freiheit und Determination miteinander vereinbar sind, und das vertritt heute die Mehrheit der Philosophen. Auch der Philosoph Michael Pauen versucht darzulegen, dass der Kern der Freiheit nicht in einem Gegensatz zum Bestimmtsein, sondern in einer besonderen Art des Bestimmtseins liegt, denn unbedingte Willensfreiheit wäre keine Freiheit mehr, sondern Zufall oder Willkür.
Was ist Freiheit?
Vorweg sei gesagt: Wer sachlich in die verzweigte Problematik "Freiheit" eingeführt werden möchte und eine tief greifende Gelegenheit zur philosophischen Orientierung sucht, sollte das Buch unbedingt lesen. Wer aber leicht Verständliches oder Populärwissenschaftliches zum Thema "Freiheit" erwartet, lieber nicht.
Gut jedenfalls ist, dass Pauen den Begriff der Freiheit zunächst a priori definiert, und zwar unabhängig von den Erkenntnissen der Neurobiologie. Im Abschnitt "eine Minimalkonzeption" heißt es: Wir müssen freie Handlungen grundsätzlich von zwei Typen von Geschehnissen abgrenzen, die wir in keinem Fall als frei bezeichnen würden: von erzwungenen Handlungen und von zufälligen Ereignissen.
Personale Präferenzen
Diese magere wie sehr triviale Form der Selbstbestimmung, die der Autor auf diese Weise festlegt, soll dadurch an Profil gewinnen, dass man sich, wie er vorschlägt, die spezifischen "personalen Präferenzen" eines Menschen ansieht. Diese Präferenzen charakterisieren nämlich den Handelnden. Merkwürdig, dass der Autor in diesem Zusammenhang kaum auf Psyche und Sozialisation, auf Genetik oder Evolution zu sprechen kommt und den Begriff "Ich" und seine Facetten möglichst ausspart. Stattdessen ist da die Rede vom "Selbst".

Freiheit heißt, dass eine Person genau dann frei entscheidet und handelt, wenn sie so, aber auch anders hätte handeln können. Dabei soll ausgeschlossen sein, dass Handlungen von externen Determinanten einschließlich psychischer und physischer Abhängigkeiten bestimmt waren. Ebenso wird ausgeschlossen, dass Handlungen zufällig zustande kommen. Denn sowohl Zufälle, als auch extern (nicht durch die Person selbst) determinierte Ereignisse entziehen sich dem Einfluss der Person und erfüllen somit nicht das Kriterium der Selbstbestimmtheit von Entscheidungen und Handlungen.
Alles eine Frage der Selbstbestimmung
Möglicherweise spielen bei der Entwicklung meiner personalen Präferenzen, also meiner Entscheidungen, die Wünsche und Überzeugungen anderer Personen eine (kausale) Rolle und möglicherweise kann ich meine eigenen personalen Präferenzen, also die mich kennzeichnenden Persönlichkeitsmerkmale, gar nicht frei auswählen? Hätte ich eine andere Sozialisation gehabt, als es tatsächlich der Fall war, so hätte ich womöglich ganz andere Präferenzen entwickelt. Wie kann ich dann aber freie Entscheidungen treffen? Bei Rot über die Ampel gehen oder stehen bleiben?
Katrin Mackowski: "Das von Pauen vorgeschlagene "Minimalkonzept" der Freiheit lässt noch manche Fragen offen. Eins wird zweifelsfrei in diesem Buch klar: Wir sind in dem Maße frei, wie wir selbstbestimmt entscheiden. Aber ist das nun wirklich eine neue Erkenntnis?"

G) Ein kurzes Innehalten

Beim labyrinthischen Lernen folgen Sie ganz konkret einer (nicht linearen sondern pendelnden) Spur, Sie spüren während des Wandelns durch das Labyrinth ihren Gefühlen, Erinnerung, Gedanken, ihrem Körper nach und Sie hinterlassen eine ganz konkrete Spur. Während des Gehens lernen Sie. Nach einer Labyrinthbegehung wissen Sie mehr als zuvor.

Ich möchte Sie hiermit einladen, eine Labyrintherfahrung zu machen und selbst wahrzunehmen und zu reflektieren, was labyrinthisches Lernen für Sie ist/sein kann, wie es stattfindet und was es bewirkt.
Die Zeit ist reif …………


 

Der Einsatz des Labyrinths im sprachheilpädagogischen Unterricht
Workshop am 19. Sprachheilpädagogischer Kongress, Beitrag in ÖGS 2011

Labyrinth-Arbeit mit ihren präventiven, interaktiven als auch balacierenden Aspekten
18. Heilpädagogischer Kongress 2010

2010
In Sulden, Südtirol vom I.P.P. GmbH - der Evopäd®Trainingsparcours

Labyrinthworkshop mit Blinden
2009 in Wien
Materialsponsor Kerbel

16. Sept. 2009
Wir legen und begehen ein Labyrinth
ASO Franklinstraße 27, (SPZ 1)

24. - 26. Oktober 2008
Therapeutische Potentiale labyrinthischer Wegerfahrung
gamed Wien

23. Mai 2008
Praktische und theoretische Einführung, die labyrinthische Struktur präventiv und interaktiv einzusetzen
Heilpädagogischer Kongress, Wien

22. - 24. Feb. 2008
Therapeutische Potentiale labyrinthischer Wegerfahrung
gamed Wien

11. - 13. Oktober 2007
Konflikt Prävention - Bewältigungspotentiale erkennen und nützen
Pädagogisches Institut Wien

5. - 7. Oktober 2007
Therapeutische Potentiale labyrinthischer Wegerfahrung
gamed Wien

22. - 24. März 2007
Konflikt Prävention - Bewältigungspotentiale erkennen und nützen
Pädagogisches Institut Wien

16. - 18. März 2007
Therapeutische Potentiale labyrinthischer Wegerfahrung
gamed Wien

5. Dezember 2006
Die Bewegung als Ursprung von FarbenKlang - das Labyrinth
Pädagogisches Institut Wien

17. Juni 2004
Das Labyirnth im Kindergarten
Wien

30. März 2004
Das Labyrinth im christlichen Kontext
Graz - Religionspädagogisches Institut

21. März 2004
bewußt Sein entfalten im Labyrinth
Vortrag WAP (Wildunger Arbeitskreis für Psychotherapie)

3. Dezember 2003
Das Labyrinth
Pädagogisches Institut Wien

27. November 2003
Das Labyrinth
Pädagogisches Institut Wien

8. Juli 2003
Das Labyrinth - Über den sinnvollen Einsatz im Unterricht (VS, ASO Unterstufe)
Pädagogisches Institut, Innsbruck

28. April 2003
Das Labyrinth - eine Möglichkeit zur Entwicklung sozialer Kompetenz
Pädagogisches Institut Wien

18. und 19. November 2002
Das Labyrinth ist kein Irrgarten - über Einsatz und Wirkungsweise des Labyrinthes in der Jugendarbeit
Institut für Freizeitpädagogik - wienXtra

21.Oktober 2002
Das Labyrinth - eine Möglichkeit für die Entwicklung sozialer Kompetenz
Pädag. Institut, Wien

11.Oktober 2002
Das Labyrinth - Über den sinnvollen Einsatz im Unterricht (VS, ASO Unterstufe)
Pädagogisches Institut, Innsbruck

9.Oktober 2002
Labyrinth-Erfahrung, eine Möglichkeit der Gewaltprävention - Über den Einsatz des Labyrinths in der Schule
Pädagogische Akademie, Linz

6. Das Labyrinth der Weg meines Lebens
Schulentlasstage für 14-16jährige
Eine Arbeit im Rahmen des Akademielehrganges Spiritualität und Kultur des Feierns
an der Religionspädagogischen Akademie Graz 2002

5. Workshop Weltpsychotherapiekongreß Wien 2002

4. ) Workshop VS-Graz 2002

3.) Workshop KBT-Tagung, 2001 Salzburg

2.) Uni Wien mit StudentInnen der Erziehungswissenschaft, Oktober 2001

1.) Beobachtungen der Lehrerin
während eines zweistündigen Labyrinth- Projeks
mit 4 Kindern einer 2. VS-Integrationsklasse, Juni 2000



Beobachtungen der Lehrerin während eines zweistündigen Labyrinth- Projekt
mit 4 Kindern einer 2. VS-I-Klasse, Juni 2000

Thema
Wege: sichtbare/unsichtbare - geradlinige/gewundene
Von Dingen (Kugel u.a.m. / eigene/ die der anderen Kinder durch den Raum/ mit dem Stift auf dem Blatt/ die Kugel im Holzkugellabyrinth/ durch das Labyrinth im Turnsaal


Kind - M: (ASO Lehrplan, allgem. Lernschwäche)
arbeitet so konzentriert mit, wie es bisher kaum vorkam. Es macht ihm sichtbar Freude mit dem Labyrinth zu arbeiten. Er ist die ganze Zeit über mit Interesse dabei. Er macht einen besonders ruhigen und ausgeglichenen Eindruck.

Kind - P:(ASO Lehrplan, Hyperaktivität, allgem. Lernschwäche, Dyskalkulie)
der normalerweise kaum eine kurze Weile zu Ruhe kommen kann, läßt sich vertrauensvoll an der Hand nehmen und geht mit geschlossenen Augen das Labyrinth ab. Er ist immer bei der Sache und läßt sich durch nichts anderes ablenken, was außergewöhnlich ist.

Kind - L:(Down Syndrom)
die meist schwer motivierbar ist, mitzumachen, nimmt alle Angebote mit Begeisterung an. Genau wie noch nie und ausdauernd zeichnet sie. Untypisch für sie, akzeptiert sie Grenzen: ohne diese zu überschreiten, zieht sie mit dem Stift ihre Linie durch die komplizierte Struktur des Labyrinths und überschreitet zum ersten mal in ihrer keine grenze.

Kind - L: (SS-Lehrplan))
der am liebsten Dinge wirft bzw. werfen läßt, zeigt außergewöhnliche Freude, das Holz-Labyrinth zu halten und dem Klang der rollenden Kugel zu lauschen sowie ihren Weg mit den Augen zu verfolgen. Er verwendet kein einziges mal seine sonst üblichen stereotypen Wortäußerungen.

 

Projektwoche: LABYRINTH
4. VS-Klasse, 28 SchülerInnen
Jägergrund, Graz - Februar 2002
Leitung und Konzeption: Frau Mag. W. Riedl
Modul: Ilse Seifried
How to work with labyrinths in school

Protokoll: Tagesprojekt
4-stündige Umsetzung durch Ilse M. Seifried

Tagesthema: Von der Labyrintherfahrung zum Mythos Labyrinth
Labyrinth und Balance
Herkunft, Verbreitung, Symbolik: Die Sage von Minotaurus
Kulturen und ihre Labyrinthe
Rituale - Tänze - Feiern

Grobkonzept
Labyrinth und Balance
In der Klasse: Begrüßung und Einleitung
Im Turnsaal: Der Schneckentanz (Kousseftos), Gemeinsames Legen von zwei Labyrinthen (Ur-Typ), Individuelles Begehen und Erfahrungen Sammeln
In der Klasse: Skizze zum Erlebten , Austausch der Bilder und Erfahrungen
Der Mythos: Ariadne und Theseus, Erzählen des Mythos - seine Einbettung in die Geschichte und seine gegenwärtige Rezeption Skizze mit jener Szene, zu der die SchülerInnen die größte Affinität haben
Austausch der Bilder und Erfahrungen
Die Veränderung der Urform des Labyrinths und die gegenwärtige häufigsten Formen, Arbeitsblätter mit verschiedenen Labyrinth-Typen, Erarbeitung von Unterschieden/Gemeinsamkeiten
Die Struktur eines Irrgartens , Begehen der Formen mit einem Stift
Rituale - Tänze - Feiern
Im Turnsaal : Mit Musik als Gruppe ins Labyrinth und wieder hinaus


Konkrete Umsetzung
1. Einheit: Labyrinth und Balance
In der Klasse:
Begrüßung und Einleitung
Heute ist der dritte Projekttag - nun habt ihr euch alle bereits zwei Tage mit dem Labyrinth beschäftigt und einiges Neues erfahren. Ich, meine Name ist Ilse M Seifried, beschäftige mich seit 4 Jahren damit und lerne immer noch dazu. Auch gibt es noch viele Fragen, auf die bisher keine eindeutige Antwort gefunden wurden. So freue ich mich über diese Zusammenarbeit, die eine interessante und spannende sein wird. Ehe ich meine Angebote mache, würde mich interessieren, was für jede/n bisher das Labyrinth bedeutet .. das kann ein Erlebnis/ein Gefühl/ein Gedanke u.a.m. sein.

Bella, Manuel D., Max, Nathalie, Bianca, Julia S.: Das Labyrinth bedeutet für mich Zeit.
Julia L.: Im Labyrinth muss ich mich auf den Weg konzentrieren und kann nicht auf die anderen schauen.
Kerstin: Das Labyrinth bedeute für mich "Zeit für sich selbst haben".
Lukas, Viki: Das Labyrinth ist für mich beruhigend.
Florian, Michaela: Das Labyrinth ist für mich befreiend.
Flo: Im Labyrinth kann ich mich entspannen.
Philipp, Carina: Das Labyrinth ist für mich lustig.
Michael: Das Labyrinth ist für mich spannend.
Markus: Das Labyrinth ist etwas trauriges für mich.
Julian: Irgendwie ist das lustig, wenn man hineingeht.
Manuel A.: Das Labyrinth ist für mich entspannend.
Nora: Im Labyrinth kann man seine Gedanken sammeln.
Susi: Das Labyrinth bedeutet für mich Ruhe.
Andrea, Christiane: Im Labyrinth kann man in sich gehen
Michelle: Im Labyrinth fühl ich mich wohl.
Julia F.: Das Labyrinth ist für mich wie ein Lebensweg
Ilse M Seifried: Für mich bedeutet das Labyrinth die Verbindung von Gegensätzen wie z.B. links-rechts, hinein-hinaus,...

Wir haben gemeinsam 4 Stunden Zeit um uns mit dem Labyrinth zu beschäftigen. Wollte ihr das, was ich vorhabe, jetzt wissen oder euch lieber überraschen lassen? Abzählen der Stimmen
Da aber in einer Gemeinschaft niemand übergangen werden soll mit seinen/ihren Bedürfnissen, schlage ich vor, dass diejenigen, die es nicht wissen wollen, die Augen schließen - die anderen schauen, was über den Overheadprojektor kurz zu sehen ist.
1.Einheit
Im Turnsaal:
Der Schneckentanz
Gemeinsames Legen von zwei Labyrinthen mit Schnüren und Begehen
In der Klasse:
Skizze zum Erlebten
Austausch der Bilder und Erfahrungen
2.Einheit
Ich erzähle euch den Mythos von Ariadne und Theseus
und ihr zeichnet ein Bild dazu
3.Einheit
Ich stelle euch verschiedene Labyrinth-Typen vor
und schauen uns die Unterschieden/Gemeinsamkeiten an und finden heraus, was ein Irrgarten ist
Zeichnung eines Irrgartens und oder eines Labyrinthform
4.Einheit
Mit Musik als Gruppe ins Labyrinth und wieder hinaus

Im Turnsaal:
Zuerst ein bißchen Bewegung, ich lade euch ein, mit mir einen Schneckentanz zu tanzen - ihr werdet gleich sehen, warum er so heißt...zuerst bilden wir gemeinsam eine Schlange, halten uns dabei an den Händen und nun geht es linker Fuß, rechter Fuß
Der Schneckentanz (Kousseftos) laufend durch den Raum, spiralig hinein und spiralig hinaus ...

Gemeinsames Legen von ein Labyrinth (den Ur-Typ)
Es gibt viele Arten, wie die Labyrinth-Struktur gelegt werden kann, ich zeige euch nun eine, die einfach ist und wo alle mitmachen können.

Wir brauchen wir 12 rote Bänder, 4 Tennisbälle und viele Springschnüre.
Den Anfang machen 2 rote Bänder. Diese zwei Bänder sehen gleich aus. Und wie ich schon sagte, bedeutet für mich das Labyrinth die Verbindung von Gegensätzen, also lege ich nun ein Band waagrecht und ein Band senkrecht auf den Boden - sie bilden so miteinander einen rechten Winkel und berühren einander nur in einem Punkt und bilden etwas Neues: einen rechten Winkel. Damit haben wir ein Dreieck gelegt, dessen eine Seite offen ist. Das Dreieck mit dem Spitz nach oben symbolisiert das Männliche. Das Dreieck nach unten symbolisiert das Weibliche. Und hier beim Labyrinth geht es um die Verbindung von Gegenpolen - der Gegenpol ist in diesem Fall eine Spiegelung des ersten Dreiecks - darum legen wir zwei weitere rote Bänder so, dass sich die Eckpunkte beider offenen Dreiecke berühren. So sind nun 4 Felder entstanden, eine Verdoppelung - in jedes Feld werden mit 2 Bändern ein offenes Dreieck gelegt -nun aber nehmen wir die vier Tennisbälle und legen in jedes Feld einen mit ca. einer großen Schrittlänge Abstand.
Nun wird das Ende des ersten offenen Dreiecks mit einer Schnur mit dem Ende des linken innerhalb liegenden offenen Dreiecks verbunden.
Jetzt das Ende des inneren rechten offenen Dreiecks mit dem Ball im linken Feld - also auch hier: linkes und rechtes Feld werden verbunden.
Nun wird der Ball im rechten Feld mit den Ende des roten Bandes im linken Feld verbunden. Wenn ihr jetzt hinseht, ist eine Asymmetrie zu merken. Weiter geht es nach dieser Methode: die Bandenden bzw. die Bälle der rechten Felder werden der Reihe nach mit den Bändern und Bällen der linken Seite durch Schnüre verbunden, bis das Labyrinth fertig ist.
Die SchülerInnen arbeiten sehr motiviert am ersten eigenen Labyrinth..
Wenn wir nun schauen, sehen wir eine geschlossene Figur mit nur einem Eingang.
Bewegungsangebot
Mit Abstand von den Labyrinthen bewegt euch nun im Raum - langsam oder schnell, so wie ihr wollt - und nun geht von der linken Seite des Raumes zur rechten Seite - direkt und ohne Umwege; Hin und her und spürt, wie sich das anfühlt, erst laufend, dann schnell gehend, dann langsamer gehend und langsam gehend.
Jetzt findet heraus, wie es sich anfühlt, einen Labyrinthweg zu gehen, der Kurven und Wendungen hat.
Da ihr eine große Gruppe seid, schlage ich vor, dass ihr euch in zwei Gruppen teilt. Gruppe 1 geht zuerst ins Labyrinth während Gruppe 2 zuschaut und beobachtet. Wenn alle Kinder das Labyrinth verlassen haben geht Gruppe 2 und Gruppe 1 sieht zu und beobachtet.
Lasst Abstand und lasst euch Zeit. Jede/r geht für sich und spürt, wie dieser Weg ist. Bringt mich der Weg aus meinem Gleichgewicht oder bringt er mich ins Gleichgewicht? Beruhigt er mich oder macht er mich nervös? Findet das oder auch anderes heraus ohne dabei mit anderen zu reden, das tun wir später in der Klasse. Ja, und wie spürt es sich an, um die Kurve zu gehen/ Im Mittelpunkt zu sein/ wieder rauszugehen?
Die BeobachterInnen schauen sich besonders ein oder zwei MitschülerInnen an, wie gehen diese? Zögernd, fröhlich,..? Und wie ist der Unterschied, zuzuschauen oder selbst im Labyrinth zu gehen?

Wir lassen die Labyrinthe für die nächste Klasse hier liegen und gehen nun wieder in die Klasse.
Macht nun eine Skizze, eine schnelle aber aussagekräftige Zeichnung zum Erlebten und schreibt einen Satz dazu.
Wer das Bild allen zeigen will und den Satz dazusagen, kann das jetzt machen - eines nach dem anderen und einfach nur schauen, was die anderen erlebt haben.

Ariadne (m)
Drehsachen (m)
Freudenweg (?)
Sonne, Insel, Meer (m)
Ball (m)
Spaß (m)
Entspannung (2 b, m)
Kreuz (3m)
Von meinem Bruder ist der Hamster gestorben (m)
Trauer (b)
Regensachen (m)
Regenbogen, Regenwurm, Regen (m)
Gedanken (m)
Befreiung (m)
Befriedigung (m)
Lustig (b)
Hallo (b, m)
Labyrinth (3 b, m
Keine Antwort (2 m, 2 b)
m= Mädchen, b=Bub


2. Einheit: Der Mythos Ariadne und Theseus

Ein Mythos ist eine Sage oder eine Dichtung von GöttInnen, HeldInnen und Geistern aus der Urzeit eines Volkes. Manches davon kann nachgewiesen werden, das meiste allerdings nicht.
Ich erzähle euch den Mythos von Ariadne und Theseus, der auf der Insel Kreta handelt. Heute gehört Kreta zu Griechenland, aber es gab eine Zeit, da wohnte die Urbevölkerung auf dieser Insel, die teilweise aus Ägypten kam und ihre eigene Kultur hatte. Das ist einige tausend Jahre her.
Zuerst wurde der Mythos mündlich weitererzählt, später dann aufgeschrieben. Und wie ihr das vom Spiel "Stillen Post" kennt, verändern sich dabei die Inhalte. So gibt es heute viele Varianten.
Ich erzähle auch die, die mir am besten gefällt. Und wenn ihr Lust habt, könnt ihr, während ich erzähle ein Bild von einer Szene dieses Mythos zeichnen oder aber auch erst am Ende der Erzählung.
Ich beginne mit einer Vorgeschichte von Ariadne und Theseus, damit ihr diese dann besser versteht. Damals also, vor langer langer Zeit, wurde von den kretischen InselbewohnerInnen eine Göttin, nämlich die Mondgöttin verehrt, die die Natur wachsen und reifen (Sommer) aber auch sterben (Winter) ließ. Sie hatte die Macht über Leben und Tod. Ihr zu Ehren gab es jedes Jahr ein Fest, damit die Natur wieder erweckt wird und neu erblüht, die Auferstehung der Natur sozusagen. Die Priesterin, die auch Königin war, symbolisierte die Göttin und diese wählte sich einen Priester, mit dem sie die Heilige Hochzeit feierte. Beide waren also StellvertreterInnen: sie für die Kuhgöttin, er für den stiergestaltigen Gott.
Alle Kühe kommen aus Indien, denn dort waren sie heimisch, ehe sie sich über die ganze Welt verbreiteten. Gezähmt wurde das Rind wahrscheinlich 6000 v.u.Z. und weil die Kuh ein Tier ist, dem die Menschen viel zu verdanken haben, gab es in vielen Ländern einen Kuhkult. Bei uns in Nordeuropa gibt es zum Beispiel einen Mythos, der erzählt, dass die Kuh Audhumbla das erste Wesen der Welt war. Sie leckte einen Mann aus dem Eis und dieser wurde der Großvater der Götterfamilie der Asen. Bis heute spielt die Kuh eine wichtige Rolle, in Indien gilt sie immer noch als heilig und darf nicht geschlachtet werden, in Spanien gibt es die Stierkämpfe, im Stall bei Jesus steht ein Stier u.a.m.

Nun, auf Kreta also feierte die kuhgesichtige Göttin bzw. deren Priesterin mit dem stierköpfigen Priester die Heilige Hochzeit (Hieros Gamos). Für eine Jahr durfte der erwählte Mann König sein. Im nächsten wählte die Königin sich einen anderen.
Aber die Zeit veränderte sich und damit auch die Bräuche und das Leben. König und Königin regierten die Stadt bzw. das Land gemeinsam. Ich erzähle nun aus der Zeit, da König Minos und Königin Pasiphae herrschten. Damals gab es nicht nur Göttinnen sondern auch schon Götter. Die Heilige Hochzeit feierte die Königin, die nun die Göttin symbolisierte mit einem Mann ihrer Wahl.

Unter Königin Parsiphae und Minos, die mehrere Kinder hatten, wurde reger Handel per Schiff betrieben und so hatten die KreterInnen auch Kontakt mit Athen. Die Bevölkerung dort hatte aber eine ganz andere Kultur und die kretische Kultur schien ihnen sehr fremd. Als Prinz Androgeos bei seinem Besuch in Athen bei einem Stierkampf stirbt, ist klar, dass das gesühnt werden muß.
Es kommt zwischen König Minos und König Aigeus zur Vereinbarung, dass Athen sich verpflichtet, alle neun Jahre sieben junge Mädchen und sieben junge Burschen nach Kreta zu schicken.
Die Wahl wird immer mit Los entschieden, wer von den Jugendlichen wegfahren muß. Die Betroffenen und die Eltern sind natürlich nicht erfreut darüber. Und so kommen Gruselgeschichten in Athen in Umlauf, es wird erzählt, dass es ein Ungeheur, halb Stier halb Mensch, auf Kreta gibt, das Minotaurus heißt und die Athener Mädchen und Burschen auffrießt.

Theseus ist ein Sohn des Athener Königs Aigeus, der jedoch bei Pflegeeltern aufwächst und seine Eltern nicht kennt. Als er erwachsen ist, will er seinen Vater kennen lernen und er will ihm imponieren. So kommt es, dass er sich freiwillig meldet, nach Kreta geschickt zu werden. Er will ein Held sein, er will König Minos besiegen indem er Minotaurus, das Ungeheuer besiegt. Dieses soll in einem Labyrinth gefangen gehalten sein. Als Held will Theseus nach Athen zurückkehren.
In Wirklichkeit weiß er aber gar nichts. Er ist mutig und so fährt er mit den anderen Jugendlichen nach Kreta.
Dort hat in der Zwischenzeit König Minos ein Problem. Er hat Gott Poseidon um Hilfe gebeten. Dieser verspricht zu helfen, aber er will dafür den schönsten weißen Stier als Opfertier. König Minos will dieses Tier aber nicht töten sondern für sich behalten. Glaubt er vielleicht doch nicht an die neuen griechischen Götter, die er von Athen kennt?
Als Theseus landet, verliebt sich Ariadne, die Prinzessin in ihn- oder auch nicht. Vielleicht ist Ariadne eine weitsichtige Politikerin und sieht die Zeit für Änderungen gekommen und meint, der Tod ihres Bruders sei nun ausreichend gesühnt.
Ariadnes Name heißt übersetzt: Die sehr Heilige. Minotaurus ist Ariadnes Halbbruder, wenn er ist der Sohn, den ihre Mutter nach der Heiligen Hochzeit zur Welt brachte, und wie wir wissen, waren Kuh und Stier ja nur symbolisch aber nicht realistisch. Wenn nun aber Theseus Minotaurs (der Name heißt Übersetzt: Stier des König Minos) töten will, dann tötet er auch ihren Halbbruder. Es könnte aber auch sein, dass mit Minotaurus der wunderschöne weiße Stier des Königs gemeint war, lebendiges Machtsymbol des Königs.
Ariadne entscheidet sich so, dass sie Theseus einen roten Faden gibt, der ihn zu Minotaurs führt. Wer gewinnen wird, Monotaurus oder Theseus, ist offen. Damit ist auch gemeint, welche Religion gewinnen wird, die der KreterInnen, deren mächtigster Gott eine Göttin ist und Frauen gleiche Rechte wie Männer hatten oder die der Athener, die viele männliche Götter verehren und den Frauen keine Eigenständigkeit zugestehen. Also ein wirklich spannender Kampf.
Dieser soll sich in einem Labyrinth zugetragen haben, es könnte aber auch ein Irrgarten gewesen sein, in jedem Fall war es ein besonderer Platz. Der Kampf findet statt und Theseus gewinnt, er tötet Minotaurus. Geheim und in der Nacht segeln Theseus, Ariadne, nachdem sie alle kretischen Schiffe zerstört hatten, weg. Auf ihrer Flucht sollte sie niemand einholen können.
Warum Ariadne auf der Zwischenstation nach Athen auf Naxos zurückblieb, ist, wie gesagt, nicht sicher. Sicher ist jedoch, dass Theseus sehr ehrgeizig war und König von Athen werden wollte. Ob er nun wieder absichtlich oder unabsichtlich vergaß, er hißte jedenfalls nicht das weiße Segel, wie ausgemacht war, wenn er siegreich von Kreta zurückkehrt, sondern ließ das schwarze Segel am Mast. Als dies sein Vater sah, stürzte sich dieser vor Gram ins Meer.
In einer Variante läßt Theseus absichtlich Ariadne auf der Insel Naxos zurück, in der anderen vergisst er sie, in einer weiteren heiratet Ariadne dann den Gott Dionysos und wird Anführerin der dionysischen Frauen. Als Ariadne stirbt, setzt Dionysos ihre Krone an den Himmel. Heute wird das Sternbild, das aus sieben kleinen Sternen besteht, Corona Borealis genannt, das im Sommer gut am Himmel zu sehen ist. (Bei den IndiarnerInnen Nordamerikas wird dieses Sternbild Spinne genannt. Und wie wir alle wissen: Spinnen spinnen ihre Fäden und Netze) Eine andere besagt (Plutarch), dass Ariadne Königin von Kreta war und Frieden mit Theseus schloß und die Geisel freiwillig zurückreisen ließ. Und wieder eine andere erzählt, dass Ariadnes Schwester Phaedra mit Theseus nach Athen weiterzog, ihn heiratet und Hippolytos zur Welt bringt.

Ein Labyrinth wurde bis heute nicht auf Kreta gefunden und daher wird vermutet, dass es nie ein solches Gebäude gab. Und der Faden der Ariadne? Vielleicht ist damit der Schicksalfaden gemeint, an dem alles hängt? Damals war das wertvollste Gastgeschenk und ein Ausdruck von Macht ein Gewebe, er kann auch für Wissen stehen, aber vielleicht bedeutet der rote Ariadnefaden etwas ganz anderes?
- Und welche Bedeutung hat dieser Mythos für uns heute?
- Was meint ihr?
- Welche Szenen habt ihr gezeichnet - lasst sehen und erklärt!
Während der Mythos von Ariadne und Theseus erzählt wird, können SchülerInnen dazu Zeichnungen anfertigen oder einfach nur zuhören. Dabei zeigt es sich, dass es aber einigen SchülerInnen nicht leicht fällt, zu zeichnen und gleichzeitig zuzuhören. Vor allem wenn sich Hindernisse durch fehlende Farbstifte, Spitzer, Radiergummis ergeben oder, wenn durch den Blick auf die Nachbarzeichnung vom Erzählten abgelenkt wird. Anschließend äußerten sich die Kinder zur gehörten Sage folgendermaßen:
Markus: Vielleicht ist der Minotaurus nur ein Mensch mit Maske....
Julian:...oder ein echter Stier.
Bella: Vielleicht ist gar nichts drinnen - vielleicht haben sich die Menschen nur im Labyrinth verirrt und sind verhungert.

Die Schülerinnen zeichneten im überwiegenden Maße den Minotaurus oder das Labyrinth. Einige Buben zeichneten auch die Flotte, mit und ohne schwarzem Segel. Susi entschied sich als einziges Mädchen für eine Zeichnung, auf der Ariadne zu sehen ist.


3. Einheit: Die Veränderung der Urform des Labyrinths und die gegenwärtige häufigsten Formen

Ausgehend vom fünf-gängigen über das sieben-gängige Labyrinth - siehe Overheadfolie Täfelchen von Pylos (Griechenland) und die Keramik von Tell Rifa'at (Syrien) beide ca. 1200 v.u.Z. - werden wir uns nun Beispiele von Labyrinth-Typen, die im Laufe der letzten 2000 Jahr entstanden sind, in Form von Arbeitsblättern anschauen.
Bei der Vorstellung verschiedener historischer Labyrinthe entdeckte Lukas, dass das Urlabyrinth zugleich auch das Labyrinth ist, das sie im Turnsaal gelegt hatten.


Zuerst aber betrachten wir das siebengängige genau: es kann gegen oder im Uhrzeigersinn beginnen.
Werden die Gängen von außen bis zum Zentrum von 1 bis 8 numeriert, sie fällt auf, daß die Wege mit der ungeraden Zahl mit dem Uhrzeiger laufen, die Wege mit geraden Zahlen gegen den Uhrzeiger. Der Weg 4 liegt zwischen denWegen 1,2,3 und 5,6,7.....addiert ergibt sich 1+7=8, 2+6=8, 3+5=8. Die 8 gilt als Zahl für die ewige Wiederkehr.


Wir suchen wie DetektivInnen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Typen.
1. Römisches Labyrinth (Nordafrika, Italien, 2. Jh. n.u.Z.)
2. Chartres (Frankreich, 13. Jh.)
3. Man in the Maze (Nordamerikanische IndianerInnen, 20.Jh.)
4. Cakra-vyuh (Indien, Abb. Ca. 12. Jh. n.u.Z., schriftl. erwähnt 4. Jh.v.u.Z.)
5. Irrgarten von Altjessnitz (Deutschland, 18. Jh. n.u.Z.)

Dem Irrgarten als einer Sonderform schenken wir besonderer Beachtung.
Ca 300 v.u.Z. wird diese Struktur zum ersten Mal erwähnt. Die älteste bekannte Darstellung eines Irrgartens stammt aus dem Notizbuch des venezianischen Arztes Giovanni Fontana (ca. 1435), im 16. und 17. Jh. Und dann wieder von 1880 - 1950 taucht dieses Motiv häufig auf. Dante, Leonardo da Vinci, Dürer, el Greco u.a.m. verfertigen Irrgärten, Einlinienbilder und verschlungene Flechtwerkzeichnungen. Das Berechenbare bzw. das Unberechenbare beschäftigt die Menschen dabei.

Die SchülerInnen erfassen schnell Gemeinsamkeiten der verschiedenen Labyrinthe:
Markus: Es ist immer ein Weg heraus.
Julian: Ein Labyrinth hat nur einen Weg.

Malt nun den Irrgarten und/oder auch euer Lieblingslabyrinth an und versucht zu sagen, warum euch dieses besonders anzieht!
Den Kindern wird ein Irrgarten präsentiert und schnell entsteht Unruhe. Der Weg kann nicht in Ruhe begangen werden.
Andrea: Im Irrgarten gibt es kein Zentrum.
Flo: ..es gibt mehrere Zentren.
Bella: Ich mag lieber das Labyrinth, weil man da Zeit zum Denken hat.
Michl: Der Irrgarten ist mir lieber, weil man sich verirren kann, das ist lustiger.

Morgen habt ihr ja die Möglichkeit zu surfen, hier sind ein paar links:
Labyrinth-Websites

1 in Österreich

2 in den USA

3 in Deutschland

4 in der Schweiz



4. Einheit: Mit dem sog. Labyrinth-Tanz (Tsakonikos) als Gruppe ins Labyrinth und wieder hinaus

Im Turnsaal
Der Tanzweg, der Weg durch das Labyrinth, wird Ariadne-Faden genannt.

Das Lied wird Tsakonikos genannt und wird mit dem Labyrinth in Verbindung gebracht. Warum das so ist, wissen wir nicht.

Das Wort Labyrinth ist auf alle Fälle kein griechisches Wort sondern ein viel älteres als die griechische Sprache, die Bedeutung ist verloren gegangen. So wie wir heute viele englische Worte verwenden, war es auch damals mit der kretischen Sprache bzw. akkadischen Worten aus dem syrischen Raum.

Die Schrittabfolge: re/li/re/li mit re Zehen den Boden seitlich nur antippen und weiter re/li/re/li mit re Zehen den Boden seitlich nur antippen etc. dabei nehmen wir uns an der Hand (re Handfläche nach oben gerichtet, li Handfläche nach unten gerichtet) und hacken die Arme bis zum Ellbogen unter.
Achtsamkeit ist nun gefragt, um niemanden auf die Fersen zu steigen ...

Den lebhaften Buben gelingt es zuerst nicht ganz die Konzentration aufzubringen. Dann haben aber auch sie den Ehrgeiz, das Labyrinth tanzend zu durchdringen und bemühen sich, sich dem Rhythmus der Gruppe anzupassen, sodass schlussendlich dieses Ende für alle zum Erlebnis wird.


In der Klasse:
Zusammenfassung des heutigen Tages
Feedback: was hat gefallen/was nicht?
Abschluß

Viki: Danke, dass du gekommen bist, wir haben eine Menge dazugelernt.
Bella: Es war sehr lustig, danke, dass du da warst.
Markus: Mir hat am besten die Sage gefallen.
Andrea: Danke, dass du gekommen bist, wir haben viel gelernt und es hat viel Spaß gemacht.
Florian: Danke, dass du da warst. Das Labyrinth bauen und gehen war lustig und interessant war auch die verschiedenen Labyrinthe kennen zu lernen.
Flo: Es war cool, dass du da warst. Das im Turnsaal war besonders lustig.
Michl: Danke, dass du da warst und vielleicht sehen wir uns einmal wieder.
Philipp: Mir hat das Labyrinthbauen am meisten gefallen.
Lukas: Das Labyrinthbauen war lustig und ich würde mich freuen, wenn wir uns wiedersehen.
Susi: Danke, dass du da warst und wir hätten nicht so viel gelernt, wenn du nicht da gewesen wärst.

Reflexion: Die SchülerInnen zeigten sich an diesem Projekt sehr interessiert. Sie waren sehr aktiv beteiligt und fanden sehr rasch Zugang zur Symbolik des Labyrinths. Wichtig war in diesem Zusammenhang vor allem der emotionale, ganzheitliche Zugang zum Thema: Im Vordergrund stand daher die Labyrintherfahrung mit dem ganzen Körper. Gleichzeitig sind die SchülerInnen sehr wissbegierig und verlangen immer auch nach ausführlichen Informationen zum Thema, sodass auch ihr kognitiver Hunger gestillt wird.
Mag. Wilhelmine Riedl

 


anfragen für projektdurchführungen
schülerInnen jeden alters:

 

 

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